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Worte eines Vaters ...

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charlyz

Gast
..am Grabe seiner Tochter:

Meine liebe Charlyz Kimberly,

heute ist der Tag, an dem wir Dich auf eine große Reise schicken. Menschen, die Deiner geliebten Mutter und mir teuer sind, sind hier, um Dich zu verabschieden. Jeder der hier Anwesenden hat Dich auf seine ganz persönliche Weise kennen gelernt und in sein Herz geschlossen. Und so wird auch jeder auf seine ganz persönliche Weise Abschied von Dir nehmen.
Abschied von einem Menschen, der viel zu kurz das Licht dieser Welt gesehen hat.

Elf Tage warst Du unter uns, Charlyz Kimberly und hast uns mit Deinem Lächeln in Deinen Bann gezogen.
Von all dem Leid in dieser Welt, von Hass, Neid, Habgier und all den Dingen, die diese Welt zu dem machen, was sie ist, hast Du nichts gewusst. Du warst einfach nur Liebe. Dein Kommen und Dein Gehen haben unser ganzes Denken, Fühlen und Handeln für alle Zeiten verändert. Nichts ist mehr wie vorher. Du hast uns unwiderruflich zu einer Familie gemacht und uns unseren schönsten Traum erfüllt. Dieses Geschenk, das Du uns gemacht hast wird für immer bleiben, auch über Deinen Tod hinaus.

Johan Wolfgang von Goethe hat einmal gesagt:
„Mich läßt der Gedanke an den Tod in völliger Ruhe, denn ich habe die feste Überzeugung, dass unser Geist ein Wesen ist von ganz unzerstörbarer Natur: es ist ein fortwirkendes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Es ist der Sonne ähnlich, die bloß unseren irdischen Augen unterzugehen scheint, die aber eigentlich nie untergeht, sondern unaufhörlich fortleuchtet.“
Wir sind alle traurig, dass wir Dich nicht werden aufwachsen sehen. Aber wenn das, was Goethe sagt wahr ist, gibt es dann nicht auch Grund, neben den Tränen der Trauer ein paar Tränen der Freude und des Mutes zu vergießen?

Der Tod hat einen schlechten Ruf. Doch niemand von denen, die gegen ihn Klage erheben, hat ihn erfahren. Aber es ist doch leichtfertig, etwas zu verurteilen, das man nicht kennt. Dies hingegen wissen wir alle: für wie viele er nützlich ist, wie viele er von Qualen befreit, von Not, Klagen, Martern und Lebensekel.
Der Tod ist nicht der Untergang, der alles aufhebt und zerstört, sondern eine Wanderung und der Beginn eines anderen Lebens, welches kein Ende hat.
Ich weiss, Du bist heute hier unter uns und schaust auf die Urne mit Deiner Asche, die einst Deine Hülle war. Doch Dein Geist, Deine Seele ist frei und lebt weiter. Wir werden uns wieder sehen, kleine Tochter. Du wirst zu uns zurückkehren, daran glauben wir ganz fest. Abschied ist immer auch eine Tür zur Zukunft. Abschiede sind kleine Tode, die zu Geburten überleiten und somit keine endgültigen Abschiede.

Du wirst bemerkt haben, dass es heute keine kalte Kapelle mit trauriger Orgelmusik gibt. Es gibt auch keinen Pfarrer, der tröstende Worte spricht. Heute bist Du die wichtigste Person. Es genügt, dass wir alle traurig sind. Du gehst heute in eine schönere Welt, als die unsrige je für Dich hätte sein können. Du sollst erhellt und frei von Düsternis auf die Reise gehen. Abschiede sind kleine Tode, die zu Geburten überleiten, und eine Geburt ist immer etwas Schönes und Freudiges.

Bei aller Traurigkeit bleibt doch ein Funken der Hoffnung, des Mutes und der Vorfreude.
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit Dir.

Möge Dein Weg immer eben sein. Möge Dir der Wind immer im Rücken sein. Möge Dir die Sonne das Gesicht wärmen und der Regen sanft auf Deine Felder rieseln, und mögen alle guten Geister und Engel, bis wir uns wiedersehen schützend ihre Hand über Dich halten.

Wir wünschen Dir eine gute Reise – Du wirst immer bei uns sein.
 
Danke Shadow, das war überwältigend auf der Beerdigung...mein kleiner Schriftsteller...

...bin einwenig darüber verwundert , das Du die Einzige bist, die auf soviel Schöne Worte etwas sagt...mhhh...

ob das etwas mit dem Gespräch oder Gedanken mit/von Sunlight zu tun hat?

