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Was soll ich nur mit meiner Mutter machen?

  • Starter*in Starter*in ratlose Tochter
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ratlose Tochter

Gast
Hallo, meine Mutter (73), an der ich (34, ledig, ohne Kinder) eigentlich sehr hänge, kam noch nie sonderlich gut mit ihrem Leben zurecht. Mein cholerischer Vater, der vor drei Jahren verstarb, machte meiner Mutter das Leben sehr schwer.
Nach dem Tod meines Vaters wünschte ich mir sehnlichst, dass meine Mutter eine von den Menschen wird, die als Witwe nach und nach aufblühen. Richtig dran glauben konnte ich nicht, zumal meine Mutter meine Oma bei sich aufgenommen hatte. Diese ist nun 95 Jahre alt und wird zusehends schwächer, was meine Mutter natürlich arg mitnimmt.
Leider hat sich meine Mutter vor einem Jahr von einem Mann überrumpeln lassen, der sein ganzes Hab und Gut (zB sein Haus) verkauft hat, nur um bei ihr einzuziehen. Von seiner eigenen Frau war er geschieden; und er litt so stark unter seiner Einsamkeit, dass er es bei sich zuhause nicht mehr aushielt.

Meine Mutter und ihr neuer Lebensgefährte haben leider nicht viele Gemeinsamkeiten, wenn man mal davon absieht, dass beide keine richtigen Freunde oder engen Kontakte zu Verwandten haben.
Die einzigen (Verwandten-)Kontakte, die meine Mutter hat, sind meine Oma und ich selber. Freundinnen, mit denen sie sich treffen kann, hat meine Mutter nicht.
So oft wie es geht besuche ich meine Mutter, ihren Lebensgefährten und meine Oma, denn meine Oma jammert ständig, dass sie mich vermisst; und ich weiß nicht wie lange ich sie noch "habe".
Da ich Freiberuflerin bin, ist das an sich kein Problem, obwohl ich mich bei meiner Mutter, Oma und dem neuen Lebensgefährten nicht sonderlich wohl fühle. Der neue Lebensgefährte hat ein Alkoholproblem, riecht oft sehr unangenehm und hat furchtbare Manieren.
Letzten Endes besuche ich die Dreie nur deshalb, weil ich meiner Oma in ihren letzten Lebensjahren (oder Monaten) noch etwas geben möchte. Dass sie zu mir in mein Apartment zieht ist aus verschiedenen Gründen nicht möglich.
Wie auch immer, wenn ich dann bei meiner Mutter & co bin, bekomme ich meist nach zwei Wochen einen Rappel und muss zurück in mein 400 Kilometer entferntes, eigenes Apartment, wo ich dann einen Monat verweile, um dann erneut die Zähne zusammen zu beißen und Richtung "Heimat" zu fahren.
Gerne bin ich dort nicht.

