Stormshadow
Mitglied
Hallo Zusammen,
Vor fast einem Jahr hatte meine kleine Schwester einen Unfall, sie wurde von einem Auto erfasst und laut Zeugenaussagen noch mehrere Meter mitgeschleift (war nicht dabei). Zu der Zeit saß ich in der Uni, hab eine Klausur geschrieben, bekam einen Anruf, dass eben jenes passiert wäre. Ich sofort wortlos meine Sachen gepackt und aus dem Raum raus, hab alles stehen und liegen gelassen und bin dann ins Krankenhaus gefahren. Als ich dort ankam und bevor ich in das entsprechende Zimmer gegangen bin, haben mich eine Reihe von Ärzten entsprechend angeschaut und man weiß ja, was das bedeutet. Ich bin zu meiner Schwester ins Zimmer, hab mich an ihr Bett gesetzt und hatte noch Zeit für eine letzte Umarmung, bevor sie ganz ruhig und sanft in meinem Armen an ihren Verletzungen gestorben ist.
Das ist jetzt knapp ein Jahr her und ich komme damit absolut nicht zurecht. An jenem Tag hab ich drei Mal versucht, Selbstmord zu begehen (Pulsadern, Tabletten, Zug), hat aber nicht funktioniert. Inzwischen ist es nicht mehr so extrem, ich werde es aber dennoch nicht los. Es stellt sich eh die Frage, ob ich jemals damit leben kann. Es ist nicht so, als ob es großen Einfluss auf mein Alltagsleben hat, ich habe das inzwischen mehr oder weniger kompensiert. Ich bin so gut wie fertig mit meinem Studium, meine Noten fangen alle mit einer 1 oder 2 an und von meinen Freunden weiß es so gut wie niemand. Aber wenn ich von der Uni nach Hause komme, geht es los. Meistens kommen die Gedanken und Erinnerungen, wenn ich allein zu Hause sitze, am PC arbeite oder spazieren gehe oder male, was ich beides sehr gerne mache und als Hobby bezeichne. Zuerst hab ich stundenlang geheult und mich in eine Ecke verkrochen, sobald die Erinnerungen kamen. Dann kam die Zeit, wo das nicht mehr ausgereicht hat, ergo habe ich das Trinken angefangen, was ich aber wieder abgesetzt habe. Danach kam das Ritzen, zuerst mit Küchenmessern. Um dem entgegen zu wirken, hab ich zeitweise alles Spitze aus meiner Wohnung verbannt, hat aber nichts gebracht, weil ichs dann mit einer Scherbe durchgezogen habe. Man sieht mich in der Öffentlichkeit nicht in T-Shirts, weil meine Arme wirklich nicht gut aussehen. Im Sommer ist das problematisch, aber ich kann damit leben.
Ich hab das Gefühl, als hätte sich durch den Tod meiner Schwester ein Abgrund aufgetan, der mir quasi ein zweites Leben beschert hat. Das, was neben dem Alltagsleben vorherrscht, auch als Depression bekannt. Von den Leuten, die ich kenne, besitzt außer einer Person, meiner besten Freundin, niemand mein Vertrauen, damit ich ihnen die Sache erzählen kann. Ich habe Angst, dass das gegen mich verwendet werden könnte, hab das oft erlebt in der Vergangenheit. Ab und zu sind auch noch Suizidgedanken da, von denen ich nicht einschätzen kann, welchen Einfluss diese auf mich nehmen, wenn die Situation wieder kommt.
