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Viel zu sehr auf andere fokussiert?

G

Gast

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Hallo zusammen,

ich wollte einfach mal um Rat bitten, weil ich selber nicht mehr weiß, was ich machen soll...
Kurz zu mir: 20,m, studiere zwei Jahren dual und ziehe daher alle drei Monate zwischen zwei Wohnorten (450km entfernt) um. In der alten Heimat habe ich einen Freundeskreis, am neuen Ort auch, aber irgendwie habe ich das Gefühl, nirgendwo mehr wirklich hinzugehören.
Dank des neuen Wohnorts entdecke ich immer wieder Sachen, die mir zwar Spaß machen, zu denen ich aber irgendwie nicht stehen kann. Ich habe grundsätzlich irgendwie ein Problem damit anderen zu vertrauen.
Seit einigen Jahren schreibe ich z.B. gerne Geschichten und habe jetzt in einem Forum dazu Kontakte gefunden, mit denen ich schreibe und dann das Gefühl habe, dass ich mit denen besser über sowas schreiben kann, als mit den Freunden die ich in "Echt" kenne... Ich wurde in der 8/9 Klasse mal in Hinblick auf Liebe und Freundschaften extrem getäuscht und bin seitdem mehr oder weniger unsicher und wahre immer einen Sicherheitsabstand seitdem....

Mit Kollegen aus der Stufe und vom Studienort zocke ich auch ganz gerne, aber irgendwie weiß ich nie, wenn man dann mal so zusammen was macht, was man irgendwann noch sagen kann... Ich habe irgendwie extreme Angst/Sorge davor, was sie hinter meinem Rücken vielleicht sagen, wenn ich erzähle, was ich halt sonst noch so mache...
Das ganze hält mich halt irgendwie auch von anderen Sachen ab, z.B. von einer eigenen Website über gelesene Bücher, die ich erstellen will, wo mich aber auch die Gefahr des Verletztens irgendwie abhält.... Auch das ich mal zu sowas vor einiger Zeit eine andere Meinung hat und man dann schlecht über mich denkt, weil ich mich so extrem geändert hat, nagt an mir...
Zu meinen Eltern/Bruder habe ich eigentlich ein gutes Verhältnis, aber ich erzähle trotzdem nicht wirklich was, weil ich einfach zu sehr daran gewöhnt bin alles mit mir selbst auszumachen...

Allerdings habe ich halt dadurch, dass ich denke, dass alle etwas bestimmtes erwarten, irgendwie immer das Gefühl, dass ich mehr dafür lebe als für mich selbst... Einfach kein Selbstbewusstsein, dass stark genug ist... Ich rede zwar viel und bin eigentlich immer recht offen, aber ich habe einfach das Gefühl bzw. weiß, dass das nur eine Art Hülle bzw. nur die OBerfläche von mir selbst ist...

Das ich bisher keine Freundin hatte, ist aus dieser Perspektive auch irgendwie verständlich oder? :/
Ich frage mich nur, wie ich das ganze ändern könnte... Einfach mehr ICH zu sein, mehr zu schreiben, mehr meine Ziele verfolgen, ohne andere vor den Kopf zu stoßen...

