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Wie weiterleben?

Dice01

Mitglied
ich wurde in meiner ersten Ehe verprügelt, getreten, vergewaltigt, sollte auf den Strich gehen, Waffengewalt von seiner Seite aus, er hatte mich finanziell ruiniert, ich wurde verbal fertig gemacht mit den Worten: Du hast einen Fehler-du lebst. Usw.. Resultat: Erfolgloser Selbstmordversuch meinerseits.

Habe den Absprung geschafft, als er mich fast zu Tode geprügelt hat.

Habe lange keinem Mann vertrauen können. Mein zweiter Mann hat mich wieder gelehrt wie es ist zu vertrauen, keine Angst zu haben, Zärtlichkeiten zu genießen. Ich habe ihn über alles geliebt, alles getan um es ihm recht zu machen. Das war ein Fehler, denn ich habe wohl zu viel Angst gehabt ihn sonst zu verlieren. In meinen früheren Beziehungen war ich nicht so anhänglich, habe auch meine Meinung vertreten.

Jetzt hat er mich verlassen (nach 3 Jahren Ehe), weil seine Gefühle nicht mehr reichen, ich ihn mit meiner Liebe erdrückt habe, nie widersprochen habe.

Wie soll ich jemals wieder Vertrauen? Warum hänge ich so an ihm?
Wie verarbeite ich meine Erfahrungen (insbesondere meine erste Ehe), damit ich nicht wieder so agiere?
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo,

ich kann dir nur raten: sieh zu, dass du Altlasten in deiner Seele abbaust und gezielt daran arbeitest den Opferhabitus (innere Haltung die sich auch äußerlich am Verhalten und Körperhaltung zeigt) abzubauen, Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl wieder aufzubauen. Nur dann klappt es insbesondere nach Gewalterfahrungen wieder mit neuen Partnerschaften, was ja sehr zu wünschen wäre, oder?

Menschen die sich selber achten, ein gutes Selbstbewusstsein haben, haben es leichter im Leben, werden viel eher von anderen Menschen geachtet und geliebt. Das ist sone menschliche Verhaltenskiste, auf der das beruht.

Gut verarbeiten kannst du in einer Therapie..Verhaltenstherapie z.b. Dort kann man mal ein wenig analysieren was ungünstig verlaufen ist, wie ein solider Selbstchutz aussieht, wie ein gutes Selbstbewusstsein. Nur wenn man sich von innen her ein wenig ändert, die Einstellung zu sich selber ändert kann sich auch was am Verhalten ändern, was grad bei Gewaltopfern überlebensnotwendig ist und auch sehr wichtig um zunem normalen Liebesbegriff zu finden und ner normalen Definition von Partnerschaft.

Dich werden wahrscheinlich große Verlassensängste antreiben und dich dazu bringen zu viel zu dulden und zu Klammern. Beides nicht gut. Es ist nicht gut keine eigene Meinung zu haben und nie Widerspruch zu geben...das hat zu wenig Präsenz und der Partner fühlt sich oft allein gelassen, nicht ernstgenommen etc. Du müsstest lernen ein selbständigerer und unabhängigerer Mensch zu werden, damit du ne bessere Partnerin wärst. Das geht an sich auch mit harter Arbeit an dir selber.
Psychologisch wirksam sind hier Therapien, Lebensberatung, Personal-coaching, Kampfsport. Dort kann das Abgrenzungsvermögen trainiert werden, Ängste und Unsicherheiten abgebaut werden, was dann selbstsicherer und unabhängiger macht, was wiederum ein guter Selbstschutz ist.
Abgrenzungsvermögen funktioniert so, dass man nicht wie Opfer es typischerweise machen die Schuld für alles bei sich selber sucht...sowas ist Murks und nicht genügend realitätsangepaßt. Wenn ein Partner dich schlägt ist er allein verantwortlich für sein Verhalten und basta! Und sollte auch die volle Verantwortung dafür übernehmen und ggf. im Knast einfahren. Ein wichtiger Abgrenzungsschritt wäre eine Anzeige und ein Strafverfahren oder auch zivilrechtliche Verfahren (Schadensersatzklagen etc.) gegen Täter oder EXtäter, damit man ne klare Grenzlinie zieht..ist v.a. wichtig für einen selber um zu lernen NEIN zu sagen zu strafbaren Handlungen. Wenn Gewalt im Spiel ist wird das Selbstwertgefühl der Opfer gezielt niedergedrückt..hier gilt es sich das NIEMALS gefallen zu lassen. Du allein bestimmst wie jemand dich behandeln soll und darf, du musst auch die Verantwortung für dich übernehmen um dich gegen Übergriffe schützen zu können, dich zu wehren etc... Das alles ist erlernbar.
Der einzige Fehler oder Mangel den du hast ist momentan der, dass du arge Probleme mit deinem Selbstbewusstsein und SElbstwertgefühl hast, aber die kann man ohne Weiteres mit ein wenig Arbeit an sich selber beheben. Wenn du es als Fehler ansiehst zu leben ist das Opferdenken..geprägt von einem katastrophalen SElbstwertgefühl, dass bei Null liegt..hier muss unbedingt Aufbauarbeit geleistet werden....damit du von solchem Denken weg kommst und mehr normal denkst: der Fehler war die damalige Partnerwahl, der miese Typ war ein echter Griff ins Klo und sollte für jeden Schlag, der ihn dir antat büßen...nicht du, sondern er sollte beseitigt werden...klarerweise mit legalen Mitteln, Anzeige etc...Hier spiegeln sich wieder die opfertypischen Schuldgefühle wieder...sich schuldig für alles und nix fühlen, sogar für die eigene Existenz...sowas solltest du dir auf keinen Fall antun! Nicht einmal deine ärgsten Feinde denken so schlecht über dich, also lass du es bitte auch sein!

