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Wege aus der Einsamkeit - Dorfleben?

BunterVogel

Neues Mitglied
Hallo Ihr Lieben,

ich komme ursprünglich aus einer Kleinstadt. Aus diversen Gründen fand ich vor allem auf der Oberstufe keinen Anschluss, wurde ausgegrenzt, gemobbt. Viele mochten mich nicht, Gerüchte wurden verbreitet usw. Ich kenne sehr viele Leute aus dem Ort und viele kennen mich. Man ist also "gebranntmarkt".

Nach dem Abitur bin ich in eine größere Stadt gegangen, die sich allerdings in direkter Nähe zu meinem Heimatort befindet (ca. 20 Minuten entfernt). Ich habe mein Leben gelebt, war in einer Beziehung und habe demnach auch viel Zeit mit meinem Freund verbracht. Ansonsten sehr viel gelernt (studiert) und nebenbei viel gearbeitet. So sind die Jahre ins Land gegangen. Mein damaliger Freund war ein ziemlicher Einzelgänger und besaß (gewollt) so gut wie keine Freunde.

Nun ziehe ich Bilanz und merke, wie einsam ich mich fühle und auch, dass die Ausgrenzung und das Mobbing in der Vergangenheit ziemliche Wunden bei mir hinterlassen haben. Und das alles habe ich nie wirklich hinter mir gelassen, da sehr viele von den Leuten von damals jetzt auch hier sind. Es fällt mir also sehr schwer sich in der neuen Stadt was aufzubauen, Vereinen beizutreten usw., weil ich immer wieder auf diese Menschen treffe.

Jetzt ist es so, dass ich mich in einem Alter befinde, wo man auch an Familiengründung etc. denkt. Auch habe ich hier seit 2 Jahren einen neuen Partner und diese Beziehung erfüllt mich sehr, sodass wegziehen (woran ich häufig gedacht habe) und woanders neu anfangen eigentlich nicht in Frage kommt.

Ich habe aus meiner Heimatstadt und in der neuen Stadt vereinzelt einige gute Freunde. Dennoch lebe ich zurückgezogen und einsam. Mein Partner arbeitet sehr viel und ist häufig auf Dienstreisen. Mir fehlt einfach ein Bekannten-/Freundeskreis, ein sozialer Rückhalt in Form von Nachbarn, Vereinen, Veranstaltungen.

Mein Partner kommt ursprünglich aus einem Dorf. Dort wohnen auch seine Eltern und er hat dort viele Freunde und Bekannte. Allerdings handelt es sich um ein sehr kleines (ca. 900 Einwohner) und abgelegenes Dorf (ca. 50 Minuten von uns, also der nächst größeren Stadt, entfernt). Ich war dort ein paar Mal auf Geburtstagen und wurde sehr herzlich von allen aufgenommen. Nun spiele ich mit dem Gedanken, ob es sinnvoll wäre, wenn wir dort hinziehen.

Vorteile:
Ich sehe einen großen Vorteil darin, dass mein Partner / seine Familie (mit der ich super klar komme) dort sehr beliebt und alteingesessenen sind. Er hat mich schon vielen vorgestellt und alle fanden mich super sympathisch. Ich würde demnach schnell Anschluss finden. Hätte auch Interesse daran allem Möglichen beizutreten/mich zu engagieren.

Nachteile:
Wir müssen zum Arbeiten beide in die Stadt fahren. D.h. wir müssten täglich 2 Std pendeln. Da mein Partner viel und lange arbeitet, wäre er noch später als sonst schon zu Hause.

In dem Dorf gibt es auch sonst keinen Supermarkt, keinen Kindergarten, keine Schulen, keine Ärzte usw. Einen Supermarkt gibt es 5km entfernt im nächsten Dorf, aber bei den anderen Sachen ist man locker 30 Minuten (Kleinstadt) unterwegs oder dann doch wieder auf die größere Stadt (wo wir jetzt wohnen) angewiesen. Man ist also definitiv auf ein Auto angewiesen. Wenn man eine Familie gründet, muss man die Kinder auch immer von A nach B fahren.

Es gibt zwar Vereine, aber sowas, was wir immer gerne gemacht haben (z.B. Handball und Volleyball), wird hier im Umfeld nicht angeboten. Es gibt nur die Möglichkeit Fußball zu spielen und das auch nur für Männer.

Uns wird beiden schnell langweilig bzw. wir lieben die Abwechslung. Wir gehen super gerne ins Theater, Oper, Kino, probieren gerne diverse Lokalitäten/Restaurants aus, Fitnessstudio. Das wäre alles nicht mehr machbar oder zumindest mit 1 Stunde Fahrtzeit verbunden.

Man wäre trotzdem noch im selben Kreis und würde ja immer wieder in die größere Stadt fahren, wo die Leute von damals sind.

Fazit
Ich bin gerade etwas verzweifelt und weiß nicht so recht, was ich tun soll. Am besten wäre es wohl tatsächlich weiter wegzugehen und wo anders neu anzufangen. Allerdings ist das eben nicht so leicht möglich, da mein Partner hier seine Arbeit und sein Umfeld habt. Vielleicht habt ihr noch Ideen für mich? Und vor allem, lebt von euch jemand auf dem Dorf / Land und kann mir vielleicht von seinen Erfahrungen berichten?

Danke! 🙂
 
Ich denke, dass das eine sehr individuelle Entscheidung bleiben dürfte, die jeder anders treffen würde.

Ob Dorf oder Stadt - da spielen so viele Faktoren eine Rolle, ob eigene Bedürfnisse und Interessen, Freunde und Beziehungsstrukturen, durchschnittlicher Charaktertyp der Leute im Dorf (es gibt bestimmt geselligere und ungeselligere Dörfer), und so weiter.