Meine Mutter ist bereits 2003 verstorben und mein Vater hat nie viel von uns gehalten, von Elternseite kann ich auch nichts erwarten. Wir mussten uns häufiger so Sprüche wie „So welche Leben noch, aber meine Frau ist tot“ oder „Ich wünschte, ich hätte damals aufgepasst, dann würde es mir jetzt noch gut gehen“ anhören. Ich denke, das spricht Bände. Meine Schwester hatte zusätzlich noch autistische Züge, sie hat beispielsweise in den ganzen 14 Jahren, die sie alt geworden ist, nicht einmal gelacht, konnte keine Freundschaften zu Gleichaltrigen knüpfen, hat immer nur für sich selbst gehandelt usw. Moment, sie hat einmal ganz leicht gelächelt...wenige Sekunden, bevor sie gestorben ist (Könnt ihr euch vorstellen, was das für ein Gefühl ist, so etwas erleben zu müssen?). Ich nehme an, dass das der Hauptgrund war, dass mein Vater sie beziehungsweise uns nicht akzeptiert hat, denn ich gestehe es, ich habe diese autistischen Züge auch gehabt, als ich kleiner war. Wir hatten halt nur uns, wir haben uns gegenseitig beschützt, haben aufeinander aufgepasst...meine Schwester und ich hatten einfach eine scheiß (Sry für den Ausdruck) Kindheit, wir waren allein, ich war für sie da, sie war für mich da und so ging es gerade so. Am Rande erwähnt, wir sind beide Opfer von mehrfacher Kindesmisshandlung (psychisch), die aber nie auf irgendeine Art und Weise sanktioniert wurde.
Und jetzt, jetzt ist sie nicht mehr da und ich vermisse sie...Ich vermisse die Person, auf die ich aufpassen kann, die ich beschützen kann, ich vermisse die Person, die sofort wusste, wenn was nicht in Ordnung war und mich immer sofort getröstet hat...auf ihre Art und Weise.
Ich weiß nicht mehr weiter, weiß nicht mehr, was ich machen soll...Also erzähle ich meine Geschichte hier und hoffe auf Ratschläge von Leuten, die Ähnliches erlebt haben.
P.S.: Ich hab es noch nicht von einem Arzt bestätigen lassen, aber alle Tests, die ich zu dem Thema gemacht haben, bescheinigen mir einen hohen Autismus-Grad. Möglicherweise liegt es auch daran.
Grüße
Stormshadow
Vor fast einem Jahr hatte meine kleine Schwester einen Unfall, sie wurde von einem Auto erfasst und laut Zeugenaussagen noch mehrere Meter mitgeschleift (war nicht dabei). Zu der Zeit saß ich in der Uni, hab eine Klausur geschrieben, bekam einen Anruf, dass eben jenes passiert wäre. Ich sofort wortlos meine Sachen gepackt und aus dem Raum raus, hab alles stehen und liegen gelassen und bin dann ins Krankenhaus gefahren. Als ich dort ankam und bevor ich in das entsprechende Zimmer gegangen bin, haben mich eine Reihe von Ärzten entsprechend angeschaut und man weiß ja, was das bedeutet. Ich bin zu meiner Schwester ins Zimmer, hab mich an ihr Bett gesetzt und hatte noch Zeit für eine letzte Umarmung, bevor sie ganz ruhig und sanft in meinem Armen an ihren Verletzungen gestorben ist.
Das ist jetzt knapp ein Jahr her und ich komme damit absolut nicht zurecht. An jenem Tag hab ich drei Mal versucht, Selbstmord zu begehen (Pulsadern, Tabletten, Zug), hat aber nicht funktioniert. Inzwischen ist es nicht mehr so extrem, ich werde es aber dennoch nicht los. Es stellt sich eh die Frage, ob ich jemals damit leben kann. Es ist nicht so, als ob es großen Einfluss auf mein Alltagsleben hat, ich habe das inzwischen mehr oder weniger kompensiert. Ich bin so gut wie fertig mit meinem Studium, meine Noten fangen alle mit einer 1 oder 2 an und von meinen Freunden weiß es so gut wie niemand. Aber wenn ich von der Uni nach Hause komme, geht es los. Meistens kommen die Gedanken und Erinnerungen, wenn ich allein zu Hause sitze, am PC arbeite oder spazieren gehe oder male, was ich beides sehr gerne mache und als Hobby bezeichne. Zuerst hab ich stundenlang geheult und mich in eine Ecke verkrochen, sobald die Erinnerungen kamen. Dann kam die Zeit, wo das nicht mehr ausgereicht hat, ergo habe ich das Trinken angefangen, was ich aber wieder abgesetzt habe. Danach kam das Ritzen, zuerst mit Küchenmessern. Um dem entgegen zu wirken, hab ich zeitweise alles Spitze aus meiner Wohnung verbannt, hat aber nichts gebracht, weil ichs dann mit einer Scherbe durchgezogen habe. Man sieht mich in der Öffentlichkeit nicht in T-Shirts, weil meine Arme wirklich nicht gut aussehen. Im Sommer ist das problematisch, aber ich kann damit leben.
