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Wie soll es mit meiner Schwester weiter gehen? Brauche Tipps

Katja91

Neues Mitglied
Hey ihr,

kurz zu mir ich bin Katja, 26 und schleppe gerade so einige Probleme mit meiner Schwester mit mir rum und weiß nicht weiter. Na, ich fang mal an:

ich bin in einem Dorf mit meinen Eltern und meiner 18 Monate älteren Schwester aufgewachsen, meine Eltern sind noch zusammen, haben aber immer viel und laut gestritten. Das hat mich als Kind schon sehr verunsichert. Mit meiner Schwester hatte ich als kleines Kind und so mit 14-15 einen ganz guten Draht, heute leider überhaupt nicht mehr. Sie ist sehr eifersüchtig auf mich, petzt alles was ich ihr anvertraue weiter und erzählt Lügen über mich, damit sie besser da steht und es sich in ihrer Opferrolle bequem machen kann. Darauf, dass ich immer schlanker und besser in der Schule war als sie war sie immer neidisch, da sie viele Komplexe hat und leider auch seit 14 Jahren essgestört ist. Ich leide darunter, wie sie mich behandelt, sie kann es bis heute nicht ertragen, wenn ich von unseren Eltern Anerkennung und Aufmerksamkeit geschenkt bekomme, weil sie so eine irrationale Denkweise entwickelt hat, dass sie vernachlässigt und ich bevorzugt wurde, was finde ich nicht der Fall ist. In Wahrheit musste ich immer funktionieren und die Ordnung in der Familie wahren und meine eigenen Sorgen zurück halten, weil meine Eltern immer so gestresst mit den ganzen psychischen Problemen meiner Schwester waren und es jeden Tag zu Hause geknallt hat. Es kam zu Vorwürfen, Beschuldigungen, Heulkrämpfen, Schreiereien usw und da wollte ich nicht zur Last fallen. Also war ich nach der Schule einfach immer ruhig in meinem Zimmer... die Schule fiel mir leicht, ich hatte sehr gute Noten und kam halt easy durch... ich wurde dafür auch oft gelobt (es war meine Art, Bestätigung und Liebe von meinen Eltern zu bekommen) - das war meiner Schwester ein Dorn im Auge, ein paar mal fast sitzen geblieben wäre und öfter kämpfen musste. Aber was kann ich dafür? Sie kann sich bis heute nicht für mich freuen. Ihr Neid belastet mich manchmal sehr. Ich habe mir irgendwann abgewöhnt, zu Hause von meinen (subjektiven oder objektiven) Erfolgen zu erzählen, um sie nicht zu belasten. Irgendwie hat es mich aber runtergezogen und deprimiert, dass ich mich oft kleiner machen musste, geglaubt habe, meine Stärken vor allen verstecken zu müssen, damit sie nicht austickt und mich und meine Eltern beleidigt.

Es tut mir im Herzen leid, dass sie so unter ihrer Figur und teils auch Mobbing gelitten hat, ehrlich. Das verdient niemand, vor allem hat sie auch einen sehr guten, liebevollen und sozialen Kern, der aber mittlerweile immer weniger zum Vorschein kommt, weil sie durch ihren seelischen Schmerz so eine biestige und toxische Art entwickelt hat. Ich bin ungern in ihrer Nähe, vor allem weil sie mein Vertrauen zu oft missbraucht hat.

Irgendwann hatten wir immer weniger Kontakt, haben beide studiert, wohnten in unterschiedlichen Städten. Der Abstand zur Heimat und meiner Familie hat mir unglaublich gut getan. Keine Dramen mehr, ich konnte aufatmen, mein Ding machen, mich auf meinen eigenen Weg konzentrieren. Leben. Ich hatte einen tollen Freund und war erfolgreich im Studium (Kommunikationsdesign), ich hatte meine Depressionen in den Griff bekommen, feierte und erlebte viel und lebte auf.

