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Mein Borderlinepartner sehnt sich nach seiner Exfreundin

Sorgenfrei

Neues Mitglied
Hallo zusammen,

ich wäre euch sehr dankbar für Tipps wie ich mich verhalten soll.



Zu meiner Situation:
Ich bin seit einem halben Jahr mit meinem Freund zusammen, der Borderline hat. Wir kennen uns durch die Arbeit und schon beim ersten Kennenlernen als ich neu in die Firma kam, verspürten wir eine starke Sympathie zueinander, aber sowohl ich als auch er waren in einer Beziehung, weshalb unser Verhältnis zueinander kollegial freundschaftlich blieb. Irgendwann sagte er zu mir, dass wir uns mal privat treffen müssten, er hätte mir einiges zu sagen, aber wir fanden keinen Termin. Dann war er im Urlaub und es ging die Mail rum, dass er nun stolzer Vater sei. Das war überraschend für mich, (er hat nie davon erzählt) und habe ihm daraufhin eine Mail geschrieben und ihm gratuliert. Dann kam nach ein paar Tagen die Antwort, dass es nicht so schön ist wie es klingt und wir uns mal treffen sollten. Gesagt getan. Er erzählte mir, dass er und seine Freundin schon jahrelang ein Kind wollten, es aber nicht geklappt hat, sie jetzt zwar ein Kind hat, aber das auch eventuell von ihrer Affäre, die sie 1 1/2 Jahr hatte, sein könnte. Ein Vaterschaftstest hat dies dann bestätigt. Er hat sie die ganze Schwangerschaft begleitet und war bei der Geburt dabei und hat das Kind 6 Wochen lang, bis das Ergebnis da war, auch noch mit betreut, die ganze Zeit wissend, dass er vielleicht nicht der Vater ist. Nachdem dann feststand, dass er nicht der Vater ist, gab es nur noch Streit zwischen den beiden. Sie hat ihn dann verlassen mit der Begründung, dass er das Kind nie lieben kann. Tja und recht bald nach dem Auszug kamen wir dann zusammen.
Jetzt wird jeder (zu Recht)sagen, wie bekloppt muss man sein, das kann doch garnicht gut gehen, ob nun Borderline oder nicht. Ich hatte auch meine Bedenken, aber er kam an und irgendwie hat es gefunkt. Die ersten Monate hatten wir eine sehr intensive und wunderschöne Zeit. Zwischendurch war er auch traurig, aber das konnte ich auch verstehen, nachdem, was er erlebt hat und habe ihn immer wieder aufgebaut. Soweit so gut, aber dann ging es irgendwann los, dass fast subtil in Nebensätzen Äußerungen fielen, die mich sehr verletzt haben.“Er sei ja so allein“ oder „Sein Singleleben sei soweit von seinem Wunsch nach Familie entfernt“ Da fragt man sich als Partner dann schon, was man für ihn eigentlich ist. Er hat sich dann immer entschuldigt, aber die Gefühle wären halt noch für die Ex da und er hätte aber auch Angst mich zu verlieren, weil er denkt, dass das ja eventuell genauso schön mit mir sein könnte. Wahrscheinlich hätte ich da schon die Konsequenzen ziehen und mich zurückziehen sollen, aber das ist leichter gesagt als getan.
Dann hat sich irgendwann seine Ex gemeldet und seit dem erlebe ich eine Achterbahnfahrt nach der anderen. Sie hatten ein längeres Telefonat, was genau besprochen wurde, weiß ich nicht. Er sagte mir dann aber, dass er genervt sei, dass sie ja immer noch nicht wisse, ob sie ihn zurück will oder nicht. Daraufhin hat er ihr gesagt, dass sie ihre Sachen aus der gemeinsamen Wohnung holen soll. Außerdem hat er dann noch eine Mitbewohnerin zu sich in die Wohnung geholt, damit er nicht so allein ist. Die Ex kam und holte einen Teil ihrer Sachen, ließ aber diverse Dinge auch da, da sie ja in der Wohnung, in der sie mit der Affäre und dem Kind lebt, nicht so viel Platz hat und mein Freund hat dafür natürlich Verständnis. Es läge ja alles nur an ihm und seine Ex wäre ja auch so eine liebe Person.



