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Unzufrieden und planlos

dermitleser

Neues Mitglied
Liebe Forenmitglieder,

ich habe mir nun schon seit über einem Jahr fest vorgenommen meinen Job zu kündigen und was besseres zu suchen...aber nun steck ich immer noch am gleichen Ort fest, hab kein klares Ziel vor Augen und bräuchte mal einen Rat.

Zur Ist-Situation: Ich arbeite in der IT in einem kleinem lokalem Unternehmen. Von der Arbeit her ist es eigentlich super. Es ist die Arbeit die mir gefällt, ich kann selbstständig arbeiten und es ist auch immer wieder Abwechslung drin. Das Hauptproblem ist das Arbeitsklima und die Leute. Bei der Arbeit gibt es nur Arbeit, nichts privates, Gespräche drehen sich um die Arbeit und es wird neben dem "guten Morgen" allgemein nur miteinander geredet wenn es sich um arbeitsrelevante Sachen handelt. Wie das Wochenende war oder was man in der Freizeit macht, das fragt keiner. Das ist nicht nur mir gegenüber so, sondern bei allen im Büro. Eigene Gesprächsinitiativen versanden eigentlich immer nach ein paar Sätzen. Dazu muss ich auch sagen, dass ich auch nicht der Typ bin, der auf andere zugeht. Wenn ich jemanden nicht richtig einschätzen kann halte ich lieber Abstand.
Ich habe mir deshalb mittlerweile die scheißegal Haltung zugelegt, auch weil ich innerlich dauernd denke irgendwann dieses Jahr reich ich die Kündigung ein. Ich versuch meine Arbeit so gut wie möglich zu machen und kümmere mich nicht um die anderen. Zwischendurch gibt es auch wieder zufriedenstellende Wochen, wenn die Arbeit einen selbst Freude macht und man sogar Überstunden schiebt ohne zu müssen. Das hält dann aber nicht lange an und man fällt wieder in das alte Frustration, was das morgentliche Aufstehen für die Arbeit nicht einfacher macht. Da es sich wie gesagt um ein kleines Unternehmen handelt sitzt der Chef auch im selben Büro und arbeitet noch selbst mit. Der ist nicht besser.

Mein Problem ist nun...Kündigung ja, aber was dann? Ich schau mir regelmäßig die Arbeitsbörsen durch, es gibt offene Stellen, wo ich mich bewerben könnte und sicherlich auch die Vorrausetzungen dafür hätte, aber so richtig zusagen tut mir das alles nicht. Ich hab bisher auch noch keine Bewerbung rausgeschickt. Einfach in der Angst vom Regen in die Traufe zu kommen und in einem Job zu landen, der mich genauso unzufrieden macht. Und wenn ich ehrlich bin hab ich gar keinen Plan was ich überhaupt machen soll. Die selbe Frage die sich mir auch nach dem Schulabschluss stellte und irgendwann im jetzigen Job gelandet bin. Mit 27 noch Studium anfangen, Weiterbildung, doch einen anderen Job suchen und hoffentlich auf nette Mitarbeiter treffen...
Ich hab mir auch schon überlegt mal für ein paar Monat oder ein Jahr ins Ausland zu gehen. Einfach mal weg, was anderes sehen und auch pers. Erfahrungen sammeln. Das wäre aber für mich schon ein gewaltiger Schritt.

Das Problem wird sicher nicht neu sein und der ein oder andere wird wohl auch damit konfrontiert worden sein, wie es beruflich weitergehen soll. Hat da jemand nen Rat? Wie habt ihr euren Weg gefunden?
 
Lieber Mitleser,
mir scheint, du vermischst unnötig zwei Anliegen -
einen guten Job haben und gute Freunde haben.

Man findet (leider) nicht immer beides gleichzeitig.
Ich kann ja auch nicht darauf vertrauen, dass ich
in meinem privaten Freundeskreis jemand habe,
der mir eine gute Arbeitsstelle anbietet ...

Mein Tipp wäre deshalb, dass du deine Ziele trennst
(bzw. Probleme), also z.B.

1. Ich will einen interessanten Job (hast du ja schon)
2. Ich will Freunde für den Austausch und die Freizeit
3. Ich will mal ins Ausland
4. Ich will neue Erfahrungen sammeln
5. ...

Und dann die Sachen einzeln angehen und das Gute
bewahren, das du schon hast.

Trotzdem kannst du dich ja mal versuchsweise be-
werben, bevor zu kündigst und schauen, ob du eine
noch bessere Stelle mit anderem Arbeitklima findest.
Mein Verdacht (ich bin ab und zu in IT-Firmen) ist
aber, dass es überall ähnlich zugeht, weil sich da ein
bestimmter Menschenschlag bevorzugt einfindet*

Alles Gute, Werner

* siehe: www.123modell.de/2000.htm
 
Zuletzt bearbeitet:
Auf jeden Fall würde ich nicht kündigen, bevor ich eine Zusage von einer anderen Firma habe...

