Hat jemand von Euch Erfahrung mit dieser Situation? Wie kann ich meinem Enkel helfen, diesen Schmerz zuzulassen und zu verarbeiten, ...
Hallo havonni,
ich habe deine Überschrift so gelesen, dass die Mutter verstorben ist – meine Mutter starb, als ich knapp 11 Jahre alt war, daher ja, ich habe Erfahrung mit dieser Situation.
Wenn es mein Enkel wäre (ich bin inzwischen im Opa-Alter), würde ich nichts erzwingen oder gar befördern. Eine Tante, die bei uns im Haus lebte, hat das damals versucht – überall Bilder der toten Mutter aufgestellt, damit wir sie nicht vergessen. Das erlebte ich als völlig unpassend.
Was mir damals gut getan hat, war, dass möglichst viel so blieb, wie es ist. Unangenehm war mir, dass permanent jemand von "uns armen Kindern" gesprochen hat. Dabei wussten wir ja um die Krankheit der Mutter und dass ihr Tod absehbar oder zumindest möglich war.
Im Rückblick würde ich sagen, dass ich als Kind trotz allem Schmerz und Trauern den Tod als Teil des Lebens verstand und akzeptieren konnte. Womöglich hat man als Kind noch einen natürlicheren Zugang zum Sterben. Ich weiß aber noch, wie ich damals immer wieder dachte: Bis ich mal sterbe, ist es aber noch sehr lange und kann noch viel erleben (hat sich bewahrheitet!). Denn ich wollte ja leben, wollte meine Jugend genießen und nicht irgendwie erstarren, nur weil die Mutter nicht mehr lebt.
Es wäre vielleicht gut, einfach abzuwarten und für deinen Enkel da zu sein, die vorhandene Beziehung zu pflegen und wenn er darüber sprechen möchte, dann ein offenes Ohr zu haben – ohne deine eigenen Vorstellungen vom Sterben (oder deine eigene Trauer, die natürlich absolut verständlich ist und angemessen) zu sehr in den Vordergrund zu stellen.
Hast du selbst die Möglichkeit, mit jemand über deinen (!) Verlust zu sprechen? Das ist ja auch wichtig.
Alles Gute!