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Unzufrieden mit meiner aktuellen Lebenssituation

ms95

Neues Mitglied
Hallo ihr,

ich bin momentan mit meinem Leben komplett überfordert und brauche einfach einmal ein Ventil um das alles rauszulassen weil ich momentan nicht weiß wen ich mich anvertrauen kann, dafür schon einmal vielen Dank dass ihr euch hier die Zeit nimmt und mir die Möglichkeit gebt micht jemanden, wenn auch anonym anzuvertrauen.

Zu meiner Person, ich bin 23 Jahre alt, mache im Moment meinen Master Abschluss als Ingenieur. Nach außen betrachtet schaut mein Leben gar nicht schlecht aus, aber nach innen hin habe ich gerade ziemliche Probleme, was vor allem mit meiner Arbeit zusammenhängt. Ich schreib momentan meine Abschlussarbeit in einer Firma und komme dort überhaupt nicht mehr der Situation zurecht. Ich fühle mich mit den Aufgaben überfordert, bekomme dort kaum Feedback, sehe aber gleichzeitig dass es bei den anderen in der Firma, die in einer ähnlichen Situation wie ich sind deutlich besser läuft. Wirklich Spaß macht mir die Arbeit auch nicht, im Gegenteil, im Moment hab ich ziemliche Angst dort hinzugehen und habe wahnsinnige Versagensängste, dass mein Studium vielleicht doch das falsche war, aber finanziell und zeitlich betrachtet wäre ein Neuanfang mit einem anderem Studium auch sehr schwer wobei ich auch gar nicht wüsste was ich denn alternativ machen soll.

Ein weiterer Punkt der mich sehr belastet ist meine Beziehung zu meinem Glauben. Früher war ich gläubig, habe aber nach langer Überlegung für mich festgestellt, dass ich, obwohl ich es gerne wollen würde, nicht an Gott oder an eine höhere Macht glauben kann. Früher gab mir das wirklich noch zusätzliche Sicherheit, aber der Glaube ist auch nichts was man erzwingen kann, wenn man in seinem Inneren nicht davon überzeugt ist. Ich stelle mir oft die Frage, warum ich denn dann überhaupt leben soll, wenn danach sowieso alles vorbei ist. Klar, man kann versuchen aus seinem Leben das Beste zu machen und die wenige Zeit die man hier hat glücklich zu verbringen, aber man kann ja nicht einfach einen Schalter umlegen und dann glücklich sein.. Und im Moment bin ich es nicht. Was diesen Punkt zusätzlich schwer für mich macht ist die Situation mit meiner Familie, die sehr gläubig ist. Meine Familie ist mein einziger Halt den ich im Moment habe und ich habe wahnsinnige Angst sie dadurch zu verlieren.. Ich glaube nicht dass meine Familie mich verstoßen würde, aber das Verhältnis wäre irreperabel zerstört und das will ich nicht.

Ein weiterer Punkt der mein Leben nicht gerade erleichtert ist, dass ich mich extrem schwer tue, neue Leute kennen zu lernen, was dazu führt, dass ich jetzt nicht gerade viele Möglichkeiten habe eine potenzielle Freundin kennzulernen. Ich hatte mit 18 für kurze Zeit eine Freundin und seitdem 2 Frauen bei denen sich eine Beziehung angebahnt hat, aber schlussendlich nichts daraus geworden ist. Eine Person, der ich mich anvertrauen könnte und mich so liebt wie ich bin würde mir glaube ich Rückhalt geben und auch dafür sorgen dass ich etwas stabiler auf schwierige Situationen reagiere.

Zudem hab ich eine pyschische Störung, die sich Paruresis, eine sogenannte Blasenentleerungsstörung, nennt. Bedeutet, ich kann in der Öffentlichkeit nicht urinieren. Bei mir ist die Störung soweit ausgeprägt, dass ich zwar in Kabinen urinieren kann, aber nicht am Pissoir. Hört sich im ersten Moment zwar erstmal trivial an, ist aber eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität. Nur als Beispiel, wenn man mit Freunden zum grillen an einen See geht, oder zum wandern in die Berge oder auch ins Fußballstadion, dann schaue ich extra dass ich davor extrem wenig und auch währenddessen kaum etwas trinke, damit ich Zeit zwischen von zu Hause weggehen und wieder ankommen schaffe, ohne dass der "Druck" zu extrem wird. Schränkt auf jeden Fall die Lebensqualität extrem ein, vor allem als Mann, bei dem man erwartet, dass er einfach auf Knopfdruck überall pinkeln kann.

