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Umschulung zum Altenpfleger angefangen

G

Gast

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Hallo, seit 4 Wochen befinde ich mich in einer Umschulung zum Altenpfleger.
Diese bekam ich vom Jobcenter.

Ich war mir ziemlich sicher, dass das auch die richtige Umschulung für mich ist.
Nach und nach merke ich, dass ich dem ganzen psychisch nicht gewachsen bin.
Schon die Vorstellung, Ende November ein Praktikum zu absolvieren, macht mir Angst beziehungsweise verunsichert mich sehr stark.
Zu wissen, dass ich Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt begleite, belastet mich.
Erst dachte ich noch, dass stecke ich alles locker weg. Deshalb bekam ich auch die Zusage, dass ich diese Umschulung machen darf.

Letzten im Unterricht haben einige ihre Erfahrungen mit uns geteilt. Als eine erzählte, wie sie jemanden die Hand beim sterben hielt, bin ich raus. Ich kannte die Person nicht, aber mir ging das total nah.

Bevor die Umschulung anfing, habe ich mich damit auseinandergesetzt und war echt überzeugt davon, dass ich damit ganz sicher klarkomme, es zwar ungewohnt sein wird, aber das ich das schaffe. Jetzt bin ich schon durch den Unterricht total mitgenommen. Jeden Tag arbeiten wir Fallbeispiele durch. In der Schule überspiele ich das meistens, aber zu Hause denke ich immer drüber nach. Ich stelle mir vor, wie ich jemanden pflege, vielleicht über mehrere Jahre und dann wird eines Tages der Tag der Tage kommen und die Person stirbt. Ich hab Angst, eine zu emotionale Bindung aufzubauen. Sowas darf man ja nicht.

Das Tempo im Unterricht ist ok und ich komme ganz gut mit.
Nächste Woche müssen wir den ersten Bericht abgeben, wie wir mit der Umschulung zurechtkommen und solche Sachen eben.
Ich hab Angst reinzuschreiben, dass ich mich psychisch überfordert fühle. Dann würden die mir unter Umständen vorwerfen, ich hätte falsche ANgaben gemacht, denn anfangs habe ich gesagt, dass ich psychisch belastbar bin. Dachte ich eigentlich auch.

Ich weiß nicht, was ich machen soll. DIe Umschulung geht 2,5 Jahre.
Könnt ihr mir einen Rat geben?
Danke.
 
Ich hab Angst, eine zu emotionale Bindung aufzubauen. Sowas darf man ja nicht.
Danke.

Na ja, wenn ich jemanden lange Zeit pflege und die Chemie zwischen diesem Menschen und mir einfach stimmt, dann halte ich es für normal, wenn da eine Bindung entsteht. Wenn jedoch die Zeit des Abschieds kommt, dann muss man damit wohl klar kommen.

Ist eine Schulung bzgl. des Umgangs mit diesem Thema nicht Inhalt der Ausbildung?
 
Ich finde es gut, dass du dir Gedanken machst.
Aber in unserem Bereich geht es ja nicht nur ums sterben und leiden! Es geht ja um viel mehr, auch um Spaß, auch im Alter etwas neues Versuchen, um Gesellschaft und Erhaltung der Selbstständigkeit.

Und wenn es Zeit für den Abschied wird, kann und darf es traurig sein, kann aber auch eine Erleichterung und Erlösung sein.

Sterbebegleitung ist sicher ein schwieriges Thema....

Man wächst auch in die ganze Arbeit rein, lernt mit der Zeit Abstand zu halten, lernt, dass manchmal loslassen die bessere Wahl ist.

Gestorben wird immer, aber im n der Altenarbeit kann man es auch würdevoll gestalten. Du kannst ja den Weg der Menschen nicht verhindern, ob du nun dort arbeitest oder nicht. Aber du kannst schöne Stunden gestalten.

Alles Liebe
Johanna
 
Hallo,

Ich denke, du fokussiert dich zu sehr auf die negativen Aspekte.
Es geht ja auch (ganz grob gesagt) darum, dass die älteren Menschen noch eine möglichst tolle Zeit haben.
Auch wenn sie dich durch die Demenz nicht als Person wahrnehmen können, glaube ich doch, dass sich angenehme Gefühle vermitteln lassen und den Menschen ein bisschen Wärme geben.

Mit älteren Menschen ist es schwierig: denn sie machen keine großen Fortschritte, vergleichbar mit Kindern und stagnieren eher oder entwickeln sich etwas langsamer zurück.
Das kann einen echt runter ziehen.

Andererseits hat man auch die Möglichkeit, ein Stück wichtigen Weg, immerhin ist es oft das Ende des Weges, im Leben eines Menschen zu begleiten.
 
Zu wissen, dass ich Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt begleite, belastet mich. (...) Als eine erzählte, wie sie jemanden die Hand beim sterben hielt, bin ich raus. Ich kannte die Person nicht, aber mir ging das total nah. (...) Ich hab Angst, eine zu emotionale Bindung aufzubauen. Sowas darf man ja nicht.
Ich hab Angst reinzuschreiben, dass ich mich psychisch überfordert fühle.

Du arbeitest sehr eng mit Menschen zusammen, da baut man immer eine gewisse Bindung auf. Und man lernt auch, damit umzugehen. Wenn ich mal pflegebedürftig bin, dann WÜNSCHE ich mit Empathie von denjenigen, die sich mit mit beschäftigen. Ich wünsche mir, dass meine Bedürfnisse, Wünsche und auch Ängste gesehen und verstanden werden.

Versuch es auch mal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen: ja, Du begleitest Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt. Du hast da die einmalige Chance, ihnen etwas sehr wertvolles zu geben. Einem Sterbenden die Hand halten ist sicher belastend. Aber dieser (sterbende) Mensch hatte das große Glück, nicht allein zu sein, als er von dieser Welt ging. Er spürte Nähe. Ein größeres Geschenk kann man einem Menschen nicht machen, finde ich. Der Mensch konnte in Frieden gehen und war nicht allein.

Das Auseinandersetzen mit dem Tod macht Angst. Es führt uns auch die eigene Sterblichkeit vor Augen. Ich war vor einigen Jahren auch dazu gezwungen. Ein Mitglied meiner Familie hatte das Glück, die letzten Wochen in einem Hospiz verbringen zu dürfen. Das ist ein ganz wunderbarer Ort, an dem Menschen in Frieden und Würde sterben dürfen. Das hat meine Sicht auf unsere Endlichkeit ziemlich geändert. Sterben müssen wir alle, aber wie tröstlich ist es, auch für die Verwandten, wenn ein Mensch dabei nicht allein gelassen wird. Wenn Menschen sich dann zu demjenigen setzen und seine Hand halten. Ich war der Hospizpflegerin, die bei meiner Verwandten gesessen hat, dafür sehr dankbar.



Ich hab Angst reinzuschreiben, dass ich mich psychisch überfordert fühle.

Schreib nicht ÜBERfordert, sondern GEfordert. Es ist doch verständlich, dass einen diese Themen (Pflegebedürftigkeit und Sterben) an die Grenzen bringen. Darauf muss man sich erstmal einlassen und lernen, damit umzugehen.

Dass es Dich seelisch bewegt, zeigt, dass Du aufgrund Deines Einfühlungsvermögens bestimmt gut und liebevoll mit pflegebedürftigen Menschen umgehen kannst. Da braucht man keinen Eisklotz, sondern Menschen wie Dich. 🙂
 

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