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Was soll ich bloß tun? Neue Berufsfindung mit 26

Vernunft96

Mitglied
Guten Tag liebe Community,

ich versuche mich kurz zu fassen: Schon als Kind wollte ich unbedingt vor Schüler stehen, Wissen weitergeben und an der Tafel viel schreiben. Deswegen wollte ich seit dem zwölften Lebensjahr Lehrer werden und verfolgte dieses Ziel bis 2020.

Leider haben viele Lehrer an mich nicht geglaubt. Mein Lebensweg begann in der Förderschule. Langsam habe ich mich bis zum Abitur hochgearbeitet. Doch dann fingen die Probleme richtig an.

Nach dem Abitur konnte ich mich endlich meinem Traumstudium, das Lehramt, widmen. Die ersten vier Semester liefen nicht sonderlich gut. Depressionen und Angstzustände haben mein Leben beherrscht, sodass ich mit dem Leistungsdruck nicht zurechtkam. Mein Traum fing zu bröckeln an und nach vier Semestern entschied ich mich das Studium, auch auf Rat meiner Psychotherapeutin abzubrechen.

Daraufhin fing ich eine Ausbildung beim Rechtsanwalt an. Da ging es mir zwar psychisch auch nicht gut, aber doch durchaus etwas besser verglichen zur Studienzeit. Dank der Struktur und der besser erreichbaren Ziele habe ich mehr Lebensfreude gespürt. Ich habe mich selbst wieder gespürt. Ich konnte mehr Freizeit für mich freischaufeln. So hatte ich auch mehr Zeit zum Kochen und für meine Partnerschaft. So war meine Idee, du machst diese Ausbildung zu Ende und schaust dann weiter. Ich wusste aber schon nach einem Ausbildungsjahr, dass es mich überhaupt nicht erfüllt und wie ich mit den kommenden steigenden Mieten überhaupt mit diesem Beruf zurechtkommen soll, ist auch fraglich.

Dann habe ich meinen Partner im November 2020 kennengelernt und zog im August 2021 zu ihm. Der Umzug passierte erst dann, als ich einen Betrieb gefunden habe, wo ich meine Ausbildung zum Rechtsanwaltsgehilfen fortsetzen kann.
Leider wurde ich nach drei Monaten im neuem Betrieb gekündigt und suche seit Oktober nach einem Teilzeitjob und nach einer neuen Ausbildung.

Ich suche auch nach Praktikumsstellen, um durch Praktika in den Ausbildungsberuf reinzukommen, weil es in meinem Alter nicht so einfach ist. Ich habe leider im Moment trotz vieler Bewerbungen einen Haufen an Absagen angehäuft.

Ich habe lange überlegt und mir wirklich viele Gedanken gemacht, was für Stärken und Schwächen ich habe und welche Berufe optional in Frage kämen:
Seit Dezember 2020 mache ich mich deswegen schon verrückt.
So habe ich mir seit Dezember 2020 viele Gedanken gemacht, was ich noch im meinem Leben rausholen kann und was mir Spaß macht. Und da setzt schon das Problem an:

Alle meine Alternativen sind leider brotlos und das zermürbt mich einfach:

Deutsch und Englisch auf Lehramt - brotlos, es studieren zu viele

Lektor in Bezug auf historische Themen
Weg: Geschichtswissenschaftsstudium
Problem: Brotlos, die Berufsaussichten sind sehr mau.

Fernsehmoderator, Journalist
Weg:Geschichtswissenschaften und Kommunikationswissenschaften
Problem: Brotlos, die Berufsaussichten sind hier auch sehr mau, trotz vieler Praktika nebenbei.

Mediengestalter für Bild und Ton
Weg: Ausbildung
Problem: Brotlos, die Berufsaussichten sind sehr mau, diesen Beruf wollen zu viele ergreifen.
Geschichtsprofessor
Weg: Geschichtswissenschaften
Problem: Brotlos, es gibt zu wenige Planstellen für diesen Beruf, Risiko ist zu hoch.

Fachinformatiker für Systemintegration
Weg: Ausbildung
Bewertung: Gute Aussichten, durch Erfahrung kann man sich beweisen und es hat Zukunft.


