L
Luiserl
Gast
Dein Gewissen ist das Maß der Aufrichtigkeit Deiner Selbstsucht. Höre darauf!!!
(Wieder ein Kapitel aus Illusionen von Richard Bach)(Die Vampir-Story)
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»Es steht uns allen frei, zu tun, was auch immer wir tun wollen«, sagte Donald an jenem Abend. »Ist das nicht einfach und sauber und eindeutig? Wäre das nicht das Gegebene, um ein Universum zu regieren?«
»Fast. Aber du hast etwas ziemlich Wichtiges unberücksichtigt gelassen«, entgegnete ich.
»So?«
»Solange wir damit keinem anderen weh tun«, sagte ich vorwurfsvoll. »Ich weiß, daß du es so gemeint hast, aber du solltest auch sagen, was du meinst.«
Auf einmal raschelte es im Dunkeln, und ich fuhr herum. »Hast du das gehört7«
»Hmm. Klingt tatsächlich, als ob da jemand ist ... « Er stand auf und ging ins Dunkel. Dann hörte ich ihn plötzlich lachen und einen Namen nennen, den ich nicht mitbekam. »Ist in Ordnung«, sagte er, »nein, wir freuen uns, wenn Sie kommen ... Sie brauchen hier nicht sitzen zu bleiben ... kommen Sie doch, Sie sind uns wirklich willkommen.«
Die Stimme hatte einen schweren Akzent, nicht eigentlich russisch und auch nicht tschechisch, eher siebenbürgisch.
»Danke sehrr. Ich will Ihr abendliches Zusammensein nicht stören ... «
Der Mann, den er an unser Feuer brachte, war nun ... eine ungewöhnliche Erscheinung, der man nicht alle Tage im Mittelwesten Amerikas begegnet. Ein kleiner, magerer, wölfisch aussehender Kerl, Furcht einflößend, in einem Abendanzug und einem abgefütterten Cape. Der Lichtschein störte ihn offenbar.
»Ich kam gerade vorbei«, sagte er. »Über das Feld führt eine Abkürzung zu meinem Haus ... «
»Tatsächlich?« Shimoda glaubte dem Mann wohl nicht, gab sich aber trotzdem Mühe, nicht laut herauszuplatzen. Ich hoffte, ebenfalls bald zu verstehen.
»Bitte machen Sie sich's gemütlich«, sagte ich. »Womit können wir Ihnen dienen?« In Wahrheit fühlte ich mich gar nicht so hilfsbereit, aber er erschien mir so scheu und zurückhaltend, daß ich ihm gern aus seiner Verlegenheit herausgeholfen hätte.
Er sah mich mit einem verzweifelten Lächeln an, das mir das Blut in den Adern stocken ließ. »Ja, Sie können mir helfen. Ich brauche es sehr dringend, sonst würde ich Sie nicht darum bitten. Darf ich Ihr Blut trinken? Nur einen Schluck? Es ist meine Nahrung, ich muss Menschenblut haben, sonst ... «
Kann sein, daß es der fremdländische Akzent war oder daß sein Englisch nicht ausreichte und dass ich ihn nicht verstand ... jedenfalls war ich mit Windeseile auf den Beinen. Strohhalme stoben ins Feuer, so schnell hatte ich mich bewegt.mich bewegt.
Der Mann machte einen Schritt zurück. Ich bin zwar im allgemeinen harmlos, aber ich bin nicht gerade klein geraten und könnte wohl bedrohlich ausgesehen haben. Er wandte den Kopf zur Seite.
»Mein Herr, es tut mir leid, es tut mir wirklich leid! Bitte vergessen Sie, daß ich irgend etwas über Blut gesagt habe! Aber sehen Sie ... «
»Was wollen Sie andeuten?« Ich war nun um so wütender, weil ich Angst hatte. »Was zum Teufel wollen Sie andeuten? Ich weiß nicht, was Sie sind, sind Sie vielleicht eine Art Vam ... ?«
Shimoda fiel mir ins Wort, ehe ich zu Ende sprechen konnte. »Richard, unser Gast hat gerade etwas gesagt. Du hast ihn unterbrochen. Sprechen Sie weiter, Sir, Freund ist etwas zu hastig.«
»Donald«, sagte ich, »dieser Kerl ... «
»Halt den Mund!«
Ich war so überrascht, daß ich den Mund hielt und den Mann, der dort aus dem Dunkeln in unseren Feuerschein gekommen war, nur erschreckt und fragend anstarrte.
