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Verstehe mich mit meiner Schwester nicht mehr

Michel

Mitglied
Hallo,


ich bin 36 Jahre alt, seit 10 Jahren mit meiner Frau zusammen und habe zwei kleine Kinder.


Mit meiner zwei Jahre jüngeren Schwester hatte ich immer ein inniges und geschwisterliches Verhältnis. Wir haben stets zusammengehalten und ausgetauscht – oft über die etwas schwierigen Verhältisse in unserer Familie.


In den letzten Jahre und speziell in den letzten Monaten kommt es mir aber so vor, dass wir uns immer mehr voneinander entfernen, was mich sehr traurig macht.


Meine Schwester ist seit knapp zwei Jahren verheiratet, und hat letzten Sommer ein Kind bekommen. Seit Oktober steckt ihre Ehe mehr oder weniger in einer Krise. Sie hat ihren Mann mehrmals dabei erwischt, wie er mit seiner Exfreundin über soziale Medien teilweise intimen Kontakt hatte. Das ganze war im letzten Herbst etwas eskaliert, aber die beiden hatten sich wieder zusammengerauft.


Anfang des Jahres war ich dann mit meiner Frau und meinen beiden Kindern bei meinen Schwiegereltern, die zwei Stunden Autofahrt entfernt wohnen. Meine Schwester rief mich abends an und meinte, sie müsse mit mir reden. Ich vermutete schon, dass das Telefonat länger dauern würde. Deshalb zog ich mich in die Küche meiner Schwiegereltern zurück und rief Sie vom Festnetz aus zurück. Sie erzählte mir, dass sie ihren Mann rausgeschmissen habe, weil er wieder Kontakt mit seier Ex hatte und sich sogar mit ihr treffen wollte. Das hatte Sie herausgefunden, indem sie seine Emails gelesen hatte. Die Sache war brandaktuell und es ging ihr entsprechend dreckig.
In der darauf folgenden Woche war meine Frau mit unsere beiden Kindern bei meinen Schwiegereltern geblieben, ich war allein zu Hause und ging tagsüber zur Arbeit. Abends telefonierte ich oft stundenlang mit meiner Schwester, um Sie soweit ich konnte mental zu unterstützen. Vor allem war da ja auch noch ihr wenige Monate altes Kind, für das Sie die Verantwortung trug.
Ich hatte auch mit meinen Elten Kontakt. Sie waren natürlich auch sehr besorgt um sie. Von Ihnen erfuhr ich, dass meine Schwester von dem ersten Telefonat (als ich bei meinen Schwiegereltern war) enttäuscht war, weil ich sie wohl abgewimmelt hätte. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass wir länger als eine halbe Stunde telefoniert hatten, es dann zu sehr langen Schweigepausen kam und ich deshalb gesagt hatte, dass Sie mich jederzeit – auch Mitten in der Nacht - anrufen kann und ich immer für sie da bin. Damit hatte ich ihr wohl indirekt zu verstehen gegeben, dass ich aufhören wolle zu telefonieren.
Ich fand es schade, dass ich das über meine Eltern und nicht direkt von ihr erfuhr.
Ich bot ihr an, dass sie für ein paar Tage für einen Tapetenwechsel zu uns kommen könne.
Sie meinte daraufhin, dass ihre Freundin bereits am nächsten Tag kommen würde. Sie wohnt in Spanien und wollte eigentlich an diesem Tag einen neuen Job antreten, aber sie hatte sich spontan entschieden, mit dem nächstmöglichen Flug zu kommen und meiner Schwester beizustehen.
Ich dachte bei mir, dass die Messlatte ja jetzt ganz schön hoch liegt und wollte es mir noch überlegen, ob später in den Woche auch zu ihr fahre. Gleichzeitig mit Ihrer Freundin bei ihr zu sein, kam mir ihrgendwie fehl am Platz vor. Insgesamt tat ich mich mit der Entscheidung schwer, da sie 450 km weit entfernt wohnt und ich hätte Urlaub nehmen müssen. Am Mittwoch dieser Woche reiste ihr Freundin wieder ab. Ich erfuhr an diesem Tag, dass meine Mutter am Donnerstag dann zu ihr kommen würde. Damit hatte es sich für mich endgültig erledigt, dass ich noch in der Woche in der ich Strohwittwer war, zu ihr fahren würde.
Im Nachhinein denke ich, dass ich meine Schwester wenigstens in meine Gedanken hätte einbeziehen sollen, dass ich mir überlegt hatte, zu ihr zu kommen. Denn sie warf mir zwei Monate später vor, dass alle ihre Freundinnen für sie da seien, aber ihr eigener Bruder nicht.