Warum bewirbst Du dich nicht? Klar, könntest Du vom Regen in die Traufe kommen, aber das kannst Du nicht einschätzen, wenn Du dich nicht mal woanders vorstellst. Ich hab auch nen Kollegen, der schon lange weg wollte...2-3 Mal pro Jahr hat er sich woanders vorgestellt, war erstmal auch nie was richtiges dabei. Das hat er hier natürlich nicht rumerzählt (nur mir, weil wir auch privat ab und an mal geredet haben). Seit Jahresbeginn ist er nun bei einer anderen Firma...

Also streck doch langsam die Fühler aus - und behalte solange den alten, sicheren Job.

Generell ist das mit dem "Nur über die Arbeit reden" so eine Sache. In vielen Betrieben ist genau das gewollt und Leute, die ihre privaten Themen ins Büro tragen, bekommen das eher vorgehalten, nach dem Motto "Das hat hier aber nichts zu suchen". Nur daran würd ich ein "schlechtes Klima" daher nicht festmachen...dann schon eher an übler Nachrede, gar Mobbing ect. Wenn man kollegial gut klar kommt, ist das doch schon was. Dass sich da Freundschaften entwickeln, sollte man nicht unbedingt erwarten. Das wäre auch in einer neuen Firma nicht anders.
 
So, hat nun eine Weile gedauert bis ich hier wieder reinschauen konnte. Danke für die Antworten. Besonders Werner, der Link zum Temporiker ist Klasse, das trifft es wirklich 100%ig.

Meine Aussage zu den privaten Gesprächen bei der Arbeit hab ich vielleicht etwas missverständlich ausgedrückt. Ich meinte keine tiefgründigen Gespräche zum Privatleben, oberflächliches würde schon reichen. Einfach generell ein Gesprächsthema, das nicht direkt mit der Arbeit in Verbindung steht über das man in der Kaffeepause sprechen kann. Beispiel aktuelles Tagesgeschehen oder man redet mal kurz übers Fußballspiel vom Vortag. Von mir aus auch über das Wetter. Ich denke mir einfach, man verbringt den Großteil des Tages bei der Arbeit, da ist es einfach öde Tag für Tag nur vor sich hinzuarbeiten und kaum mit seinen Arbeitskollegen zu reden.
So richtig bewusst ist mir das geworden, seit dem ich in der Freizeit einem Verein beigetreten bin, neue Leute kennengelernt hab und dort einfach Spaß habe. Und ein anderes Ich von mir erlebe, als wenn auf Arbeit sitze, vor mich hin arbeite und bis zum Feierabend vielleicht 3 arbeitsrelevante Sätze mit jemanden gesprochen hab. Das man nicht alltäglich Spaß an der Arbeit haben kann ist klar, aber mal ein witziges Gespräch zwischendurch würde Stimmung und Motivation sicherlich nicht schaden. Freunde von mir gehen auch manchmal nach der Arbeit noch kurz mit Arbeitskollegen was trinken. Gibts bei mir alles nicht.

Kündigen bevor ich einen neuen, sicheren Job habe werde ich nicht. Obwohl ich mir oft gedacht habe jetzt schmeiß ich alles hin.
Ich habe mir nun überlegt mein Ziel erstmal auf den Jobwechsel zu setzen. Ich werd mich jetzt mal zusammenreißen, Bewerbungsunterlagen zusammenstellen und den ev. in Frage kommenden Unternehmen schicken. Mal schauen was sich ergibt. Falls ein neuer Job dann auch nicht das gesuchte sein sollte, steh ich zwar wieder da mit meinen Fragezeichen, aber wenigstens wars ein Versuch und wahrscheinlich um eine Erfahrung reicher.
 
Ich habe mir nun überlegt mein Ziel erstmal auf den Jobwechsel zu setzen. Ich werd mich jetzt mal zusammenreißen, Bewerbungsunterlagen zusammenstellen und den ev. in Frage kommenden Unternehmen schicken. Mal schauen was sich ergibt. Falls ein neuer Job dann auch nicht das gesuchte sein sollte, steh ich zwar wieder da mit meinen Fragezeichen, aber wenigstens wars ein Versuch und wahrscheinlich um eine Erfahrung reicher.

Das klingt doch super und überlegt. Vielleicht findest
du ja was, wo die soziale Komponente schon inklusive
dabei ist und du nicht darum kämpfen musst. Ich habe
mal einen Bericht über das Arbeitsklima bei SAP ge-
sehen - das könnte so in deine Richtung gehen. Da wird
der sozial-kommunikative Aspekt schon von Seiten des
Unternehmens anhand praktischer Dinge angeregt.

Danke auch für deine Rückmeldung zum Temporiker -
ich bin selbst immer wieder verblüfft, wie gut diese
"oberflächlichen" Beschreibungen passen ...

Viel Erfolg und natürlich ein großes Paket Mut!
Werner
 

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