Ich hatte einen Praktikumsplatz in meinem absoluten Traum-Designstudio in Australien in Aussicht und war einfach happy, dass ich es geschafft hatte.
Ich bin dann ein Jahr lang dort hin. Der Job erwies sich als Enttäuschung (mehr Schein als Sein, Megadruck, kam mit meinen Chefs nicht klar, wurde ausgenutzt), ich hatte täglich gekämpft, überhaupt hinzugehen... dazu die anfängliche Sprachbarriere, ich musste auf dem neuen Kontinenten erstmal Freunde finden usw. Ich gab aber nicht auf... ich vertraute meinem Herzen und verließ das Studio vorzeitig. Darauf bekam ich eine vernichtende Hassmail von meinem Chef der wohl Burn Out hatte... nicht cool naja ich reiste erstmal eine Weile, um alles zu verarbeiten und suchte mir dann eine Au Pair Familie. In dem Jahr in Australien hatte ich viele tolle Begegnungen, unglaublich viel Schönes, aber auch viel S**** erlebt (Praktikum, Partydrogen-Sumpf und emotionaler Missbrauch in einer Affäre). Mir ging es oft wirklich so dreckig, dass ich tagelang heulend im Bett lag und ausgebrannt war.

Ich kam zurück nach Deutschland und hatte mich verändert. Ich war reifer, stärker, freier, aber ein Teil von mir war noch die ganzen Wunden der Tiefs und Rückschläge am verarbeiten.

Ich habe mir im Flieger zurück nach Deutschland gesagt: wenn ich zurück komme, will ich mit meiner Schwester neu anfangen. Ich werd mich bei ihr entschuldigen, weil ich auch nicht immer nett zu ihr war, ihr sagen, dass ich sie lieb habe, sie umarmen und zusammenhalten, egal was war. Ich wollte stark sein und meinen Stolz fallen lassen, weil mit klar geworden ist, wie sehr ich meine Familie liebe, auch wenn es viele Struggle gab.

Gesagt, getan. Beim ersten Zusammentreffen nach einem jahr umarmte sie mich so beiläufig und kalt, als wäre ich gerade von einem Wochenendtrip in Malle zurück gekommen. Das alte Spiel: Aufmerksamkeit von meinen Eltern, sie tut unsere Begrüßung als übertrieben ab. Ich spürte ihre Eifersucht.

Egal, ich stand drüber, sah durch ihr Verhalten durch. Ich suchte das Gespräch mit ihr, vertraute ihr an, was alles passiert ist... die Praktikumsscheiße, Parties, Drogen, die psychischen Probleme durch den Missbrauch mit so nem Typen, in den ich mich verliebt hatte. Ich bat sie, mir zu versprechen, dass sie nichts meinen Eltern erzählt. Sie war zu meiner Überraschung offen und lieb, ich freute mich über unsere Verbindung (ich hatte es ihr vor allem erzählt, weil ich sie für ihre Partydrogenphase immer so verurteilt hatte... wollte ihr zeigen dass ich sie jetzt verstehe und das gleiche durchgemacht habe). Sie versprach hoch und heilig, dicht zu halten. Es war ein gutes Gespräch, wir saßen draußen in der Sonne im Garten unserer Oma.

Naja... eine Woche später wussten meine Eltern von den Drogen. Sie hatte wieder mein Vertrauen missbraucht, um mich schlecht zu machen. „Katja euer Engel ist auch nicht so unschuldig wie sie immer tut. In Australien war sie ganz schön verdrogt unterwegs, hat Extacy genommen...“ usw. Während mein Vater ihr das Wort abschnitt, weil er petzen über alles hasst (gut so), ließ sich meine Mutter einlullen und es gab dann eine mega lächerliche „Familien-Intervention“ für mich.

Als ich sie dafür anklagte meinte sie noch, dass ich mich nicht cool fühlen müsste, weil ich jetzt in so einem tollen Designstudio war, dass ich es verdient hätte, dass es so S**** gelaufen ist, dass mich dort bestimmt keiner hätte leiden können und dass mich das Leben für meine Arroganz gerecht bestraft hätte und sie sich darüber freut.

