Dem widerspreche ich, Zebaothling. Nahezu jeder Mensch hinterläßt mit seinem Leben Spuren. Er hinterläßt Verwandte, Freunde, vielleicht auch Feinde, Bekannte - wen auch immer. Wenn ein Mensch stirbt, sind die Verbindungen, die er in Form von Beziehungen hinterlassen hat, noch da.
Sie sind wie begonnene Gespräche, die abrupt beendet wurden, aber noch nicht zu Ende geführt worden sind.
Ich weiß ja nun nicht, was du so lapidar als "Totenverehrung" bezeichnest - auf mich wirkt dein Einwurf wie ein kaltes, unstimmiges Etikett, das vielleicht auf eine öffentliche Person wie Lenin oder Johannes Paul II. zutrifft.
Wenn aber eine Tochter, ein Bruder, die Mutter gestorben ist, dann ist es gut und notwendig, daß die Hinterbliebenen den begonnenen "Dialog" innerlich weiterführen, vielleicht auch zu Ende führen können, um sich letztendlich verabschieden zu können. Das ist nichts, das man mit der Bestattung abschließt. Das ist mit Kummer, mit Erinnerungen, vielleich auch mit Klärung offener Konflikte verbunden. Einen Toten ehren bedeutet, seinem Leben und dem, was er für die Hinterbliebenen bedeutet hat, anzuerkennen.
Wäre dem nicht so, gäbe es keine Religionen, die alle an eine unsterbliche Seele glauben und letzten Endes auch keine Menschen, die Mitgefühl und Glaubenskonflikte miteinander teilen und austragen.