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Gast
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Hallo, ich möchte hier meine Geschichte aufschreiben. Ich glaube, danach wird es mir besser gehen und vielleicht helfe ich mit diesem Beitrag anderen Betroffenen. Ich bin hier registriert, möchte aber anonym bleiben.
Letzte Woche bin ich innerlich zusammengebrochen. Kurz bevor ich zur Arbeit fahren musste streikte ich. Meine Mutter verstand mich nicht. Wie könnte sie es auch? Ich brach nicht zusammen indem ich weinte oder sprach, nein, ich brüllte und schrie und schrie. "Ich muss doch nur noch funktionieren! Keiner interessiert sich für mich! Ich muss immer nur funktionieren!" Dann erst weinte ich. Und dann erst nahm mich meine Mutter ernst. Oh, das ist nicht immer so. Ernst genommen fühle ich mich eigentlich nie. Nicht von meinem Mann, der mich fast ein Jahr unterdrückte, nicht von meiner Mutter, die mich fesselt, nicht von meinem Vater, der mir das brüllen beigebracht hat, nicht vom Psychologen, der mich in Gesprächen ständig unterbrach, nicht von den Arbeitskollegen, für die ich die Kleine bin, nicht von der Verwandschaft, die sich ungestraft über mich lustig macht. Später fuhr ich zu meinem Hausarzt weil ich krankgeschrieben werden wollte. Ich tischte ihm auf das ich Magen-Darm-Probleme habe. Er untersuchte mich und stellte tatsächlich eine Magenschleimhautentzündung fest. Dann sah er ich ernst an, setzte sich neben die Liege, auf der ich lag und fragte mich ob ich viel Stress habe. Er nahm sich Zeit und ich fühlte das er mich ernst nimmt. Ganz gegen meine Gewohnheit erzählte ich ihm von meinen Problemen, von meinem Drang zum Perfektionismus, von dem Gefühl nur eine Marionette zu sein. Er hörte zu. Nahm jedes Wort in sich auf. Es tat sehr gut. Er schrieb mich eine Woche krank und gab mir ein Psychopharmaka, damit ich erst einmal vor mir selbst und meinen ständigen Gedanken verschont bleibe. Zuhause angekommen legte ich meiner Mutter dieses Medikament hin und fragte sie ob sie nun endlich begreift das sie ein Teil dessen ist was mich kaputt macht. Nun erkannte ich in ihrem Blick das sie mich nun endlich verstand. Es tat ihr Leid. Ich nahm ihre Entschuldigung für die ganzen Jahre an. Meiner besten Freundin erzählte ich ungeschminkt die ganze Wahrheit. Sie war erschüttert, aber stolz darauf das ich mit ihr darüber sprach und half mir mit Worten so gut es ging. Ich machte einen neuen Termin seit langem bei meinem Therapeuten. Er erinnerte sich an mich, sofort als er meinen Namen hörte. Nun, da ich endlich Verantworung abgegeben hatte fühlte ich mich befreit. Meinem Mann gegenüber fühlte ich plötzlich unerträgliche Wut, rief ihn an und gestatte es mir wütend zu sein. Und diesesmal schmetterte ich ihm die Wahrheit entgegen, lies mich nicht abspeisen. Wieder fühlte ich mich unheimlich befreit. Er weinte fast. Und entschuldigte sich aufrichtig. Ich fühlte mich besser. Und gestern Abend, als ich im Bett lag spürte ich zum ersten Mal bewusst wie verzweifelt ich bin. Erfüllt mit Selbstzweifen. Ich weinte. Und fühlte mich besser. Es ist jetzt nicht mehr meine eigene Verantwortung. Ich teile sie mit dem Therapeuten. In mir formten sich Wünsche. Ich wollte mir die Haare schneiden, Gras rauchen, die Wohnung neu gestalten, Urlaub machen, schwarze Musik hören und anderes. Zum ersten Mal erkannte ich mich selbst, erkannte was ich wollte und nicht andere für mich. Jahrelang lief ich vor mir weg, jetzt laufe ich auf mich zu. Probiere mich aus, horche, was ich will. Erkannte was hinter meinen Tagträumen steht, eine Flucht vor der kalten Realität. Die Erkenntnis ich selbst zu sein ist schön. Wisst ihr eigentlich wie sinnlich es ist eine Treppe hochzugehen wenn man sich selbst spürt? Die Muskeln, die Gelenke, der Atem, die Fliesen unter den Füßen.