Ich war so enttäuscht.
Das habe ich ihr bis heute nicht richtig verziehen.

Das ist schon 2 Jahre her aber seitdem war wieder so viel Neid und intrigantes Verhalten im Spiel. Ich kann jetzt einfach nicht mehr normal mit ihr umgehen. Ich vertraue ihr nicht mehr. Außerdem erzählt sie hinter meinem Rücken, dass meine Eltern meine Reise bezahlt hätten, weil sie mich bevorzugen, dabei habe ich alles selbst finanziert und war hart in einer dreckigen Fabrik arbeiten dafür. Sie ist von Neid zerfressen, weil sie selbst ihre Träume nicht lebt und macht mich dafür schlecht.

Ich wünsche mir so sehr, dass sie als große Schwester ein Vorbild für mich ist und mich unterstützt und mir etwas gönnen kann... von Herzen... ich will mich nicht mehr verstecken müssen. Was ist daran so schwer? Ich bin doch ihre Schwester.

Sorry für den langen Text aber was sagt ihr dazu? Hat jemand was ähnliches erlebt oder allgemein Tipps für mich, wie ich mit ihr umgehen soll? Es fällt mir schwer, mit ihr im selben Raum zu sein und ich leide auch darunter.

Danke euch und lieben Gruß
Katja
 
ich habe eine schwester, da versuche ich es auch immer wieder von neuem.
aber nach 5 min platze ich. deshalb vermeide ich sie auch.
ja, man wünscht sich eine harmonische beziehung und wenn nicht die geschwister, wer soll sonst zu einem halten und sich freuen für einen?
deine schwester wird auch erst für dich freude empfinden, wenn sie ihr leben selbst in griff hat.
wie viel übergewicht hat sie?
hat sie was beruflich in aussicht?
ich weiß es ist blöd, aber bei der einen schwester (die übergewicht hatte) ist es jetzt um einiges angenehmer als früher.
klar, kommen dann kommentare wegen meiner haut und sie ne op noch machen muss.
aber es ist nicht so übel wie früher. und das alter und die erfahrungen im leben formen auch einen.
ich würde dir raten erstmal keine wichtigen sachen ihr anzuvertrauen.
nicht jeder kann man alles anvertrauen, oft verwenden sie es auch.
daher mach dir bewusst das du nicht alles abdecken kannst mit einer schwester.
 
