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Was ist, wenn ein Christ Selbstmord begeht? Frage an Christen und Atheisten

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Seither hoffe ich eher auf den großen schwarzen Vogel, als auf einen Gott wie er in der Bibel beschrieben und von vielen erhofft wird.
Das Lied ist ja eine furchtbare Verehrung von Suizid... 😱

"Bitte, hol mich weg von da!
Und dann fliegen wir rauf,
mit in Himmel rein,
in a neue Zeit, in a neue Welt,
und ich werd' singen, ich werd' lachen,
ich werd' "das gibt's net" schrei'n,
weil ich werd' auf einmal kapieren,
worum sich alles dreht"
 
spielt es eine rolle, ob es ein christ ist, der sich das leben nimmt? biblischer massstab.. soweit mir ist, verbieten alle abrahamitische religionen den selbstmord. mit derselben argumentation wie mikenull es schrieb. gott schenkt das leben. gott nimmt das leben. da darf mensch nicht dazwischenfunken und gott spielen. also darf man sich das leben nicht nehmen. deshalb wird es als "sünde" definiert.

man kann das sogar in nicht-abrahamitischen religionen sehen...


und wie man das jetzt weiter interpretiert... ja, wer zeit und lust hat, kann da noch viel dran rumdenken und ruminterpretieren. ich persönlich bin diesbezüglich mehr als gesättigt!!

ich glaube, das universum nimmt jede seele an, weil alles dasselbe ist.
 
Um es gleich klar zu stellen: Das ist KEINE Frage in "eigener Sache"!!!

Folgendes ist die Grundsituation:

Ein junges Mädchen aus einer hiesigen Gemeinde hat den Freitod gewählt nach langer Krankheit (schwere Diabetes mit häufigem Koma und massiven Depressionen).

Etliche Gemeindemitglieder verurteilten diesen Schritt einer gerade mal 20jährigen (!) zutiefst und sehen sie nun für immer verloren zum zusätzlichen Schock für Eltern und Geschwister.

Ich selbst kann einfach nicht wirklich glauben, dass Gott, der seinen eigenen Sohn aus Liebe für uns Menschen gab, ein Sohn, der im Garten Getsemaneh und am Kreuz alles Leid der Welt bitter am eigenen Leib und der eigenen Seele erfuhr, dass dieser Gott einen Menschen, der in tiefster Verzweiflung einen solchen Schritt tut, dann für immer verwirft und ihm Sein ewiges Reich verwehrt. An einen SOLCHEN Gott würde ich nicht glauben können und wollen - sondern an einen barmherzigen, der Seine Arme erst recht weit aufmacht für diesen jungen Menschen oder andere in einer ähnlichen Ausnahmesituation.

Wie denkt ihr darüber?

Christa

Ich denke darüber,
dass es uns nicht zusteht-
einen verzweifelten Menschen -
der diesen Schritt für sich wählt-
zu verurteilen.

Ich sehe uns Menschen eher in der Pflicht-
mehr auf ihre Mitmenschen einzugehen-
OHNE sie ggf. in den Selbstmord zu "treiben"!

Klar-
ist das ein Schritt-
den jeder für sich selber wählt-
dennoch können Mitmenschen zumindest eines tun-
für Verzweifelte Menschen da sein-
ihnen Gehör finden.

Und ein "guter" Christ-
der auch seinen Glauben ernst nimmt-
der verurteilt nicht-
sondern der ist einfach aus Mitmenschlichkeit da-
wannimmer er merkt,
dass es jemandem nicht gut geht.

Wobei ich das eigentlich nicht als "Pflicht" der Christen ansehe-
sondern als Geste der Menschlickeit!
 
Das Lied ist ja eine furchtbare Verehrung von Suizid... 😱

"Bitte, hol mich weg von da!
Und dann fliegen wir rauf,
mit in Himmel rein,
in a neue Zeit, in a neue Welt,
und ich werd' singen, ich werd' lachen,
ich werd' "das gibt's net" schrei'n,
weil ich werd' auf einmal kapieren,
worum sich alles dreht"


Irrtum. Auf einem seiner Konzerte hat Ludwig Hirsch erzählt, daß er das Lied für eine Freundin geschrieben hat, die nach langer Krankheit gestorben war. Er hat damit ihre Empfindungen gewürdigt, die sie auf dem Weg in den Tod bewegt hatten.
 
Er hat damit ihre Empfindungen gewürdigt, die sie auf dem Weg in den Tod bewegt hatten.
Das mag ja sogar sein. Auch die Toten Hosen und Böhse Onkelz haben schon auf diesem Weg ("nur zu Besuch"; "der Platz neben mir") ihren Verstorbenen gedacht. Aber: zwischen der Intention eines Musikers und seiner Fans können mitunter Welten liegen. Daher bin ich von solchen Lieder auch nicht begeistert, eben weil viele sie doch nur benutzen, um sich unnötig herunter ziehen zu lassen.
 