Danke... 🙂
 
Lieber Gast,

bei Dir ist überdeutlich spürbar, dass Du ein sehr wacher origineller, auch vielseitiger Mensch bist. Ich wünsche Dir sehr , dass Du eines Tages ( hoffentlich bald) wieder mehr getraust DICH zu sein, bzw. die Angst, was andere von Dir denken und halten könnten sich nach und nach mindert, Dein Selbstbewusstsein wieder steigt. Nach einem Trauma,
das Du erlebt haben musst, machen die Menschen in der Regel eine zeitlang einen Rückzug. Wie um die Ent-Täuschung zu verkraften. In dieser Zeit ist es gang und gäbe, dass Menschen sich unsicherer, ängstlicher, u.u. auch depressiver fühlen. Diese Art Rückzug hat nicht nur schwierige Seiten. Er ist auch ein Weg bei sich zu sein ( eben gerade nicht alles und jedes mit jedermann/frau zu teilen, bzw. anzuvertrauen ! Gerade wenn Dein Trauma mit Vertrauensbruch und Verrat zu tun gehabt haben könnte, braucht die Seele eine Weile diesen SCHUTZ. Eben eine Art innerlicher ( oft ist es auch ein äusserlicher..bei Dir nicht) Rückzug. Mache Dir also bitte nicht zu viele Sorgen. Ich bin recht sicher, dass Du Dich zu gegebener Zeit wieder vermehrt in die Welt ( so wie es Dir vorschwebt...gefällt mir !!) getraust, und Dich wieder vermehrt zeigen kannst ! Auch mit Deiner Noch-Unsicherheit. Denn weisst Du, es gibt viel Menschen, denen es wie Dir geht : die sich nach einer Enttäuschung erst mal ins Schneckenloch verziehen. Der sehr positive Aspekt dieses Phänomens ist, dass nach dieser "Verarbeitungsphase" ( heisst : sich eben nicht einfach nur ablenken..wobei letzteres auch tun zu können - wie Du, das schaffst ! - ist auch ok ist, um die Gefahr des Kreisdenkens, Schlafstörungen etc. zu vermeiden. Falls solche Symptome irgendwann hinzukommen würden, wäre es sinnvoll möglichst bald ( um Chronifizierung zu vermeiden )sich psychotherapeutisch und/oder medizinisch helfen zu lassen. Es gibt Menschen die mit Traumata alleine über die Runden kommen, andere gönnen sich vorübergehend psychotherapeutische Unterstützung...). Nun ich weiss natürlich zu wenig über Dich um beurteilen zu können, was
für DICH im Moment "gut" wäre...und das musst Du selbst entscheiden, sonst bringt es nicht. Doch irgendwie habe
ich das Gefühl, dass Du es auch ohne äussere Hilfe schaffen könntest. Eben weil Du Dich nicht isolierst.

Ich denke, dass das Hin- und Her mit den Wohnsitzen anfangs gewöhnungsbedürftig ist. Deshalb hast Du jetzt auch dort noch vorübergehend psychische Arbeit zu vollbringen. Dass man da mal erst aufnehmen, verdauen und und
muss - bevor man von den Vorteilen profitieren kann - ist klar. Also bitte hab Geduld mit dir. Das kommt dann schon..bist ja schliesslich kein Roboter😉.

Und was die Menschen betrifft, bei denen Du so viel Angst hast etwas falsch zu machen, und /oder die hinter Dir her reden..so ist das zur Zeit ( bessert🙂) mit Sicherheit noch auf das noch-nicht-bewältigte Trauma zurückzuführen. Doch es gibt auch da sehr viele Menschen, die das tun. Dabei ist es in Tat und Wahrheit so, dass Du wohl nur nicht
wieder "reinfallen" willst. Deshalb bist Du jetzt logischerweise vorsichtiger. Hat ja auch seine guten Seiten, denn Du bist sozusagen auf die Welt gekommen, und Du wirst in Zukunft nur dort Dich anvertrauen, offen sein und Deine Meinung äussern, wo Du mit einem gewissen Verständnis rechnen kannst. Und dort wo es sinnlos ist , wirst Du
gar nicht mehr investieren WOLLEN, bzw. dann ist es Dir dann im Grunde auch egal, was die Leute von Dir halten, denken etc. und was sie über Dich quatschen. Und da Du einen grossen Bekanntenkreis hast, besteht die Gefahr des Dich-Isolierens meiner Ansicht nach nicht wirklich. Aber ich bin ziemlich sicher, dass Du in Zukunft selektionieren wirst müssen, denn es klingt, hast Du bei einigen Freunden und Bekannten Zweifel. Nimm die ernst, denn sie könnten berechtigt sein ! Auch wenn sehr wahrscheinlich und hoffentlich keine Seelenkiller unter diesen Leuten sind, sie sind ev. einfach nicht Deine Wellenlänge. Will sagen, ist gut, wenn Du Dich von solchen distanzierst ( wenn Du es Dir leisten kannst..siehe oben Isolationsgefahr), denn Du musst Dir auch bewusst sein, dass nicht alle Zurückhaltung und Skepsis etc. etc. ist auf Dein Trauma zurückzuführen. Viele Menschen werden nach überstandenen Traumata auch sensibler...und können deshalb besser subtilere Antennen ( bei sich und anderen) spüren.