Bis jetzt konnte ich mit den oben genannten Punkte umgehen bzw. habe sie gut verdrängt. Durch die neu aufgekommene Situation ein meiner Arbeit aber stürzt das gerade alles auf mich ein und ich kann mir im Moment nicht vorstellen wie meine weitere Zukunft aussieht. Ich will nicht später mit 40 komplett alleine, ohne Beziehung dazustehen, ohne Freunde, weil ich es nicht mehr schaffe aus dem Haus zu gehen, weil meine Blasenentleerungsstörung schlimmer wird (was sie auch wird, zwar langsam, aber sie wird schlimmer), und in einem Job in dem ich unglücklich bin. Ich bin nicht depressiv und ich will mein Leben genießen, aber im Moment steuere ich in eine extreme Sackgasse und ich habe Angst dor nicht mehr rauskommen. Ich will etwas ändern, aber ich weiß auch nicht wie ich das angehen soll.

Ich erwarte jetzt nicht, dass hier durch das Forum alle mein Sorgen gelöst werden, aber das herunterschreiben meiner Probleme alleine tat schonmal gut, und ich danke euch, dass ihr euch die Zeit genommen habt, meinen Text hier zu lesen und mir evtl. eine Antwort schreibt 🙂

Liebe Grüße

ms95
 
Such dir bei Spaziergängen mal etwas abgelegene Orte im Dickicht und versuch doch, ob da das Wasserlassen funktioniert.
Oder trau dich mal an ein Pissoir, wenn grad niemand sonst da ist. Ist oft deutlich weniger Betrieb, als man meinen möchte.

Falls es nicht klappt, störts ja auch niemanden. Grade beim Urinal kann man dann ja einpacken und so tun als wäre man fertig, und im Wald ist man meistens eh alleine.
Auch wenns anfangs nicht erfolgreich verläuft, gibt einem Oft allein die Tatsache, es probiert zu haben wieder etwas Aufwind.
 
Ich habe auch psychische Probleme.
Was mir sehr geholfen hat ist, dass ich die Welt darauf hin untersucht habe. Weil ich habe gemerkt, dass ich annahm, dass die Welt in Ordnung sei und ich der Unnormale bin. jetzt weiß ich, dass die Welt anders ist, wie ich dachte. Ich denke dir geht es genauso.
Warum das hilft? Weil es extrem gut tut für die innere Ausgeglichenheit, wenn man die menschliche Realität besser einschätzen kann. Das Urinieren ist bestimmt nur ein Symptom und das Problem im inneren Versteckt. Ich könnte mir vorstellen, dass es etwas mit deiner Familie und deinem Glauben zu tun hat bzw. diese Sache die anderen Dinge verstärken. Ich finds allerdings toll, dass du deine Familie in dieser Beziehung besser einschätzen kannst. Ich lese darin eine Art Strafangst. Das könnte eine Hemmung bewirken.

Was dein Glaube angeht: Du magst nicht mehr an Gott glauben können. Aber du kannst es dennoch nicht wissen, ob es ihn gibt oder nicht. Genauso ist es, wenn man an Gott glaubt. Nur weil es hilft heißt es ja nicht, dass es ihn gibt oder nicht. Was mir hilft ist, wenn ich beides denken kann. Ich kann mir eine Welt vorstellen in der es ihn gibt und eine in der es ihn nicht gibt ohne dass sich etwas an meiner inneren Einstellung ändert.
Das kann sehr befreiend sein. Weil auch darin sehe ich Strafängste verborgen. Und man kann es ja sowieso nicht wissen. Als Mann finde ich es sehr gut, wenn man über dieses Thema einen Überblick behält. Es macht mental stark und man kann besser mit verschiedenen Situationen umgehen. Außerdem bietet es eine Menge philosophischer Ansätze. Außerdem hast du denke ich zu viel mit diesem Thema zu tun gehabt in deinem Leben. Jetzt einfach einen Schlußstricht zu ziehen ist denke ich nicht in Ordnung. Weil du läßt all deine Erfahrungen und Glaubensansätze und Beweltigungsstrategien fallen. Weil es bezieht sich ja auf einen großen Teil deines vergangenen Lebens. Nur weil du jetzt in einer Phase bist, die anders ist, ist die Vergangenheit ja nicht gleich komplett falsch!
Und nur weil man nicht an Gott glaubt wird man nicht zu einem schlechten Mensch. Du bist doch immernoch der Selbe. Ich finde es schade, dass deine Familie dich dann anders sehen würde, nur weil du anders denkst.
Ich glaube, dass Gott dies verstehen kann, dass man anders denken tut in unser heutigen Zeit. Ich glaube, dass er immernoch das Gute in dir sehen kann, wenn es da was Gutes gibt.
Was bei der Arbeit helfen kann ist, wenn man dabei Musik hört. Aber eher keine Live-Musik.
Und ich glaube, dass du dir viele Dinge nicht erlaubst, obwohl es gute Gefühle ergibt. So zum Beispiel pinkeln oder kacken. Dir sind vielleicht die Gedanken darum überwichtig. Aber wichtig ist "nur", dass du dich dabei wohl fühlst. Fang zu Hause an deine Klogänge besser zu genießen. Du kannst dich ja anfangen zu freuen, wenn die Umstände es zulassen und dann beim Akt dich auf Genuss zu konzentrieren. Weil das ist das wahre Lebensgefühl. Das Natürliche. Der Körper ist so gebaut, dass er von Natur aus diese Sache eigentlich belohnt. Weil man ja Giftstoffe und überschüssige Salze und Ballaststoffe abgibt. Man muß sie abgeben. Sonst wird man krank. Und das teilt der Körper und gefühlsmäßig mit. Du solltest zu mindest zu Hause nach einer Sitzung aufstehen und dir bewußt sagen, dass du für dich und deinen Körper eine wohltat getan hast. Ich finde es manchmal gar eine Art Befreiung.
Viel Glück!
 
