Nitram Akloh
Mitglied
Für den einen oder anderen liest sich die Überschrift sicherlich so, als wäre dies das normalste im Leben. Dem würde ich auch beipflichten, aber mit Rückschlägen meine ich hier, dass ich unter anderem depressive Episoden kommen und die meistens dann kommen, wenn ich versuche, etwas aufzubauen. Und meistens mache ich durch mein Verhalten mein Aufgebautes wieder selber kaputt.
Genau vor einer Woche bin ich schon 32 geworden und ich habe das beschissene Gefühl, im Leben bisher nichts erreicht zu haben, wenn ich mich mit Menschen gleichen Alters vergleiche. Die meisten stehen im Leben voll im Beruf und haben inzwischen schon eine Familie mit Kindern. Ich fühle mich richtig… zurückgeblieben. Damit ihr das besser versteht, muss ich ein wenig von meiner Lebensgeschichte berichten.
Schon seit der Geburt hatte ich es schwer, denn ich war eine Frühgeburt mit gerade 1,3 kg auf der Waage. Dies hatte zur Folge, dass meine körperliche und geistige Entwicklung verzögert bzw. langsamer von statten ging. Das fiel mir besonders in der Schule auf die Füße. So war ich zwar oft der Älteste in der Klasse, aber auch gleichzeitig der kleinste. Schüchtern und ruhig außerdem. So wurde ich schnell das Mobbing-Opfer. Das ging ab der 4. Klasse los und hatte seinen traurigen Höhepunkt in der 6. und 7. Klasse. Deswegen war ich jedes Mal froh, wenn man mich in Ruhe ließ. Sozial gesehen war ich eine Niete und meine Hobbys drehten sich größtenteils um Computer und Spiele.
Ich war froh, meinen Realschulabschluss geschafft zu haben und da ich mich beruflich noch nicht entscheiden konnte, machte 2 Jahre noch meine Hochschulreife. Das erste Jahr dort war wieder belastend für mich, weil dort auch 2 Jungs dabei waren, die mich mobbten, aber im 2. Jahr besserte sich das. Vermutlich weil ich es schaffte, irgendwie nicht mehr ganz so schüchtern und ruhig zu sein. Sogar einen Kumpel hatte ich. Aber nachdem auch die Fachoberschule absolviert war, hatten wir keinen Kontakt mehr. Tja, aus den Augen, aus dem Sinn…
Ich versuchte zu studieren. Wirtschaftsingenieurwesen, was mir irgendwann nicht mehr zusagte, und später noch Informatik, was mir zu anstrengend war. Kein Problem, versuchte ich halt eine Ausbildung zu finden. Leichter gesagt als getan. Etliche Bewerbungen, aber nur abgelehnt, spätestens nach den Vorstellungsgesprächen. Bestimmt weil ich da zu unsicher wirkte. Irgendwann machte ich eine außerbetriebliche Ausbildung im Bürobereich. Da war ich schon 25. Und da passierte es, dass ich meine erste und bisher einzige Freundin kennen lernte. Die Beziehung hielt 8 Monate, bis sie anfing sich immer mehr zurückzuziehen, bis sie nach einem weiteren Monat mir verkündete, dass sie nicht mehr mit mir zusammen sein wollte. Ich wäre nicht ihr Typ, zu kindisch und unsicher.
Das war unzweifelhaft der schlimmste Tag meines Lebens. Ich hatte wirklich starke Gefühle für sie und es dauerte Jahre, bis ich einigermaßen darüber hinweg kam. Doch selbst jetzt denke ich manchmal noch an sie oder träume von ihr.
Die erste depressive Phase hatte ich 2012, ein Jahr nach der Trennung. Hatte nur trübe Gedanken, Selbsthass und hatte kaum Appetit. Aber trotz dieser Umstände schaffte ich einen recht guten Berufsabschluss.
Und ab da wollte ich sowas wie einen Neuanfang in meinem Leben machen. Ich wollte endlich, mit 27 Jahren von den Eltern wegziehen. Nach Leipzig sollte es gehen und ich versuchte, ermutigt durch meinen erfolgreichen Berufsabschluss wieder ein Studium zu beginnen. Aber Ende 2013 kam wieder eine schlimme Phase, weswegen ich das Studium wieder hinschmiss. Ich hatte so viele Hoffnungen mit dem neuen Leben, neue Freunde und vielleicht sogar eine neue Freundin zu finden. Aber nichts davon geschah nach einem halben Jahr. So zog ich wieder zu den Eltern.