Naja, ich war in diesen Tagen eben mehr darauf aus, für sie am Telefon da zu sein. Es waren ziemlich krasse Gespräche. Einmal erwähnt sie beiläufig, dass ihr nachts schlecht gewesen sei und sie sich übergeben musste. Mein Nachhaken ergab, dass sie sich ganz schön mit Wein vollaufen gelassen hatte. Bereits in den Monaten davor hatte sie öfters mal stark über den Durst getrunken. Auch in der Vergangenheit war sie dem Alkohol sehr zugetan, wenn sie wieder in einer Krise steckte. Der Unterschied war jetzt, dass sie verantwortlich war für ein Baby, das sie noch stillte. Ich konnte das nicht unter den Tisch kehren und musste ihr sagen, dass das nicht in Ordnung ist. Dabei habe ich versucht, das soweit es geht in Watte zu packen. Sie warf mir darufhin an den Kopf, dass sie dabei wäre, darüber nachzudenken, wegen ihrer Ehekrise mit dem Auto gegen einen Baum zu fahren. Und da komme ich ihr mit so einer Sache, die den Kern des Problems gar nicht betrifft. Der Alkohol sei ja nur eine Folge ihres eigentlichen Problems. Daraufhin meinte ich, dass das die Schädigungen bei ihrem Kind nicht verringern würde. Während des restlichen Telefonats war sie extrem wortkarg und ich spürte, dass sie nicht weiterreden wollte.
Bis Mitte Januar war die Zeit der krassen Krisen-Telefonate. Ich bekam dabei aber immer mehr das Gefühl, dass ich nur ein Gesprächspartner zweiter Wahl bin und dass sie eigentlich lieber mit unserer Mutter reden wollte. Vor allem wenn meine Eltern nicht telefonisch erreichbar waren, ergabe es sich, dass wir telefonierten. Meistens lief es so ab, dass ich sie ansimste und sie fragte wie es ihr ging. Sie schrieb dann so etwas zurück wie "geht so", woraufhin ich sie fragte, ob wir reden sollen.
Ich bekam immer mehr das Gefühl, dass ich mich ihr aufdrängte. Abgesehen vom ersten Gespräch gingen alle weiteren Telefonate auf meine Initiative zurück.
Als sie zum Ende eines Telefonats einmal meinte, dass sie sich als nächstes wieder melden würde, war das für mich ein klares Zeichen. Ich meldete mich erstmal nicht mehr. Es vergingen mehrere Tage ohne dass wir miteinander telefonierten. Daraus wurden auf einmal mehrere Wochen. In dieser Zeit erfuhr ich über meine Eltern, dass es ihr wohl besser ging und sie mit ihrem Mann wieder halbwegs auskam. Ich war aber irgendwie immer noch wütend auf ihn, nach alldem, was er meiner Schwester angetan hat. Ich war aber auch wütend auf meine Schwester. Während es ihr schlecht ging, "durfte" ich in allen Einzelheiten an ihrem Leben teilhaben und jetzt, wo es wieder ging, bekam ich nicht einmal persönlich von ihr Bescheid. Bei unserem letzten Telefonat war sie sich noch sicher gewesen, dass sie sich von ihrem Mann scheiden lassen würde.
Mitte Februar kam erstmal wieder eine SMS von ihr. Wortlaut in etwa: "Schon lange nichts mehr von dir gehört. Wie geht es den Kindern?" Keine Nachfrage, ob wir mal wieder telefonieren sollten. Ich schrieb ihr daraufhin zurück, dass ich verwundert über ihre SMS bin, weil sie doch beim letzten Telefonat gesagt hatte, dass sie sich wieder melden wolle. Daraufhin kam keine Anwort.