»Bitte zu verstehen. Ich habe nicht gewählt Vampirdasein. Ist bedauerlich. Ich habe nicht viel Freunde. Aber ich muß ein gewisses Quantum frisches Blut jede Nacht bekommen, sonst muß ich ganz schreckliche Schmerzen erleiden. Wenn ich längere Zeit ohne Blut bin, kann ich nicht leben! Bitte, lassen Sie mich nicht so sehr leiden, ich werde sterben, wenn Sie mir nicht erlauben, Ihr Blut zu trinken ... nur ein wenig. Mehr als einen halben Liter brauche ich nicht.«
Er machte einen Schritt auf mich zu. Er fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. Anscheinend vermutete er, daß ich Shimoda hörig war und dieser mich gefügig machen würde.
»Noch einen Schritt, und es fließt tatsächlich Blut, Mann! Wenn Sie mich anfassen, bringe ich Sie um ... « Natürlich würde ich ihn nicht umgebracht haben, aber ich wollte ihn mindestens fesseln, ehe wir weitersprachen.
Das mußte gesessen haben, denn er war stehengeblieben und seufzte. Dann wandte er sich an Shimoda. »Hat das Ihren Zweck erfüllt?«
»Glaub schon. Danke !«
Der Vampir sah zu mir auf und lächelte gelassen. Anscheinend war er belustigt und zufrieden wie ein Schauspieler, der seine Rolle überzeugend dargestellt hat »Nein, Richard«, sagte er, und der Akzent war plötzlich ganz weg, »ich werde dein Blut nicht saugen.« Und vor meinen Augen verblasste er, als hätte er sein eigenes Licht, ausgeschaltet ... In fünf Sekunden war er verschwunden.
Shimoda setzte sich wieder ans Feuer. »Bin ich aber froh darüber, daß du nicht meinst, was du sagst.«
Das Adrenalin in meinen Adern ließ mich noch immer erzittern, denn ich war bereit gewesen, es mit dem Ungeheuer aufzunehmen. »Don, das ist nichts für mich. Vielleicht erklärst du mir, was hier vorgeht. Zum Beispie was ... was war das?«
»Ein Vampir aus Siebenbürgen war das«, entgegnete er und ließ seine Stimme noch fremdländischer klingen als die der Kreatur. »Oder besser: die Verkörperung eine Vampirs aus Siebenbürgen. Es ist ganz einfach: Jedesmal wenn man etwas klarmachen will, wenn man meint, der andere hört nicht zu, braucht man nur einen Gedanken zu verkörpern. Im Handumdrehen hat man demonstriert, was man meint. Glaubst du, ich hätte eben etwas übertrieben mit dem Cape, den Eckzähnen und diesem Akzent? War er für dich allzu erschreckend?«
»Das Cape war Klasse, Don. Aber es war die primitivste, groteskeste Klischeevorstellung ... Nein, ich hatet kein bisschen Angst.«
Er seufzte. »Gut. Aber du verstehst mich zumindest und darauf kommt es an.«
»Verstehe was?«
»Richard, deine Aggression dem Vampir gegenüber war der Beweis für das, was du im Sinn hattest, obwohl du wusstest, daß du damit einem anderen weh tun würdest. Er hat dir sogar erklärt, er würde leiden, wenn ... «
»Aber er wollte mir doch das Blut aussaugen !«
»Genau das tun wir jedem an, dem wir erklären, wir würden leiden, wenn sie nicht unsere Art von Leben lebten.«
Ich verstummte und dachte lange über seine Worte nach. Ich hatte immer geglaubt, daß es uns freistünde, zu tun, wonach es uns gelüstet, vorausgesetzt, wir tun einander nicht weh damit. Doch dieses Beispiel passte nicht ins Schema. Es fehlte etwas.
»Worüber du dir den Kopf zerbrichst«, sagte er, »das ist nur eine Redewendung, eine Maxime, die eben unmöglich ist. Es geht um die Worte: jemand anderem weh tun. Wir allein bestimmen, ob uns weh getan wird oder nicht, ganz gleich, was geschieht. Wir sind es, die das entscheiden. Niemand sonst. Mein Vampir hat dir erklärt, er würde leiden, wenn du ihn nicht ließest, stimmt's? Er hatte sich dafür entschlossen zu leiden, es war seine Wahl. Gib ihm Blut, ignoriere ihn, binde ihn fest, treibe ihm einen eichenen Pfahl durchs Herz. Wenn er den eichenen Pfahl ablehnt, steht es ihm frei, sich auf jede Art, die ihm paßt, zu wehren. Und so geht es weiter, immer weiter: Wir müssen wählen, wählen, wählen ... «
»Nun ja, wenn man es so betrachtet ... «
»Hör zu«, sagte er, »es ist wichtig. WIR SIND ALLE ... FREI ... UM ZU TUN ... WAS IMMER WIR WOLLEN.«
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Jeder Mensch, alle Ereignisse in deinem Leben sind da, weil du selbst sie angezogen hast.
