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Wie kann ich drueber reden?

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Vorletztes Jahr ist meine Freundin gestorben...

das heisst; sie war nicht meine Freundin. Ich war ungluecklich verliebt in sie - diese Gefuehle wurden aber nicht erwidert (obwohl ich ihr - wie sie sagte - sehr symphatisch war, und wir - auch auf ihre Initiative - viel Zeit miteinander verbracht haben).

Dann hatte sie diesen schrecklichen Unfall...

Mein Problem ist nicht nur die Trauer, sondern auch, dass ich mich in ihr ziemlich alleine gelassen fuehle. Dadurch, dass wir nicht zusammen waren, bringt mich kaum jemand mit ihr in Verbindung. Sie war nicht meine Freundin, aber fuer mich fuehlt es sich fast so an. Aber niemand sagt zu mir: "Mein herzliches Beileid." Niemand drueck mir gegenueber Mitgefuehl aus.

Jemand sagte sogar mal zu mir: "Sei froh, dass Ihr nich zusammengekommen seid, sonst wärest Du jetzt 'Witwer'." Ich weiss natuerlich nicht, wie ich mich jetzt fuehlen wuerde, wenn wir zusammen gekommen waeren... Wenn es schlimmer als die Trauer waere, die ich gerade erlebe... kaum vorstellbar. Aber ich wuerde mich zumindest nicht ganz so 'verlassen' fuehlen.

Jedem, dem die Freundin stirbt (und natuerlich auch jeder, der der Freund stirbt), bekommen Mitgefuehl aus der Umgebung. Die Familie meiner 'Freundin' bekommt viel Post und Zuspruch. Aber durch meine Situation habe ich Angst, dass mir gesagt wird: "Stell Dich nicht so an, Ihr ward ja nicht zusammen...", sollte ich meine Trauer zeigen. Ihre Familie bringt mich auch nicht wirklich mit ihr in Zusammenhang - ich wurde zwar zur Beerdigung eingeladen (mit falsch geschriebenem Namen), aber meine Versuche, mit ihnen zu Reden, blieben erfolglos. Das kann ich auch gut verstehen... aus deren Sicht bin ich 'nur' ein vielleicht guter Bekannter ihrer Tochter/Schwester, niemand, der das Recht hat, ihren Frieden zu stören, den sie brauchten.

Wie gehe ich damit um? Wer nimmt mich in den Arm und sagt: "Du hast mein Mitgefuehl."? Wer sagt mir: "Sie hatte Dich wirklich gern."? Wer gesteht mir zu, dass ich vielleicht mal nicht so gut funktioniere? Wer fängt mich auf?

Danke fuers Lesen (und fuer mögliche Antworten)
Tim
 
Hallo Tim,
es tut mir sehr leid, dass Deine Freundin gestorben ist.
Vorletztes Jahr schon. Seitdem ist viel Zeit vergangen, doch Du klingst immer noch sehr traurig.
Kann es wirklich sein, dass Du seitdem keine schönen Dinge mehr erlebt hast? Das fände ich ganz furchtbar und ich bin sicher, sie hätte das nicht gewollt.
Kannst Du sie denn besuchen an ihrem Grab? Geht es Dir denn wirklich darum, dass andere Dir gegenüber ihr Mitgefühl ausdrücken sollen?
Eigentlich geht es um Dich. Dein Leben. Versuche, auf die positive Seite zurückzukommen. Du bist nicht abhängig davon, dass jemand sein Beileid ausspricht. Du selbst musst darüber hinwegkommen, dass sie nicht mehr da ist. Dass sie Dir fehlt.
Wenn Du kannst, geh zu ihr. Erzähl ihr, was Dich bewegt. Musst nicht reden, sie hört auch Deine Gedanken. Sie würde sich wünschen, dass Du wahrnimmst, wie lebenswert es ist. Frühlingserwachen nach einer langen Winterpause, vielleicht auch ein Stück weit für Dich.
Und dann würde ich mich freuen, wieder von Dir zu lesen.

Liebe Grüße,
Biggi
 
Hallo Tim,

deine Situation ist wirklich sehr sehr schlimm.
Ich kann das so unfassbar gut nachvollziehen.
2007 ist mein bester Freund bei einem Motorradunfall gestorben und mir ging es ähnlich. Wir waren nicht zusammen, aber er war für mich ein ganz wichtiger Mensch. Einfach jemand, mit dem man über ALLES reden konnte, mit dem man irgendwie seelenverwandt war.
Und plötzlich ist so jemand weg.

Es ist wahr, dass man als "einfache/r Freund/in" oftmals nicht das zugesprochen bekommt, was man vielleicht erwartet.
Das liegt aber wohl nciht daran, dass die Menschen dir das nciht geben wollen, als vielmehr daran, dass sie es nicht besser wissen, weil niemand in deinen Kopf sehen kann um zu wissen wie nah ihr euch standet.
Hast du denn den Eltern mal geschildert, wie es in dir aussieht?
Vielleicht in einem Brief?

Das ist oftmals leichter als persönliche Worte zu finden.

Vielleicht merkt die Familie dann, dass es auch andere Menschen (außerhalb der Familie) gibt, die um Ihre Tochter trauern.

Und evtl bekommst du ja dann auch das Gefühl, dass dir die ganze Zeit gefehlt hat um mit dem Tod besser klarzukommen.
Du solltest aber dennoch den Rat des Vorschreibers befolgen und sie vielleicht am Grab besuchen.
Ich gestehe, ich habe das bis heute nicht geschafft.
Aber ich habe Erinnerungsstücke von ihm, wie z.b. einen Rosenkranz. Das hilft mir, mich mit ihm weiterhin verbunden zu fühlen.

Glaub mir, ich kann dich sehr gut verstehen und wenn du was auf dem HErzen hast, kannst du mir auch gerne mal schreiben. Vielleicht kann man dir noch irgendwie anders weiterhelfen.
 
Hallo,

vielen Dank fuer die Antworten.

Ja, natuerlich ist mir in den letzten zwei Jahren auch wieder gutes passiert. Das Leben geht weiter - so schwer einem dieser gedanke am Anfang auch fällt.

Ich besuche nicht ihr Grab. Zum einen lebe ich inzwischen in einer andere Stadt. Ich weiss aber auch nicht mehr genau, wo das Grab ist. Ich habe es einmal gesucht, aber nicht mehr gefunden - der Friedhof ist sehr gross. Ich habe aber gewisse Gegenstände, diemich an sie erinnern, und die ich wie kleine Reliquien bewahre.

Bei einem Bewerbungsgespräch wurde ich gefragt, warum ich in jenen Monaten weniger produktiv war; das kann man meiner CV ansehen. Ich antwortete, dass da meine Freundin gestorben wäre. Wegen dieser Aussage habe ich ein schlechtes Gewissen. Das ist es, was mich ein wenig plagt. Ist das gelogen? Einerseits ja. Andererseits war sie fuer mich eigentlich genauso wichtig. Wie wuerde sie darueber denken, wenn sie wuesste, dass ich sie als meine Freundin bezeichnet habe?

Wahrscheinlich mache ich mir das komplizierter, als es sein muesste...

Vielen Dank und schoene Gruesse
Tim
 
Sie war deine Freundin.

Textbuch-Definitionen können nicht erfassen was zwei Menschen verbindet.

Du hast jedes Recht zu sagen, sie war meine Freundin.

Alles Liebe
 

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