Ich traue Dir einiges zu. Und vergiss nie, dass Menschen , die Dich nicht so mögen wie Du bist, sind prinzipiell nicht Dein Typ. Klar ist es essentiell auch selbstkritisch an seinen eigenen Problemen zu arbeiten (was Du ja tust !), doch man darf nie vergessen: es ist ein grosses Geschenk, wenn man seinesgleichen findet im Leben. Ein Mensch, oder einige Menschen, bei denen man eben auch sich selbst sein kann, weil man sich sicher ist, dass die Wellenlänge stimmt. Mit anderen ein Herz und eine Seele erzwingen zu wollen, kostet im Grunde zu viel Energie, und endet
in der Regel früher oder später ungut. Will Dir damit nur hinter die Ohren schreiben: es liegt NICHT alles an Dir.

Liebe Grüsse von Judith
 
Hallo Judith,

danke für deine vielen Worte!
Das Problem was ich sehe ist bei mir einfach, dass es mittlerweile 6 Jahre her ist, dass dieser Vertrauensbruch her ist, auch wenn er noch mehr oder weniger mit Folgen bis zu einem Zeitpunkt vor 4 Jahren andauerte...
Da frage ich mich halt, ob das nicht langsam mal genug ist. Ich habe das Gefühl ich traue mich einfach weniger und das verläuft dann irgendwann in einer Spirale abwärts... Das ist nur eine Vermutung, aber ich wollte mal zu einem Treffen mit anderen, die halt auch Schreiben am Studienort, gegangen bin ich dann nur nicht, weil ich Sorge hatte, dass andere Studenten/Bekannte mich halt sehen und sich fragen, was macht der denn da...
Jetzt überlege ich demnächst zu einer Messe (Buchmesse 😉 ) zu fahren und auf ein Treffen da zu gehen... Allerdings ohne wem etwas davon zu erzählen... Trotzdem plagt mich die "Angst", dass jemand davon etwas erfährt und sei es nur, weil jemand da Photos/Videos macht... Und an diesem Punkt denke ich mir so einerseits, dass kann doch nicht sein, dass ich mir diese Sorgen mache, andererseits kommen dann halt diese Sorgen...

Wie meinst du das mit dem in die Welt trauen? Das mit dem Schreiben?

Das Problem ist halt so mein Bekanntschaftskreis: Ich bin seit Jahren bei den Pfadfindern, habe noch einige Bekannte aus der Schule und jetzt auch Uni mit denen ich (schon fast zu viel) diverse PC Spiele halt spiele und jetzt auch halt das Schreiben und eigentlich sogar noch der Versuch etwas anderes als Hobby zu probieren...
Das Problem ist dabei, dass ich mich zu meinen "alten" Hobbys (Pfadfinder, Zocken) halt weniger hingezogen fühle, auch weil ich, insbesondere bei den Pfadfindern mit den Leuten weniger Gemeinsamkeiten entdecke... Klar, mal ein paar Runden am PC zu spielen macht Spaß, aber Schreiben ist auch schön. Durch das Internet habe ich da zwar auch Leute kennengelernt, die auch gerne Schreiben, aber es ist halt "nur" das Internet :/. Und da ich überhaupt nicht der Typ bin, der halt rausgeht auf Partys oder so, habe ich halt da auch irgendwie Bedenken....

Ich habe so das Gefühl, ich versuche einen großen Spagat zwischen diversen Anforderungen, Leuten, Hobbys und der Zeit und die Unentschlossenheit sorgt dafür, dass ich nirgendwo den Fuß hochbekomme, um mich selbst zu entlasten...
Das ich da nicht weiß, wem ich das vertrauen kann und der mir einen Rat geben kann, ist nicht gerade passend... Auch bei meinen aktuellen Bekannten/Freunden sind solche Themen halt nie aufgekommen...
So eine Art Kreis aus immer mehr Schutz, weil ich nie weiß, wo ich was sagen sollte, insbesondere, weil ich das Gefühl habe, immer nur meine Oberfläche zu zeigen, weil dahinter einfach ein großer "Schutzwall" ist...