Mir hat es dann gereicht und ich habe die Beziehung beendet, habe ihm aber ein Hintertürchen offen gelassen. Ich sagte ihm, dass er erst mal zu sich selbst finden müsste und wir einfach zu früh zusammen gekommen sind und falls er irgendwann sich doch wirklich nach mir sehnt und er weiß, was er will, könnte er sich wieder bei mir melden. Dann herrschte Funkstille für drei Wochen. Dann stand er nachts wieder vor meiner Tür und ich habe ihn wieder sehnsüchtig zurückgenommen. Die ersten Tage waren wieder schön, jetzt zweifelt er aber wieder, ob es richtig war, da er unverändert die Gefühle für seine Ex hat. Auf die Frage, ob er zu ihr zurückgehen würde, wenn sie sich melden würde, sagte er ja. Das sagt eigentlich alles und ich sollte mich wirklich zurückziehen. (Derzeit meldet er sich nicht.)
Ich habe aber das Gefühl, dass er gerade emotional völlig am Ende ist. Seine Ex hat sich gemeldet, entscheidet sich aber nach wie vor nicht für ihn, aber auch nicht gegen ihn. Außerdem fängt mein Freund einen neuen Job an und ist derzeit von der alten Firma freigestellt. Es gibt also viele Veränderungen, die ihn belasten.
Mein Freund ist nicht mehr in Therapie und hält auch nichts davon.
Jetzt endlich mal zu meinen Fragen an euch. Kann es sein, dass er seine Ex aus Selbstschutz idealisiert und alles „Böse“ abspaltet, damit er nicht zerbricht? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er ernsthaft noch eine Beziehung mit ihr führen möchte. Er wünscht sich so sehr eine Familie, aber wenn ich ihm sage, dass das aber nicht seine Familie ist, sondern die von seiner Ex und der Affäre, sagt er nur. Mag sein, aber soweit würde er auch garnicht denken.Er würde es auch nicht mit Absicht machen, dass er mich so verletzt und hofft, dass er eine Lösung findet und er sich dann meldet.



Was meint ihr, wird sich die Haltung gegenüber seiner Ex irgendwann einmal ändern oder schmachtet er ihr vielleicht ewig nach?
Ich bin inzwischen so genervt, dass ich mir unter diesen Rahmenbedingungen auch keine Beziehung mit uns vorstellen kann, hoffe aber, dass ihm irgendwann ein Lichtlein aufgeht oder wenn nicht, ob es zumindest einen Weg gibt, dass wir befreundet bleiben können, da wir uns eigentlich sehr gut verstehen und es für mich einen unendlichen Verlust bedeuten würde, wenn wir garkeinen Kontakt mehr haben.
Was meint ihr, was soll ich tun? Bzw. wie reagiere ich auf sein derzeitiges Nichtmelden? Waren die anfänglichen Gefühle zu mir vielleicht nie echt? Hat unsere Beziehung überhaupt eine Chance?
Freue mich über Tipps und eigene ErfahrungenJ
 
