AW: Darf man seine Familie hassen?
Klarstellung: Die entgültige Entscheidung mit meinem Vater nichts mehr zu tun haben zu wollen, konnte ich durch eure Unterstützung tätigen. Danke dafür!!! 🙂🙂 Nur dass sich keiner wundert, weil ich zuerst davon spreche hin und her und jetzt so resulut
😀.
Ich möchte euch allen dafür danken, dass ihr euch die Zeit für mich genommen habt und nehmt, ich halte das nicht für selbstverständlich. Eure Ratschläge trage ich in meinem Herzen und Eure Mühen sind nicht umsonst. Auch wenn ich nicht gleich immer alles verstehe😉.
JanTella,
Du erwähntest auch das Wort "Sippenhaft".
In den 80ger und 90ger Jahren war das nicht mehr so aktuell, wird es aber heute wieder. So einfach lassen sich Freunde nämlich nicht aussuchen, wenn man eine Familiengeschichte hat, die einfach hart ist.
Du kannst umziehen, Deinen Namen verändern oder heiraten ...
Liebe Landkaffee,
ich will nicht weglaufen, ich habe ohnehin keine Heimat. Die einzige Konstante in meinem Leben war immer meine Familie. Diese war meine Heimat. Wer mich aburteilen will wird das tun, wer sich mit mir verständigen will wird das tun, man kann nichts erzwingen. Wäre das nicht eine geeignete Einstellung auch zu diesem Thema? Oder ist das zu pauschalisiert? Für mich fühlt es sich einfach richtig an, den anderen ihre Freiheit zu lassen, auch wenn das für mich bedeuten mag, in deren Augen ein schlechter Mensch zu sein. Im Grunde sollte bzw. könnte mich das doch gar nicht tangieren. Es ist doch ihre Grenze. Aber vielleicht bin ich auch heute einfach nur zu gut drauf
😀.
AUCH wenn Du wirklich nicht zu verantworten hast, was Dein Vater tat. Lernen, mit der Schuld anderer zu leben ist eine Seite und die Sache mit der Diskriminierung als soziale Auswirkung, die es durchausgibt, eine andere.
Richtig. Trotzdem hängen sie beide zusammen. Denn man hat schließlich die Wahl wie man sich zu kriminellen Handlungen stellt. Das blöde ist eben, dass einen die soziale Auswirkung so oder so trifft, unabhängig davon wie man sich selbst zu der Handlung verhält bzw. verhalten hat. Diskriminierung ist eben festhalten an unreflektiertem und althergebrachtem Aberglauben, um es überspitzt zu sagen.
Der soziale Schaden, den Du erleidest, nur wegen des Verhaltens Deines Vaters ggf. auch Deiner Mutter, der ist gross.
Meine Mutter ist selbst Leidtragende, und sie leidet vermutlich am Stärksten. Deswegen ist meine Wut auf meine Mutter sehr ungerecht und noch schädlicher als mein vielleicht durchaus nachvollziehbarer Hass auf meinen Vater.
Doch selbst wenn ich auch sie hassen würde wäre es berechtigt. Da sie nicht perfekt ist und einiges zu verantworten hat, was schief gelaufen ist. Trotzdem hasse ich sie nicht. Das Gute an der Tatsache, dass mein Vater jetzt weg ist, ist u. a. , dass ich meine Mutter endlich sehe. Sie ist nicht mehr nur meine Mutter, sondern eben auch ein Mensch. So ein Leben wie sie hatte wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht! Es tut mir leid, dass sie leidet, aber helfen kann ich ihr auch nicht, weil sie sich derzeit nicht helfen lässt.
Aber meine entfernten Verwandten, die hasse ich wirklich sehr, sogar noch mehr als meinen Vater, denn sie haben immer nur zugesehen, konnten vortrefflich lästern und meine Eltern schlecht machen, sie verspotten, ihre (durchaus vorhandene) Gutmütigkeit ausnutzen, aber haben meinen Vater (und auch meine Mutter) dann doch vor die Pumpe flitzen lassen, als wäre das spaßig. Sie haben darüber hinaus noch sehr viel mehr gemacht, dass ich hier aufzählen könnte, aber ich beherzige lieber eure Ratschläge und sage: "Was solls, mit denen hab ich eh nix zu tun."
Hass ist nur EIN Bestandteil unserer vielfältigen Gefühls- Empfindungswelt als Menschen. Sind die Gefühle in uns und wir wollen sie unter allen Umständen meiden, werden sie an anderer Stelle ausbrechen. Hass ist kein guter Ratgeber. Angst ist kein guter Ratgeber und - Liebe alleine auch nicht immer ;-) .
Nur so als Beispiel.
Schaue Dir Deine Gefühlswelt an und z.B. Deinen Vater. Dann wird das eine Gefühl da sein, dann das andere. Erlaubt ist ALLES an Gefühl, wenn auch teils eben nicht schön. Aber: Es ist wie es ist.
Kommt auch eben immer darauf an, was Du auf der Handlungsebene daraus machst!
Alles Gute!
Ich wünsche Dir gaaanz viel Selbstbewusstsein, Selbstsicherheit, innere und äussere Stärke und dass Du auf Menschen triffst, die nicht ausnutzen, dass Du eben keine intakte Familie hast.
Denn: DU kannst nichts dafür.
Ehrlich gesagt versuche ich mich von praktischen Leitlinien und meinem Verstand leiten zu lassen, dabei aber nicht meine Gefühle völlig außer Acht zu lassen. Dass Liebe in der Tat kein guter Ratgeber ist, nun das weiß ich so sicher, dass ich lieber lange über eine Entscheidung nachdenke, dass ich mir in letzter Zeit sogar schon anhören darf wie gefühlskalt und berechnend ich sei, als aus dem Bauch heraus zu entscheiden. Ich verzichte auch auf Spontanität, wenn möglich, da es gilt mein Leben auf die Reihe zu bekommen, und dabei will ich nicht wieder versagen. Daher lieber nachdenken und abwägen, viele Infos dazu sammeln und alles abchecken, als sich sinnlos in Chaos zu stürzen.
Nun ja, wenn man seine Entscheidung vor sich selbst rechtfertigen kann, dann quält man sich selbst schon mal ein bisschen weniger und kann es auch besser verstehen, wieso man so oder so empfindet. Dann kann man auch besser einsortieren, wieso man sein Leben (bis jetzt) so geführt hat. Handlungskompetenz sollen meine Gefühle jedenfalls nicht mehr haben.
Ich will nicht mehr in dieser Düsternis leben. Da will ich nicht mehr hin. Es gibt genug Positives, vielleicht ist es nicht offensichtlich, vielleicht muss man sich bemühen, aber irgendwo ist es. Im Grunde bin ich nicht besser als diejenigen, die mich vorverurteilen oder verurteilen, denn wahrscheinlich nutzen die nur die Gelegenheit (bin ja nie sonderlich beliebt gewesen), sollen sie doch. Aber davon darf ich mich doch nicht dazu hinreißen lassen all jenen, die von gar nichts ne Ahnung (ich meine jetzt meine Situation) haben, quasi zu unterstellen sie verstünden auch nix.
Was bin ich nur für ein Mensch!
Vermutlich ist das so ein Ding wie "vor lauter Bäumen seh ich den Wald nicht". Naja, glücklicherweise habe ich noch keinen Schaden angerichtet.
Ich würde beahupten, dank eurer Hilfe!
🙂