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eine andere Definition von "Glauben"

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Gast

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Soll man glauben oder nicht glauben?

Eine zugegebener Maßen hier schon bis zur Erschöpfung ausdiskutierte Frage.

Gläubige werden nicht müde von der Unmöglichkeit, alle Dinge der Welt rational zu erklären zu sprechen um in diesem Zusammenhang die unergründliche Liebe Gottes zu verkünden, während Atheisten und Naturalisten im irrationalen Glauben an eine übergeordnete Gewalt ein inoffizielles Machtmittel und eine Quelle der Intoleranz, der Gewalt und des blinden Gehorsams und eine Gefahr für die Vernunft sehen.
Diese Argumente machen jedoch nur dann Sinn, wenn man "Glauben" als Synonym von "Religion" anwendet.

Die Definition von "Glauben" in Wikipedia zeigt jedoch die Widersprüchlichkeit in der Verwendung:
"Unter Glauben versteht man zumeist eine Wahrscheinlichkeitsvermutung. Glauben in diesem Sinne bedeutet, dass ein Sachverhalt hypothetisch für wahr gehalten wird. Darin unterscheidet sich „glauben“ einerseits vom religiösen Glauben, der stets auf dem Willen zum Glauben beruht und die absolute Wahrheit des Glaubensinhalts (z. B. der Existenz Gottes) unterstellt."

Glauben als Mittel des rationalen Verstandes ("hypothetisch", "wahrscheinlich") wird hier klar vom naiven religiösen Glauben ("absolute Wahrheit") abgegrenzt.

Besinnt man sich jedoch auf die Wortherkunft: mhd. gelouben, ahd. gilouben „für lieb halten“, „gutheißen“ und versteht man Glauben als eine "Grundhaltung des Vertrauens" ist Glauben schlicht ein sinnstiftendes Element welches notwendig ist um sich als eine Persönlichkeit verstehen, in der Gesellschaft einzuordnen und sich zu eigenständigem Handeln motivieren zu können. In diesem Sinne kann ich an tausend verschiedene Dinge glauben, an beruflichen Erfolg, an Liebe, an Familie, an die Gesellschaft, an Ästhetik, an eigene Fähigkeiten… Oft wird dieses Element mit dem Wort „Werte“ bezeichnet, wobei Werte eigentlich zu kurz greift und nicht dieses unerlässliche „Vertrauen“ beinhaltet.

Wenn wir diese Bedeutung erst nehmen erhalten wir sogar ein neues Verständnis von sogenannten „psychischen Krankheiten“ wie Depressionen oder Angststörungen. Könnte es nicht sein, dass hier einfach ein paar seelisch notwendigen Glaubensgrundsätze verloren gegangen sind?

Um nun noch einmal auf die Religionen zu sprechen zu kommen, was macht sie aus wenn fast jeder glaubt, wenn also die Unterscheidung zwischen „Gläubigen“ und „Ungläubigen“ hinfällig geworden ist?
Ich denke, dass Religionen so etwas wie absolute, einheitliche, und oft institutionalisierte Manifestationen eines bestimmten Glaubens sind. Wenn man so will haben sie die unbewussten und meist subjektiven Glaubensempfindungen sichtbar gemacht und objektiviert. Dazu passt dann auch die obige Definition, Glaube unterstelle die absolute Wahrheit des Glaubensinhalts. – Religionen bieten also eine spezielle Form des Glaubens

Was haltet ihr von dieser Auffassung?
 
Ach ich kann es auch nicht mehr hören.
Als ob der Glaube im religiösen Sinn irgendwas mit Krieg oder sonst was zu tun hätte. Als ob es auch nur einen Menschen auf der Welt gibt, der nur nach der Vernunft lebt und als ob der Glaube nicht nur ein Vorwand zum Köpfeeinschlagen wäre. Wenn der nicht wäre, würde man halt irgendwas anderes erfinden. Alles nur Humbug. Als ob es für einen lebenden Organismus überhaupt so etwas wie Vernunft geben kann. Sein Zweck ist der Stoffwechsel, bis er vergangen ist. Ende der Geschichte.

Was haltet ihr von dieser Auffassung?

Die Auffassung habe ich auch schon lange. Das ändert aber überhaupt nichts an den Ansichtigen der Gläubigen oder Atheisten etc. Es ist nur Teil der Selbsterkenntnis und mehr nicht.

Jeder Mensch hat überall Glaube im Spiel. Wenn man kein Glaube am Guten im Menschen hat, wird man sich VIELLEICHT nicht mehr raus traun, weil man ständig Angst hat, angegriffen zu werden. Was theoretisch auch immer passieren kann. Man muss also genug vertrauen haben, trotzdem raus zu gehen.
 
Hallo Gast!

Ich würds so formulieren:
Religion ist die Hoffnung, dass der Mensch in einen sinnvollen Zusammenhang eingebettet ist. Es herrscht das System der sich selbst lohnenden Moral. Wer moralisch gut handelt, darf darauf hoffen, dass sich dieses Verhalten im Kontext einer Welt, die von einem vollkommenen Wesen geleitet wird, lohnt. Genauso gibt es für moralisch negatives Verhalten die Befürchtung eines "negativen Lohns". Notwendig gehört zu diesem System die Unsterblichkeit.

Die uns bekannten sichtbaren "Religionen" sehe ich eher kritisch. Denn Religion wie ich sie oben beschrieben habe, ist eigentlich eher etwas Privates. Es geht um eine Gesinnung und Hoffnung. Es geht nicht um eine Gemeinschaft, die bestimmte Riten zelebriert und damit Gott umstimmen will etc. Irgendwie ist dieses ganze Brimborium um den eigentlichen Kern herum mit all den Landeskirchenämtern etc. viel zu viel. Die wahre Kirche ist eigentlich die unsichtbare Kirche, die in vielen moralisch orientierten und hoffenden Menschen wirkt. Ich finde es sehr schwer, diesen Religionskern, den wir im Individuum finden. im Rahmen einer größeren Gemeinschaft zu institutionalisieren. Die mir bekannten "Religionen" sind an diesem Vorhaben doch in vielfältiger Hinsicht gescheitert.
 
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