Liebe Sorgenfrei,
mir ist beim Lesen erstmal nur aufgefallen, wie sehr du dich um ihn sorgst und kümmerst, um seine Belastungen, seine Gefühle, seinen Stress.
Ich dachte zwischendurch: Und da schaust du ruhig zu, wie er mit seinen Gefühlen hin und her macht und ob er nicht doch lieber wieder sie haben will oder hin oder her..
Und zwischendrin dann so einige Sätze, die von Klarheit, Entschlossenheit und Für-dich-sorgen zeugen, die zeigen, dass dir eigentlich klar ist, was du dir da antust.
Ich weiß nicht, mir geht das Mitgefühl für sein Durcheinander ein bisschen zu weit und ich fand den Entschluss gut, er solle erstmal klarkommen mit sich.
Als du ihn wieder aufgenommen hast, war da ja offensichtlich noch gar nichts mit Klarheit. Da kam es mir wieder so vor, als würdest du dich eben sehr viel Kümmern und ihm helfen wollen, abgesehen von der verständlichen Sehnsucht dass jemand für dich da wäre.
Aber das ist er offensichtlich nicht, du bist für ihn da, er eiert aber rum.
Und du machst dir Gedanken, ob aus seiner Beziehung zu der Ex noch was werden kann, also zerbrichst dir seinen Kopf quasi, fühlst für ihn mit, wägst ab, lässt ihm allen Freiraum.
Klare Position deinerseits ist da wohl gefragt.
Du leidest nun, dass er sich nicht meldet, du sorgst dich um ihn.
Und wer sorgt sich um dich?
Wer macht sich einen Kopf, wie es dir wohl damit geht, dass jemand während er mit dir zusammen ist, darüber nachdenkt, ob es nicht doch mit der anderen besser wäre?
Das kommt ziemlich selbstsüchtig rüber von ihm. Und gleichgültig, gefühllos.
Kurzum:
Ich würde ihn abschreiben und von dir aus den Kontakt abbrechen, nicht mehr hoffen, sondern im Gegenteil - dich freuen. Und auch mal an dich denken! 🙂
Alles Liebe!
akiraki
 
Liebe Akiraki,

vielen Dank für deine Antwort. Du hast Recht und im Grunde weiß ich auch, dass ich in erster Linie an mich selbst denken muss und sein Verhalten mir gegenüber nicht vertretbar ist. Aus reinen Eigenschutz werde ich mich wohl auch zurückziehen.

Es zermatern mich aber trotzdem zwei Gedanken. War ich von Anfang an nur ein Spielball für ihn und ich habe es nicht gemerkt oder waren seine Gefühle anfänglich schon aufrichtig und jetzt holt ihn seine Vergangenheit ein - der Gedanke tut so weh, wenn wir uns wirklich einfach nur zur falschen Zeit kennengelernt haben.

Ich fühle übrigens nicht für ihn mit, wenn er hofft, dass seine Ex zurückkommt. Ich halte seine Vorstellung für absolut krank und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er das ernst meint. Ich weiß aber auch, dass Borderliner auch dazu neigen, Gefühle abzuspalten und nur das Gute sehen, damit sie an den schlechten Dingen, die ihnen angetan wurden, nicht zerbrechen. Wenn dem so wäre,frage ich micht, ob er igrendwann auch mal das Gesamtbild seiner Ex in Gut und Böse wahrnimmt und einen Schlussstrich zieht und doch zu mir findet. Dies würde mich auch rein psychologisch interessieren. Was passiert da eventuell mit einem Borderliner oder eben auch nicht🙁 Mir ist aber auch klar, dass er aus diesem Dilemma selbst rauskommen muss / will und das heißt auf jeden Fall Rückzug von meiner Seite, aber ich könnte ihm das verzeihen, wenn er sich denn 100% zu mir bekennen würde. Sagt er mir verletzende Worte, weil er als Borderliner nicht anders kann oder mache ich mir da etwas vor und auch ein Borderliner kennt Grenzen und ist nicht so verletzend?

Schlimm finde ich die Vorstellung, wenn er mich von Anfang an benutzt hat, um über "sie" hinwegzukommen und ich es nicht gemerkt habe, also meine Antennen so garnicht funktioniert haben. Ich bin ein recht gutmütiger Mensch mit hoher Empathie. Ich hoffe aber, dass meine Sensibilität auch hoch genug ist und ich A*** von ernst zunehmenden Beziehungspartnern unterscheiden kann. Ist jetzt meine zweite Borderlinebeziehung, in die ich reingeraten bin. Irgendwie scheine ich die anzuziehen und umgekehrt die mich auch.

Ach, wenn es sich doch einfach nicht so schön angefühlt hätte. "Normale" Beziehungen verlaufen anders, da kann man in der Regel nachvollziehen, warum es nicht geklappt hat. So aber war alles toll und es gibt keinen ersichtlichen Grund, warum es jetzt nicht mehr so ist. Deshalb ist es so schmerzvoll.
 
