Hallo,
im Gegensatz zu passivaggressiv bin ich eher aktivaggressiv und an sich nicht sprachlos, denn ich kenne die Welt ein wenig und hab gelernt hinzugucken, zu analysieren, zu urteilen und zu handeln..wobei mir aber immer noch Einiges ein Rätsel ist...aber nicht mehr ganz so viele Dinge...🙂
Also ich denke, das mehrere Aspekte zu berücksichtigen sind, und man mit deiner Schilderung ja noch nicht alle Punkte kennt. Zum einen würde ich sagen, dass die Mutter sich wahrscheinlich zu wenig gekümmert hat..Ihr Schmerz über den Verlust des Mannes ist nachvollziehbar, aber sie hatte auch Verantwortung für sich selber, für ihre Tochter und hätte sich deshalb nie so gehen lassen dürfen und gegen ihre Tablettensucht kämpfen müssen. Das Leben ist nicht immer leicht und viele Menschen erleiden Schicksalsschläge, aber je nach innerer Festigkeit und Reife sind sie dennoch in der Lage ihre Verantwortung sich selber ggü und auch ihren Kindern ggü dennoch anzunehmen und sich zu bemühen, weiterzukämpfen, achtsam zu bleiben etc. Leider holen sich viele Menschen auch oft gar nicht oder viel zu spät Hilfe von außen, von sachkundigen Dritten, nutzen ihre Möglichkeiten nicht richtig...aus Angst, Scham, Vorurteilen, Minderwertigkeitskomplexen oder ähnlichen Gründen. Leben heißt aber manchmal kämpfen müssen, das vergessen viele oder weigern sich, sich dieser Realität und Aufgabe zu stellen. Dazu stehen dem Einzelnen gewisse Kampfmittel zur Verfügung, die er nutzen kann. Man ist also nicht allein und kann so einiges bewirken, ist auch nicht der Willkür einzelner Ämter ausgeliefert. Diese Willkür und Machtmißbräuche sind durchaus Realität, die ich auch selber erfahren habe. In der Zeit, in der ich vor Jahren selber krank war und ca. 2 Jahre lang Sozialhilfe bezog habe ich mehrere Dienstaufsichtsbeschwerden und Klagen geführt...alle erfolgreich...was zeigt wie krumm, bzw auf Eigeninteressen gerichtet dort die Rechtsauffassung oft ist. Es gab da eine Dezernatsleiterin, die mich ebenso einschüchtern wollte mit einem: entweder sie machen das wie ich es will, oder sie bekommen gar nichts...da ich einen Zeugen bei dem Telefonat hatte, habe ich Dienstaufsichtsbeschwerde eingelegt und mit erhöhter Forderung zur Kasse gebeten. Mit Erfolg. Bei Amtssachen ist es eh gut immer jemanden mit dabei zu haben, oder wichtige Dinge nur schriflich festzulegen, mit Belegen zu arbeiten...also in der Sprache der Ämter zu kommunizieren. So wird dem Machtmißbrauch einzelner Beamter wirksam Einhalt geboten. Denn wie gesagt: auch die Amtfuzzies sind nur Menschen, denen man sich nie so voll und ganz ausliefern sollte...es sei denn man kennt sie persönlich oder so....Und: an dem Maß, was ein Mensch ertragen will oder muss, was man sich bieten lässt kann jeder Mensch mitbestimmen.
Die Frage ist: wo war die Mutter,als Laura sich mit dem Jugendamt auseinandersetzen musste? Hätte sie nicht zumindest ersatzweise einen Berater der Lebensberatung von Diakonie oder Caritas mit einschalten können? Oder einen Anwalt engagieren können? Auch wenn kein Geld da ist kann sich jeder in Deutschland einen Anwalt leisten mit Beratungsschein vom Amtsgericht! Da Laura minderjährig war denke ich dass die Mutter als Sorgeberechtigte(?) in Sachen Abtreibung ebenso mit angesprochen worden sein muss? Wie kam es überhaupt zu dieser Szene, dass die Ärzte an Laura rankamen?...zuvor muss da ja noch ne Menge gelaufen sein...eine Menge Möglichkeiten dagewesen sein, dass Laura hätte sich anderswo Hilfe holen können. Oder wurde sie holterdipolter vom Jugendamt in Arrest genommen, in ein Zimmer gesperrt und dann in eine Klinik zur Abreibung gekarrt? Man weiss ja nichts über den Zeitraum in dem sich das abspielte und welche Personen alle in die Entscheidung mit einbezogen waren. Auf jeden Fall gibt es da noch ne Menge Fragezeichen.