Das Hauptproblem ist allerdings meine Mutter. Die Situation mit meiner Oma setzt ihr sehr zu; und sie ruft mich ständig an, wenn ich in meinem eigenen Apartment bin. Wenn sie mich nicht auf meinem Festnetzanschluss erreicht, ruft sie auf meinem Handy an. Oft bin ich im Auto unterwegs und sehe, dass es schon wieder klingelt. Wenn ich dann abnehme, höre ich immer dasselbe von meiner Mutter: "mir geht es schlecht. Ich bin so müde." Oder "mir ist so komisch." Sie geht fast alle zwei Wochen zum Arzt; der Grund für ihr Befinden ist wohl eher psychisch.
Im Grunde belastet es mich zweimal am Tag mit meiner Mutter zu telefonieren, die mir jedes Mal nichts anderes erzählt als dass es ihr schlecht geht.
Ich weiß einfach nicht, wie ich damit umgehen soll.
Ich riet ihr dazu sich einen Freundeskreis aufzubauen, doch da meine Mutter eine Mischung zwischen Couch Potato und autoritärer Person ist (wenn ich jetzt mal nicht nett bin), wenden sich die meisten Leute nach einiger Zeit von ihr ab. Meine Mutter lässt sich auf der einen Seite zwar gerade von Männern viel gefallen, doch auf der anderen Seite hat sie bestimmte Themen (Politik, Umwelt und Ernährung), über die sie glühende Monologe halten kann, womit sie fast jeden vertreibt. Denn sie lässt keine anderen Meinungen gelten.
Als ich meine Mutter mal wieder darauf hinwies, dass sie sich ein soziales Netzwerk aufbauen sollte, sagte sie "aber ich komme doch später zu DIR." 🙁
So sehr ich meine Mutter auch liebe: das geht wirklich nicht.
Was soll ich nur tun?
Im Moment ist die Lage für meine Mutter natürlich schwierig wegen meiner sehr alten Oma. Ständig einen Menschen um sich zu haben, der jeden Tag irgendwelche neuen Beschwerden hat und darauf hofft bald zu sterben (was bei sehr alten Menschen ja nicht selten ist) ist wirklich nicht leicht.
Doch ich sehe bei meiner Mutter leider keinerlei Antrieb ihr Leben dauerhaft in eine erfüllende Richtung zu lenken.
Ihr Glück könnte eigentlich sein, dass sie nicht arm ist. Sie könnte sich in jeder Stadt Deutschlands ein schönes neues Nest erschaffen, wenn meine Oma nicht mehr lebt, oder in eine gute Seniorenresidenz gehen. Stattdessen lädt sie sich einen Mann auf den Hals, der ein Alkoholproblem hat.
Und so mache ich mir Sorgen, dass sie psychisch immer tiefer sinkt und nach dem Ableben ihres Lebensgefährten so klapperig ist, dass sie gar keine Initiative (zB um Freunde zu suchen) mehr aufbringen KANN.

Ich schaffe es einfach nicht meine Mutter komplett hängen zu lassen. Doch ich bin es auch leid die Seelentrösterin zu sein, die telefonisch ständig parat steht.
Ich mache mir Sorgen, dass mich meine Mutter nach dem Tod meiner Oma komplett vereinnahmen wird. Dass alles nicht leichter wird, sondern noch schwerer, auch wegen ihrem Lebensgefährten.
Und ich wage mir nicht vorzustellen, was passieren wird, wenn der nicht mehr lebt (nachdem meine Mutter jahrelang sein Trinken miterleben musste).
Auch habe ich Gewissensbisse gegenüber meiner Oma, weil ich theoretisch öfters bei ihr sein könnte, aber es mit meiner Mutter und ihrem Lebensgefährten nicht länger aushalte.
Und ich weiß einfach nicht wie ich mit den Dauer-Anrufen meiner Mutter umgehen soll. Was soll ich nur sagen, wenn sie immer sagt "mir geht es schlecht"? Oder "ich bin so müde"?
Sie sagt diese Dinge nicht nur, sondern hört sich auch dementsprechend an - so als hätte man sie nachts um 3 geweckt.
Habt Ihr vielleicht einen Rat wie ich mit diesen Anrufen umgehen könnte?
Was ich sagen könnte?
Was ich tun kann, damit meine Mutter nicht eines Tages noch mehr an mir klammert als es jetzt bereits der Fall ist?
Und sollte ich für meine Oma vielleicht noch mehr tun? Ich habe ein total schlechtes Gewissen, aber weiß einfach nicht weiter.
Liebe Grüße an Euch!
 
Liebe ratlose Tochter!