Ich selbst bin ein Stadtmensch und habe zwar auch ein wenig mit Einsamkeitsgefühlen zu kämpfen. Trotzdem käme für mich persönlich ein Leben auf dem Dorf eher nicht in Frage, weil ich befürchte, dass sich dort an meiner relativen Einsamkeit nichts ändern würde. Alles in allem gelingt es mir in einer Großstadt noch eher, gleichgesinnte Menschen zu treffen, mit denen ich mich anfreunden kann. In einem Dorf wäre ich wahrscheinlich noch viel verlorener...

Aber das ist sicher bei jedem anders...
 
Nun ziehe ich Bilanz und merke, wie einsam ich mich fühle und auch, dass die Ausgrenzung und das Mobbing in der Vergangenheit ziemliche Wunden bei mir hinterlassen haben.

Vielleicht sind es diese Wunden, die in dir das Gefühl der Einsamkeit verursachen, BunterVogel, Wunden an deinem Zugehörigkeitsgefühl, an dem Gefühl der Verbundenheit, sodass du dich stets, mal mehr, mal weniger fremd in der Welt fühlst..?

Diese Wunden scheinen auch noch nicht geheilt, noch offen zu sein, so als ob du diese dich ausgrenzenden Stimmen noch hören würdest, sie nicht in dir zum Schweigen gebracht hättest. Solltest du nicht zuerst das tun? Denn äusserlich ihnen zu entkommen kannst du nicht, wenn du sie überall mitnimmst. Sie können so nur leiser werden, doch verlassen dich nicht wirklich. Doch wenn du sie dazu bringst, indem du ihnen jedes mal widersprichst und irgendwann nicht mehr glaubst, wird wahrscheinlich das reale Treffen mit Personen, denen sie gehören, nicht mehr bedrohlich für dich sein.
Alles Gute 🙂
 
Also ich habe auch vor meinem Studium jahrelang auf einem kleinen Dorf (ca. 500 Einwohner) gewohnt und habe ähnliches durchgemacht wie du. Wurde in der Schule gemobbt und ausgegrenzt, habe mich aufgrund dessen immer weiter zurückgezogen und sozial isoliert. Hatte völlig andere Interessen als die Gleichaltrigen im Dorf und habe es deshalb auch nie geschafft, irgendwelche Freundschaften aufzubauen. War total einsam und hatte wirklich KEINE Freunde.

Zum Glück habe ich dann im Herbst 2016 angefangen in der nächst größeren Stadt zu studieren. Trotz, dass mir der Studiengang leider überhaupt nicht gefallen hat und ich mein Studium Ende 2017 abgebrochen habe, war dies die beste Zeit meines Lebens. Ich habe durch das Studium einige Leute gefunden, die ähnliche Interessen haben und es entstanden Freundschaften auch über das Studium hinaus, bis heute.

Ich für meinen Teil habe beschlossen, nie mehr zurück aufs Land zu ziehen. Ich fühle mich in der Stadt einfach viel wohler. Man ist auch viel anonymer als auf dem Kaff, wo jeder jeden kennt. Du schreibst, du hast Angst, einem Verein beizutreten, weil du befürchtest, du könntest auf Leute aus deinem Heimatdorf treffen. Ist die Stadt denn so klein, dass man sich da direkt über den Weg läuft?
 
@redtiger

Vielen Dank für deine Meinung zu dem Thema. Ich dachte immer, dass die Stadt groß genug sei, allerdings begegne ich diesen Menschen tatsächlich sehr häufig. Sie studieren teilweise sogar dasselbe wie ich und haben sich hier einfach einen unfassbar großen Kreis aufgebaut (1.000 F
"Freunde" bei fb) usw. Was halt auch zu dem ungewollten Kontakt führt, ist die Tatsache, dass ich ja auch Freunde aus der Heimat habe, die diese Leute dann über 5 Ecken kennen. Also klar, meine Freunde stehen sozusagen zu mir, aber die Freundeskreise (Freunde von Freunden), das alles überschneidet sich tatsächlich ziemlich stark. Es ist tatsächlich unfassbar schwierig sich einen separaten Kreis aufzubauen, was aber bestimmt an den ganzen Faktoren liegt, wie gleiches Alter, gleiche Interessen, gleiches Studium und die Präsenz dieser Menschen.
 
Ich für meinen Teil habe beschlossen, nie mehr zurück aufs Land zu ziehen. Ich fühle mich in der Stadt einfach viel wohler.

Das geht mir genauso. Ich bin in einer ländlichen Kleinstadt aufgewachsen und habe dort eher negative Erfahrungen gemacht. Zum Freunde finden war der Ort für mich nicht gut geeignet, weil ich ganz andere Interessen als die meisten Leute hatte und mich irgendwie nicht integrieren konnte.

Für mich persönlich kommt daher nur noch eine Großstadt in Frage, wo es Menschen mit ganz unterschiedlichen Interessen und Charakteren gibt, sodass ich eher die Chance habe, auf Leute zu treffen, mit denen ich mich gut verstehe.

Dazu kommt, dass ich das vielfältige kulturelle Angebot sehr schätze. Ich gehe gern ins Kino, und wenn man nicht immer nur die Standard-Blockbuster sehen will, die überall laufen, wird man meistens nur in der Großstadt fündig. Außerdem gehe ich gern ins Theater, nutze die Bibliotheken und gehe außerdem zu Vorlesungen an den Universitäten und Hochschulen. Das macht mein Leben für mich persönlich interessant und würde mir auf dem Land sehr fehlen...
 

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