Die Frage dürfte sich durchaus objektiv beantworten lassen. Dazu müßte man die jeweiligen Vorgaben der Kultusministerien, die Lehrpläne, die Unterrichtskonzepte etc. der einzelnen Jahre und Bundesländer auswerten und vergleichen und könnte daraus ersehen, inwiefern sich die Anforderungen an Unterricht über die Jahre nach oben (mehr Anspruch), nach unten (weniger Abspruch) und/oder zur Seite (anderer Anspruch) verändert haben. Ein paar illustrative Graphen lassen sich daraus auch destillieren, sofern man noch weiß, wie das geht
😉.
Eine vermutete Veränderung der Schüler (natürlich zum Schlechteren hin, was sonst) dürfte schwieriger objektiv nachweisbar sein. Schulnoten alleine reichen dafür nicht aus, die sind wenig objektiv. Und Schule als solche ist ein dynamisches System - Schüler, Lehrer, Eltern, politische Vorgaben, Verwaltung, Medien spielen dort alle mit ihren jeweils eigenen Dynamiken mit. Wer dort versucht, Ursachen zu finden, warum etwas nicht funktioniert (
oder auch: warum etwas funktioniert - dies zu analysieren ist mindestens genauso wichtig, wird aber oft vernachlässigt), versucht im Grunde, Ordnung in einem Ameisenhaufen zu finden: es geht, aber die Schwierigkeit wird unterschätzt. Und da man Ergebnisse braucht, wird irgendwann irgendwas als "Ursache" herangezogen.
Die meisten hier werden den Vergleich vermutlich auf Grund persönlicher Erfahrung anstellen. Und auch da können Schwierigkeiten auftreten, zB. durch Verzerrungen: wer früher in einer mehr oder weniger normalen Regelschulklasse war und dann aber Nachhilfe bei Hauptschülern gibt, sieht zwangsläufig einen Riesenunterschied - und es muß nicht einmal das sein: allein die Tatsache, beruflich mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, verschafft einem schnell eine wesentlich problemorientiertere, auf Mängel fokussiertere Perspektive, als wie man sie selber als Kind hatte. Ist ja auch klar: diejenigen, die keine Probleme bereiten, nehmen viel weniger Raum innerhalb der eigenen (also der des Lehrers/Betreuers) Aufmerksamkeitsressourcen ein als die Krakeeler, Rumrenner, Mathenichtkönner und so weiter.
Und nicht zuletzt spielt auch die mediale Rezeption von Schule (und Pädagogik) eine Rolle: positive Berichterstattung zB. über Modellschulen ist marginal, zu Wort kommen idR Spezalisten, Betroffene, Basisarbeiter usw., wenn sie über Problemfälle erzählen - denn wo es keine Probleme gibt, gibt es keine "interessanten" Informationen, nichts worüber man diskutieren (und sich aufregen) könnte.
Nach meinem ganz persönlichen Eindruck lernen Schüler heute nicht mehr und nicht weniger als zu meiner Schulzeit (die überwiegend in den 90er Jahren stattfand). Es gibt andere Unterrichtsmaterialien und Ansätze, die AGs sind vielfältiger geworden, die Anforderungen an Lehrer scheinen gestiegen zu sein (nicht unbedingt was den Unterricht als solchen angeht, sondern die "Nebenpädagogik", die schon jemand anderes hier beschrieben hat, und auch der Rechtfertigungsdruck gegenüber anderen Seiten).
Was sich aber vor allem verändert hat - und nicht zum Guten mmn - ist die Problematisierung von allem und jedem, seien es Menschen (Schüler, Lehrer) oder deren "Ergebnisse". Es gibt viel mehr Negativdenken, das auch innerhalb und zwischen den genannten Gruppen (s.o. - Lehrer, Schüler, Eltern, Verwaltung, Politik, Medien) hin- und hergetragen wird. Ich habe den vagen Eindruck, daß der ganze Betrieb etwas von
"Crank" an sich hat: es muß ein bestimmter Adrenalinlevel aufrechtgehalten werden, man muß sich sorgen, aufregen und streiten können und pausenlos Probleme finden...