Folge solcher Gewalterlebnisse kann ggf. ne Depression mit suizidalen Anteilen, also Selbstmordwunsch sein, die fachärztlich behandelt werden muss und sollte. Kümmer dich darum, denn Wertschätzung beginnt bei dir selber..je besser du dich selber behandelst, desto besser behandeln dich auch andere...wieder sone uralte Verhaltenskiste bei den Menschen. Du solltest dir es also wert sein dir helfen zu lassen bei deiner Verarbeitung.

Du hast ne Menge zu tun: packs an, dann bin ich mir sicher, dass du es schaffen wirst. Ich drücke dir dazu ganz feste die Daumen!

LG
Tyra
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Tyra,

danke für deine Tipps.

Ich habe meinen ersten Mann angezeigt (wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung, aber nicht wegen der Vergewaltigungen und anderen Dinge). Verfahren gab es auch von Seiten der Staatsanwaltschaft auf Grund des "besonderen öffentlichen Interesses". Was kam dabei raus? Eine empfindliche Geldstrafe und Bewährung. Mehr nicht!!!

Bei meinem zweiten Mann habe ich langsam wieder gelernt zu vertrauen-in jeglicher Hinsicht.

Das ist jetzt auch zerstört. Er hat mich nie geschlagen, war immer lieb. Dann sagte er, vorübergehende Trennung weil seine Gefühle nicht mehr reichen. Ich zieh aus, es zieht sich über 3 Wochen hin, wo er ab und zu mal vorbeikam für "das Eine", mir sagte das wir dran arbeiten unsere Ehe zu retten. Mir 4 Tage später dann sagte es ist endgültig vorbei! Ich komme mir jetzt auch so benutzt und belogen vor.

Wie soll ich später einem Mann glauben können, das er es ernst meint? Wie soll ich mein Mißtrauen bekämpfen? Und wie die Angst das bei mir bei bestimmten Situationen wieder "die Klappe fällt" sprich, das ich Situationen von damals vor mir sehe und "dicht" mache?
 
Hallo Dice..

Wenn man sowas erleben musste wie du,ist es meistens so,das wenn dann eine Mann kommt und aufmerksam und zärtlich ist,man sein "Glûck" garnicht fassen kann,man kann's nicht glauben das es doch noch Mânner gibt die anders sind und die einem anders behandeln.
Aber es ist eher so,das man sich zu schnell zufrieden gibt und man sich nur zu schnell "blenden " lässt.
Die eigenen Ansprüche sind kleiner,vielleicht weil man denkt,das man eh nicht mehr verdient hat.
Oder man sich in eine Beziehung flüchtet,aus Angst alleine sein Leben zu verbringen.
Wenn so mit einem umgegangen wird wie es mit dir geschehen ist,ist es kein Wunder das man an die Falschen gerät,mir ist es auch so ergangen.
Sage dir immer wieder,das du ein Mensch bist der es verdient hat geliebt zu werden aber der es NICHT verdient,das man ihn am ausgestrecktem Arm verhungern lässt.
Du darfst ruhig etwas "wählerischer" sein,auch vorsichtiger bei der "Wahl" deines neuen Partners,du bist kein Hund den man einen Knochen vorwirft und er ihn zu fressen hat.
Grob ausgedrückt,aber lieb gemeint🙂

Lieben Gruss!
Lise

 
Hallo,
wie soll ich lernen, jemals wieder einem Mann zu vertrauen? Wie soll ich glauben lernen, das es ein Mann ernst meinen könnte? Wie dieses abgrundtiefe Mißtrauen ablegen, dass man doch irgendwann wieder bitter enttäuscht wird?
 
Da muss ich Darkside ein wenig zustimmen.
Solange du nicht mehr Selbstbewusstsein hast und dich noch als "Opfer" fühlst das auf die "Gnade" eines Menschen angewiesen ist geliebt zu werden,wirst du es sehr schwer haben.
Wie ich schon erwähnte schraubst du deine Ansprüche zu tief runter,und bist zu schnell zufrieden.
Aber du solltest um deiner Selbst geliebt werden,mit allen Ecken und Kanten,und natürlich sollte das auf Gegenseitigkeit beruhen.
Jeder hat das Recht auf Liebe,nur muss man sie sich nicht erbetteln müssen.
Und wenn der Richtige kommt,wirst du es merken😉


Lieben Gruss!
Lise
 
Hallo an alle,

danke das ihr mir so lange Zeit mit Rat und Tat zur Seite standet.

Mein Mann und ich sind wieder zusammen. Seit dem Treffen letzte Woche Sonntag haben wir unwahrscheinlich viel miteinander geredet (so viel wie in unserer ganzen Ehe nicht). Jeder hat seine Standpunkte klar gemacht, seine Wünsche vorgetragen.

Wir sind wieder zusammen!
 

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