Anfang März erfuhr ich von meinem Vater, dass sich meine Schwester spontan bei meinen Eltern angekündigt hatte. Meine Eltern wohnen eher in meiner Ecke, aber auch noch eine Stunde Autofahrt entfernt. In der Zeit, als sie dann bei meinen Eltern war, telefonierte ich wegen einem anderen Thema mit meinem Vater. Am Ende des Telefongesprächs übergab mein Vater den Hörer an meine Schwester, die mich auch noch sprechen wolle. Ich konnte die letzten Wochen nicht einfach unter den Tisch fallen lassen. Deshalb sprach ich Sie darauf an, wie es aus meiner Sicht gelaufen ist und dass ich es doof finde, dass sie sich nicht mehr gemeldet hat. Sie drehte den Spieß jedoch vollständig um und warf mir vor, dass ich in ihrer schweren Krise nicht für sie da war. Ihre Freundinnen hätten sich die ganze Zeit nach ihr erkundigt, nur ihr eigener Bruder wäre nicht für sie da gewesen. An ihre Aussage, dass sie sich wieder melden wolle, konnte sie sich nicht wirklich erinnern. Falls sie das gesagt haben soll, dann hätte das auf jeden Fall nur für wenige Tage nach dem Telefonat gegolten, und nicht für die ganze Zeit. Mit anderen Worten hätte ich mich trotz ihrer Aussage spätestens nach einer Woche wieder bei ihr melden sollen.
Auf meine Nachfrage, warum sie selber sich denn so lange nicht gemeldet hatte, meinte sie dass sie in ihrer Krise so mit sich selbst beschäftigt gewesen sei.
Ich beschrieb ihr auch, wie ich das Gefühl bekam, dass ich ihr zu aufdringlich war und nur ein Gesprächspartner zweiter Wahl wäre, sie also nicht wirklich mit mir sprechen wolle. Daraufhin meinte sie, dass das auch teilweise gestimmt hätte. Ihre Begründung: Das hauptsächliche, das ihr von unseren Telefonaten Anfang Januar in Erinnerung geblieben sei, wären meine Vorwürfe wegen des Alkohols gewesen. Der Alkohol wäre ja nur eine Begleiterscheinung gewesen. Beim eigentlichen, primären Problem hätte sie durch mich keine Unterstützung erfahren. Und weil sie nicht wegen des Alkoholonsums gemaßregelt werden wollte, hätte sie wenig Lust gehabt, mit mir zu reden. Meine Wahrnehmung der Sache ist, dass ich nur in einem Telefonaten (vermutlich dem letzten) das Alkoholthema angesprochen hatte. Trotzdem bin ich immer noch fest davon überzeugt, dass es als Bruder und Patenonkel meine Pflicht ist, sie auf die Gefahren und ihre Verantwortung für ihren Kleinen hinzuweisen, auch wenn sie sich dabei bevormundet und in ihrem "primären" Problem nicht ausreichend unterstützt sieht.
Es stellte sich außerdem heraus, dass sie Anfang Januar erwartet hatte, dass ich zu ihr kommen würde. (Letztlich war ich ja kurz davor gewesen. Nachdem ich allerdings erfahren hatte, dass sowohl ihre Freundin und danach meine Mutter zu ihr fuhren, hatte ich es dann doch nicht getan.)
Mit ihrer SMS Mitte Februar hatte sie mir jedoch zeigen wollen, dass sie all dies auf sich beruhen lassen wollte und mit unserer Beziehung wieder bei Null anfangen wollte. Mit dieser Kontaktaufnahme sei sie ja wieder einen Schritt auf mich zugekommen (nach dem Motto "sie sah mir mein Verhalten nach"). Meine SMS-Anwort war ihr dann kurz gesagt zu rüde. Naja, das Gespräch wurde noch sehr emotional. Meine Sicht der Dinge interessierte sie überhaupt nicht. Als ich sie etwas aufgebracht anging, als sie mir an den Kopf warf, warum ihr Freundinnen ihr emotionalen Rückhalt bieten und nicht ihr Bruder, legte sie mit den Worten "Das muss ich mir nicht bieten lassen." den Hörer auf.