Liebe Sorgenfrei,
schön, dass du damit was anfangen kannst was ich dir schrieb.
Ich bin selbst u.A mit Borderline diagnostiziert, kenne auch einige, aber die sind ja nicht alle gleich. Das ist auch ne Charakterfrage, wie sie sich in Beziehungen verhalten.

Und ob das bei allen Diagnostizierten dann so schematisch abläuft mit dem Gefühlsleben... ich glaub das nicht. Es gibt ähnliche Muster, ja, aber die laufen nicht bei jedem in gleich unbewusster Weise ab. Die Selbststeuerungs-Möglichkeiten sind auch unterschiedlich gut ausgeprägt.
Es ist auch eine Frage des Umgangs damit, des Bewusstseins und des Verantwortungsgefühls sich und anderen gegenüber. Ob krank oder nicht. Vielleicht gibt es auch die eher introvertierten und die eher extrovertierten. Bei mir kam es jedenfalls eher vor, dass ich mich selbst geschädigt habe als andere. Man sagt "dem Borderliner" ja so einiges nach. 😀 Vielleicht hast du da so eine typisch extrovertierte Sorte erwischt. Die Intensität der Gefühle hat deine Antennen plattgebügelt?

Angeblich ist es ja so, dass Nicht-Erkrankte mit Betroffenen diese sehr sehr intensiven Beziehungen haben können, wo sie kaum glauben können, dass sie so etwas Tolles je erleben würden. Genau wie du auch schreibst. Was es umso härter macht, wenn sie enden. Ich weiß es nicht aus meinem eigenen Erleben. Irgendwo im Netz spukt ein riesiges Dokument herum, wo jemand, der sich selbst für gesund hält, tüchtig mit dem Thema abgerechnet hat. Könnte dir vielleicht auch nützen. Irgendwas mit "Trennung" und "Borderline-Beziehung". Findest du beim googeln wenn es dich interessiert.

Warum triffst du öfter auf Borderliner? Das finde ich auch interessant. Es muss da ein Muster in dir geben, dem du folgst, und ein anderes, das du vermeidest?
Ich glaube, dass ich immer wieder dieselben Fehler mache, bis ich es endlich verstanden habe. Die Sache mit der Partnerwahl, der Selbstwahrnehmung und den Grenzen... 🙂
Es hat etwas mit mir und meinem Selbstbild zu tun. Und mit Ängsten. Seit Neuestem weiß ich, dass die Hoffnung "den anderen zu retten" sehr bindend sein kann. Und vor einer bestimmten Sorte Männer hab ich Angst, die vermeide ich und mit denen kann ich nichts anfangen. Irgend etwas bleibt immer unbewusst, die Antennen versagen, und "schwupps"-- "der nächste Problemfall bitte." 😱 Manchmal tut es weh, sich anzusehen, was hinter dem eigenen Interesse für diesen total süßen Typen steckt... (ich rede da von mir).
Vielleicht kannst du ja herausfinden, was genau deine Motive waren, mit diesem Mann zusammen zu sein. Und wo deine innere Stimme schon leise sagte, was gerade schiefläuft.

Upps etwas abgeschwiffen...
Wollte nur nochmal betonen, nein, auch wenn einer Borderliner ist und gerade wenn er schon weiß, dass er diese Diagnose trägt, kann der durchaus in der Lage sein, nicht-verletzend zu handeln, empathisch mit seiner derzeitigen Partnerin umzugehen und man muss sich nicht, nur weil der krank ist, da irgendwas gefallen lassen, was man sich von anderen auch nicht gefallen lassen würde. Das ist wirklich eine Charakterfrage. A--- oder nicht A--- eben. Aber es kann sein, dass du sehr rücksichtsvoll ihm gegenüber warst, weil du vielleicht Angst hattest, er sei verletzbarer als andere? Also dass du dich mehr zurückgenommen hast?

