Hallo, liebe Freunde,
gibt es eigentlich ein Gefühl, das ich noch nicht kenne?
So habe ich vor 2 Tagen noch gedacht.
Heute weiß ich: O ja, es gibt Leid unter Euren Mitleidenden in diesem Forum, so unermessliches Leid, dass mir mein Leben inzwischen wie ein sonntagsspaziergang vorkommt.
Aber ich kann es erkennen, denn ich habe die Depression vor 2, fast 3 Jahren ein ganzes Jahr lang mitgemacht. Habe damals noch keine wohnung gehabt und auf dem Campingplatz in meinem Wohnwagen mit Vorzelt gelebt, mer als 1 Jahr. Mein Freund war schwer alkoholkrank, und ich war die prädestinierte Coalkoholikerin und bin immer tiefer ins schwarze Loch gefallen. Meine Kinder sind schon aus dem Haus, das war mein einziger Vorteil, oder sagen wir der meiner Kinder, denn für mich mittendrin im schwarzgrau hat es keinen Unterschied gemacht.
Ich habe mich nicht mehr unter Menschen getraut, saß nur noch vor mich hinstierend im Vorzelt, hab nicht gekocht, kaum was gegessen und war jeden Tag neu, der Unzufriedenheit meine Freundes ausgesetzt, was nicht grade mein selbstwertgefühl stärkte.
Doch eines Tages, griff wieder mal das Schicksal ein, wie so oft in meinem Leben, diesmal als große Chance. Ich bekam so unendliche Magenschmerzen, dass ich nur noch wimmernd eine Nachbarin bat, mich in Krankenhaus zu fahren. Die Schmerzen haben mich am ganzen Körper zitternlassen, so dass ich nicht mal meine Einweisung unterschreiben konnte. Um das Zittern in den Griff zu bekommen und die Schmerzen, habe ich davor 2 Onstler getrunken. Der Geruch und das Zittern ließen die Arzte gleich auf der Alkoholikerschiene fahren, wobei sie ja nicht unrechts hatten, denn er war immer mehr in meinem Elend zu meinem Begleiter geworden.
In den 14 Zagen im Krankenhaus, es stellte sich eine ziemlich schwere Gastritis heraus, kein Wunder, wenn man alles in sich hineinfrisst, muss man ja Magenkrämpfe kriegen.
In den Tagen dort bekam ich Zabletten die sowohl zur Entwöhnung dienten als auch andere als Stimmungsaufheller.Alles zusammen, die Ruhe, weg von meinem Freund, nichts selber machen müssen, keiner war da, der etwas von mir forderte, muss dazu sagen dass ich 2 Jahre davor arbeitslos wurde mit sehr schlechten Zukunftsperspektiven, und plötzlich war das tiefe schwarze Loch nicht mehr so tief, und auch schon etwas grau. Und eines nachts, kam es dann über mich, meine Gedanken zeigten Aktivität: Dieses Scheiss leben so weiter leben, immer nur darauf warten, dass hoffentlich der Krebs wieder ausbricht, damit ich nicht selber Hand an mich legen muss?
Ja spinn ich dennn? Muss ich mir das antun. Blöder Freund, verflucht seist Du für den Alkohol. Ich will das nicht mehr, ich will Dich los sein, ich will ein eigenes Leben, wie es mal war.
Die Gedanken überschlugen sich in jener Nacht. Am nächsten morgen bat ich um den Besuch eines Suchthelfers, der mir einen Weg aus dem finsteren Kreislauf zeigen sollte.
Um es kurz zu machen, von da an ging es bergauf, anfangs noch mit Stimmungsaufhellern, aber Entzugstabletten brauchte ich schon nach 5 Tagen nicht mehr, denn ich war dabei, die Ursache zu verändern. Es war noch ein langer Prozess. Ich habe mich von meine Freund getrennt, und war nicht bereit zurückzukehren, wenn er nicht auch an sich was änderte. Nach 3 wochen, in denen ich jede Woche zu den Alanons ging (Angehörige von Alkoholkranken) und nebenher auch zu den anonymen Alkoholikern, denn in mir war ja beides vertreten. Nach 3 Wochen also kapitulierte mein Freund und begab sich für 4 Monate in eine Entziehungskur, während ich zuhause eine Psychotherapeutin mir aussuchte, um zu lernen mit mir selbst richtig umzugehen und nicht bei Problemen zur Flasche zu greifen. Aber ich brauchte keinenAlkohol mehr, denn ich hatte das das, was ich dauern überdröhnte mit Alkohol, aus meinem Leben verbannt.
Es kamen noch harte Zeiten, bis die vollständige Trennung von meinem Freund vollzogen war. Er hatte die Wahl, zu akzeptieren und dadurch eine Freundschaft zu erhalten, oder mir Steine in den Weg zu legen und mich völlig verlieren. Er hat sich auch mit herapeutischer Hilfe für das erste entschieden und so leben wir seit 3 Jahren in verschiedenen Wohnungen und sind sehr gute platonische Freunde.