Ähnliches wiederholte sich vor einigen Jahren, wobei die Phasen immer schlimmer worden. Ich fühlte mich wie der letzte Dreck, hatte keine wirkliche Lebensfreude mehr, mir war alles egal. Ich begann mich zu ritzen und hatte sogar Gedanken, wie ich mich selber umbringen könnte. Ich wurde darauf in Therapie geschickt, stationär. Zwar konnte ich mich wieder stabilisieren und fand neue Freunde. Doch zu diesem brach der Kontakt irgendwann wieder ab. Ich versuchte selber neue Freunde zu finden, aber irgendwie schaffte ich es nicht. Ging zu verschiedenen Treffen, aber die Gespräche dort waren mir zu oberflächlich und unpersönlich. Ich fühlte mich einfach nicht wohl. Nahm mich etwa keiner ernst? War ich immer noch zu unsicher, trotz der Therapien? Und wurde ich durch meine geringe Größe von 163 cm übersehen? Diese Fragen quälen mich noch heute.
Seit Sommer letzten Jahres hatte ich endlich einen Job. Die Freude war am Anfang groß. Endlich auf eigenen Beinen und die Hoffnung, im Leben selber etwas aufbauen zu können. Aber die Arbeit war mir irgendwann zu monoton. Zur Erklärung: Ich wollte für die Programmierung eingeteilt werden, aber tatsächlich war ich nur in der Produktion tätig. Tag für Tag, Woche für Woche immer nur die gleichen Handgriffe. Die Kollegen waren entweder mies drauf oder von der Intelligenz so weit unten, dass Gespräche mit ihnen mir nicht zusagten. Und mein Vorgesetzter war ein Ar***, niemand lobte mich mal, sondern kritiersierte nur.
So kam es wohl, dass ich Anfang dieses Jahres wieder die nächste Depression und zeitgleich auch die Kündigung bekam (war ja noch Probezeit). Und wie stehe ich nun da? Wieder ohne Job, nur 2 Freunde, welche sich sporadisch mal melden, aber sonst nur mit sich selbst beschäftigt sind. Keine Beziehung, mittlerweile habe ich die Hoffnung auch aufgegeben.
Was bleibt mir noch? Sich wieder aufrappeln wie die vergangenen Male? Ich weiß nicht, ob ich die Kraft noch habe. Ich habe einfach das Gefühl, egal was ich anfange, es wird doch eh nichts. Meine schlimmste Angst ist die Einsamkeit und die Möglichkeit, ganz alleine alt zu werden. Ich bin froh, immerhin noch meine Eltern zu haben. Mit ihnen verstehe ich mich gut, aber was ist, wenn sie irgendwann nicht mehr sind? Wer ist dann noch? Damals, als ich meine Freundin hatte, wusste ich auf einmal, wofür ich leben sollte. Es war wie ein Motor, der mich angetrieben hatte.
Dieser Antrieb fehlt mir völlig. Auch kann ich mich für nichts mehr begeistern. Freude oder auf etwas im positiven Sinne entgegen blicken? Fehlanzeige. Das einzige, was mir vielleicht noch bleibt sind Wünsche. Wunsch auf einen Beruf, der mir Freude macht. Wunsch auf die Möglichkeit, anderen Menschen helfen zu können. Wunsch auf so etwas wie Geborgenheit. Zu wissen, dass jemand da ist, der sich um mich sorgt und um den ich mich auch sorgen kann. Und natürlich, dass dieser Motor wieder zurückkommt. Irgendwann vielleicht mal…
Ich habe das Gefühl, als habe ich zwar viel jetzt geschrieben, aber so richtig zufrieden bin ich nicht. Als würde ich nur an der Oberfläche kratzen, als würde ich noch viele meiner Probleme außer Acht lassen. Deswegen bitte ich euch, verzeiht mir, wenn vieles hier so oberflächlich oder fragwürdig erscheint. Zögert nicht, mich zu fragen oder hier und da nachzuhaken. Vieles wird ja erst auch klarer, wenn man es von mehreren Seiten aus betrachtet, so glaube ich.
Und bitte versteht mich nicht falsch, mir geht es nicht darum, irgendwie Mitleid zu erbetteln. Ich bin einfach nur ratlos und weiß einfach nicht mehr weiter. Einer der Gründe, warum ich mich in diesem Forum anmeldete, ist die Entdeckung, dass hier viele nette und freundliche Menschen unterwegs sind. Vielleicht war ich in meinen bisherigen Leben zu wenig unter so netten Menschen?
