Hallo!
Auch ich habe meine Mutter verloren. Am 05.11.2006 ist sie verstorben. Sie ging meinen Vater hinterher, der schon am 05.02.2000 starb.
Nun habe ich keine Eltern mehr. Doch sind sie deswegen Tod?
Meine Mutter sagte mir einmal: „Ein Mensch ist erst gestorben, wenn er keinen Platz mehr in Deinem Herzen hat.“
Demzufolge sind und werden meine Eltern ganz sicher nie sterben.
Sie leben in meinen Erinnerungen weiter und in der Erziehung meiner Kinder werde ich immer wieder an sie denken.
Als ich am Tag des Todes meiner Mutter mit meiner Schwester zum Alters- und Pflegeheim fuhr, um Abschied zu nehmen, erlebte ich eine große Kraft und einen tiefen Frieden, der sich auf mein Herz legte.
So konnte ich auch lange am Totenbett meiner Mutter stehen und der Pflegeschwester sagen, dass diese Kraft aus meinen Glauben kommt.
Ich habe meine Mutter losgelassen.
Niemand auf dieser Welt hat das Besitzanrecht auf einen Menschen. Weder Eltern auf ihre Kinder, noch Ehepartner oder sich Liebende aufeinander. Nur einer entscheidet über Tod und Leben.
Oft verurteilen wir diesen und fragen verzweifelt: „WARUM“. Doch das wird uns selten offenbart.
Mir ist es gelungen, die Frage umzuformulieren. Ich fragte: „WOZU“.
Ist der Tod nur das Ende, oder ein Anfang?
Bleibt es bei der herzzerreißenden Qual des Schmerzes, oder wird man – nie nur für sich selbst – zum Überwinder.
„Ich vermag alles, durch den, der mich mächtig mach; Christus“. So steht es in der Bibel und so – ich durfte es selber erleben – funktioniert es auch.
Als ich tief bewegt vom Pflegeheim wieder nach Hause fuhr, meine Schwester an ihrem Haus absetzte und wieder los für, überlegte ich: „Nun hast Du keine Familie mehr!“ Doch in mir sprach eine innere Stimme: „Fahr in Deine Kirchgemeinde!“ Ich tat dies doch eher mechanisch und erlebte vor dem Gebäude die Ansage des Todes meiner Mutter - die nicht zur Gemeinde gehörte - und den Abschluss des Gottesdienstes.
Als sich dann die Türen öffneten und mich einer nach den anderen in die Arme nahm, fand ich wieder Halt und Trost. Viele hatten ein gutes Wort für mich, aber die stillen Umarmungen sprachen mir ebenfalls tief ins Herz.
In einem ruhigen Moment hörte ich wieder die Stimme in mir: „Hier ist Deine Familie, Du bist nicht allein.“
Das hielt mich fest, bis heute. Ich habe viel über meine Eltern gesprochen und tue es noch heute sehr oft. Doch durch meinen Glauben löste sich der Schmerz von der Erinnerung und ich besinne mich immer mehr auf schöne Erlebnisse mit meinen Eltern und auf meine wunderbare Kindheit.
Lass Deine Mutter los.
Sie gehört Dir nicht. Bewahre und behalte all das wertvolle und wunderbare, was sie in Dich hineingelegt hat, damit sie in Deinem Guten Werken weiterlebt. So würde sie sicher ihr Vermächtnis am besten erfüllt sehen. Tue Du das, was Deine Mutter Dir getan hat: LIEBE! Diese Welt hat viel zu wenig davon. Tue Du LIEBE in sie hinein. Nur die Liebe wird den Tod überleben. Liebst Du denn Deine Mutter nun nicht mehr? Klar doch!
Fühlst Du nicht mehr all die Liebe, die Dir Deine Mutter gab? Sicher doch!
Trage diese Liebe weiter, denn sie ist was bleibt in aller Ewigkeit.
Zorn, Wut, Trübsal, Trauer – all das sind verständliche Gefühle. Doch sie nehmen die Kraft zum weiterleben. Aber es muss doch weiter gelebt werden. Du hast doch sicher auch ein Umfeld von Menschen, die Dich lieben. Willst Du Ihnen auch später immer wieder sagen, das Du lieber in
Zorn, Wut, Trübsal und Trauer lebst, als noch einmal Liebe zuzulassen.
Wer wirklich liebt, der muss es leider lernen loszulassen. Eltern ihre Kinder, Kinder ihre Eltern, Ehepartner ihr Gegenüber, Frauchen und Herrchen ihre lieben Tiere.
Ich wünsche Dir, das Du aus der Verzweiflung des Leides dieses alsbald loslassen kannst und das Du in Liebe das weiterlebst, was auch Deine Mutter mit geformt und gestaltet hat: Dein einzigartiges Wesen! Selbst die Bibel sagt: „Du bist einzigartig und wunderbar gemacht!“ Deine Mutter kann diese Einzigartigkeit nun nicht mehr in diese Welt einbringen, doch Du kannst es mit Deiner tun. So bekommt das Werk Deiner Mutter seinen Sinn. So werden auch all die Deinen erkennen, dass es etwas Größeres gibt, als den Tod – die LIEBE. Sie wird in Dir und in allen die Dir folgen weiterleben, wenn Du dich nicht in Deiner Trauer verlierst. Gönne Dir die Zeit der Trauer, des Abschied-Nehmens und der Besinnung, doch dann erhebe Dein Angesicht wieder und blicke auf die LIEBE, die Dir wieder neuen Mut und Kraft zum weiterleben gibt. Ich fand diese Liebe in Jesus Christus und seine Kraft half mir zu überwinden.
Das wünsche ich Dir auch.
Alles Gute und Gottes Segen wünscht Dir
Olli_L