Ihr meine lieben Freunde, denen ich diese Geschichte erzähle, habt noch keinen Wink mit dem Zaunpfahl erhalten (das Krankenhaus, das mich aus meinem born-out-Käfig herausholte), ich bin heute noch für die starken körperlichen Schmerzen von damals dankbar.
Aber ich habe eines gelernt, von Psychologen, Neurologen und allem was ich über Depression zu lesen bekam. Mir half das Krankenhaus, Euch müssen Eure Lebensgefährten oder -tinnen helfen.
Es ist nahezu unmöglich eine Depression von alleine zu verlassen, denn ohne medikamentöse Hilfe geht da gar nicht.
Ihr Gesunden in der Familie, die Kranken lassen sich nicht gehen, sie sind schwer krank und können auseigenem Antrieb absolut nichts tun. Bitte macht Euich schlau, was sich bei einer echten Depression im Gerhirn abspielt.
Es ist schon eine Weile her, das ich das las. Aber soviel weiss ich noch, dass bestimmte Botenstoffe im Gehirn fehlgeleitet werden, weil die Leitbahnen, bedingt durch irgendeinen Auslöser, völlig aus der geregelten Bahn geworfen werden. Von alleine kann dieser Schaden nicht behoben werden, und der Kranke selber kann absolut nichts tun, es selber zu beheben.
Wenn jetzt einer von Euch Angehörigen sagt, ja aber die Kranke hat doch den Antrieb hier im Forum zu schreiben.
Da habt ihr recht, das verblüfft. Aber nicht jede Depression ist gleich, sondern bevor man in die unheilbare Depression versinkt, gibt es verschiedene Stufen, die die Depression durchwandert. Und eine davon ist, dass es dem Kranken unmöglich ist Kontakt zu Menschen im eigenen Umfeld aufzunehmen, aber es ist möglich virtuell mit Menschen zu sprechen, denn sie sehen einen nicht, da braucht man sein Versteck nicht zu verlassen.
So weit ein ganz kurzer Überblick über die Gründe, warum ihr immer tiefer rutscht.
Macht Euch eines klar, geht nicht mit Euch zu Gericht und hasst Euch dafür, dass ihr zu nichts zu gebrauchen seid. Ihr könnt es nicht ändern.
Jetzt rufe ich Euch auf, die ihr wieder ein gesundes Familienmitgleid haben wollt.
Macht Euch auf die Socken, macht Euch schlau im Internet, habt uinendlich viel Geduld mit den Kranken, denn sie können wirklich nichts dafür. Jetzt müsst Ihr handeln. Geht zum Arzt, schildert im den derzeitigen Zustand eurer Partner. Sucht einen arzt, der vielleicht auch noch Hausbesuche macht, denn Eure partner zum Arzt zu bekopmmen ist ziemlich utopisch. Nein der Arzt muss zu Euch, oder der Kranke in eine Klinik. Denn jetzt wird erst mal mit Medikamenten die richtige Leitfähigkeit im Gehirn wiederhergestellt, und gleichzeitg werden Stimmungsaufheller als Unterstützung gegeben. Je nach Schwere der Erkrankung, Den richtigen Weg zur Genesung kann nur ein Arzt nach gründlicher Untersuchung bestimmen.
wenn die Partner dann soweit sind, dass sie mit Hilfe aus dem Versteck heraustreten können, dann fängt erst die eigentliche Therapie an. Denn es muss das auslösende Moment gefunden und therapiert werden.
Uffda, so weit zu Eurer beschissenen Lage.
Und jetzt bin ich emol janz fies und wünsch Euch ganz dolle Schmerzen, damit der arzt kommen muss, oder Ihr ins Krankenahsu müsst, denn das ist der schnellste Schritt auf die unterste sprossenleiter, die nach langsam nach oben führt.
Bitte hört auf Euch Vorwürfe zu machen und Ihr Partner, macht Ihr auch keine. Klärt die Kinder auf, damit ihre Angst vor dem so fremden Elternteil nicht zu groß wird, denn das kann auch ein Problem werden, auf das geachtet werden muss, nicht dass die Kinder einen Knax wegkriegen, weil die Mamma oder Pappa so unheimlich und ungerecht und überhaupt nicht zu verstehen ist.
Konnt ich uch ein bißchen Hilfestellung geben?
Ich hoffe es sehr.
Liebe Grüße und viel Geduld während einer baldigen Genesung
wünscht Euch Geplagten
Euer Luiserl.
RS: Wann ich wohl endlich mal im "Schöne Zeitem Thread" von den fliegenden Ochsen erzähle?