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"Warum sind wir so unglücklich?"

qeight

Aktives Mitglied
Ich bin vor zwei Tagen im YT-Dschungel über diesen jungen Herrn gestoßen, der sehr feinsinnig auf lebensnahe Themen schaut, u.a. auch auf die Frage, warum wir so unglücklich seien. Seine These ist, dass ein entscheidender Grund eine pathologische, unrealistische Erwartungshaltung innerhalb von Beziehungssystemen wie Partnerschaft, Freundschaft, Ehe sei.
Er hat zwar auch etwas Bitteres, Frustriertes, aber das mag ich, das geht mir nah und ist mir daselbst bekannt. Er ist offenbar keiner von dieses Social Media Performern, die ständig Click Bait-Videos posten, sondern insgesamt sehr ehrlich und direkt.

Wie auch immer.

Hier die Diskussion: Ist es übertrieben oder sogar pathologisch, dass ich von meiner Partnerin erwarte, mir auch "psychohygienisch", im Sinne von heilsam / therapeutisch / zuhörend beizustehen, bzw. ihr dasselbe anbiete? Oder ist das vielleicht überhaupt ein Weg, heutzutage den Bedarf nach Lebensbesprechung, die nicht immer psychotherapeutisch abgedeckt werden kann, nachzukommen?

Ich bin selbst in Beziehung und bezeichne die solche als heilsam, (nach)ernährend und als korrigierende Erfahrung (da mir meine Partnerin äußerst wertschätzend und raumbietend begegnet). Wo ist da die Trennlinie, an der ich feststellen könnte, dass ich ihr zu viel - im Sinne der Podcastthese - abverlange? Wie handhabt ihr das?

Besten Gruß
q8)
 
Hallo qeight,

Ich bin da sicherlich kein Experte, aber ich glaube unterschiedliche Erwartungshaltungen in einer Beziehung sind oft ein Knackpunkt.
Blödes Beispiel: Sie möchte dass täglich geputzt wird, ihm reicht es monatlich .... man einigt sich vielleicht in der Mitte, aber am Ende putzt sie doch häufiger als er und ist unzufrieden.

Ich kann dir keinen konkreten Punkt nennen, an dem du deiner Partnerin zu viel abverlangst oder umgekehrt. Ich glaube aber, dass es auch kein Gleichgewicht sein muss. Es kann durchaus Partnerschaften geben, wo eine Seite viel mehr "psychohygienischen" Bedarf hat als die andere Seite - aber die andere Seite das keineswegs stört. Es vielleicht sogar positiv als emotionale Nähe und Vertrautheit empfindet.

Wenn du fürchtest deiner Partnerin zu viel abzuverlangen, sprich es doch mal an. Idealerweise so, dass sie offen antworten kann. Also nicht nach dem Motto: "Bist du meine Gespräche leid?" worauf sie eigentlich nur "nein" antworten kann um dir nicht vor dem Kopf zu stoßen.

Vermutlich hat fast jeder eine etwas unrealistische Erwartungshaltung innerhalb von Beziehungssystemen. Und je höher man diese Erwartungen steckt, desto tiefer wird man dann enttäuscht -> Unzufriedenheit. Ich glaube aber dass Unzufriedenheit auch entsteht indem man seine Erwartungshaltung immer für sich behält. Die Idee "Hey mein Partner muss doch irgendwann von selbst drauf kommen, dass ....." funktioniert selten.
Ich habe mein Leben lang Konflikte gemieden und zu allem ja gesagt. Dadurch wurde ich unzufrieden und selbst mein Gegenüber war zwar kurzfristig happy, langfristig war das aber keine Basis für eine Beziehung auf Augenhöhe.

LG
Andreas
 
Hallo qeight,

Ich bin da sicherlich kein Experte, aber ich glaube unterschiedliche Erwartungshaltungen in einer Beziehung sind oft ein Knackpunkt.
Blödes Beispiel: Sie möchte dass täglich geputzt wird, ihm reicht es monatlich .... man einigt sich vielleicht in der Mitte, aber am Ende putzt sie doch häufiger als er und ist unzufrieden.

Ich kann dir keinen konkreten Punkt nennen, an dem du deiner Partnerin zu viel abverlangst oder umgekehrt. Ich glaube aber, dass es auch kein Gleichgewicht sein muss. Es kann durchaus Partnerschaften geben, wo eine Seite viel mehr "psychohygienischen" Bedarf hat als die andere Seite - aber die andere Seite das keineswegs stört. Es vielleicht sogar positiv als emotionale Nähe und Vertrautheit empfindet.

Wenn du fürchtest deiner Partnerin zu viel abzuverlangen, sprich es doch mal an. Idealerweise so, dass sie offen antworten kann. Also nicht nach dem Motto: "Bist du meine Gespräche leid?" worauf sie eigentlich nur "nein" antworten kann um dir nicht vor dem Kopf zu stoßen.

