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Unfreiwilliger Kontakt zum Vater

saso22

Neues Mitglied
Hallo liebes Forum,
es geht hier um meinen suchtkranken Vater und eine schwierige Situation, in der ich (w/22) gerade stecke und nicht weiß, wie ich alles einordnen soll.

Ich habe vor etwa 6-7 Jahren den Kontakt zu meinem Vater abgebrochen- meine Mutter hat sich nach einem prägenden Ereignis von ihm getrennt und das war meine „Chance“ ebenfalls von ihm wegzukommen.
Vor etwa 2,5 Jahren, an meinem Geburtstag, wurde ich dazu gedrängt doch mal mit ihm zu telefonieren, schließlich wollte er mir, „seiner Tochter“, doch nur gratulieren. Ich habe mich irgendwann darauf eingelassen und bereue es zutiefst.

Seitdem werde ich von ihm per Textnachricht, Sprachnachricht und Anruf „belästigt“- meistens Abends bis tief in die Nacht. Es läuft immer ähnlich ab- er redet davon, wie schrecklich alles sei, dann macht er mir Vorwürfe (schlechte Tochter, ich sei ein Feigling, ich sei egoistisch,…), um kurz danach seine unendliche Vaterliebe zu bekunden. Seine Anrufe habe ich noch nie entgegengenommen und möchte das auch auf keinen Fall!
Nun ist es so, dass ich meinen Führerschein mache (den brauche ich zwingend für mein Studium, das ich aktuell mache) und meine Mutter hatte mit ihm ausgemacht, dass er bei den Zahlungen hillft, weil sie den Führerschein meines Bruder ebenfalls gezahlt haben und das fair mir gegenüber wäre- er war einverstanden. Das ist für ihn jetzt natürlich die ideale Angriffsfläche. Er drängt mich jetzt extrem, dass ich mit ihm telefonieren und mich mit ihm treffen muss, immer erreichbar für ihn sein muss etc. , sonst könnte ich die Zahlung vergessen.
Dann wirft er mir permanent vor, dass ich undankbar sei, ihn für sein Geld ausnutzen würde und was auch immer er sich dann eben ausdenkt, wenn er drauf ist.

Der Kontakt zu ihm belastet mich an sich schon sehr, vor allem weil es ihm gesundheitlich auch nicht mehr blendend geht. Das geht so weit, dass ich mir manchmal schon selbst Vorwürfe mache oder mir einrede, dass meine Kindheit ja gar nicht so mies war.
Jetzt kommt noch die Angst dazu, dass ich auf den Führerscheinkosten hängen bleibe, die ich mit meinem Studiengehalt nicht stemmen kann.

Ich bin etwas aufgeschmissen und weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Bin ich aktuell wirklich „undankbar“? Bin ich ihm den engeren Kontakt „schuldig“?
 
Hat er regelmäßig Unterhalt für dich gezahlt?

Nein, nie.
Meine Mutter wollte damals einfach raus aus allem, hat sich im deutschen System nicht ausgekannt und es dabei beruhen lassen.
Seit wenigen Jahren schickt er ab und an mal kleinere Beträge an meinen Bruder (an mich nicht, weil ich ja keinen Kontakt zu ihm wollte), wenn er mal Hilfe braucht.
 
Hallo @saso22,
erst einmal willkommen im Forum, und es tut mir sehr leid, wie viel Druck und emotionale Belastung du gerade aushalten musst. Was du beschreibst, klingt extrem anstrengend und verletzend und es ist absolut verständlich, dass dich das verunsichert.

Ganz wichtig vorweg: Nein, du bist nicht undankbar. Und nein, du bist deinem Vater keinen engeren Kontakt schuldig.

Das Verhalten deines Vaters folgt leider einem sehr typischen Muster bei Suchterkrankungen: Schuldzuweisungen, emotionale Erpressung, dann wieder Liebesbekundungen, ein ständiges Hin und Her, das dich klein hält und binden soll. Dass du darauf reagierst, indem du Abstand willst, ist kein Egoismus, sondern Selbstschutz.
Auch Geld darf niemals an Bedingungen wie "Du musst mit mir telefonieren", "Du musst mich treffen" oder "Du musst ständig erreichbar sein" geknüpft sein.
Das ist keine Hilfe, sondern Kontrolle.
Dein Vater benutzt die Führerscheinkosten ganz offensichtlich als Druckmittel, um Zugang zu dir zu erzwingen.
Das ist nicht fair, nicht liebevoll und nicht deine Schuld!
Dass du anfängst, deine eigene Kindheit zu relativieren oder dir selbst Vorwürfe zu machen, ist ebenfalls eine sehr typische Folge von emotionalem Missbrauch. Dein Gefühl damals, den Kontakt abbrechen zu müssen, kam nicht aus dem Nichts. Dass du heute wieder zweifelst, heißt nicht, dass du dich irrst, sondern dass du gerade manipuliert wirst.
Du darfst klare Grenzen haben. Du darfst sagen:
– Ich möchte keinen telefonischen oder persönlichen Kontakt.
– Ich möchte nur das absolut Notwendige klären (z. B. sachlich über Geld) oder auch gar nichts mehr.
– Und du darfst dich auch dafür entscheiden, notfalls auf das Geld zu verzichten, wenn der Preis dafür deine psychische Gesundheit ist.
Vielleicht wäre es hilfreich, parallel zu überlegen, ob es andere Möglichkeiten gibt (Ratenzahlung bei der Fahrschule, Unterstützung durch Familie, Studienkredit, Stipendium, Beratung bei der Uni).
Nicht, weil du musst, sondern damit du aus dieser Erpressungssituation herauskommst.
Du bist keine schlechte Tochter.
Du bist eine junge Frau, die versucht, sich zu schützen und ihr Leben aufzubauen.
Das ist legitim.
Pass gut auf dich auf. Deine Grenzen sind berechtigt auch gegenüber einem Elternteil.
Alles Gute für dich
 
