Ich danke euch für eure Antworten.
Insbesondere Tuesday und Diaries (Tyra - deine Antworten sind grundsätzlich und zu jeder Frage immer sorgfältig und konstruktiv) - was man ja mit einer Fragestellung in einem solchen Forum sucht, ist sicherlich meist zu einem grossen Teil mal verstanden zu werden und dass ihr euch hier "offenbart" habt, war für mich sehr hilfreich.
Ich denke, eine sehr starke Ursache für meine masochistische Neigung ist jene, dass ich im Grunde genommen keine Verantwortung übernehmen möchte für meine "Perversität", auch nur meine Sexualität.
Und wenn ich sozusagen einfach die Verantwortung abgebe und das mache, was der Mann will - oder er es sich einfach nimmt, dann bin ich sozusagen nicht "Schuld" an meiner Perversität.
Denn ja - ich fühle mich abnormal, ich finde mich in gewisser Weise auch krank.
In meinem Kopf bestehen zu einem Teil weit so Vorstellungen, Überzeugungen, wie eine "anständige" Frau zu sein hat und wie sie ihre Sexualität zu handhaben hat: Eine anständige Frau hat keusch zu sein, sie soll eigentlich überhaupt keinen sexuellen Trieb haben - und falls sie diesen doch hat, so soll sie ihn definitiv unter Verschluss halten, sich darum bemühen, diesen zu kontrollieren.
Eine anständige Frau sollte eigentlich gänzlich asexuell sein, sie hat, wenn dann überhaupt, nur völlig "harmlosen" Sex und schon wenn sie ihrem festen Lebenspartner in den eigenen vier Wänden einen bläst, ist das eigentlich "fragwürdig".
Wenn ich mich selber so lese, kann ich im Grunde genommen kaum fassen, was ich da rauslasse und frage mich, woher diese Vorstellungen kommen - ich bin gegen aussen hin sehr aufgeschlossen, rede auch gerne und ohne Hemmungen über Sex und ich wurde von meinen Eltern sehr liberal und offen erzogen, früh aufgeklärt.
Aber schon wenn ich den Penis eines Mannes anfassen soll, überfordert mich das eigentlich und ich komme mir fast augenblicklich pervers vor.
Cunnilingus verabscheue ich fast schon, es löst beinahe eine Art Aggression in mir aus, wenn ein Mann dies tut.
Ich war sechs Jahre alt, als ich einen sexuellen Übergriff erlebt habe.
Er war ein Jugendlicher, selber noch ein halbes Kind, vielleicht vierzehn Jahre alt.
Er hat sich mit meiner Hand befriedigt und danach versucht, den Geschlechtsakt zu vollziehen - was ihm letztendlich nicht gelang.
Als ich nach Hause lief, mit schmutzigen Kleidern und voll von grosser Angst, was ich meiner Mutter sagen sollte wegen meinem verspäteten nach Hause kommen, manifestierte sich in meinem Kopf diese Gedanken: Du weisst, weshalb er das mit dir gemacht hat. Warum er gerade dich gefragt hat, ob du mit ihm spielen willst. Weil er es gesehen hat, weil er gewusst hat, dass du böse bist, dass du schmutzig bist. Verdorben. Er hat es gewusst, das war der Grund.
Ich sagte meiner Mutter nichts.
Zum einen hatte er mir gedroht, dass er, falls ich irgendjemandem etwas erzähle "immer wieder komme und es noch viel schlimmer mache, mir noch viel mehr weh tue" - und zum anderen, weil ich wie erwähnt glaubte, das Ganze sei eben doch meine Schuld gewesen. Ich hätte etwas Böses getan - und ich hätte ja auch mitgemacht bei dem Ganzen. Ich hatte mich nicht gewehrt, ich glaube, auch nicht geweint - ich war wie erstarrt aus Angst und Scham.
Ich hab währenddessen immer wieder gedacht: Warum sagst DU nicht, dass du es allen erzählen wirst, wenn er nicht aufhört?
Aber ich sagte nichts.
Ich habe mich im Stich gelassen.
Von diesem Zeitpunkt an spaltete sich ein Teil meines Inneren ab - der "böse" Teil.
Eine Seite voller Dunkel, Chaos, Verwirrung, Wut.
Ich wurde ein sehr verstörtes Kind, ich verdrängte das Erlebte gänzlich und die Erinnerung kam erst zurück, als ich Dreizehn war und mich das erste Mal ein Junge berührte, bzw. wohl eher bedrängte.
Ich entwickelte eine überdurchschnittlich starkes Interesse an Sex, ich war ein frühreifes Kind, ich kann mich erinnern, dass ich teilweise fast zwanghaft masturbierte - und dabei fast ausnahmslos Fantasien hatte von Schmerz, seltsamerweise von Würmern, die gequält und aufgespiesst wurden.
Ach Gott, ist das krank.
Später war es dann so, vor allem auch nach der Vergewaltigung, als ich Achtzehn war, dass ich einen regelrechten Hass auf Männer entwickelte, die "schwach" und "erbärmlich" wirkten.
Dies vielleicht schon auch aus dem Grund, weil mein V*** im Grunde genommen so durch und durch erbärmlich war.
Und dies im Nachhinein einen riesigen Hass in mir drinnen erzeugt hat, dass jemand, der so viel "dümmer" ist als ich, so viel ungebildeter, ein asozialer Komplett-Versager einfach nur durch seine körperliche Überlegenheit die Möglichkeit hatte, mir dies anzutun.
