Beichte
Mehr als jemals zuvor verstricken wir uns in Taten, die einmal ein böses Ende haben können. Ihre Verletzungen sind nur ein paar Schürfwunden und das blaue Auge. Zum Glück. Ich male mir aus, was hätte alles passieren können. Ich fühle mich so schuldig dabei und versuche nachzuvollziehen, was tief in mir drin vor sich geht. Nicht wirklich drängt sich eine Antwort in mein Bewusstsein auf die Frage, ob sie eher ein Rebell oder ein Ruhepol ist. Beides hat seine Berechtigung. Doch eines ist sie ganz sicher. Verrückt. Noch besitze ich keinen blassen Schimmer, was sie als Ausrede für ihre Verletzungen hervor gezaubert hat. Die schlimmste Situation durchlebte ich gestern und sie dauerte 90 Minuten an. Ich erlebte jeden einzelnen 60-Sekunden-Takt eher beunruhigt. Kein einziger Blick galt meiner Aufmerksamkeit und genau dieser Umstand verführt meine Gedanken zum Nachdenken, wenn sie sich so kalt gibt. Der Grund dafür ist noch sehr neblig umhüllt und ich stelle Vermutungen an. Vollzieht sich eine Wende oder ist diese nur gefühlt? Noch plädiere ich auf ihre Vorsicht und ich halte ihn in meinen Händen, den ersten Brief nach diesem Abend. Ich sitze einfach nur auf meiner Couch und die Angst, ihn zu öffnen, überkommt meine Wirklichkeit. Wie werde ich ihr danach in die Augen sehen können? Gewissheit gestaltet sich nicht immer einfacher. Meine Neugier meldet sich zu Wort.
„An Frau Zaubermaus,
du verlangtest danach und ich habe Verlangen, Verlangen nach dir. Deine bloße Anwesenheit verzaubert, zieht mich in den Bann und wird mich niemals wieder loslassen. Du könntest meinem Herzen eine Antwort zuflüstern. Diesen wahnsinnig großen Gefallen, egal wie er ausfällt, ersehne ich schon seit wir uns das erste Mal geküsst haben. Nach meinem Empfinden waren wir sehr vorsichtig. Ich forderte. Du zögertest. Ich fühlte dich so nah und sanft bei mir. Dein Widerstand war auf ein Minimum reduziert aber vorhanden. Nein, ich nutzte diese Gelegenheit nicht aus. Danach hielt ich dich in meinem Arm, weil du wahrscheinlich nicht wusstest, wohin du entfliehen solltest. Meine Hände an deinen Hüften wollten einen langsamen Tanz, Bewegung eng umschlungen. War es ein Gefallen oder das Existente? Ich zweifle, aber ich bin geduldig. Es macht mich verletzbar diese Offenheit und ich frage mich, ob es richtig ist. Soll ich dir wirklich alles schreiben? Kannst du damit umgehen, dass ich dich freilich auch begehre? Was würdest du mir raten, wenn mein leidenschaftliches Verlangen nach einer Frau immer größer wird und diese Frau so unerreichbar nahe ist? Ich träume von dir, bin aber wach. Mein Verhalten spiegelt sich in deinen Augen. Sie sprechen mit mir und sagen mehr, als du vielleicht verantworten kannst. Du fragtest mich, wie lange schon. So recht beantworten, kann ich dir es nicht. Eine halbe Ewigkeit fühle ich. Du warst die Erste, bei der sich meine Empfindungen so überschlugen. Deine unbekümmerte Nähe erreichte etwas ganz Anderes in mir. Ich wollte es nicht, doch es ist einfach so geschehen. Machtlos kämpfte ich eine Zeit lang dagegen an. Gesiegt hat das Andere, Wahre. Nachdem meine Gefühle eine gewisse Akzeptanz für das Anderssein aufgebracht hatten, konnte ich dich hemmungslos begehren. Es war schon viel zu spät, als ich dir meine wahre Identität eröffnet habe. Eine Lösung meines Problems war es auch nicht, denn diese wird es nicht geben. Ich war schon so oft bei dir. So richtig bei, in und auf dir und diese Vorstellung lässt mich nicht mehr los. Meine Ängste zeichnen sich auch langsam ab. Unüberlegt zu handeln. Ich verzehre mich nach dir. Vertilg’ meine Petition. Iss’ mich auf oder lass mich gehen. Weißt du, wie anstrengend es ist, nachts nicht schlafen zu können? Du bist schuld, denn ich verliere mich mit jedem einzelnen Herzschlag ein Stück mehr an dich. Nachts allein. Auf einmal schlägt es schneller. Die verruchten Gedanken erstellen die Fotomontage einer Liebesnacht, so deutlich und echt, dass es niemals wahr sein kann. Aber es ist das Einzige, was mir bleibt. Ich fordere nicht, ich habe nur ein inniges Verlangen, was auch du schon lange spürst, und werde daran wahrscheinlich zu Grunde gehen. Lässt du dich gerne mit einer Massage verwöhnen? Ja? Wie wäre deine Reaktion gewesen, wenn ich mich meines Oberteils ebenfalls entledigt hätte? Bekomme ich eine Massage von dir? Ich schildere dir auch jedes Bild, was mein Kopfkino dabei erzeugt. Würdest du es aushalten? Ich empfinde eine lustvolle Wärme bei dem Gedanken, mich mit dir einer Ganzkörpermassage hinzugeben. Was ist schon real? Aber Sinnlichkeit verspreche ich dir. Denkst du, ich will dich dabei? Begreife das Sinnliche, die kleine Flamme, die erst Feuer wird. Du willst es nicht, jedoch durften sich meine Hände auf deiner Haut verirren. Weißt du jetzt, was mit mir passiert ist und in solchen Momenten immer wieder passiert?
Im Heißhunger verloren,
dein kleines Geheimnis“
Ich bin am Ende. Was um alles in der Welt soll ich ihr nach diesem Brief schreiben?
Schlaft schön,
*.*Gast*.*