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unglückliche(r) Banker(in) (Vertrieb) - Wer noch ?

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U

unglücklicher Banker

Gast
Hallo !

Meine Faszination für die Kapitalmärkte hat mich Banker werden lassen und auch die Beratung von Kunden in Kapitalmarktprodukten hat mir eigentlich Spaß gemacht. Heute kann niemanden mehr einen Bankjob guten Gewissens empfehlen.
In den letzten Jahren haben sich die Arbeitsbedingungen so sehr verschlechtert, dass ich mehr als unglücklich bin.
Ich fühle mich durch die vielen gängelnden internen und gesetzlichen Vorgaben, Arbeitsanweisungen wie ein Slalomfahrer, um es meinen Kunden und auch mir selbst am Ende doch noch irgendwie recht machen zu können. Es ist ein Wahnsinn und hat nichts mehr mit gesundem Menschenverstand zu tun. Ich kann meine Kernaufgabe und eigene Motivation, die ehrliche und authentische Beratung kaum noch wahrnehmen und saufe ab in einem Korsett aus Arbeitsanweisungen, Vertriebsdruck, Zeitdruck, Angstmache, geringer Wertschätzung....totale Arbeitsüberlastung. Und ich zerreibe mich permanent zwischen den Interessen der Bank und den Interessen meiner Kunden, denen ich mich alleine schon moralisch verpflichtet fühle. Ich arbeite übrigens im Private Banking.

Ich habe nur noch einen Impuls: ICH MUSS DA RAUS, SONST GEH ICH KAPUTT !!!!!!!!!!!!!

Leider finde ich im Internet kein Forum, in dem sich Banker über ihre Befindlichkeiten austauschen.

Gibt es hier vielleicht Banker/innen, denen es ähnlich wie mir geht oder die sogar glücklich mit ihrem Job und den Arbeitsbedingungen sind ?
Wollt ihr den Job weiter ausüben oder sucht ihr nach Alternativen ?

Ich freue mich auf Austausch !
 
Hallo unglücklicher Banker,

die mit ihrem Job unzufriedenen und unglücklichen Banker sind keine Spezialgruppe, für die es ein extra Forum braucht. Es gibt viele Menschen, die in ihrem einst gewählten Beruf unglücklich sind, weil sich Rahmenbedingungen oder andere externe Faktoren nachteilig geändert haben.
Und da externe Faktoren sich in den überwiegenden Fällen nicht ändern lassen, kannst nur Du Dich ändern.

Wenn Du in einem artverwandten Beruf bleiben möchtest, bieten sich private Unternehmen an, die Finanzmanager benötigen. Liegen Deine Talente eher im Verkauf u. Beratung, so bieten sich Unternehmen an, die erklärungsbedürftige Produkte auf dem Markt platzieren wollen und Verkaufstalente u. Berater suchen.
Streck Deine Fühler aus, Chancen gibt es auch für Banker...

Und wenn Du in keinem der o.g. Bereiche tätig sein willst, dann wäre zunächst eine Analyse Deiner Wünsche, Ziele und Kompetenzen wichtig.

Sei mir nicht böse, wenn ich auf Dein Jammern nicht weiter eingehe. Ich verstehe Dich gut - nur hilft das Jammern nicht einen Fußbreit weiter. Zielführender halte ich Informationssammlung, Analyse und mutige Entscheidungen.
Und da bin ich wieder bei Dir.

LG, Nordrheiner
 
Hallo Nordrheiner,
danke für deinen konstruktiven Beitrag.

Es geht mir nicht ums Jammern, auch wenn mir natürlich danach zumute ist.

Mir geht es mehr um den Erfahrungsaustausch über Lösungen.
Mich interessieren die Wege anderer Betroffener, die es geschafft haben, mit so einer Situation umzugehen und im Beruf wieder glücklich zu werden.
 
Hallo, Banker,

gut, wenn mein erster Beitrag Dir eine erste kleine Hilfe war.
Sieh Deine Situation als bezahltes Sprungbrett an. Du hast noch eine befriedigende oder sogar gute Einkommenssituation. Solange Du diese hast, kannst Du Dich finanziell sorgenfrei umschauen.
Dabei würde ich auch in völlig andere Berufe schauen, um einfach folgende Dinge für mich anschaulich
vor Augen zu haben:

- wie leben Menschen in diesen Berufen? (finanzieller Aspekt - sowie Aspekt der Zufriedenheit)

- was würde mir - sollte ich in diesen Beruf wechseln - gefallen?