Für mein Empfinden nutzt sie ihre Lebenskrise dazu, sich in eine Opferrolle zu begeben, aus der sie alles für sich rechtfertigen kann. Alle müssen sie in ihrer schlimmen Lage verstehen, müssen Hellsehen und ihre Gedanken lesen können.


Einen Tag später rief mich mein besorgter Vater an. Ich schilderte ihm nur grob und stark verallgemeinret, was zwischen meiner Schwester und mir gelaufen war. Meine Schwester hätte wohl geäußert, dass ich ein Erbsenzähler sei und alles aufwiegen würde.


Noch einen Tag später schrieb mir meine Schwester eine Email, in der sie meinte, es täte ihr leid. Sie wäre borniert gewesen und hätte zuviel erwartet. Sie habe mich sehr lieb und bräuchte mich sehr. Es waren drei oder vier Sätze, vollgepackt mit Floskeln des Bedauerns, die auf mich allerdings nur geheuchelt wirkten und das Problem inhaltlich in keinster Weise ansprachen. Sie schloss damit, dass sie unsere Beziehung gerne bei Null anfangen würde.
Ich kam mir total verarscht vor und schrieb ihr zurück, dass ich sie natürlich auch lieb habe, dass ich aber über die ganze Geschichte nicht einfach so hinweggehen kann, sondern dass zu einem neuen Anfang für mich auch eine Aussprache gehört, weil ich sonst immer das Gefühl haben werde, dass sie nicht wirklich verstanden hätte, was mich so stört.


Und das war es dann. Auf diese Email kam keine Antwort mehr.


Ich würde sehr, sehr gerne wieder Kontakt zu ihr haben. Aber nicht um den Preis, dass ich immer wieder auf sie zugehen und sie sich für ihr Handeln nicht verantworten muss. Umgekehrt bin ich aber auch offen für ihre Sicht der Dinge und falls sie mal einen Fehler eingestehen sollte, auch bereit ihr das zu entschuldigen.


Vielen Dank, dass ihr bis hierhin durchgehalten habt. Vielleicht hat von euch jemand schon ähliche Erfahrungen mit nahestehenden Menschen gemacht. Für eure Meinung und Ratschäge wäre ich sehr dankbar.


Michel
 
Deine Schwester scheint eine echte Dramaqueen zu sein. Sie braucht anscheinend Publikum, um sich richtig in ihrem Elend suhlen zu können.
Ich kann keine Fehler von deiner Seite erkennen. Du warst als Gesprächspartner für sie da, auch wenn du nicht direkt vor Ort aufgeschlagen bist. Es müsste doch ausgereicht haben, dass ihre Freundin aus Spanien eingereist kam. Wieviele Leute sollen sie wegen ihrer Ehekrise bedauern, die sich anscheinend in Wohlgefallen aufgelöst hat. Also viel Wind um Nicht's.
Es war richtig, dass du sie auf ihr Trinkverhalten angesprochen hast. Damit hast du anscheinend einen wunden Punkt getroffen.
Ihr jetziges Verhalten ist einfach albern .Vor allem ,dass deine Eltern mit involviert werden und du hinterrücks von ihrem Gerde über dich erfährst.
An deiner Stelle würde ich erst mal abwarten, ob sie wieder Kontakt zu dir aufnimmt.
Nach einer gewissen Zeit, ist evtl. dann ein Besuch möglich, ohne dass sie immer wieder auf der alten Geschichte rumkaut.
 
Hallo Michel,

Deine Schwester scheint es gewohnt zu sein, dass sofort alles stehen und liegengelassen wird, wenn sie Hilfe braucht.
Das ist natürlich sehr schön für sie, Menschen zu haben, die stets zu ihr stehen - sehr bequem allerdings auch.
So, wie es sich liest, ist Ihr "Anrecht" darauf inzwischen wohl derart in ihr Fleisch und Blut übergegangen, dass die Realität von ihr nicht mehr richtig wahrgenommen wird.

Das ist angesichts Eures guten bisherigen Verhältnisses wirklich schade.

Mein Vorschlag wäre, die Sache erst einmal sich setzen zu lassen. Es wird sich sicher zukünftig noch ein guter Zeitpunkt für eine gründliche Aussprache und Klärung ergeben! *Daumendrück*
 

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