Jetzt habe ich das Glück, Anfang März eine Praktikumsstelle in einer Computerfirma gefunden zu haben. Der Chef ist sehr zufrieden mit mir und mir macht es schon Spaß, aber ich wünsche mir schon mehr Textarbeit. Aber aus anderen Gründen kann ich in meinem Leben im Moment mir leider den Wunsch nicht erfüllen, einen textlastigen Beruf auszuüben. Die Gründe stehen oben bei den Berufsbezeichnungen. Das frustriert mich vehement.

Ich bin mittlerweile bald 26 und bin sehr verzweifelt.

Was mir durch meine Kündigung klar wurde ist, dass ich leider nicht in der Lage bin, zahlreiche Aufgaben gleichzeitig zu machen. Ich kann mir vieles nicht im Kurzzeitgedächtnis behalten. Wenn mein Chef mir sagte, ich soll diese Seite kopieren und danach noch zwei Sachen einscannen zum Beispiel, habe ich nach dem Kopieren, nochmals nach meiner Aufgabe gefragt. Das liegt daran, weil ich meine Arbeitsanweisung vergessen habe. Und das passierte sehr oft. Das ist ein nicht endeter Teufelskreis für mich.

Was hinzukommt, ist meine Unsicherheit beim Deuten der Intentionen der Menschen im Arbeitsleben. Mehrmals habe ich eigeninitiativ versucht mich einzusetzen, so habe ich zum Beispiel selbstständig vom Tisch meiner Chefin die Akte genommen, um Termine und Fristen einzutragen. Dann ist Sie ausgerastet und hat gesagt, was mir einfällt. Ich stand wie versteinert da und wusste nicht was ich sagen soll. Als Sie mich fragte, ob ich das auch bei meinem ehemaligen Chef so gemacht habe, habe ich dies bejaht. Da ist Sie richtig ausgetickt. Ich versuche alles irgendwie richtig zu machen und mache dann doch alles falsch. Das ist leider auch so im privaten Umfeld.

Dieses Akten selbstständig vom Arbeitstisch nehmen, habe ich bei meinem vorherigen Chef machen sollen. In meinem ersten Ausbildungsbetrieb hieß es, ich soll einfach eigenständig die Akte an seinem Tisch heraussuchen und abarbeiten.

Als ich vor kurzem einen Probetag beim Teilzeitjob fand, war ich heilfroh. Aber dank dieser Vergesslichkeit wurde ich im Probearbeitstag direkt nach zwei Stunden rausgeschmissen. Das tut so weh.

Hobby:

Ich gebe Nachhilfe hobbymäßig und erfrische meine Englischkenntnisse aktuell. Unterrichten macht mir sehr großen Spaß und die Schüler geben mir auch das Feedback, dass ich verständlich erkläre.
Ebenfalls lese ich sehr gerne.

Meine Partnerschaft:

Andererseits ist das Thema Partnerschaft sehr präsent. Ich weiß aber nicht, ob das in das große Thema Beruf reinpasst. Deswegen mache ich dazu einen separaten Thread.

Nun zurück zu meiner Überschrift, ,,was soll ich bloß tun?"

Ich bin auch auf einer Warteliste beim Psychotherapeuten.

Ich bin komplett verzweifelt.


Viele Grüße

Vernunft96
 
Studiere, was dir Spaß macht. Das ist der beste Weg. Oft ergeben sich Berufsperspektiven, an die man anfangs gar nicht so gedacht hatte. Gerade bei den Geisteswissenschaften macht es nicht so viel Sinn mit der Einstellung "Und was kann ich damit werden?" heranzugehen - man kann so ziemlich alles irgendwie damit werden.
Hab selbst Geschichte und Germanistik studiert. Brotlos, wenn man nicht Lehrer werden will, hieß es eigentlich immer. Ich werd nicht reich, aber ich hatte immer nen Job.

Such dir ein Studium oder eine Ausbildung, das bzw. die dir Freude macht - und mach einfach erst mal.

Wegen Lehramt: Viele meiner Freunde haben G/D auf Lehramt studiert. Wenn dir das wirklcih spaß macht, dann mach es. Wenn dir aber schon die ersten paar Semester zuviel Leistungsdruck sind, wirst du im Referendariat wsl dein blaues Wunder erleben. Da wird wirklich Druck gemacht. Etlichen meiner Freunde ging es da echt übel. Und wenn Du nicht gut im multitasking bist, ist das vll. auch nicht das Richtige.
 
