S
Schmendrick
Gast
Hallo,
ich bin wohl so etwas wie ein Träumer. Schon als Kind habe ich versucht, in allem etwas besonderes zu sehen, und habe die Beziehungen zu meinen Famililienmitgliedern und meinen Freunden immer recht märchenhaft und naiv dargestellt bzw. wahrgenommen... Also, Mein Vater der Böse, mein Bruder der strahlende Held und meine Freunde, die treuen Weggefährten auf gemeinsamen Abenteuern...
Besonders an meinen Bruder hänge ich sehr. Er war für mich immer das zentrale Thema in meinem Leben und ich war stolz darauf sein Bruder zu sein.
Da unser Vater Berufssoldat gewesen ist, kam es häufiger vor, das wir in eine andere Stadt umziehen mussten. Da mein Bruder 9 Jahre älter ist als ich es bin, trennten sich schließlich unsere Wege, als unser Vater erneut versetzt wurde, und mein Bruder beschloss bei seinen Freunden zu bleiben.
Für fast 10 Jahre lebten wir gute 500 KM getrennt von einander und sahen uns höchstens zwei mal im Jahr. Meist kam er zu Weihnachten für 2-3 Tage.
Als mein Vater dann schließlich Pensioniert wurde und ich kurz darauf auch meine Berufsausbildung abschloss, wurde über die Möglichkeit diskutiert die Familie wieder zusammen zu bringen. Mein Entschluss stand fest, ich wollte wieder zu meinem Bruder, und lehnte dafür sogar einen Arbeitsvertrag bei meiner Lehrfirma ab.
Die Umzugskartons waren schnell gepackt, einen neuen Job habe ich über meinen Bruder gefunden, und ab ging es dann, auf in die alte Heimat.
Da wir möglichst nahe zusammen Wohnen wollten, zog auch mein Bruder kurz darauf, nur ein paar Hausnummern entfernt, in eine Wohnung ein. Da ich im neuen Job erst auf Probe arbeitete, beschloss ich, vorerst noch zusammen mit meinen Eltern, in eine Wohnung zu ziehen. Ich freute mich tierisch auf das neue Leben und malte mir aus, die "verlorenen Jahre" wieder aufzuholen.
Doch heute, drei Jahre später, ist die Ernüchtigung groß und die Enttäuschung noch viel größer. Der wahre Sprung ins Berufsleben ist mir nicht geglückt und ich halte mich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, weshalb mir eine eigene Wohnung zur finaziellen unmöglichkeit geworden ist.
Doch das was mich wirklich zerfrisst, ist das gescheiterte Verhältnis zu meinem Bruder. Und ich weis nicht wie es so kommen konnte...
Wir wohnen zwar nur wenige meter voneinander entfernt, doch habe ich das Gefühl, das wir uns noch nie so fern waren.
Ich habe ständig versucht mit ihm etwas zu unternehmen, mal durch die Stadt ziehen, zu zocken oder einen Filmabend, oder gar gemeinsame Projekte (er interessiert sich fürs Musizieren, ich fürs Filmen), doch jedes mal muss ich mir eine fade Ausrede anhören oder werde mit einem "mal schauen" auf die lange Bank geschoben. Da wir zum Teil den selben Freundeskreis haben bekomme ich, leider, des öfteren mit, wie er mit dem ein oder anderen die Dinge macht, die ich gerne mit ihm unternehmen würde...
Sollte es dann doch mal passieren das wir uns gemeinsam in einem Raum aufhalten, wird sich angeschwiegen. Auf etwaige Fragen kommen nur kanpp formulierte und neutrale Antworten. Auch das Vorhaben ein Haus zu bauen schloss nur ihn, seine Verlobte und unsere Eltern ein...
Ich weis nicht ob das der Fluch des kleinen Bruders ist, das er einen nicht ernst nimmt, oder irgend etwas anderes. Mittlerweile wünsche ich mir nur ich hätte mich damals anders Entschieden und hätte den Arbeitsvertrag nicht abgelehnt, sondern wäre dort geblieben und hätte mein eigenes Leben geführt und alleine gelebt.
Da ich mit meinen Anstrengungen auf ein "Leben miteinander" über die Jahre hinweg nur Schmerz geerntet habe, habe ich versucht die Tatsache zu akzeptieren und mich von ihm zu distanzieren. Doch da ich mir nie etwas anderes in meinem Leben vorstellen konnte als mit meinem Bruder zusammen zu sein, fällt dies mehr als schwer...
Und vor kurzem wurde ich erneut vor eine Entscheidung gestellt, oder vielleicht stelle ich sie mir auch selbst, denn ein guter Bekannter lud mich ein, für ein Jahr in Frankreich zu leben. Und nur wenige Stunden zuvor teilte mein Bruder mir und meinen Eltern mit das seine Verlobte schwanger sei...
Und auch bei dieser Entscheidung werde ich wieder von Zweifeln und Gewissensbissen geplagt. War ich doch selbst, in meiner Kindheit von meinem sehr distanzierten und bideren Onkel enttäuscht.
Was mache ich nun? Gehe ich nach Frankreich und gewinne vielleicht neue Perspektiven, oder versuche ich für meinen Neffen / meine Nichte, der Onkel zu sein den ich früher selbst gern gehabt hätte...