Jedenfalls ist gut, dass du die klare Grenze setzt. Entweder will er dich ganz oder er kann dich mal gernhaben...!
akiraki
 
Liebe Akiraki,

Es ist auch eine Frage des Umgangs damit, des Bewusstseins und des Verantwortungsgefühls sich und anderen gegenüber. Ob krank oder nicht. Vielleicht gibt es auch die eher introvertierten und die eher extrovertierten. Bei mir kam es jedenfalls eher vor, dass ich mich selbst geschädigt habe als andere. Man sagt "dem Borderliner" ja so einiges nach. 😀 Vielleicht hast du da so eine typisch extrovertierte Sorte erwischt.

Er ist ein sehr impulisver Mensch, sprich er handelt erst und denkt dann darüber nach. Im Nachhinein ist ihm schon bewusst, dass er sich verletzend verhält, er ein A******* ist, was er aber nicht sein möchte und es tut ihm dann leid, oft weint er dann auch, weshalb ich ihm sogar abnehme, dass er das nicht mit Absicht macht. Es wirkt bei ihm eher infantil. Er vereint sowohl extrovertierte also auch introvertierte Verhaltensweisen. Er hat zum einem schon einen Geltungsdrang, er achtet sehr auf sein Äußeres, drückt sich rethorisch sehr gewählt aus und mag es schon im Mittelpunkt zu stehen, das kann dann aber auch ganz schnell in die andere Richtung schwenken, dass er Angst hat zu versagen, Kritik wirft ihn schnell aus der Bahn und er ist oft auch sehr schüchtern und hat Angst vor Neuem und neuen Leuten und verhält sich dann eher passiv und macht garnichts. Früher hatte er jahrelang eine Magersucht und galt als untherapierbar, irgendwann hat er sich dann selbst da rausgezogen. Jetzt leidet er seit Jahren an chronischen Zahnschmerzen, es gab zwar auch mal einen Befund, aber die Zahnärzte sagen, dass der Befund nicht solche Schmerzen auslösen dürfte. Ich vermute da auch einen sehr starken psychosomatischen Anteil. Vor allem was auffällt, wenn er sich gut fühlt, dann sind die Schmerzen quasi auch weg, sobald er aber wieder seinen düsteren Gedanken nachhängt, sind die Schmerzen auch stärker. Er hat sich sogar schon einen gesunden Zahn ziehen lassen, um die Schmerzen loszuwerden. Hat natürlich nicht geklappt. Meiner Meinung nach sieht er nicht, dass die Zahnschmerzen ein Symtom seiner Probleme sind, aber nicht die Ursache.

Angeblich ist es ja so, dass Nicht-Erkrankte mit Betroffenen diese sehr sehr intensiven Beziehungen haben können, wo sie kaum glauben können, dass sie so etwas Tolles je erleben würden. Genau wie du auch schreibst. Was es umso härter macht, wenn sie enden. Ich weiß es nicht aus meinem eigenen Erleben. Irgendwo im Netz spukt ein riesiges Dokument herum, wo jemand, der sich selbst für gesund hält, tüchtig mit dem Thema abgerechnet hat. Könnte dir vielleicht auch nützen. Irgendwas mit "Trennung" und "Borderline-Beziehung". Findest du beim googeln wenn es dich interessiert.
Man sagt ja, dass Borderliner gerne in Extremen leben und auf der Suche nach Liebe am Anfang Vollgas geben, so dass die Beziehungen sehr leidenschaftlich sind. Bei meiner ersten Borderlinebeziehung war es ganz extrem. Wir waren uns gefühlsmäßig so nah, dass ist ja auch eine Gabe, die man den Borderlinern zuspricht, soviel Einfühlungsvermögen zu haben, dass man sich total öffnet. Er fing auch sehr früh an Zunkunftspläne zu schmieden, wenn wir zusammenwohnen,unsere Kinder, etc. Das ging mir fast ein bisschen schnell, aber irgendwie fand ich es auch toll, dass er mich so klasse findet.Tja und dann knallt man mit voller Fahrt gegen die Wand und man checkt es nicht. Er sagte damals auf einmal, er bräuchte auch mal Zeit für sich, was völlig ok ist, aber wir haben uns auch nie mehr als 3 Mal die Woche gesehen und möchte auch mal alleine in den Urlaub fahren, Fakt ist, dass wir nicht einmal während der ganzen Zeit zusammen im Urlaub waren. Und von da an ging es dann immer mehr bergab. Nähe, Distanz, Nähe, Distanz. Ich lechtzte nach der vergangen Zeit, die doch so toll war, aber die kam in der Form nie wieder. Ich habe mich dann getrennt.

