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Trauere seit 10 Jahren, um meine Mutter

G

Gast

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Hallo,

um ehrlich zu sein, weiß ich überhaupt nicht warum ich diesen Eintrag schreibe. Vielleicht steckt da die leiseste Hoffnung, dass mir jemand helfen könnte oder auch das Gleich fühlt.
Ich habe vor 10 Jahren meine Mutter verloren. Plötzlich. Sie starb neben mir. Von einem Moment auf den anderen war sie weg und ich war überfordert mit der Sitaution. Ich konnte ja nicht ahnen, dass sie stirbt. Für mich war klar, dass es ihr schlecht geht und sie gleich mit mir spricht. Vieles von diesem Tag habe ich verdrängt & damit inbegriffen die Prozedur bis zu ihrem Tod. Ich kann mich an einige Momente erinnern, aber wie es im Detail ablief, weiß ich nicht mehr.
Ich war damals 18 und war über die Jahre damit beschäftigt, zu funktionieren.
Ich habe einen schwierigen Bruder, der aggressiv und anstrengend ist und sich zu der Zeit mitten in der Pubertät befand. Nach dem Tod von meiner Mutter, kam er auch ins Gefängnis.
Mein Vater ist sehr liebevoll, aber er war nie ein guter Ehemann. Meine Mutter hat sehr unter den beiden gelitten und hat sehr viel durchgemacht. Iich habe ihn kurz nach den Tod von meiner Mutter gehasst, weil ich beide für den Tod von meiner Mutter verantwortlich gemacht habe, obwohl ich am Ende nur mit ihr war. Also ich und sie waren alleine an dem Tag. Manchmal habe ich das Gefühl, dass meine Mutter sich von all dem Stress befreien wollte. Mein Bruder hat ihr sehr zu schaffen gemacht & sie hat mir immer wieder gesagt, dass die nur mich in ihrem Leben hat & dass ich für sie das Wichtigste bin.
Ich habe nach ihrem Tod studiert, gearbeitet und mich um meine Familie gekümmert(soweit es ging). Manchmal hatte ich das Gefühl ich sei sie, nur in einem anderen Körper, weil sie au h immer viel gearbeitet hat. Sie hatte mir all diese schwierigen Menschen in der Umgebung hinterlassen und ich musste klarkommen und funktionieren.
Nach dem Tod, habe ich immer wider davon geträumt, dass sie wieder zurück kam. Ich hatte immer die Hoffnung, dass die zurückkommt.
Ich denke heute noch (nach 10 Jahren) fast jede Stunde an sie. Mit jedem Schritt begleitet sie mich. Meine Trauer hört auch nicht auf. Ich vermiss sie extrem, weil ich so eine bedienungslose Liebe nie wieder bekam. Mein Vater und ich verstehen uns mittlerweile sehr gut und manchmal ersetzt er sie auch, aber sie war anders.
Es soll nicht den Anschein erwecken, dass ich mein Leben na h ihrem Tod nicht auf die Kette bekommen habe. Ich habe mein Studium abgeschlossenen und ich habe den Eindruck, dass so langsam die Normalität in unserer Familie eingekehrt ist.
Früher habe ich mich oft dabei erwischt Dinge zu machen, wie z.B die Spüle nicht ausleeren, weil es Mama ja eh macht (sie war aber zu der Zeit schon tot). Mittlerweile warte ich nicht mehr so extrem auf sie, aber manchmal erwische ich mich dabei, wie ich wieder Hoffnjng habe, dass sie zurückkommt.
Jeder denkt, dass ich extrem stark bin und alles hinkriege, aber es gibt so oft Momente der tiefen Verzweiflung und Trauer, wie z.B. heute.
Ach ich weiß auch nicht was das sein soll..
Ich schick es trotzdem ab
 
Liebe Gästin,

in weiten Bereichen kann ich Deine Gefühle nachvollziehen. Vor 16 Jahren starb mein Vater. Sonntags morgens noch telefonierten wir miteinander, frotzelten uns gegenseitig. Schon viele Jahre hatten wir ein sehr schönes Verhältnis zueinander.
Am nächsten Morgen wurde er noch wach, fühlte sich unwohl und starb, bevor der Krankenwagen ihn in die Klinik bringen konnte.
Ich habe lange gebraucht, zu realisieren, dass wir nie wieder miteinander reden würden, uns gegenseitig auf den Arm nehmen könnten. Aber die Erinnerung wandelte sich, und aus meinem Schmerz wurde eine fröhliche Erinnerung. Oft denke ich an ihn, und dann fühle ich mich ihm sehr nahe. Dabei überkommt mich nicht selten ein herzliches Schmunzeln angesichts seine hintergründigen Humors, ja auch seiner fröhlichen Schlitzohrigkeit und unserer sehr innigen Vater-Sohn-Beziehung.
Auf diese Weise haben wir uns nie verloren.
Ich wünsche Dir, dass sich die Trauer über den Verlust Deiner Mutter vielleicht auch auf ähnliche Weise für Dich wandeln lässt.

Alles Gute!

Burbacher
 
Liebe Gästin,

auch ich möchte Dir mein Mitgefühl aussprechen. Bei mir ist es noch nicht so lange her, dass ich meinen Partner hab gehen lassen müssen und ein wenig ist mir Angst, wenn ich Deinen Bericht lese, wird denn der Schmerz und die Sehnsucht nie nachlassen? Ich denke, man muss lernen mit dem Kummer zu leben, vielleicht ihn als Teil des eigenen Lebens zu akzeptieren.

Vielleicht gelingt es ja wirklich, diese Leere mit einer Art von schöner Erinnerung zu füllen, aber ganz sicher braucht es viel Zeit und vor allem viel Geduld mit sich selbst. Die Umwelt wird Dir diese Zeit nicht geben, also musst Du sie Dir selbst nehmen. Wäre gut, wenn jemand bei Dir ist, der Deinen Kummer aushält und ihn zulässt, ohne zu urteilen oder zu werten.

Ich wünsche Dir einen solchen Menschen zur Seite und weiterhin viel Mut und Kraft für Deinen weiteren Weg.

Leise Grüße Rosina
 

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