K
kyle
Gast
Unter den ALG Empfängern gibt es die sicher nicht in der Mehrheit, denn viele Arbeitslose wollen nicht ihr Gesicht verlieren, bemühen sich um Arbeit anstatt in den Tag hineinzuleben.
Hallo Nutzerin,
ich poste die Zahl der von der Bundesagentur für Arbeit festgestellten Missbrauchsfälle nochmal, um Deine Worte zu unterstreichen:
BA-Statistik: Mehr Missbrauch bei Hartz IV?
Demnach beträgt die Quote 1,8%.
Ergo sind rund 98% aller HartzIV-Empfänger tatsächlich bedürftig.
Vor diesem Hintergrund ist das Führen von Neiddebatten schlicht daneben.
Kalo hatte in ihrem Erstbeitrag gefragt:
Haben die Politiker nicht echt `nen Knall???
Aber was ich mich noch mehr frage ist, warum denn keiner der vielen, vielen Hartz IV - Empfänger auf die Straße geht? Geht es denen gar nicht so schlecht? Oder warum passiert da nichts?
Hier meine ganz subjektive Einschätzung dazu:
- Ob die Politiker einen Knall haben, ist eine Frage der Perspektive.
Ökonomisch gesehen ganz sicher:
Diese Erneuerung des Gesetzes von 5 € kostet den Staat rund 1 Milliarde €
Quelle Phoenix am 27.09. um 15🤐6 Uhr
(Nochmal danke, Stadtäffchen!)
EUR 1 Milliarde ./. 6,7 Mio Empfänger = rund EUR 147,--
Politiker müssen einen ziemlichen Knall haben, um erst eine Milliarde zu verballern, von der man den 6,7 Mio Empfängern ebensogut 30 Monate lang rund EUR 5,-- mehr hätte geben können, um ihnen dann eben diese Minisumme zuzugestehen - und darüber dann auch noch öffentliche Zweifel zu hegen:
(Danke, BlackSheep!)
Andererseits zeigt dieser Thread, daß ihre Rechnung aufgeht: Statt die Politiker mit Eiern oder Pferdeäpfeln zu bewerfen, für diesen verschwenderisch-sinnlosen Umgang mit Steuergeldern, dreht die Debatte sich immer wieder um Verfehlungen der HartzIVler. Obwohl im Verlauf der Diskussion aufgezeigt wurde, dass die Bundesagentur für Arbeit nur 1,8% Missbrauchsfälle meldet und dass der Missbrauch von Sozialleistungen / Steuergeldern sich quer durch unsere gesamte Gesellschaft zieht.
Subjektiv gesehen könnten Politiker sich also gar nicht schlauer verhalten, als geschehen: Je oller, je doller. Der Erfolg gibt ihnen recht. q.e.d.
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. - Warum keiner von den HartzIVlern auf die Straße geht?
Anfangs habe ich mich das auch noch gefragt.
Allmählich fange ich an es zu verstehen, wenn ich mir die wenig empathische Richtung ansehe, die nahezu jeden Thread zum Thema "Armut" ebenso flink in eine Neid- und Hassdebatte verwandelt wie es auch bei den Threads zum Thema "Migration" der Fall ist.
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. - Ob es den HartzIVlern gar nicht so schlecht geht?
Nun, diese Frage lässt sich doch wohl am leichtesten beantworten, indem man schlicht ausprobiert, selbst von deren "Einkommen" zu leben.
Und indem man einfach mal ein paar Bewerbungen schreibt, um auszutesten, wie hoch der eigene Arbeitsmarktwert noch ist. Natürlich ohne die Hilfe evt. vorhandener sozialer Netzwerke (z.B. im Golfclub der Eltern). Vor allem langjährigen Festangestellten und Beamten empfehle ich diese Methode von Herzen. Nachahmenswertes Ideal: Hans-Günter Wallraff.
Man könnte aber auch die Probe aufs Exempel machen und seine persönliche Umgebung testen, indem man Eltern, Geschwistern, Freunden erzählt, man sei arbeitslos geworden und momentan sehe es so schlecht aus, wahrscheinlich werde es auf HartzIV zulaufen. Und sich dann von deren Reaktionen überraschen lassen. Hinterher weiß man vermutlich, welche Kontakte weiterzupflegen noch lohnenswert erscheint...
(ja ich weiss... böser Kyle...)
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. - Oder warum da nichts passiert?
Was würde sich denn ändern, wenn HartzIVler auf der Straße friedlich für ihre Menschenwürde demonstrieren gehen?
Interessiert sich denn jemand ernsthaft für sie und ihr Leid - in einem "Sozialstaat", der sich in ein neoliberales Gebilde umgestaltet hat, in dem der Wert eines Menschenlebens sich an dessen Nützlichkeit, Gesundheit und opportunistischer Grundhaltung orientiert und in dem Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten absolut unerwünscht sind?
Oder hätten sie nicht eher damit zu rechnen, neben ihrem eh schon vorhandenen Elend nun auch noch mit Häme und Hassreaktionen überzogen zu werden?
Die meisten Mitbürger kapieren ja noch nicht mal, das Bedürftige in einem Sozialstaat das verfassungsmäßige Recht haben, Hilfe zu fordern... statt dankbar die Knie zu sinken, weil die Behörde ihr Betteln mit Almosen erhört hat.
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