An denjenigen, der bisher gelesen hatte: Danke, dass du dir die Zeit genommen hast! J
Genau vor einer Woche bin ich schon 32 geworden und ich habe das beschissene Gefühl, im Leben bisher nichts erreicht zu haben, wenn ich mich mit Menschen gleichen Alters vergleiche. Die meisten stehen im Leben voll im Beruf und haben inzwischen schon eine Familie mit Kindern. Ich fühle mich richtig… zurückgeblieben. Damit ihr das besser versteht, muss ich ein wenig von meiner Lebensgeschichte berichten.
Schon seit der Geburt hatte ich es schwer, denn ich war eine Frühgeburt mit gerade 1,3 kg auf der Waage. Dies hatte zur Folge, dass meine körperliche und geistige Entwicklung verzögert bzw. langsamer von statten ging. Das fiel mir besonders in der Schule auf die Füße. So war ich zwar oft der Älteste in der Klasse, aber auch gleichzeitig der kleinste. Schüchtern und ruhig außerdem. So wurde ich schnell das Mobbing-Opfer. Das ging ab der 4. Klasse los und hatte seinen traurigen Höhepunkt in der 6. und 7. Klasse. Deswegen war ich jedes Mal froh, wenn man mich in Ruhe ließ. Sozial gesehen war ich eine Niete und meine Hobbys drehten sich größtenteils um Computer und Spiele.
Ich war froh, meinen Realschulabschluss geschafft zu haben und da ich mich beruflich noch nicht entscheiden konnte, machte 2 Jahre noch meine Hochschulreife. Das erste Jahr dort war wieder belastend für mich, weil dort auch 2 Jungs dabei waren, die mich mobbten, aber im 2. Jahr besserte sich das. Vermutlich weil ich es schaffte, irgendwie nicht mehr ganz so schüchtern und ruhig zu sein. Sogar einen Kumpel hatte ich. Aber nachdem auch die Fachoberschule absolviert war, hatten wir keinen Kontakt mehr. Tja, aus den Augen, aus dem Sinn…
Ich versuchte zu studieren. Wirtschaftsingenieurwesen, was mir irgendwann nicht mehr zusagte, und später noch Informatik, was mir zu anstrengend war. Kein Problem, versuchte ich halt eine Ausbildung zu finden. Leichter gesagt als getan. Etliche Bewerbungen, aber nur abgelehnt, spätestens nach den Vorstellungsgesprächen. Bestimmt weil ich da zu unsicher wirkte. Irgendwann machte ich eine außerbetriebliche Ausbildung im Bürobereich. Da war ich schon 25. Und da passierte es, dass ich meine erste und bisher einzige Freundin kennen lernte. Die Beziehung hielt 8 Monate, bis sie anfing sich immer mehr zurückzuziehen, bis sie nach einem weiteren Monat mir verkündete, dass sie nicht mehr mit mir zusammen sein wollte. Ich wäre nicht ihr Typ, zu kindisch und unsicher.
Das war unzweifelhaft der schlimmste Tag meines Lebens. Ich hatte wirklich starke Gefühle für sie und es dauerte Jahre, bis ich einigermaßen darüber hinweg kam. Doch selbst jetzt denke ich manchmal noch an sie oder träume von ihr.
Die erste depressive Phase hatte ich 2012, ein Jahr nach der Trennung. Hatte nur trübe Gedanken, Selbsthass und hatte kaum Appetit. Aber trotz dieser Umstände schaffte ich einen recht guten Berufsabschluss.
Und ab da wollte ich sowas wie einen Neuanfang in meinem Leben machen. Ich wollte endlich, mit 27 Jahren von den Eltern wegziehen. Nach Leipzig sollte es gehen und ich versuchte, ermutigt durch meinen erfolgreichen Berufsabschluss wieder ein Studium zu beginnen. Aber Ende 2013 kam wieder eine schlimme Phase, weswegen ich das Studium wieder hinschmiss. Ich hatte so viele Hoffnungen mit dem neuen Leben, neue Freunde und vielleicht sogar eine neue Freundin zu finden. Aber nichts davon geschah nach einem halben Jahr. So zog ich wieder zu den Eltern.