Aber eigentlich habe ich die Lust am Leben und die Energie verloren. Ich bin einfach nur Enttäuscht.
ich bin wohl so etwas wie ein Träumer. Schon als Kind habe ich versucht, in allem etwas besonderes zu sehen, und habe die Beziehungen zu meinen Famililienmitgliedern und meinen Freunden immer recht märchenhaft und naiv dargestellt bzw. wahrgenommen... Also, Mein Vater der Böse, mein Bruder der strahlende Held und meine Freunde, die treuen Weggefährten auf gemeinsamen Abenteuern...
Besonders an meinen Bruder hänge ich sehr. Er war für mich immer das zentrale Thema in meinem Leben und ich war stolz darauf sein Bruder zu sein.
Da unser Vater Berufssoldat gewesen ist, kam es häufiger vor, das wir in eine andere Stadt umziehen mussten. Da mein Bruder 9 Jahre älter ist als ich es bin, trennten sich schließlich unsere Wege, als unser Vater erneut versetzt wurde, und mein Bruder beschloss bei seinen Freunden zu bleiben.
Für fast 10 Jahre lebten wir gute 500 KM getrennt von einander und sahen uns höchstens zwei mal im Jahr. Meist kam er zu Weihnachten für 2-3 Tage.
Als mein Vater dann schließlich Pensioniert wurde und ich kurz darauf auch meine Berufsausbildung abschloss, wurde über die Möglichkeit diskutiert die Familie wieder zusammen zu bringen. Mein Entschluss stand fest, ich wollte wieder zu meinem Bruder, und lehnte dafür sogar einen Arbeitsvertrag bei meiner Lehrfirma ab.
Die Umzugskartons waren schnell gepackt, einen neuen Job habe ich über meinen Bruder gefunden, und ab ging es dann, auf in die alte Heimat.
Da wir möglichst nahe zusammen Wohnen wollten, zog auch mein Bruder kurz darauf, nur ein paar Hausnummern entfernt, in eine Wohnung ein. Da ich im neuen Job erst auf Probe arbeitete, beschloss ich, vorerst noch zusammen mit meinen Eltern, in eine Wohnung zu ziehen. Ich freute mich tierisch auf das neue Leben und malte mir aus, die "verlorenen Jahre" wieder aufzuholen.
Doch heute, drei Jahre später, ist die Ernüchtigung groß und die Enttäuschung noch viel größer. Der wahre Sprung ins Berufsleben ist mir nicht geglückt und ich halte mich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, weshalb mir eine eigene Wohnung zur finaziellen unmöglichkeit geworden ist.
Doch das was mich wirklich zerfrisst, ist das gescheiterte Verhältnis zu meinem Bruder. Und ich weis nicht wie es so kommen konnte...
Wir wohnen zwar nur wenige meter voneinander entfernt, doch habe ich das Gefühl, das wir uns noch nie so fern waren.
Ich habe ständig versucht mit ihm etwas zu unternehmen, mal durch die Stadt ziehen, zu zocken oder einen Filmabend, oder gar gemeinsame Projekte (er interessiert sich fürs Musizieren, ich fürs Filmen), doch jedes mal muss ich mir eine fade Ausrede anhören oder werde mit einem "mal schauen" auf die lange Bank geschoben. Da wir zum Teil den selben Freundeskreis haben bekomme ich, leider, des öfteren mit, wie er mit dem ein oder anderen die Dinge macht, die ich gerne mit ihm unternehmen würde...
Sollte es dann doch mal passieren das wir uns gemeinsam in einem Raum aufhalten, wird sich angeschwiegen. Auf etwaige Fragen kommen nur kanpp formulierte und neutrale Antworten. Auch das Vorhaben ein Haus zu bauen schloss nur ihn, seine Verlobte und unsere Eltern ein...
Ich weis nicht ob das der Fluch des kleinen Bruders ist, das er einen nicht ernst nimmt, oder irgend etwas anderes. Mittlerweile wünsche ich mir nur ich hätte mich damals anders Entschieden und hätte den Arbeitsvertrag nicht abgelehnt, sondern wäre dort geblieben und hätte mein eigenes Leben geführt und alleine gelebt.
Da ich mit meinen Anstrengungen auf ein "Leben miteinander" über die Jahre hinweg nur Schmerz geerntet habe, habe ich versucht die Tatsache zu akzeptieren und mich von ihm zu distanzieren. Doch da ich mir nie etwas anderes in meinem Leben vorstellen konnte als mit meinem Bruder zusammen zu sein, fällt dies mehr als schwer...
Und vor kurzem wurde ich erneut vor eine Entscheidung gestellt, oder vielleicht stelle ich sie mir auch selbst, denn ein guter Bekannter lud mich ein, für ein Jahr in Frankreich zu leben. Und nur wenige Stunden zuvor teilte mein Bruder mir und meinen Eltern mit das seine Verlobte schwanger sei...
Und auch bei dieser Entscheidung werde ich wieder von Zweifeln und Gewissensbissen geplagt. War ich doch selbst, in meiner Kindheit von meinem sehr distanzierten und bideren Onkel enttäuscht.
Was mache ich nun? Gehe ich nach Frankreich und gewinne vielleicht neue Perspektiven, oder versuche ich für meinen Neffen / meine Nichte, der Onkel zu sein den ich früher selbst gern gehabt hätte...
Aber eigentlich habe ich die Lust am Leben und die Energie verloren. Ich bin einfach nur Enttäuscht.