Natalie2800
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Hallo liebe Community,
ich möchte euch einen Konflikt mit meinem Freund schildern, der letztlich zum Ende unserer 15‑monatigen Beziehung geführt hat. Im Nachhinein frage ich mich, ob ich zu hart reagiert habe und ob ich ihn vielleicht wieder kontaktieren sollte.Zu mir
Ich bin 47 Jahre alt und habe meinen Freund (heute 37) über eine Dating‑Plattform kennengelernt. Dort gab ich zunächst an, 37 zu sein, habe ihm aber relativ bald gesagt, dass ich bei meinem Alter geschummelt hatte. Als er dann nach meinem tatsächlichen Alter fragte, sagte ich ihm, dass ich es ihm nicht sagen möchte – und bis heute weiß er es nicht.Das klingt vielleicht seltsam, aber ich hatte mein ganzes Leben lang Schwierigkeiten mit diesem Thema. Ich komme aus einem narzisstischen Elternhaus, und meine Mutter hat mir vieles sehr schwer gemacht. Deshalb habe ich mich schon früh intensiv mit psychologischen Themen beschäftigt, um mich selbst zu stabilisieren – was auch gut funktioniert hat.
Durch meine Erziehung habe ich jedoch ein perfektionistisch‑kontrollierendes Muster entwickelt und dadurch sehr hohe Ansprüche – an mich selbst und an andere, besonders in der Kommunikation.
Kurz vor Weihnachten wollten wir bei ihm backen. Den Abend davor sagte er ab, weil er sehr müde war, meinte aber, wir könnten am nächsten Morgen früh starten. Ich akzeptierte das, war innerlich aber traurig, weil ich mich nicht ausreichend priorisiert fühlte.Am nächsten Morgen schickte er mir ein Foto eines Rezepts – ohne Kommentar. Ich fragte, ob ich die Zutaten kaufen soll oder ob er sie schon besorgt hat. Er meinte, ich solle sie kaufen, deshalb habe er mir das Bild geschickt. Ich erklärte, dass ich es nicht verstanden hätte, weil er nichts dazu geschrieben hatte.
Er antwortete scherzhaft, dass er die Zutaten jetzt selbst kaufen gehe. Wir tauschten uns dann darüber aus, was wir beide zu Hause hatten. Ich bat ihn anschließend, extra Chocochips zu kaufen, die im Rezept nicht standen. Als er fragte, ob es diese „extra“ überhaupt gebe, sagte ich, dass genau das ja bedeute, dass sie extra sind.
Daraufhin schrieb er: „Wow, so eloquent“, mit einem lachenden Smiley. Ich erwiderte, dass ich mir wünschen würde, er wäre ebenfalls klarer in seiner Kommunikation, statt einfach nur Bilder ohne Kommentar zu schicken. Er meinte, dass er nun einmal nicht so sei – wie ich ja wisse – und schickte drei Shining‑GIFs als Scherz.
Währenddessen war er einkaufen und rief mich auch an. Ich hatte jedoch beschlossen, nach dieser für mich frustrierenden Konversation zu Hause zu bleiben und mir einen schönen Tag zu machen. Als ich ihm das schrieb, meinte er nur: „Ok. Schade. Schönen Tag noch.“ Später schrieb er, dass er meine Reaktion etwas übertrieben fand, es aber vielleicht besser sei, als den Tag mit schlechter Stimmung zu verbringen.
22.12. – Seine Entschuldigung
Am nächsten Morgen entschuldigte er sich sehr nett und einsichtig für seinen „humoristischen Sarkasmus“ und bedauerte, dass der Tag nicht zustande gekommen war. Er sagte, er wollte nicht gleichgültig wirken, sei aber von meinem Rückzug überrascht gewesen. (Ich fand die Entschuldigung einen Tag später zu spät).23.12. – Meine Reaktion
Ich schrieb ihm darauf auch erst am nächsten Tag, dass ich eine Pause brauche und nicht ständig alles managen möchte. Ich wünschte ihm schöne Weihnachten.Er war überrascht, meinte aber, es sei wichtig, dass ich mir Zeit nehme, und wünschte mir ebenfalls schöne Weihnachten.Daraufhin meldete er sich erst wieder am 29.12. und bat um Klarheit, weil die Situation für ihn schwierig sei.Ich antwortete, er solle selbst Klarheit schaffen, statt mich immer zu fragen. Daraus entstand eine angespannte WhatsApp‑Konversation.
Er entschuldigte sich mehrfach und erklärte, dass er mir aus Rücksicht ein paar Tage Zeit geben wollte, weil meine Nachricht vom 23.12. für ihn so klang, als wolle ich Weihnachten nicht mit ihm verbringen. Er sagte, er sei sehr traurig gewesen, habe aber meine Grenzen respektieren wollen. Er entschuldigte sich erneut für seinen Sarkasmus.
Ich konnte das in dem Moment jedoch nicht annehmen und kritisierte ihn weiter. Ich sagte, er erkläre sich nur, statt im Hier und Jetzt zu sagen, was er besser machen könne.
Er wollte mich zu sich einladen, um gemeinsam zu kochen und Silvester zu verbringen. Ich hatte jedoch bereits andere Pläne und sagte ab.
Am Silvestertag fragte er, ob wir uns zumindest kurz sehen könnten, damit er mir die liebevoll gekauften Weihnachtsgeschenke geben könne. Ich blockte ab und meinte, er klinge wie ein Paketbote.Er fragte noch einmal, ob ich nicht wenigstens eine halbe Stunde Zeit hätte, weil er mich gerne sehen würde. Ich sagte ihm außerdem, dass ich ab 02.01. auf Urlaub sei – ich hatte mir inzwischen einen Spanien‑Urlaub gebucht.
Er akzeptierte das und wünschte mir sogar einen schönen Urlaub. Ich habe in dem Moment nicht gesehen, wie traurig er war.
Ich war wiederum enttäuscht, dass er sich erst fünf Tage später wieder meldete – während ich im Urlaub war. Er hätte ja zwischendurch schreiben können. Ich war ebenfalls traurig.
Er fragte dann, wie es nun mit der Beziehung weitergeht, weil er langsam Klarheit brauche. Ich antwortete erneut harsch, dass ich nicht seine „Nanny“ sei und er selbst Klarheit schaffen müsse.Er erklärte, dass es nie seine Absicht gewesen sei, mich zu vernachlässigen. Er habe mir nur Zeit geben wollen, damit ich mich entspannen könne und er mich nicht störe. Alles sei aus Rücksicht passiert und er wollte nie das dieser Konflikt so eskaliert.
Aber egal, was er schrieb und wie oft er sich entschuldigte – ich reagierte jedes Mal kritisch und schoß zurück.
Nach meinem Urlaub hatten wir noch ein längeres Telefongespräch, in dem jedoch nicht viel herauskam. Er erklärte sich erneut und schickte mir später sogar Screenshots unserer WhatsApp‑Verläufe, um mir zu zeigen, dass er es ernst gemeint hatte – mich sehen zu wollen, für mich da zu sein – aber nicht mehr wusste, wie er zu mir durchdringen könne.
Ich antwortete wieder sehr neutral und wünschte ihm ein schönes Wochenende.
Kurz danach hatte er Geburtstag. Ich schickte ihm neutrale Glückwünsche. Er bedankte sich freundlich, machte aber keinen weiteren Schritt mehr.
Jetzt – mit etwas Abstand und nach viel Reflexion – frage ich mich, ob ich nicht zu hart gewesen bin und ihm die Chance hätte geben sollen, seinen Fehler gutzumachen.
Bitte um eure Meinungen.
Sorry für den langen Text.