Erstmal vielen Dank für die Antworten!

Mit dem Job hast du bestimmt gar nicht so unrecht! Aus meinem Bachelor haben sich auch viele umorientiert und machen jetzt etwas ganz anderes. Was mich im Moment an meinem Job belastet ist, dass ich weiß, dass wenn ich das jetzt nicht schaffe, die letzten 2 Jahre umsonst waren und ich die Zeit anders besser investiert hätte. Zudem beunruhigt mich diese Unsicherheit nicht zu wissen, wo ich in der Zukunft stehen werde. Da beneide ich die Leute, die schon immer genau gewusst haben was sie werden wollen.

Zu dem Punkt mit dem Wasserlassen: Wenn ich allein bin habe ich kein Problem damit. Spielt dabei keine Rolle ob im Sitzen oder Stehen, also die Übung am Urinal oder im Wald bringt mir leider wenig.. Ich denke das sinnvollste hierbei wäre wirklich die direkte Konfrontation, also mich z.B. im Einkaufszentrum hinzustellen und einfach so lange am Pissoir stehen bis es läuft um zu merken, dass es niemanden interessiert wie lange man dort steht. Interessiert mich bei anderen ja auch nicht. Seltsamerweise habe ich überhaupt kein Problem mit Situationen wie in die Saune gehen oder nach dem Fußball spielen in der Gruppendusche zu duschen. Geht wirklich nur ums pinkeln. Einen wirklichen Zusammenhang mit meinen anderen Problemen sehe ich bei der Paruresis ehrlich gesagt nicht, die habe ich schon weit bevor die restlichen Probleme aufgetaucht sind. Hab mich darüber schon lange informiert, der Auslöser dafür ist wohl meistens ein Erlebnis in der Kindheit oder Jugend (wobei ich mich da an nichts Konkretes erinnern könnte, was aber auch nicht unbedingt etwas heißen muss). Mit der Zeit werden dann die Versagensängste („Was ist, wenn es dieses mal wieder nicht klappt?“) immer größer bis zum Schluss, dass man sich nicht mehr genug entspannen kann (genauer gesagt den Harnröhrenmuskel nicht mehr entspannen kann) und nichts mehr geht.

Was mich am Glauben im Moment mehr belastet als der Glaube an sich ist die Beziehung zu meiner Familie. An sich habe ich eigentlich ganz gut damit abgeschlossen, auch wenn der Glaube mit in einigen Situationen doch Rückhalt geben könnte. Der Glaube ist ein Thema, dass man nicht beweisen oder widerlegen kann und damit muss ich leben. Diese Einstellung ist aber auch nicht eine emotionale Kurzschlussreaktion, ich habe wirklich sehr lange (nicht erst in den letzten Monaten) darüber nachgedacht und bin für mich zu diesem Schluss gekommen. Ich versuche mein Leben so gut wie möglich zu leben ohne anderen Schaden oder Leid hinzuzufügen, ich denke, wenn es einen Gott gibt, sind das die Dinge, die ihm wichtiger sind als jeden Sonntag in die Kirche gehen o.Ä.. Es gibt genügend Leute, die sich als gläubig bezeichnen, dies aber in ihrem Alltag überhaupt nicht ausleben, das ist ein Kontrast, welchen ich nicht verstehe. Ich habe mir vorgenommen nach meinem Abschluss mit meinen Eltern darüber zu reden. Mit der aktuellen Situation in meiner Arbeit ist das keine Baustelle die ich jetzt aufreißen will..

Liebe Grüße

ms95
 
Hallo.

Ich weiss, dass das Thema schon sehr lange her ist.
Ich würde Dir gerne schreiben.
Vielleicht liest Du das hier ja.

Liebe Grüße
 
Ja ich weiss.
Ich hab das Thema in der Suche gefunden und hab gehofft, dass die Person vielleicht antwortet.
 

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