wenn ihr in einem medizinischen beruf arbeitet wie nah darf man dann patienten und den tod an sich ranlassen?
Hallo Gast00,
ich bin als junger Mann in der Rettung gefahren. Solange du transportierst, ist dies dein einziger Lebenszweck. Hinterher kämpfte ich aber oft mit Gott und dem Sinn!
Danach habe ich eine Ausbildung als Krankenpflegehelfer gemacht. Während dieser Ausbildung bekamen wir einen sehr jungen Mann auf die IntentesivStation. Alle wussten, dass auch diese Op nur eine kurze Verlängerung bringen wird. Es war der freundlichste, irgendwie liebenswerteste Patient, den ich kennen lernen durfte. Ich hatte immer den Eindruck, dass eigentlich er der Tröstende ist.
Diese Erfahrung brachte mich zu dem Entschluss, in diesem Beruf nicht zu arbeiten. Ich habe mich der Technik zugewandt und bin hier auch recht erfolgreich geworden.
Allerdings lag dazwischen ein Unfall mit Totalamnesie. Als ich in der Reha negative Sumanden richtig addierte, kam der Wendepunkt. Dieses Schlüsselerlebnis setzte die Lebenskraft wieder in Gang. Einunzwanzig Jahre später kam der zweite, so geartete Vorfall. Von dem habe ich mich bis heute nicht wirklich erholt. Die fachlichen Leistungen sind zwar immer noch überdurchschnittlich, aber die Lebensleistung ist nie wirklich zurück gekommen.
Nach diesen drei Erfahrungen würde ich mir diesen Leitsatz zum Umgang mit Menschen und dem Tod mit auf dem Weg geben:
Hilf, solange Du irgendwie helfen kannst. Freundlichkeit, Hilfe und geteiltes Glück kommen immer zurück. Lass Dich nicht von routinierten Eitelkeiten und fehlendem Idealismus anstecken. Routine ist Technik, der Mensch ist Leben.
Nur pass auf, dass Du nicht ausgenutzt wirst. Gib jedem das Gleiche und dem, der weniger hat mehr.
Das Verhalten der Abgestumpften hat mir in jedem Bereich immer als Negativbeispiel geholfen - so nicht!
Und wenn das Leben erlischt, hat auch das seinen Sinn. Zum einen tut es das sowieso irgendwann. Zum zweiten ist dies oft der leichtere Weg für den Patienten. Verlier aber nie den Respekt. Gib dem Sterbenden das Gefühl, dass er in guter Erinnerung bleibt. Denn die Erinnerung ist das einzige, was er hinterlässt.
Mach weiter Gast00.
Deine Fragestellung zeigt, dass Du auf dem richtigen Weg
bist. Nur etwas Stärke fehlt Dir noch, aber die kommt und wird von Deinen Idealismus gestärkt.
Übrigens ist mein ältester Sohn (26) Krankenpfleger in der Chirurgischen Ambulanz und er und seine Freundin machen es sehr gern. Auch da wird mal gescherzt, aber das bezieht sich immer auf die Situation, nie auf den Menschen.
Ich wünsch Dir eine gute Zeit.