Was du mit ihnen anfängst, ist deine Sache.
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(Wieder ein Kapitel aus Illusionen von Richard Bach)(Die Vampir-Story)
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»Es steht uns allen frei, zu tun, was auch immer wir tun wollen«, sagte Donald an jenem Abend. »Ist das nicht einfach und sauber und eindeutig? Wäre das nicht das Gegebene, um ein Universum zu regieren?«
»Fast. Aber du hast etwas ziemlich Wichtiges unberücksichtigt gelassen«, entgegnete ich.
»So?«
»Solange wir damit keinem anderen weh tun«, sagte ich vorwurfsvoll. »Ich weiß, daß du es so gemeint hast, aber du solltest auch sagen, was du meinst.«
Auf einmal raschelte es im Dunkeln, und ich fuhr herum. »Hast du das gehört7«
»Hmm. Klingt tatsächlich, als ob da jemand ist ... « Er stand auf und ging ins Dunkel. Dann hörte ich ihn plötzlich lachen und einen Namen nennen, den ich nicht mitbekam. »Ist in Ordnung«, sagte er, »nein, wir freuen uns, wenn Sie kommen ... Sie brauchen hier nicht sitzen zu bleiben ... kommen Sie doch, Sie sind uns wirklich willkommen.«
Die Stimme hatte einen schweren Akzent, nicht eigentlich russisch und auch nicht tschechisch, eher siebenbürgisch.
»Danke sehrr. Ich will Ihr abendliches Zusammensein nicht stören ... «
Der Mann, den er an unser Feuer brachte, war nun ... eine ungewöhnliche Erscheinung, der man nicht alle Tage im Mittelwesten Amerikas begegnet. Ein kleiner, magerer, wölfisch aussehender Kerl, Furcht einflößend, in einem Abendanzug und einem abgefütterten Cape. Der Lichtschein störte ihn offenbar.
»Ich kam gerade vorbei«, sagte er. »Über das Feld führt eine Abkürzung zu meinem Haus ... «
»Tatsächlich?« Shimoda glaubte dem Mann wohl nicht, gab sich aber trotzdem Mühe, nicht laut herauszuplatzen. Ich hoffte, ebenfalls bald zu verstehen.
»Bitte machen Sie sich's gemütlich«, sagte ich. »Womit können wir Ihnen dienen?« In Wahrheit fühlte ich mich gar nicht so hilfsbereit, aber er erschien mir so scheu und zurückhaltend, daß ich ihm gern aus seiner Verlegenheit herausgeholfen hätte.
Er sah mich mit einem verzweifelten Lächeln an, das mir das Blut in den Adern stocken ließ. »Ja, Sie können mir helfen. Ich brauche es sehr dringend, sonst würde ich Sie nicht darum bitten. Darf ich Ihr Blut trinken? Nur einen Schluck? Es ist meine Nahrung, ich muss Menschenblut haben, sonst ... «
Kann sein, daß es der fremdländische Akzent war oder daß sein Englisch nicht ausreichte und dass ich ihn nicht verstand ... jedenfalls war ich mit Windeseile auf den Beinen. Strohhalme stoben ins Feuer, so schnell hatte ich mich bewegt.mich bewegt.
Der Mann machte einen Schritt zurück. Ich bin zwar im allgemeinen harmlos, aber ich bin nicht gerade klein geraten und könnte wohl bedrohlich ausgesehen haben. Er wandte den Kopf zur Seite.
»Mein Herr, es tut mir leid, es tut mir wirklich leid! Bitte vergessen Sie, daß ich irgend etwas über Blut gesagt habe! Aber sehen Sie ... «
»Was wollen Sie andeuten?« Ich war nun um so wütender, weil ich Angst hatte. »Was zum Teufel wollen Sie andeuten? Ich weiß nicht, was Sie sind, sind Sie vielleicht eine Art Vam ... ?«
Shimoda fiel mir ins Wort, ehe ich zu Ende sprechen konnte. »Richard, unser Gast hat gerade etwas gesagt. Du hast ihn unterbrochen. Sprechen Sie weiter, Sir, Freund ist etwas zu hastig.«
»Donald«, sagte ich, »dieser Kerl ... «
»Halt den Mund!«
Ich war so überrascht, daß ich den Mund hielt und den Mann, der dort aus dem Dunkeln in unseren Feuerschein gekommen war, nur erschreckt und fragend anstarrte.