Das Problem an solchen leidenschaftlichen Beziehungen ist, dass man dieses ultimativ tolle Gefühl wieder haben möchte und da können viele "Normalos" nicht mithalten und ich zumindest gebe denen dann garnicht mehr die Chance, sich zu beweisen. Bei meinem jetzigen Freund lief es ähnlich ab, dass er weiß Gott für Zukunftspläne mit mir hatte. Er hat mich total idealisiert, aber dieses Mal habe ich mich etwas zurückgenommen, da er ja so frisch aus einer Beziehung kam und ich von Anfang dachte, die Vergangenheit wird ihn noch einholen.

Aber so wie du schreibst, hatte ich bei ihm auch ein bisschen das Gefühl, ihn, das arme Opfer, retten zu müssen und dann wird alles gut. Deshalb war ich da wohl viel zu rücksichtsvoll. Das er Borderliner ist, wusste ich bis vor kurzem nicht, geahnt habe ich es. Neulich erst hat er es dann gesagt.

Diesen Artikel, von dem du sprachst, habe ich glaub ich auch schon gelesen. Aber so wie du auch schon andeutest, denke ich auch, dass immer zwei dazu gehören, dass es soweit kommt, dass die Partner selbst krank werden. Ist dann wirklich die Frage, ob das Selbstvewusstsein der "Normalen" so viel besser ist, wenn sie nicht die Notbremse ziehen. Ich glaube wichtig ist, dass man offen kommuniziert und beide Seiten zeigen, dass sie gewillt sind, eine stabile Beziehung zu führen. Dann kann es auch klappen. Denkst du denn, dass man als Borderliner lebenslänglich eine Therapie braucht oder meinst du, dass man auch ohne Therapie zu sich selbst findet? Wie gesagt, mein Freund hält nichts von einer Therapie. Er hatte wohl früher jahrelang immer wieder welche, aber von denen war er nicht wirklich überzeugt. Können natürlich auch die falschen Therapeuten gewesen sein.

Warum triffst du öfter auf Borderliner? Das finde ich auch interessant. Es muss da ein Muster in dir geben, dem du folgst, und ein anderes, das du vermeidest?
Ich glaube, dass ich immer wieder dieselben Fehler mache, bis ich es endlich verstanden habe. Die Sache mit der Partnerwahl, der Selbstwahrnehmung und den Grenzen...

Das habe ich mich auch schon gefragt. Meine Borderlinefreunde sind beide sehr charismatische Persönlichkeiten, sie fallen durch ihr besonderes Auftreten und ihre feinsinnige Art auf. Sie sind beide sehr redegewandt, kultiviert und kreativ und vielseitig interessiert. Sie sind keine typischen testosterongesteuerten Machos, sondern eher der Frauenverstehertyp😉
Die Zeit mit denen war nie langweilig, es wahr cool, egal was ich mit denen gemacht habe - bis sie sich zurückzogen. Hier sollte ich mich jetzt fragen, ob sie die Zeit selbst auch so genossen haben oder ob sie doch eher manipulierend waren, um mir zu gefallen.
Früher war ich auch eher schüchtern und auch nicht selbstbewusst, mit den Leuten in meiner Klasse kam ich nicht so klar. Später in der Oberstufe kamen von anderen Schulen andere Schüler hinzu und von da an wurde es besser. Ich fand die Leute, die zu mir passten und die waren auch alle individueller und nicht so "mainstream". Von da an habe ich sehr viel unternommen und entwickelte immer mehr meine eigene Persönlichkeit. Ich bin sehr spontan und auch vielseitig interessiert. Ein zu geordnetes, immer gleich strukturiertes Leben können auch mich schnell langweilen. Ich führe gerne tiefe und interessante Gespräche, auch gerne humorvoll - aber nicht so oberflächlicher und belangloser Kram. Es kann schon sein, dass mich die Schulzeit geprägt hat, nicht so zu sein wie alle anderen und es mir auch wichtig ist zu gefallen, aber auch jemanden an meiner Seite zu haben, mit dem ich mich schmücken kann. Und meine Borderlinerfreunde erfüllen viel von dem, was ich möchte,bloß leider nicht dauerhaft. Was mir beide Beziehungen gezeigt haben, ist, dass ich stärker an meiner egoistischen Seite arbeiten muss, d.h. schneller an mich denken und klare Grenzen setzen. Darin bin ich glaub ich noch nicht so gut.