Eine Problematik könnte sich für Dich ergeben: Meistens gefallen Menschen ihre berufliche Situation nicht, z.B. aus finanziellen Gründen oder - wie bei Dir - aus Gründen des Betriebsklimas oder der Branchen üblichen Verhaltensweisen. Und dann machen Menschen zunächst einen Denkfehler. Sie wollen etwas verändern, dabei soll die Veränderung so aussehen, dass sie das Gute (z.B. Einkommen) an ihrem "alten" Arbeitsplatz mitnehmen und nur das Schlechte ausschalten. Und das funktioniert meistens nicht. Das würde bei Dir funktionieren, wenn Du zu einer anderen Bank wechselst oder in die Privatwirtschaft in eine ähnliche Position. Möglicherweise könntest Du sogar Deine finanzielle Situation noch verbessern und in einer menschenfreundlicheren Umgebung arbeiten. Aber das ist nicht zwangsläufig der Fall.

Oft muss man Kompromisse machen, so im Sinne "entweder - oder". Und dazu rate ich. Also konkret: Ich rate dazu, dass Du Dich mit dem Gedanken anfreundest, bei einem Wechsel finanzielle Einbußen zu haben. Das ist bei Bankern ein branchenunübliches Denken. Dieses "immer mehr" sollte nicht nur wegfallen, sondern Du solltest auch bereit für "weniger" sein. Wenn Du Dich mit diesem Gedanken angefreundet hast, kannst Du auch innerlich lockerer sein. Und wenn Du innerlich lockerer bist, bist Du auch weniger angreifbar und Dir stehen mehr positive Veränderungsmöglichkeiten offen, als Du heute erkennst.

Und diese innerliche Veränderungsbereitschaft gekoppelt mit "auch weniger Einkommen ist völlig ok" hat einen weiteren Vorteil: Du konzentrierst Dich besser auf die Berufe, die ein besseres Wohlfühlen ermöglichen. Aber auch hier ist immer zu bedenken, dass viele Berufe auch negative Arbeiten beinhalten. Wenn Du z.B. eine Altenpflegerin interviewst, so wird diese erzählen, wie bürokratisch es dort zugeht und dies sie von der eigentlichen Aufgabe abhält. Also Schattenseiten gibt es immer. Und last not least hängt es stark von den Menschen ab, mit denen Du auch nach einem Wechsel zu tun haben wirst. Die berühmte Chemie....

Aber wenn Du genügend Zeit hast, weil Du nicht unter finanziellem Druck stehst, kannst Du viele Raketen starten. Eine davon wird schon zünden. Nur - das Überlegen ist erst der Anfang und sollte nicht zuviel Zeit in Anspruch nehmen. Meine Empfehlung: Raketen in verschiedene Richtungen abschiessen, mit Menschen ins Gespräch kommen und dann überlegen und entscheiden.
Ach ja, vergiss nicht, Deine Familie mit in alle Prozesse einzubeziehen. Und immer schön locker bleiben. Mit der Partnerin über Gefühle reden ist wichtig. Nicht Du veränderst Dein (Berufs-) Leben, sondern Ihr steht vor einer möglichen Veränderung.

Viel Erfolg,
Nordrheiner
 
Vielleicht wärst du damit zufrieden, in einer kleinern Bank oder Sparkasse zu arbeiten, wo du mehr persönlichen Freiraum und besseren Kontakt zum Kunden hast? Mit Gehaltseinbußen musst du dann vermutlich rechnen, wenn du nicht vielleicht als Filialleiter arbeiten möchtest.

Hast du studiert oder eine Banklehre gemacht? Mit einem BWL-Studium und Bankerfahrung könntest du auch andere Dinge machen, z.B. selbständiger Finanzberater, Berater im oder für den Finanzbereich von Unternehmen oder bei Finanzdienstleistern, Versicherern etc..

Eine Freundin von mir ist nach der Bankenkrise Börsenhändlerin geworden, aber das ist dann wieder das Gleiche.

Du solltest also deine Wünsche und Möglichkeiten querprüfen, um zu schauen, was du mit deinem jetzigen Stand verbessern kannst.
 

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