Danke schonmal, wenn mir jemand da vielleicht weiter helfen kann :/
 
Kann es sein, dass du extrem auf dich selbst fokussiert bist? Du bist nicht der einzige Mensch auf der Welt. Schätze doch mal das, was du hast und wenn du denkst dass Leute schlecht über dich reden verabrede dich nicht mehr mit ihnen. Wenn ich so was lese... ich meine, ist klar dass du in dem Alter in einer Selbstfindungsphase bist, aber konzentrier dich doch lieber mal auf das was du tust, z.B. dein Studium und lass das andere mal etwas mehr links liegen. Kannst auch mal eine Zeit alleine verbringen, ohne dich mit anderen zu verabreden. Scheinbar fühlst du dich ja zu niemandem wirklich verbunden, also warum Zeit mit den anderen verbringen, wenn du danach nur darüber grübelst, was sie über dich reden könnten...
 
und noch was. Du sagst, dass du nur deine "Oberfläche" zeigst. und wahrscheinlich glaubst du auch noch, dass alle anderen Menschen sich nicht verstellen, sondern du der einzige bist. Wäre auch komisch, wenn jeder Mensch JEDEM alles anvertrauen würde, nichts verheimlichen würde, keine kleinen Lügen mehr erzählen würde. Das würde keinem gut tun! Es ist NORMAL, dass man mit Leuten denen man nicht nahe steht, nur Smalltalk führt, z.B. über Spiele, Fernsehserien usw. ...
 
Lieber Gast,

danke für Deine ausführliche Antwort. Und ich schliesse mich auch Yuna89 an: es ist tatsächlich so, dass man arg selektionieren muss, wem man was anvertraut, und wem nicht. Dass Du ein Bedürfnis Dich ganz zu öffnen, zu sein hast, verstehe ich gut. Doch dazu musst Du die "richtigen" Menschen treffen. Und da in Dir ein grosses Bedürfnis ist, mit auch Schreibenden zusammen zu kommen ( das ist ein Wegweiser...dort könnten eben Deinesgleichen existieren, was dann zur Folge hätte, dass Du eben auch Menschen begegnen könntest, die Dir entsprechen !!! Und bei diesen Menschen könntest Du "Wundersames" erleben...das Du vielleicht noch gar nie erlebt hast...und was Dich dann stärkt im ganzen Selbstbewusstsein....was sich dann generell auf Dein Verhalten der Welt gegenüber auswirkt..), empfehle ich Dir das auch zu tun. Trotz Hemmungen und Angst. Gehe einfach mal hin und/oder versuche Dich mit Menschen vom Schreibinternet zu treffen. Es geht darum, dass Du mit solchen Menschen zusammenkommst !!! Es sind schon andere Typen, als diejenigen die hauptsächlich zocken und Computerspiele spielen !!!! Ich habe nichts gegen diese KollegInnen, und ich finde auch nicht, dass Du den Kontakt zu denen jetzt ab sofort abbrechen solltest, doch Du wirst merken, dass wenn Du Deinesgleichen findest ( also hoffentlich eben Menschen, mit denen Du mehr anfangen kannst !) werden Dir die anderen Typen automatisch unwichtiger. In jeder Hinsicht. Es könnte Dir dann auch ziemlich egal sein, was die über Dich denken oder rumerzählen. Denn klar können die Dich nicht verstehen ! Nehme auch an, dass Du dann nicht mehr das geringste Bedürfnis hast, mit denen etwas anderes als small talk zu praktizieren😉.

Noch etwas: ich sage das nicht einfach so...ich spreche aus persönlicher Erfahrung. Ich selbst schrieb schon Bücher ( keine Best Sellers, aber es machte mir irrsinnig Spass , und ich ging auch in Schreibkurse , Schreibkaffées und so...und Menschen, die Schreiben sind schon anders. Kanns nicht recht definieren, doch ich finde, Du sollst Dich trauen ( das meinte ich übrigens, als ich Dir schrieb...gehe in die Welt hinaus. In Deine Welt. Denn in DEINER
WELT wirst Du Dich wahrscheinlich nicht mehr als "daneben" oder so empfinden. Und dann wirst Du Dich auch getrauen Deine Kreativität ( hast ja schon Konkretes mit der Bücher-Seite-fürs Internet) auszuleben..was Dich wiederum "glücklich" macht. Was Du dann wieder ausstrahlst. Also getraue Dich, wirst es nicht bereuen !!!
Viel , viel Mut ...denn Du weisst ( im Gegensatz zu den meisten Menschen) genau was und wen Du willst. Das
ist doch viel. Also ab ins kalte Wasser, das sich ziemlich sicher nicht als so kalt ( wie Du jetzt befürchtest) herausstellen wird🙂liebe Grüsse, Judith
 

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