Liebe Grüße und ich hoffe es geht Dir gut

Charlyz
 
Hallo Charlyz,

ich glaube es sind viele damit überfordert dem eigenen Anspruch gerecht zu werden, etwas "angemessenes" zu sagen. Ich schließe mich da mit ein.
Ich habe Eure Geschichte im Hintergrund mitgelesen, aber nie darauf geantwortet, so auch hier nicht. Mir stiegen ehrlich gesagt die Tränen in die Augen, als ich die Worte Deines Mannes las, als ich es mir vorstellte, wie er diese Worte bei der Beerdigung aussprach. Ich habe selber eine Tochter - eine "ungeplante" - das kommt mir dann ungerecht vor.
Ich habe auch zeitweise Angst sie zu verlieren und doch werde ich niemals nachempfinden können, was für einen Schmerz Ihr in Euch tragen müsst.
Ja- und dann ist sie wieder da, die Frage danach, was ich Euch schon groß sagen kann. Ich, der jemand, der seine Tochter hat, der Euch eigentlich kein bißchen helfen kann. Was kann ich Euch sagen? "Es tut mir leid für Euch"? Es klingt so phrasenhaft, nicht ehrenwert genug, weder für Euch noch für Eure Tochter.
Es tut mir aber (ich denke im Namen vieler hier) dazu auch leid, dass uns scheinbar die "richtigen" Worte fehlen.

ein bißchen peinlich berührt von mir selbst wünsche ich Euch dennoch viel Kraft für die Zukunft!

Und so richtig schön fand ich, dass Dein Mann sagte, ihr seid unwiderruflich zu einer Familie geworden, das hat mich sehr berührt. Lasst Euch dieses Gefühl niemals mehr nehmen!

Gel06
 
Hallo Gel06,

ich kann Dich sehr gut verstehen und finde es nicht schlimm, wenn Menschen einen "nichts" sagen können. Diese Worte, die Du und vielleicht vielen Anderen hier auch, nicht einfallen warum auch immer, kann ich sehr nach vollziehen. Vielleicht ist es auch nur, weil ich am Anfang meines Kontaktes zu diesem Forum (unter Tod "Mein Engel ist bei mir") viele Antworten erhalten habe, die mir sehr gut taten...

...Ehrlich gesagt, will ich im Großen und Ganzen mit meiner Geschichte anderen Menschen vermittel, das Leid immer zu tragen sei. Ich meine, das Austauschen im Allgemeinen tat mir sehr gut. Dann kam ein Fehler von mir zu Tage und seitdem höre ich auf mein Geschriebenes gar nichts mehr, bis auf einen hier im Forum.

Nun dachte ich, das dieses Forum ein Ort ist, wo ich mich mit Menschen austauschen kann, umso dieses schreckliche Gefühl in mir ertragen zu können.

Weißt Du, mein Mann arbeitet von 14 - 21:00 Uhr und die Menschen, mit denen ich so Kontakt hatte, bevor meine Tochter verstarb, melden sich nicht und so vermiss ich einfach nur ein Srechen...wie alle ANderen wohl doch auch, oder?!

Kann ja sein, das ich mich auch irre.
 
Guten Abend Charlyz!

Ich finde die Stelle am Schönsten: "Heute bist Du die wichtigste Person."

Ich finde es generell sehr schön, wie du Charlyz verabschiedest und darüber schreibst.
Wenn ich darüber nachdenke, wieso ich nichts dazu geschrieben habe, ist das einfach so ein Gefühlsdingens...
Mein Gefühl sagt mir, dieser Thread gehört deiner Charlyz, und alles was ich auf deine bewegenden Worte (bzw, die deines Mannes) schreiben könnte, würde irgendwie deplaziert wirken.

Wenn du dich austauschen möchtest, versuchs doch mal mit einem neuen Thread, und beschreibe einfach, was dir so durch den Kopf geht...
Da traut sich dann vielleicht eher jemand ;-)

Man muss aber auch dazu sagen, dass es schon manchmal vorkommt, dass man keine oder nur wenige Antworten auf seine Beiträge bekommt, was von vielen Faktoren abhängt, ob jemand überhaupt etwas dazu zu sagen weiß, oder wenige Leute im Forum sind, man die richtigen Worte findet undundund...

Ich persönlich versuche mich in der Regel auf Beiträge zu konzentrieren, wo ich das Gefühl habe, der jenige braucht dringend Unterstützung... ich habe nämlich nicht allzu viel Zeit und brauche für meine Beiträge relativ lang... 🙂

Also bezieh diese Dinge nicht so sehr auf dich..., ok?

Und was deine "realen" Freunde angeht: hast du denn schon mal bei ihnen angerufen?
Könnte mir gut vorstellen, dass ein paar sich einfach nicht trauen, dich in deiner Trauer zu "belästigen"...
also Initiative zeigen, auch wenns grad vielleicht bisschen schwer fällt!!!

liebe Grüße, Martin 🙂
 
Hallo Sunlight,

ja, Du hast recht und im großen und ganzen weiß ich das was Du sagst auch.

Ich möchte eher den Menschen, die mit Trauer zu tun haben, ein wenig Mut
machen...Verlust ist immer so dermaßen schmerzhaft...vielleicht ein Weg zeigen.
Hoffnung machen...

Ansonsten war ich wohl nur ein wenig irritiert, das erst so viel Anteilnahme kam und kurz nach unserem Gespräch so gar nichts war.

Es ist alles in Ordnung, ich verstehe Euch und ich danke Euch trotzdem für Eure Worte.

Charlyz
 

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