Seit Neuestem weiß ich, dass die Hoffnung "den anderen zu retten" sehr bindend sein kann. Und vor einer bestimmten Sorte Männer hab ich Angst, die vermeide ich und mit denen kann ich nichts anfangen. Irgend etwas bleibt immer unbewusst, die Antennen versagen, und "schwupps"-- "der nächste Problemfall bitte." 😱 Manchmal tut es weh, sich anzusehen, was hinter dem eigenen Interesse für diesen total süßen Typen steckt... (ich rede da von mir).

Meinst du, du leidest am Helfersyndrom - aufopfern bis es nicht mehr geht? Was ist bei dir das eigene Interesse?
 
Uppala, viel Stoff zum Weiterschreiben... 🙂 Ich will auf deine beiden Fragen eingehen.

Denkst du denn, dass man als Borderliner lebenslänglich eine Therapie braucht oder meinst du, dass man auch ohne Therapie zu sich selbst findet? Wie gesagt, mein Freund hält nichts von einer Therapie. Er hatte wohl früher jahrelang immer wieder welche, aber von denen war er nicht wirklich überzeugt. Können natürlich auch die falschen Therapeuten gewesen sein.
Ich denke, dass das nicht zu verallgemeinern ist. Und halte es auch für möglich, dass entweder die Therapieform oder der Therapeut oder der Zeitpunkt/die Lebensphase einfach bei deinem Freund nicht gepasst haben. Die Sache mit dir und ihm ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, eine weitere Erfahrung. Dass man selbst Therapie für nötig hält, dazu gehört wohl Leidensdruck.

Meinst du, du leidest am Helfersyndrom - aufopfern bis es nicht mehr geht? Was ist bei dir das eigene Interesse?
Äh ja. Genau. Früher war Helfen und Helfen und noch mehr Helfen ohne gleichzeitige Selbstwahrnehmung ein unbewusstes Verhalten von mir. Heute ist es bewusster aber immer noch nicht wirklich --- zu Ende verstanden was ich da tue. Mir wurde vor Kurzem in der Therapie klar, wie meine Partnerwahl von der Hoffnung, den anderen zu retten motiviert wurde. Ein wunderbares Bild meines Therapeuten: Dass man einen angeseilten verunglückten Bergsteiger doch nicht einfach loslassen kann, wenn man noch nicht am Ende der eigenen Kräfte ist... ich musste laut lachen. 🙂 Genau so funktionierte das bei mir, die Hoffnung nicht aufgeben, dass ich doch noch den als gut idealisierten Wesenskern des Anderen hervorschälen würde. Aber das ist meins. Und ich hab nicht wirklich einen Schimmer ob ich das je ändern kann, sollte oder was ein "anders, besser motiviertes Beuteschema" für mich sein könnte. Man sagt ja, Einsicht sei der erste Schritt zur Besserung, aber ich weiß nicht ob es zu der Besserung kommen kann. Dazu müsste ich mich erneut verlieben...

Mir fiel das nur ein, weil ich es einfach grundsätzlich nützlich fand, die eigenen, im Stillen gehegten Motivationen hinter der Partnerwahl hervorzugraben bzw. sich anzusehen und sich einzugestehen... Danke für deine Offenheit in der Hinsicht möcht ich dir mal zurückgeben!

akiraki
 

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