Hallo K.,

schon ein spannendes Leben, dass du führst.
Ich seh das so. Eine Familienidylle hat es nie gegeben. Deshalb ist es denke ich auch sehr schwierig etwas Derartiges in deiner Schwester zu suchen. Sie hat in ihrem Leben wohl versäumt mitzubekommen, dass man dies aber auch mit einzelnen Menschen haben kann. Sie hat diesen Genuss vielleicht nie richtig gespürt? Deshalb kann sie vielleicht mit deinem Wunsch nichts anfangen. Sie versteht es zwar, aber am Ende "weiß" sie, so ihre Erfahrung, steht sie mit ihren Gefühlen alleine da. Und wie sie es gelernt hat von deinen Eltern, holt sie sich "das", was sie für sich braucht. Die Einbildung oder Illusion, dass sie auch wer ist oder so ähnlich. Das Problem ist ja denke ich, dass deine Eltern keinen positiven Ausgleich zu dem Stress mitgeliefert haben sozusagen. Das heißt sie kennt sozusagen auch nichts anders. Du hast dich gelernt davon zu distanzieren, wie es sich anhört. Das bedeutet, dass du dich deiner Familie eintfremdet hast, weil du dich versuchst in eine positivere Richtung zu entwickeln. Aber auch du spürst die Auswirkungen deiner Eltern. Deshalb denke ich hast du eine Art Harmoniebedürfnis, was du versuchst mit deiner Schwester herzustellen. Ich denke aber, dass man nicht mit sehr vielen Menschen Harmonie erzeugen kann. Und deine Schwester und die eingefahrene Vergangenheit sind eher ungeeignet dafür.
Ich denke du mußt aber sehen, dass ganz viele zwischenmenschliche Ebenen mit deiner Schwester und dir ins schlechte, fast auswegslose Disaster münden. Das heißt, dass wenn du versuchst diese Sachen zu erzeugen, wie Vertrauen oder so, dass das immer schieflaufen muß. Das heißt, dass du dich mit deinem Verhalten von deiner Schwester immer mehr distanzieren wirst bis irendwann gar nichts mehr geht.
Ich würde versuchen zu sehen, was nicht geht und das auch nicht machen. Also geht ganz vieles nicht. Aber vielleicht gibt es ja eine ganz oberflächliche Ebene, die weniger Probleme erzeugt. Das bedeutet, dass man auch weniger miteinenader spricht und auch nicht so sehr aufeinander achtet. Dann hat man einfach einen Film zusammen angeschaut oder einfach zu Abend gegessen. Aber es ist mal nichts Negatives passiert. Und wenn du diese Ebene dauerhaft aufrecht halten könntest, dann denke ich könnte man wagen einen Schritt weiter zu gehen. Aber ich denke diese Ebene würde dir ganz gut tun. Dann hättest du zumindest eine Zeit mit deiner Schwester die nicht nach hinten losgeht. Also ich finde Zurückhaltung ist angesagt.
Dann mußt du auch nicht so viele negativen Gefühle und Seiten deiner Schwester dir vor Augen führe. Weil immer diese Art zu spüren zu bekommen. Das tut dir nicht gut und ihr auch nicht. Nur merkt sie es nicht und du fühlst es. Sie muß es auch fühlen, damit sie sich ändert. Wie aber kann man Gefühle erzeugen? Ich würde sagen, dass sie in ihr selbst entstehen müssen. Und darauf kannst du leider nur hoffen. Sonst sehe ich nur ein Ziel. Nähe und Abstand zu gleich. Es ist schwierig, aber es geht. Und wenn du es schaffst, dann kannst du zumindest auf eine Zeit zurückblicken mit deiner Schwester, die nicht belastend ist und wo du keine Probleme lösen mußt. Weil ich denke das dieser Druck sehr stark in dir ist. Das wird auch immer so bleiben denke ich. Weil inzwischen kann man wohl sagen, so bist du. Aber ich denke du mußt besser fühlen, wie du in der Zeit mit deiner Familie auf dich selber aufpasst. Dass einfach mal keine innere Arbeit ensteht. Oder zu mindest leichtere Arbeit. Weil deine Schwester und deine Familie hört sich nach einem schweren Brocken an. respekt.
lg
 
Erstmal danke an euch alle für eure hilfreichen und verständnisvollen Antworten.

ich habe eine schwester, da versuche ich es auch immer wieder von neuem.
aber nach 5 min platze ich. deshalb vermeide ich sie auch.
(...)
wie viel übergewicht hat sie?
hat sie was beruflich in aussicht?
(...)
daher mach dir bewusst das du nicht alles abdecken kannst mit einer schwester.

„Gut“ zu sehen, dass ich nicht die einzige bin. Freut mich dass es jetzt etwas angenehmer bei euch ist, vielleicht kommen meine Sis und ich ja auch irgendwann auf den Stand...

Sie hat durch ihre Essstörung gar kein Übergewicht mehr, nur leicht überschüssige Haut, aber es hält sich total in Grenzen, sie sieht völlig normal aus würde ich sagen.

Beruflich hat sie sich oft umorientiert, sie steht kurz vor ihrem Bachelorabschluss im Bereich Neurologie nach 2 Studiums-Abbrüchen, ist aber wieder nicht wirklich glücklich...

Ich glaube, sie wollte immer was künstlerisches machen, hat es aber nie so verwirklicht und daher oft neidisch auf mein Designstudium geblickt und sich da im Kopf so ne romantische Version von gebaut.

Ja ist traurig aber vielleicht sollte ich unser Verhältnis lernen zu akzeptieren, so wie du es anscheinend ganz gut hinbekommst.
 

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