Ich denke, dass das Christsein nicht nur Probleme löst,
sondern auch neue schafft - wie das hier geschilderte.
Nur ist es fast unmöglich (nicht ganz), die problemer-
zeugenden Anteile des Christseins herauszulösen, ohne
gleich den ganzen Glauben aufzugeben. Eine Möglichkeit
wäre, das Dogma aufzugeben, dass die Bibel immer recht
hat bzw. wortwörtlich "die Wahrheit" wiedergibt. Eine
andere Option besteht darin, manche Sätze in der Bibel
ernster zu nehmen als andere - also z.B. die Idee, dass
Gott jeden Menschen liebt und ihm vergibt, höher zu
gewichten als jene Aussagen, die für bestimmte Taten
(oder Nichtglauben ...) schwere Strafen im Jenseits an-
drohen. So lange man an die Bibel glaubt, vor allem im
wörtlichen Sinne, hat man solche Probleme automatisch,
ja sie können sogar die Verzweiflung eines Menschen vor
dem Suizid noch verstärken, da ja sein vermeintlich letz-
ter Ausweg, seine letzte Freiheit, mit dem für ihn ärgsten
Tabu belegt ist. So muss er im Suizid zugleich seinem
Leben und seinem Glauben ein Ende setzen (in seiner
Vorstellung). Dazu kommen häufig noch Schuldgefühle,
weil viele Christen, gerade die bibelgläubigen, dazu ten-
dieren, eigenes Glück als "Belohnung" und Krankheiten
als "Bestrafung" anzusehen.
 
Das mag ja sogar sein. Auch die Toten Hosen und Böhse Onkelz haben schon auf diesem Weg ("nur zu Besuch"; "der Platz neben mir") ihren Verstorbenen gedacht. Aber: zwischen der Intention eines Musikers und seiner Fans können mitunter Welten liegen. Daher bin ich von solchen Lieder auch nicht begeistert, eben weil viele sie doch nur benutzen, um sich unnötig herunter ziehen zu lassen.


Das ist wahr. Mir hat dieses Lied über einige Jahre sehr viel bedeutet, mag sein, daß es mich in meiner depressiven Zeit zusätzlich runtergezogen hat. Ich empfand es allerdings nicht so, für mich beinhaltete es damals Trost. Ich war verängstigt und konnte mich nicht umbringen (Angst vor der Hölle - der christlich-biblische Glaube saß damals wie ein drohendes Geschwür in mir, jedenfalls hatte ich das so empfunden) und der Text dieses Liedes war für mich wie eine gedankliche Flucht, wenn ich das Leben nicht mehr ertragen konnte.

Führt vielleicht zu weit an dieser Stelle. Oder auch nicht? "Ich werd' singen, ich werd' lachen, ich werd' "des gibt's ned!" schrei'n..." - ich wollte irgendwann auch mal "auf einmal kapier'n, worum sich alles dreht" - ich glaube, das hat mir geholfen, durchzuhalten. Letzten Endes liegt es in unserer Entscheidung, ob wir Texte, biblische Verheißungen oder eine Rasierklinge zerstörerisch oder zum Überleben benutzen.
 
Dem widerspreche ich, Zebaothling. Nahezu jeder Mensch hinterläßt mit seinem Leben Spuren. Er hinterläßt Verwandte, Freunde, vielleicht auch Feinde, Bekannte - wen auch immer. Wenn ein Mensch stirbt, sind die Verbindungen, die er in Form von Beziehungen hinterlassen hat, noch da.
Sie sind wie begonnene Gespräche, die abrupt beendet wurden, aber noch nicht zu Ende geführt worden sind.

Ich weiß ja nun nicht, was du so lapidar als "Totenverehrung" bezeichnest - auf mich wirkt dein Einwurf wie ein kaltes, unstimmiges Etikett, das vielleicht auf eine öffentliche Person wie Lenin oder Johannes Paul II. zutrifft.

Wenn aber eine Tochter, ein Bruder, die Mutter gestorben ist, dann ist es gut und notwendig, daß die Hinterbliebenen den begonnenen "Dialog" innerlich weiterführen, vielleicht auch zu Ende führen können, um sich letztendlich verabschieden zu können. Das ist nichts, das man mit der Bestattung abschließt. Das ist mit Kummer, mit Erinnerungen, vielleich auch mit Klärung offener Konflikte verbunden. Einen Toten ehren bedeutet, seinem Leben und dem, was er für die Hinterbliebenen bedeutet hat, anzuerkennen.

Wäre dem nicht so, gäbe es keine Religionen, die alle an eine unsterbliche Seele glauben und letzten Endes auch keine Menschen, die Mitgefühl und Glaubenskonflikte miteinander teilen und austragen.
 
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