Es ist halt extrem schwierig, mit diesem Hass umzugehen, diesem Selbsthass, bestehend aus dem Gefühl, sich dem V*** letztendlich dann doch "unterworfen" zu haben.
Ich weiss nicht, ob es Frauen gibt, die sich wirklich wehren bis zum Schluss des Ganzen - aber bei mir kam dann einfach irgendwann der Punkt, wo ich halt aufgegeben habe, wo ich einfach nicht mehr konnte, keine Kraft mehr hatte, keine Schläge mehr wollte, meinen Kopf nicht mehr ins Kissen gedrückt kriegen wollte und dabei glauben zu müssen, ich ersticke jetzt, nicht noch mehr Schmerzen, weil ich mich "unten" versucht habe zu verwehren.
Vielleicht war es die richtige Entscheidung - ich denke, er hätte so lange nicht aufgehört, bis er das, was er wollte, halt gekriegt hat.
Aber da bleiben diese Zweifel, diese Schuldgefühle: Du hättest nicht aufgeben dürfen, du hättest dich einfach NOCH MEHR wehren müssen, VIELLEICHT hätte er ja doch aufgehört.
Dieses: "Ich würde lieber sterben, als mich vergewaltigen zu lassen!"
Jedenfalls ist es doch eigentlich seltsam, dass ich mich jetzt eben genau nach Männern sehne, oder von ihnen sexuell angezogen werde, die irgendwie eine sehr dominante, aggressive Ausstrahlung haben - es müsste doch eher so sein, dass ich nach dem Erlebten nach ganz "weichen", "sensiblen" Männern suche.
Mein langjähriger Partner ist ein durch und durch rücksichtsvoller, zärtlicher, einfühlsamer Liebhaber - frei von jeder Dominanz oder gar Aggressivität.
Der Sex mit ihm ist schön und nicht unbefriedigend - doch die Fantasien bleiben.
Dass ich sie jemals mit ihm ausleben könnte, ist ausgeschlossen.
Ich habe mehrmals den Versuch gemacht, das Gespräch in diese Richtung zu lenken... Und jedes Mal schnell abgebrochen.
Er findet das alles "krank" und völlig primitiv und ich habe dann jedes Mal solche Angst, dass er von mir denkt ich sei völlig abnormal, dass ich aufhöre.
Er ist der einzige Mensch, der vollumfassend Bescheid weiss über meine Geschichte.
Es hat sehr lange gedauert, bis wir überhaupt "normal" miteinander schlafen konnten, ohne, dass ich mich dabei völlig verkrampft habe, Schmerzen hatte.
Und somit ist es eigentlich auch logisch, dass er das gar nicht "kann" - er kann mir nicht weh tun, er hat sich immer so sehr bemüht, mir nach all dem Erlebtem eben keinesfalls irgendwie aggressiv gegenüber zu treten, er würde mich noch nicht mal anschreien, mich auch niemals beschimpfen oder so.
Das allein ist dann ja also schon das andere grosse Problem: Ich lebe in einer festen Beziehung und habe einen Partner, der mich über alles liebt, umsorgt, auf mich eingeht - und das soll ich alles über den Haufen werfen, nur um mal meine - "kranken", oder allenfalls schädlichen - Fantasien auszuleben?
Natürlich kann ich irgendwie "so" leben - halt einfach mit diesen Fantasien im Kopf, die ich vielleicht mal bei der Selbstbefriedigung auslebe, oder wenn ich mit meinem Freund schlafe, mir halt gewisse Dinge vorstelle.
Aber gleichzeitig leide ich darunter, diesen Teil meines Ichs ständig so unterdrücken zu müssen - und es ist wie eine Art gestauter Energie, Energie, die sozusagen in die falsche Richtung läuft, mich blockiert, behindert und wo ich denke, dass sie, in der richtigen Weise frei gesetzt, eben auch sehr positiv und konstruktiv sein könnte!
Aber zum einen kann ich mir das halt einfach so überhaupt nicht vorstellen, dass es wirklich solche "Doms" gibt, die einem dann auch wirklich auffangen, schauen, dass sie einem nicht wirklich verletzen und sorgfältig mit einem umgehen - und zum anderen habe ich einfach solche Angst, dass ich mich dann vielleicht auf so etwas einlassen würde und dass ich, wenn ich dann dabei Lust empfinden würde, mich im Nachhinein eben abgrundtief dafür hassen und verachten würde!
Ich habe schon einige Mal in solche BDSM Foren geschaut... Und mich auch schon über diesen Stammtisch informiert...
Aber um da wirklich hinzugehen - auch noch alleine - fehlt mir letztendlich dann doch der Mut...
Therapien hab ich viele gemacht, keine davon war erfolgreich, leider eher im Gegenteil.
Dennoch habe ich mir nun einen Ruck gegeben und suche zurzeit wieder nach Jemandem, mit dem ich allenfalls doch zumindest mal einen Teil meiner Schwierigkeiten besprechen könnte - vor allem gerade im Bezug auf die erlebte sexuelle Gewalt.
Vielleicht würde sich durch die wirkliche Aufarbeitung des Traumas ja auch schon viel verändern, diese Fantasien auch weniger selbstzerstörerisch werden.
Denn jetzt hat es meines Empfindens nach schon auch sehr viel damit zu tun: Es ist wie eine Art Selbstverletzung, ich will, dass man mir weh tut, ich will, dass man mich bestraft.
Und falls sie danach dennoch weiterhin vorhanden wären, könnte ich wohl die Entscheidung, sie allenfalls doch einmal auszuleben, zumindest irgendwie "leichter", unbelasteter, angehen...