Ich hab das Gefühl, als hätte sich durch den Tod meiner Schwester ein Abgrund aufgetan, der mir quasi ein zweites Leben beschert hat. Das, was neben dem Alltagsleben vorherrscht, auch als Depression bekannt. Von den Leuten, die ich kenne, besitzt außer einer Person, meiner besten Freundin, niemand mein Vertrauen, damit ich ihnen die Sache erzählen kann. Ich habe Angst, dass das gegen mich verwendet werden könnte, hab das oft erlebt in der Vergangenheit. Ab und zu sind auch noch Suizidgedanken da, von denen ich nicht einschätzen kann, welchen Einfluss diese auf mich nehmen, wenn die Situation wieder kommt.
Meine Mutter ist bereits 2003 verstorben und mein Vater hat nie viel von uns gehalten, von Elternseite kann ich auch nichts erwarten. Wir mussten uns häufiger so Sprüche wie „So welche Leben noch, aber meine Frau ist tot“ oder „Ich wünschte, ich hätte damals aufgepasst, dann würde es mir jetzt noch gut gehen“ anhören. Ich denke, das spricht Bände. Meine Schwester hatte zusätzlich noch autistische Züge, sie hat beispielsweise in den ganzen 14 Jahren, die sie alt geworden ist, nicht einmal gelacht, konnte keine Freundschaften zu Gleichaltrigen knüpfen, hat immer nur für sich selbst gehandelt usw. Moment, sie hat einmal ganz leicht gelächelt...wenige Sekunden, bevor sie gestorben ist (Könnt ihr euch vorstellen, was das für ein Gefühl ist, so etwas erleben zu müssen?). Ich nehme an, dass das der Hauptgrund war, dass mein Vater sie beziehungsweise uns nicht akzeptiert hat, denn ich gestehe es, ich habe diese autistischen Züge auch gehabt, als ich kleiner war. Wir hatten halt nur uns, wir haben uns gegenseitig beschützt, haben aufeinander aufgepasst...meine Schwester und ich hatten einfach eine scheiß (Sry für den Ausdruck) Kindheit, wir waren allein, ich war für sie da, sie war für mich da und so ging es gerade so. Am Rande erwähnt, wir sind beide Opfer von mehrfacher Kindesmisshandlung (psychisch), die aber nie auf irgendeine Art und Weise sanktioniert wurde.
Und jetzt, jetzt ist sie nicht mehr da und ich vermisse sie...Ich vermisse die Person, auf die ich aufpassen kann, die ich beschützen kann, ich vermisse die Person, die sofort wusste, wenn was nicht in Ordnung war und mich immer sofort getröstet hat...auf ihre Art und Weise.
Ich weiß nicht mehr weiter, weiß nicht mehr, was ich machen soll...Also erzähle ich meine Geschichte hier und hoffe auf Ratschläge von Leuten, die Ähnliches erlebt haben.
P.S.: Ich hab es noch nicht von einem Arzt bestätigen lassen, aber alle Tests, die ich zu dem Thema gemacht haben, bescheinigen mir einen hohen Autismus-Grad. Möglicherweise liegt es auch daran.
Grüße
Stormshadow