Alle meine Alternativen sind leider brotlos und das zermürbt mich einfach:

Deutsch und Englisch auf Lehramt - brotlos, es studieren zu viele

Lektor in Bezug auf historische Themen
Weg: Geschichtswissenschaftsstudium
Problem: Brotlos, die Berufsaussichten sind sehr mau.

Fernsehmoderator, Journalist
Weg:Geschichtswissenschaften und Kommunikationswissenschaften
Problem: Brotlos, die Berufsaussichten sind hier auch sehr mau, trotz vieler Praktika nebenbei.

Mediengestalter für Bild und Ton
Weg: Ausbildung
Problem: Brotlos, die Berufsaussichten sind sehr mau, diesen Beruf wollen zu viele ergreifen.

Geschichtsprofessor
Weg: Geschichtswissenschaften
Problem: Brotlos, es gibt zu wenige Planstellen für diesen Beruf, Risiko ist zu hoch.

Ich stimme dir zu. Das ist brotlos. Und extrem unrealistisch zum Teil. Du könntest in die Erwachsenenbildung, bei der VHS Kurse geben, wenn du unbedingt in irgendeiner Form unterrichten willst.

Zu dem Thema Eigenintiative. Das mit der Akte war ziemlich daneben. Vorher fragen und klären. Einfach vom Tisch der Chefin nehmen, macht man einfach nicht. Da hast du auch nichts missverstanden, du hast einfach was gemacht, weil du das in der anderen STelle auch so gemacht hast. Aber du hättest deftinitiv fragen sollen.

Das mit dem Gedächtnis kann ich nicht beurteilen. Kannst du dir nicht das notieren, was du machen sollst, wenn du 2 Aufgaben hast, bevor du eine davon vergisst? Übrigens hättest du mit dieser Schwäche in jedem Beruf Probleme.
 
Unterrichte doch mal ehrenamtlich als Deutschlehrerin für Flüchtlinge. So bekommst du einen Vorgeschmack wie das aussehen könnte. An deiner Stelle würde ich erneut dem Lehramt eine Chance geben, da du nun dank Therapie passende Umgangsstrategie gelernt hast.

Übrigens bin ich der Meinung, dass man mit allem erfolgreich sein kann, wenn man dafür brennt. Aber so wie du die genannte Berufe beschrieben hast, scheinst du nicht dafür 100% zu brennen. Dann wird es natürlich sehr schwierig.

Sei nicht all zu hart zu dir. Uns passieren allen Fehler und nun weißt du, sowas lieber sein zu lassen. Die Reaktion deiner Chefin finde ich eher unprofessionell, da hätte man auch anders reagieren können. Ich meine, durch das Ausflippen wird der Fehler auch nicht rückgängig gemacht. Scheint eher eine miese Fehlerkultur dort zu herrschen, wo du arbeitest.

Wenn das mit dem Gedächtnis selbst für dich zu einem Problem wird, dann suche einen Arzt auf. Ich drück die Daumen!
 
Wieso führst du dein Lehramtsstudium nicht fort? Alle anderen Studiengänge sind auch nicht leichter.

Brotlos würde ich das alles nicht nennen, wenn man verzweifelt daran festhält, dann vielleicht, wenn man aber offen ist, findet man sehr viel. Mit Deutsch/Englisch auf Lehramt findet man viele Planstellen wenn man umzugsbereit ist.



Ich rate dir aber eher zur Ausbildung, da bist du mit deinem Praktikum ja schon auf einem guten Weg, das wird schon.
 
Ich hab Erzieher gelernt und dann aufgrund psychischer Probleme damals abgebrochen und dann nach ca. 2 Jahren auch ReNo gelernt. Viele dachten, weil ich beim Anwalt arbeite, verdient man viel - ist aber ganz und gar nicht der Fall, ReNos haben auch keine Tarife -das muss man jedes Mal wieder mit dem Chef diskutieren. Wer da kein dickes Fell hat, wird ewig mit einem Anfangsgehalt rumkrebsen.

Das mit dem vergessen ist übrigens total normal bei Depressionen, muss ich auch mit kämpfen. Wenn du das also ständig hast, solltest du das erstmal in Griff kriegen. Ich weiss, leichter gesagt wie getan. Aber du wirst für jede Art Ausbildung, Studium und Arbeit dich konzentrieren müssen - das ist auch der Grund, warum ich arbeitslos bin und derzeit auch bleiben muss.
 

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