Als ich deinen Beitrag gelesen habe, musste ich einige Paralelen zu meiner Beziehung mit meinen Eltern feststellen. Der cholerische Vater, die abhängige Mutter, die sich von ihm alles gefallen lässt, die Schuldgefühle, dass ich mich nicht genug kümmern würde, die Verantwortung, die ich meinte mir selbst aufbürgen zu müssen.
Ich habe mich aus dieser Umklammerung meiner Eltern zum Jahresanfang gelöst. Es kam zu Weihnachten zu einer Eskalation durch meinen cholerischan Vater und meine Mutter wollte es mal wieder totschweigen und ich sollte weiter so tun, als ob alles wunderbar wäre. Das allerdings war ich nicht mehr bereit zu tun. Zum ersten mal im meinem Leben habe ich mich nämlich für MICH entschieden.
Mein Vater wird immer ein cholerisches A... bleiben und meine Mutter wird ihn nie verlassen (dazu hatte ich ihr schon vor gut 15 Jahren geraten; ich bin jetzt 33 Jahre alt). Ich habe seitdem über vieles nachgedacht und mir ist so einiges klar geworden. Ich bin nicht für meine Eltern verantwortlich. Meine Mutter hat sich selbst entschieden bei diesem Mann zu bleiben und daran werde ich nichts ändern. Es ist auch nicht meine Lebensaufgabe das Unglück, das mein Vater über meine Mutter bringt, wieder gut zu machen. ICH BIN NICHT VERANTWORTLICH!
Und du bist es auch nicht. Deine Mutter hat sich für das Leben, das sie jetzt führt, selbst entschieden. Sie kümmert sich um deine Oma, was ich großartig finde, weil es kein leichte Aufgabe ist. Aber es war auch ihre eigene Entscheidung den Mann aufzunehmen. Sie selbst ist für ihr Handeln und ihre Entscheidungen verantwortlich.
Du wohnst Kilometer weit von ihr entfernt. Sie kann sich von einem Pflegedienst VOR ORT unterstützen lassen und sich Hilfe für den Haushalt suchen, sofern das nicht schon geschehen ist.
Ich kann mich, denke ich, ganz gut in dich hineinversetzen. Du möchtest deine Oma noch so oft es geht sehen, deiner Mutter eine gute Tochter sein (was auch immer das heißen soll) und könntest den Mann an ihrer Seite zum Mond schießen. Auf der anderen Seite hast du dein eigenes Leben 400km weit entfernt aufgebaut. Und nun bist du nur noch am pendeln. Und es zerreist dich innerlich. Und es wird mehr und nicht weniger. Glaube mir.
Du darfst dich nicht für das Glück deiner Mutter verantwortlich fühlen. Besuche sie und deine Oma, wenn du es möchtest und nicht aus Pflichtgefühl/Schuldgefühl heraus. Wenn du an der Situation nichts änderst, wirst du irgendwann das Gefühl haben dich aufzulösen. Du wirst nur noch für deine Mutter da sein, weil sie von sich aus nicht loslassen wird.
Ich kann dir ein Buch sehr ans Herz legen. Es ist von Susan Forward mit dem Titel "Vergiftete Kindheit". Mir persönlich hat es sehr geholfen. Ich stecke noch mitten drin im Prozess des "Ablösens". So schmerzlich es am Anfang noch war und so viel Wut auch hochgekommen war, so hat es sich für mich gelohnt. Ich habe erkannt, dass es in Ordnung ist auch mal etwas für sich selbst zu tun. Und das hat nichts mit Egoismus zu tun. Du darfst, nein, du musst auch mal an dich und deine Bedürfnisse denken. Du selbst musst auch mal zur Ruhe kommen! Seine Seele wird es dir danken. Anderfalls bist du auf dem besten Wege dein selbst zu verlieren.

Ich wünsche dir von Herzen alles Gute und hoffe, dass du eine Lösung findest.

GlG,
ein Gast
 
Wow! Danke! Dein Beitrag hat mich sehr berührt und mir sehr geholfen. Mich selber verlieren...das will ich natürlich nicht.
Ich finde toll, dass Du den Mut aufgebracht hast bei Deiner Mutter die Reißleine zu ziehen. 🙂
Das Buch, das Du mir vorgeschlagen hast, schaue ich mir mal gleich bei Amazon an.
Und ich glaube ich werde mir Deinen Beitrag noch öfters durchlesen.

Dir wünsche ich auch alles Gute!
 

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