In Sachen der Schwangerschaft der 12-jährigen finde ich das ganze grenzwertig. Diese Erpressungskiste mit dem : entweder Abtreibung oder Familie nie wiedersehen war ein grober REchtsverstoss und der zuständige Beamte sollte dafür auf jeden Fall die Konsequenzen tragen. Aus Sicht des Kindes wäre es keine gute Lösung gewesen das Kind bei der 12-jährigen traumatisierten + tablettensüchtigen Oma zu lassen, aber man hätte es ja zumindest leben lassen und in Pflege geben können, zur Adoption frei geben können. Wäre da rechtzeitig die Amtsleitung oder Dienstaufsichtsbeschwerdestelle oder ggf. Gericht mit eingeschaltet worden, wäre die SAche gewiss anders verlaufen. Ich denke die Grundkonstellation mit wahrscheinlich körperlich und geistig abwesender Mutter, die unreife, traumatisierte 12-jährige allein ggü dem Jugendamt war extrem ungünstig und hat dem Amt zu viel Entscheidungsfreiraum gegeben. Gab es keine anderen Verwandten oder Freunde die mit entscheiden konnten?
Ich denke unsere Gesellschaft/Kultur kann, wenn man nicht immer achtsam bleibt und sich auch als Einzelner energisch für seine eigenen Rechte einsetzt sehr inhuman sein und so was wie die Fortsetzung der Natur nur mit anderen Mitteln...also sone Art Selektionsverfahren/Darwinismus, der auch Menschen durchaus töten kann. Eine harte Realität. Aber relativ zu anderen Kulturen auf dieser Erde betrachtet nicht so hart wie anderswo! Wieviele Kinder mit haselnussbraunen Augen sterben tagtäglich in Afrika an Aids oder Hunger? Wieviele Kinder werden tagtäglich in Asien als Sexsklaven - auch von deutschen Sextouristen!- mißbraucht? Die Menschheit ist insgesamt biologisch betrachtet eine dominante Raubtierspezies und Kultiviertheit, MOral, ein gutes Sozialverhalten ein tägliches hartes Stück Arbeit und keineswegs SElbstverständlichkeit. Das darf man nie vergessen. Ich denke unsere Gesellschaft ist nicht optimal gestaltet und grad in Deutschland muss man auch immer aufpassen, dass Individualrecht beachtet wird, aber dennoch bietet das Ganze summa summarum schon einen ganz guten Schutz, wenn man weiß welche Knöpfe man wann drücken muss....insofern gibt es auch hier sowas wie survival of the fittest in Sachen Überleben in einem nicht optimalen Lebensraum.
In Dingen der Rechte des Einzelnen ist der Einzelne gefragt und die Politik unserer Gesellschaft, die wirksame Gesetze schaffen sollte um die Macht der Ämter nicht zu groß werden zu lassen, die dafür sorgen sollte, dass Jugendamtssachbearbeiter nicht nur in Verwaltungsrecht und Gesetzen geschult werden sollten, sondern auch eine fundierte Ausbildung in Sachen allgemeiner Moral und Ethik, sozialer Kompetenz haben sollten. Oft sind die Sachbearbeiter der Ämter selber Gefangene eines suboptimalen Systems und oft auch zu wenig fit in eigenständiger Denk- und Urteilsfähigkeit, die Moral mit Notwendigkeit verbindet. Jeder Amtssachbearbeiter ist irgendwo auch nur fehlbarer Mensch, verwickelt in Eigeninteressen und in eigener Situation steckend, dem man manchmal seine Grenzen aufzeigen muss, weil er seine Befugnisse auch mal überschreiten kann. Dazu muss man sich dann erkundigen wie die Rechtslage ist...gibt ja kleine Taschenbücher drüber oder gut ist auch immer Lebensberatung von Caritas oder Diakonie mit einzuschalten oder bei Dingen über Leben und Tod wie im Fall von Lauras Baby einen Anwalt.
Lauras Schicksal hat mich sehr betroffen und sie hat mein tiefstes Mitgefühl. Gerade deshalb hoffe ich sehr, dass sie sich dennoch nicht unterkriegen lässt und nach vorne schaut. Sie hat immer noch die Möglichkeit sich ein gutes Leben zu erkämpfen und sich eine gute Zukunft zu sichern. Auch in der Sache der erzwungenen Abtreibung stehen ihr noch Rechtsmittel zur Verfügung, sie kann auf Schadensersatz klagen oder ähnliches.
Gruß
Tyra