Vermutlich hat fast jeder eine etwas unrealistische Erwartungshaltung innerhalb von Beziehungssystemen. Und je höher man diese Erwartungen steckt, desto tiefer wird man dann enttäuscht -> Unzufriedenheit. Ich glaube aber dass Unzufriedenheit auch entsteht indem man seine Erwartungshaltung immer für sich behält. Die Idee "Hey mein Partner muss doch irgendwann von selbst drauf kommen, dass ....." funktioniert selten.
Ich habe mein Leben lang Konflikte gemieden und zu allem ja gesagt. Dadurch wurde ich unzufrieden und selbst mein Gegenüber war zwar kurzfristig happy, langfristig war das aber keine Basis für eine Beziehung auf Augenhöhe.

LG
Andreas


Danke, das ist ein sehr wertsichtiger Beitrag!! Hilft mir.
 
Hmmmm
Klar, kann man es aus dieser Perspektive sehen. Dass wir zu viel, zu Unrealistisches erwarten in Beziehungen.
Aber, ich finde, genauso wahr wäre es zu sagen, dass wir zu wenig erwarten. Wie viele Menschen trifft man, die sich mit Halbherzigem zufriedengeben? Sei es in Familie, Freundschaft, Partnerschaft. Die lieber "irgendwen" nehmen, statt sich bei der Wahl Zeit zu lassen und nur Menschen in den inneren Kreis zu lassen, die wohlwollend und wertschätzend sind?
Wie oft wählen Menschen aus Not heraus, aus Druck, Verzweiflung, Einsamkeit, andere Menschen für nähere Bekanntschaften/Beziehungen, die ihnen überhaupt nicht gut tun?
Und ist es da nicht klar, dass das unglücklich macht? Beziehungen sind immerhin echt wichtig für Menschen.

Ich finde es hier spannend, aufs größere gesellschaftliche Bild zu schauen. Warum sind Menschen in unserer postmodernen Zeit denn oft so einsam und verzweifelt- was führt dazu? Da gibt es mit Sicherheit zig Aspekte, die wir hier benennen können- aber ganz bestimmt ist unsere pathologisch oft eher "schlechte" Beziehungsfähigkeit ein Symptom davon.
 
Ich finde es hier spannend, aufs größere gesellschaftliche Bild zu schauen. Warum sind Menschen in unserer postmodernen Zeit denn oft so einsam und verzweifelt- was führt dazu? Da gibt es mit Sicherheit zig Aspekte, die wir hier benennen können- aber ganz bestimmt ist unsere pathologisch oft eher "schlechte" Beziehungsfähigkeit ein Symptom davon.
Ich glaube ein wichtiger Faktor heute ist, dass man keine Partnerschaft haben muss. Früher war man aus rein wirtschaftlichen aber auch sozialen Gründen fast dazu gezwungen.
Denken wir mal 500 Jahre zurück wo 90% der Menschen Bauern waren. Einen Bauernhof alleine führen ging nicht. Und ohne soziale Systeme braucht man Familie auch als Absicherung und Altersvorsorge.
Und war man mal zusammen, war man dass oft "bis der Tod einen scheidet". Scheidungen waren verpönt, die Ehe religiös heilig und auch Kinder hielten ein Paar zusammen.

Die ganze moderne Idee, dass ein Partner nicht nur treu ist, arbeitet und seinen Ehepflichte nachkommt, sondern uns "verstehen" soll, ist aus Sicht der Menschen von vor 500 Jahren eine Luxusdiskussion.
Nicht falsch verstehen: Das Bedürfnis kann ich nachvollziehen und es gibt sicher auch heute Menschen die sich innerhalb einer Beziehung einsam und unverstanden fühlen. Wie du sagst haben diese Menschen sich ihre Partner aus Not gewählt oder bleiben aus einer Not zusammen. Wobei "Not" hier selten eine existenzielle Not ist, sondern oft eher eine soziale Not. Nach dem Motto: Lieber einen mittelmäßigen Partner haben als alleine sein.

Ich persönlich habe mich immer schwer getan mich Menschen zu öffnen und jede Abhängigkeit in einer Partnerschaft schreckt mich ab. Ich glaube, dass kein Mensch mich wirklich ganz verstehen könnte - tue ich ja selber nicht 😉 Die Frage ist vielleicht, was man von einer Beziehung erwartet? Ich glaube ja, dumme Menschen sind glückliche Menschen.

Worauf will ich eigentlich raus? Keine Ahnung. Vielleicht darauf, dass man vor lauter Nachdenken und Hinterfragen ob der Andere einen versteht, nicht vergessen sollte zu leben. Dass Glück von so vielen Seiten im Leben kommen kann. Ich verstehe es zwar, wenn sich Menschen auf eine Sache fokussieren aber ich finde es andererseits traurig wenn Menschen ihr Glück z.B. nur an der Partnerschaft festmachen.
 
Ob Du der Partnerin zuviel abverlangst - kann doch nur die wissen.
Da Du Dich in einer heilsamen Beziehung befindest die toll ist, verstehe ich nicht , wieso Du die nicht einfach fragst ?
 

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