Der Weg dahin war lang und ist noch lange nicht zuende. Heilung kann man nicht erzwingen. Erkenntnis auch nicht.
Letzte Woche bin ich innerlich zusammengebrochen. Kurz bevor ich zur Arbeit fahren musste streikte ich. Meine Mutter verstand mich nicht. Wie könnte sie es auch? Ich brach nicht zusammen indem ich weinte oder sprach, nein, ich brüllte und schrie und schrie. "Ich muss doch nur noch funktionieren! Keiner interessiert sich für mich! Ich muss immer nur funktionieren!" Dann erst weinte ich. Und dann erst nahm mich meine Mutter ernst. Oh, das ist nicht immer so. Ernst genommen fühle ich mich eigentlich nie. Nicht von meinem Mann, der mich fast ein Jahr unterdrückte, nicht von meiner Mutter, die mich fesselt, nicht von meinem Vater, der mir das brüllen beigebracht hat, nicht vom Psychologen, der mich in Gesprächen ständig unterbrach, nicht von den Arbeitskollegen, für die ich die Kleine bin, nicht von der Verwandschaft, die sich ungestraft über mich lustig macht. Später fuhr ich zu meinem Hausarzt weil ich krankgeschrieben werden wollte. Ich tischte ihm auf das ich Magen-Darm-Probleme habe. Er untersuchte mich und stellte tatsächlich eine Magenschleimhautentzündung fest. Dann sah er ich ernst an, setzte sich neben die Liege, auf der ich lag und fragte mich ob ich viel Stress habe. Er nahm sich Zeit und ich fühlte das er mich ernst nimmt. Ganz gegen meine Gewohnheit erzählte ich ihm von meinen Problemen, von meinem Drang zum Perfektionismus, von dem Gefühl nur eine Marionette zu sein. Er hörte zu. Nahm jedes Wort in sich auf. Es tat sehr gut. Er schrieb mich eine Woche krank und gab mir ein Psychopharmaka, damit ich erst einmal vor mir selbst und meinen ständigen Gedanken verschont bleibe. Zuhause angekommen legte ich meiner Mutter dieses Medikament hin und fragte sie ob sie nun endlich begreift das sie ein Teil dessen ist was mich kaputt macht. Nun erkannte ich in ihrem Blick das sie mich nun endlich verstand. Es tat ihr Leid. Ich nahm ihre Entschuldigung für die ganzen Jahre an. Meiner besten Freundin erzählte ich ungeschminkt die ganze Wahrheit. Sie war erschüttert, aber stolz darauf das ich mit ihr darüber sprach und half mir mit Worten so gut es ging. Ich machte einen neuen Termin seit langem bei meinem Therapeuten. Er erinnerte sich an mich, sofort als er meinen Namen hörte. Nun, da ich endlich Verantworung abgegeben hatte fühlte ich mich befreit. Meinem Mann gegenüber fühlte ich plötzlich unerträgliche Wut, rief ihn an und gestatte es mir wütend zu sein. Und diesesmal schmetterte ich ihm die Wahrheit entgegen, lies mich nicht abspeisen. Wieder fühlte ich mich unheimlich befreit. Er weinte fast. Und entschuldigte sich aufrichtig. Ich fühlte mich besser. Und gestern Abend, als ich im Bett lag spürte ich zum ersten Mal bewusst wie verzweifelt ich bin. Erfüllt mit Selbstzweifen. