Ich wollte nur meine Brötchen haben und keinen Benimmkurs.
Ja, das ist vollkommen verständlich und auch nachvollziehbar. Doch im Grunde klagst Du bei der Verkäuferin ein, was Du scheinbar (Ich kann mich natürlich irren, verzeih) selbst nicht wirklich bereit bist zu tun: über den eigenen Tellerrand zu schauen. Sie soll sich richtig verhalten, dann tust Du es auch?! Das ewige Problem mit dem Ei und der Henne. Wer war zuerst da?!
Der zweite Aspekt ist Deine Fähigkeit, für Dich
ANGEMESSEN einzutreten und Deine Grenzen zu wahren. Stimmt, so "einfach" nachzugeben und "artig" zu reagieren, wenn einem im Grunde überhaupt nicht danach ist, das nagt etwas am Selbstbewusstsein und Deine Frage ist vollkommen legitim und für Dich vielleicht sogar wichtiger
Ein Text wie dieser: "Hallo, meine Name ist XXXX. Sie haben recht, ein BITTE bricht mir keinen Zacken aus der Krone. Verzeihen Sie, dass ich es an Höflichkeit habe mangeln lassen. Aber es steht Ihnen nicht zu, mich wie ein kleines Mädchen zu behandeln und unaufgefordert zu kritisieren. Können wir dieses Gespräch bitte auf meinen nächsten Besuch bei Ihnen verschieben, da ich gerade sehr wenig Zeit habe? Falls nicht, bitte ich Sie Ihren Vorgesetzten oder einen Kollegen zu rufen." fällt mir leider nur bei jeder 3. oder 4. Gelegenheit spontan ein.
Was Dich zu Recht zu ärgern scheint ist, dass Du Dich hast "überfahren" oder "überrumpeln" lassen. Kreide dies aber nicht ihr an. Du solltest es niemandem "ankreiden". Registriere, dass Deine "Aussengrenzen" nicht respektiert wurden, und Du sie nicht ANGEMESSEN verteidigen konntest.
Ein kleines Beispiel aus meinen letzten Wochen: In der Nähe meines Hauses gibt es eine schmale Straße, auf der nur ein Auto fahren kann, weil auf der einen Seite immer parkende Autos stehen und Garageneinfahrten die Möglichkeit geben, den entgegenkommenden Verkehr vorbei zu lassen. Aus der anderen Fahrtrichtung ist dies nicht möglich. In der Fahrschule lernt man, dass der Fahrer auf der Seite der Hindernisse die Ausweichmöglichkeiten nutzen sollte.
Ein großer Wagen stand also, als ich diese Straße auf der "anderen Fahrtrichtung" entlang fuhr, in entgegenkommender Richtung in einer Garageneinfahrt und fuhr los, als ich mich näherte. Ich musste bremsen, damit der Fahrer in die nächste Garageneinfahrt ausweichen konnte. Das aber tat er nicht, sondern blieb einfach mitten auf der Straße genau vor mir stehen. Ich konnte nicht ausweichen. So vergingen einige Sekunden. Dann deutete ich ihm an, er solle in die Garageneinfahrt ausweichen, damit wir beide weiterfahren konnten. Daraufhin fuhr er "fast" weiter, kurbelte das Fenster herunter und maulte mich an, warum ich nicht hätte warten können, damit er hätte vorbeifahren können. Er fuhr los, obwohl er hätte nur 2-3 Sekunden warten müssen, bis ich vorbei gewesen wäre, die Hindernisse waren auf seiner Seite und der mault mich an?!
Langer Rede kurzer Sinn: Für mich war es tatsächlich wichtiger, eben nicht "klein bei" gegeben zu haben, zumal ich laut Straßenverkehrsordnung (hoffentlich) im Recht war. Aber warum fühlte ich mich wie ein verblödeter Idiot? Warum fragte mich meine Tochter, was denn das gerade um alles in der Welt war?! Nun, es war für mich ein Moment, in dem ich mich nicht "überfahren" lassen wollte und standhaft blieb. Ja, kein Moment von weltgeschichtlicher Bedeutung, aber für mich schon. Ich wusste, ich kann es und kann nun gelassener reagieren und auch hin und wieder "zurückstecken", aber nur, wenn ich will
😀 Oder ich bin doch ein rechthabenwollender Döskopp? Ja, manchmal.
Vielleicht ist Deine Begegnung für Dich die Gelegenheit, Dir über Deine Grenzen und Deine Fähigkeiten, sie ANGEMESSEN zu verteidigen, Gedanken zu machen. Ein Streit wäre sicher nicht angemessen gewesen. Nimm Deinen jetzigen Zorn (Der ist deutlich in Deinen Zeilen zu erkennen) und seine Energie und mache etwas Gutes daraus: bessere Deine Grenzen aus, überprüfe Dein Auftreten (Mit manchen Leuten legt man sich nicht an, warum?) und frage Dich, wie Du souverän (=königlich) hättest reagieren können und WOLLEN! Güte und Verständnis stehen auch einer Königin gut zu Gesicht, denn das ist die edle Aufgabe einer Königin und eines Königs: zu segnen.
LG
GrayBear