Ziele, Wünsche, Träume und Hoffnungen können eine sehr gefährliche Falle sein.
Bastian, der kleine Junge aus der unendlichen Geschichte, findet sich in Phantasien wieder und darf sich alles wünschen, was er will, weil er Auryn, das Zeichen der Kindlichen Kaiserin, trägt. Er wünscht sich zuerst ein neues Aussehen, danach mehr Kraft, Ausdauer und Stärke, gefolgt von Ansehen und Anerkennung. Also alles Dinge, die sich jeder "gewöhnliche Mensch" auch wünschen würde. Aber wo liegt das Problem? Mit jedem Wunsch vergisst er, wer er in Wirklichkeit ist. So ist es auch mit uns. Jeder egoistische Wunsch entfernt uns immer mehr von unserem Ursprung - dem wahren Selbst. Bastian wandert also durch Phantasien und verstrickt sich immer tiefer in seine Wünsche und vergisst dabei das Wesentliche - sein wahres Wesen. Auf dem Weg zurück zum Elfenbeinturm trifft er auf die hinterhältige Xayide, die Bastian darin bestärkt, sich sinnlose Dinge zu wünschen, damit er den Weg zum inneren Selbst, der Quelle allen Lebens, nicht mehr zurückfindet. Später sieht Bastian ein, dass alles vergebens war und besinnt sich auf einen einzigen Wunsch: endlich lieben zu können. Die Moral der Geschichte lautet: Erkenne dich selbst! Wenn man ernsthaft nach Glück und Liebe sucht, sollte dieser Wunsch früher oder später der einzige sein, weil alles andere bedeutungslos ist - das eigene Selbst ist ewig, unveränderlich, grenzenlos und voller Liebe; also die einzige Wirklichkeit, während der Rest nur Lug und Trug ist. Mehr Schein als Sein!
Jetzt stehen wir vor dem Problem, dass die Gesellschaft uns seit frühester Kindheit folgendes eintrichtert:
Du musst etwas im Leben erreichen!
Du musst jemand sein!
Wünsche sind wichtig!
Setze dir ganz viele Ziele!
Wo willst du in 10 Jahren sein?
...
Ein endloses Streben nach äußeren Dingen - niemand führt uns zur Quelle zurück.
Wunschlosigkeit und ein Leben ohne Erwartungen sind die obersten Gebote der "Selbst-Erkenntnis".
Und nur, weil man keine Wünsche oder Ziele hat, bedeutet das noch lange nicht, dass man nichts mehr erreichen oder erleben wird - im Gegenteil! Wenn man offen und unvoreingenommen ist, geschehen wahre Wunder. Wer viele Wünsche hat, muss sich bei genauerer Überlegung eingestehen, dass er im Hier und Jetzt nicht glücklich und zufrieden sein kann, weil es ja noch Wünsche gibt, die es zu erfüllen gilt. Der Mensch verlegt sein Glück ständig in die Zukunft und kann sich ein Leben ohne Wünsche nicht vorstellen. In Wirklichkeit hegen und pflegen sie keine Wünsche, die von Herzen kommen, sondern sind an Begierden, falschen Vorstellungen, Anhaftung und Egoismus gebunden. Im Endeffekt sind es also diese "falschen Wünsche", die uns daran hindern, frei und glücklich zu sein. Welchen Wunsch könnte es noch geben, wenn man das vollkommene Selbst erreicht hat? Es gibt dann nichts mehr zu tun. Alles ist gut.