Dein Vater und deiner Mutter sind dir gegenüber unterhaltspflichtig. Du könntest den Unterhalt einfordern, sofern er genug verdient.
Oder
Kannst du nebenbei noch jobben, so dass du auf das Geld deines Vaters nicht angewiesen bist?
 
Nein, nie.
Meine Mutter wollte damals einfach raus aus allem, hat sich im deutschen System nicht ausgekannt und es dabei beruhen lassen.
Seit wenigen Jahren schickt er ab und an mal kleinere Beträge an meinen Bruder (an mich nicht, weil ich ja keinen Kontakt zu ihm wollte), wenn er mal Hilfe braucht.
Dann nimm das Geld, aber schenke ihm weiter keine Beachtung.
Er ist dir sehr viel Kohle schuldig.
Bin ich aktuell wirklich „undankbar“?
Nein.
Bin ich ihm den engeren Kontakt „schuldig“?
Nein.
 
Dein Vater und deiner Mutter sind dir gegenüber unterhaltspflichtig. Du könntest den Unterhalt einfordern, sofern er genug verdient.
Oder
Kannst du nebenbei noch jobben, so dass du auf das Geld deines Vaters nicht angewiesen bist?
Ich fände auch beides gut.

Du könntest dich bei einem Anwalt für Familienrecht beraten lassen, da du kein eigenes ausreichendes Einkommen hast, ggf. auf Beratungsschein, inwieweit du Unterhaltszahlungen deines Vaters nachfordern kannst. Das ist kein Geschenk an dich, für das du dankbar sein musst, sondern einfach seine Pflicht.

Und auch nebenbei (noch mehr) jobben zu gehen ist für deine psychische Gesundheit besser, als dich von diesem Menschen weiter erpressen zu lassen.
Du wirst das schaffen und du wirst stolz auf dich sein! Das nennt man Selbstwirksamkeit und man kann es verdammt gut sein ganzes Leben lang gebrauchen.
 
So lange du noch studierst (und vorher keine Ausbildung gemacht hast) ist dein Vater unterhaltspflichtig dir gegenüber.
Das ist gesetzlich so geregelt.
Hat er (und deine Mutter) nicht genügend Verdienst, dann hast du Anspruch auf Bafög.

Nicht du bist undankbar, sondern dein Vater ist es dir gegenüber.
Ein liebender Vater unterstützt seine Kinder gerne und ungefragt.
 
Dein Vater und deiner Mutter sind dir gegenüber unterhaltspflichtig. Du könntest den Unterhalt einfordern, sofern er genug verdient.
Oder
Kannst du nebenbei noch jobben, so dass du auf das Geld deines Vaters nicht angewiesen bist?

Ich würde soo gerne noch einen Nebenjob haben, studiere aber dual und arbeite in der Praxisphase Vollzeit plus Uniaufgaben- damit komme ich auch so schon nah an die Grenzen des Machbaren 🙁
In der Theoriephase bin ich dann wieder für 3 Monate in einer anderen Stadt und das würde, denke ich, kaum ein Arbeitgeber mitmachen (also diesen Wechsel, dass ich 3 Monate da bin, dann wieder weg,…).

Das mit dem Unterhalt schaue ich mir genauer an- danke!
 
Ich fände auch beides gut.

Du könntest dich bei einem Anwalt für Familienrecht beraten lassen, da du kein eigenes ausreichendes Einkommen hast, ggf. auf Beratungsschein, inwieweit du Unterhaltszahlungen deines Vaters nachfordern kannst. Das ist kein Geschenk an dich, für das du dankbar sein musst, sondern einfach seine Pflicht.

Und auch nebenbei (noch mehr) jobben zu gehen ist für deine psychische Gesundheit besser, als dich von diesem Menschen weiter erpressen zu lassen.
Du wirst das schaffen und du wirst stolz auf dich sein! Das nennt man Selbstwirksamkeit und man kann es verdammt gut sein ganzes Leben lang gebrauchen.
Danke! Das schaue ich mir mal genauer an 🙂
Ich fand es schon immer mies, dass meine Mutter mit ihrem kleinen Gehalt für alles sorgen musste, während er mit 3k netto in seiner 600€-Bude sitzt und sich fein raushält.

Jobben kriege ich leider nicht hin, da ich dual studiere und schon Vollzeit arbeite plus Uniaufgaben erledigen muss 🙁
Ich habe vor dem Studium viel gearbeitet und davon die Kaution, Erstausstattung und den Umzug in meine Studentenwohnung alleine gestemmt, alle Studiengebühren alleine gezahlt. Finanziell hatte ich nie Hilfe und musste alles alleine regeln- da bin ich auch irgendwie stolz drauf. Hätte ich damals schon gewusst, dass er dann so anfängt, hätte ich das Geld lieber für den Führerschein zurückgelegt.
 

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