Ähnliches wiederholte sich vor einigen Jahren, wobei die Phasen immer schlimmer worden. Ich fühlte mich wie der letzte Dreck, hatte keine wirkliche Lebensfreude mehr, mir war alles egal. Ich begann mich zu ritzen und hatte sogar Gedanken, wie ich mich selber umbringen könnte. Ich wurde darauf in Therapie geschickt, stationär. Zwar konnte ich mich wieder stabilisieren und fand neue Freunde. Doch zu diesem brach der Kontakt irgendwann wieder ab. Ich versuchte selber neue Freunde zu finden, aber irgendwie schaffte ich es nicht. Ging zu verschiedenen Treffen, aber die Gespräche dort waren mir zu oberflächlich und unpersönlich. Ich fühlte mich einfach nicht wohl. Nahm mich etwa keiner ernst? War ich immer noch zu unsicher, trotz der Therapien? Und wurde ich durch meine geringe Größe von 163 cm übersehen? Diese Fragen quälen mich noch heute.
Seit Sommer letzten Jahres hatte ich endlich einen Job. Die Freude war am Anfang groß. Endlich auf eigenen Beinen und die Hoffnung, im Leben selber etwas aufbauen zu können. Aber die Arbeit war mir irgendwann zu monoton. Zur Erklärung: Ich wollte für die Programmierung eingeteilt werden, aber tatsächlich war ich nur in der Produktion tätig. Tag für Tag, Woche für Woche immer nur die gleichen Handgriffe. Die Kollegen waren entweder mies drauf oder von der Intelligenz so weit unten, dass Gespräche mit ihnen mir nicht zusagten. Und mein Vorgesetzter war ein Ar***, niemand lobte mich mal, sondern kritiersierte nur.
So kam es wohl, dass ich Anfang dieses Jahres wieder die nächste Depression und zeitgleich auch die Kündigung bekam (war ja noch Probezeit). Und wie stehe ich nun da? Wieder ohne Job, nur 2 Freunde, welche sich sporadisch mal melden, aber sonst nur mit sich selbst beschäftigt sind. Keine Beziehung, mittlerweile habe ich die Hoffnung auch aufgegeben.
Was bleibt mir noch? Sich wieder aufrappeln wie die vergangenen Male? Ich weiß nicht, ob ich die Kraft noch habe. Ich habe einfach das Gefühl, egal was ich anfange, es wird doch eh nichts. Meine schlimmste Angst ist die Einsamkeit und die Möglichkeit, ganz alleine alt zu werden. Ich bin froh, immerhin noch meine Eltern zu haben. Mit ihnen verstehe ich mich gut, aber was ist, wenn sie irgendwann nicht mehr sind? Wer ist dann noch? Damals, als ich meine Freundin hatte, wusste ich auf einmal, wofür ich leben sollte. Es war wie ein Motor, der mich angetrieben hatte.
Dieser Antrieb fehlt mir völlig. Auch kann ich mich für nichts mehr begeistern. Freude oder auf etwas im positiven Sinne entgegen blicken? Fehlanzeige. Das einzige, was mir vielleicht noch bleibt sind Wünsche. Wunsch auf einen Beruf, der mir Freude macht. Wunsch auf die Möglichkeit, anderen Menschen helfen zu können. Wunsch auf so etwas wie Geborgenheit. Zu wissen, dass jemand da ist, der sich um mich sorgt und um den ich mich auch sorgen kann. Und natürlich, dass dieser Motor wieder zurückkommt. Irgendwann vielleicht mal…
Ich habe das Gefühl, als habe ich zwar viel jetzt geschrieben, aber so richtig zufrieden bin ich nicht. Als würde ich nur an der Oberfläche kratzen, als würde ich noch viele meiner Probleme außer Acht lassen. Deswegen bitte ich euch, verzeiht mir, wenn vieles hier so oberflächlich oder fragwürdig erscheint. Zögert nicht, mich zu fragen oder hier und da nachzuhaken. Vieles wird ja erst auch klarer, wenn man es von mehreren Seiten aus betrachtet, so glaube ich.
Und bitte versteht mich nicht falsch, mir geht es nicht darum, irgendwie Mitleid zu erbetteln. Ich bin einfach nur ratlos und weiß einfach nicht mehr weiter. Einer der Gründe, warum ich mich in diesem Forum anmeldete, ist die Entdeckung, dass hier viele nette und freundliche Menschen unterwegs sind. Vielleicht war ich in meinen bisherigen Leben zu wenig unter so netten Menschen?
An denjenigen, der bisher gelesen hatte: Danke, dass du dir die Zeit genommen hast! J