»Bitte zu verstehen. Ich habe nicht gewählt Vampirdasein. Ist bedauerlich. Ich habe nicht viel Freunde. Aber ich muß ein gewisses Quantum frisches Blut jede Nacht bekommen, sonst muß ich ganz schreckliche Schmerzen erleiden. Wenn ich längere Zeit ohne Blut bin, kann ich nicht leben! Bitte, lassen Sie mich nicht so sehr leiden, ich werde sterben, wenn Sie mir nicht erlauben, Ihr Blut zu trinken ... nur ein wenig. Mehr als einen halben Liter brauche ich nicht.«
Er machte einen Schritt auf mich zu. Er fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. Anscheinend vermutete er, daß ich Shimoda hörig war und dieser mich gefügig machen würde.
»Noch einen Schritt, und es fließt tatsächlich Blut, Mann! Wenn Sie mich anfassen, bringe ich Sie um ... « Natürlich würde ich ihn nicht umgebracht haben, aber ich wollte ihn mindestens fesseln, ehe wir weitersprachen.
Das mußte gesessen haben, denn er war stehengeblieben und seufzte. Dann wandte er sich an Shimoda. »Hat das Ihren Zweck erfüllt?«
»Glaub schon. Danke !«
Der Vampir sah zu mir auf und lächelte gelassen. Anscheinend war er belustigt und zufrieden wie ein Schauspieler, der seine Rolle überzeugend dargestellt hat »Nein, Richard«, sagte er, und der Akzent war plötzlich ganz weg, »ich werde dein Blut nicht saugen.« Und vor meinen Augen verblasste er, als hätte er sein eigenes Licht, ausgeschaltet ... In fünf Sekunden war er verschwunden.
Shimoda setzte sich wieder ans Feuer. »Bin ich aber froh darüber, daß du nicht meinst, was du sagst.«
Das Adrenalin in meinen Adern ließ mich noch immer erzittern, denn ich war bereit gewesen, es mit dem Ungeheuer aufzunehmen. »Don, das ist nichts für mich. Vielleicht erklärst du mir, was hier vorgeht. Zum Beispie was ... was war das?«
»Ein Vampir aus Siebenbürgen war das«, entgegnete er und ließ seine Stimme noch fremdländischer klingen als die der Kreatur. »Oder besser: die Verkörperung eine Vampirs aus Siebenbürgen. Es ist ganz einfach: Jedesmal wenn man etwas klarmachen will, wenn man meint, der andere hört nicht zu, braucht man nur einen Gedanken zu verkörpern. Im Handumdrehen hat man demonstriert, was man meint. Glaubst du, ich hätte eben etwas übertrieben mit dem Cape, den Eckzähnen und diesem Akzent? War er für dich allzu erschreckend?«
»Das Cape war Klasse, Don. Aber es war die primitivste, groteskeste Klischeevorstellung ... Nein, ich hatet kein bisschen Angst.«
Er seufzte. »Gut. Aber du verstehst mich zumindest und darauf kommt es an.«
»Verstehe was?«
»Richard, deine Aggression dem Vampir gegenüber war der Beweis für das, was du im Sinn hattest, obwohl du wusstest, daß du damit einem anderen weh tun würdest. Er hat dir sogar erklärt, er würde leiden, wenn ... «
»Aber er wollte mir doch das Blut aussaugen !«
»Genau das tun wir jedem an, dem wir erklären, wir würden leiden, wenn sie nicht unsere Art von Leben lebten.«
Ich verstummte und dachte lange über seine Worte nach. Ich hatte immer geglaubt, daß es uns freistünde, zu tun, wonach es uns gelüstet, vorausgesetzt, wir tun einander nicht weh damit. Doch dieses Beispiel passte nicht ins Schema. Es fehlte etwas.
»Worüber du dir den Kopf zerbrichst«, sagte er, »das ist nur eine Redewendung, eine Maxime, die eben unmöglich ist. Es geht um die Worte: jemand anderem weh tun. Wir allein bestimmen, ob uns weh getan wird oder nicht, ganz gleich, was geschieht. Wir sind es, die das entscheiden. Niemand sonst. Mein Vampir hat dir erklärt, er würde leiden, wenn du ihn nicht ließest, stimmt's? Er hatte sich dafür entschlossen zu leiden, es war seine Wahl. Gib ihm Blut, ignoriere ihn, binde ihn fest, treibe ihm einen eichenen Pfahl durchs Herz. Wenn er den eichenen Pfahl ablehnt, steht es ihm frei, sich auf jede Art, die ihm paßt, zu wehren. Und so geht es weiter, immer weiter: Wir müssen wählen, wählen, wählen ... «
»Nun ja, wenn man es so betrachtet ... «
»Hör zu«, sagte er, »es ist wichtig. WIR SIND ALLE ... FREI ... UM ZU TUN ... WAS IMMER WIR WOLLEN.«
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Jeder Mensch, alle Ereignisse in deinem Leben sind da, weil du selbst sie angezogen hast.
Was du mit ihnen anfängst, ist deine Sache.
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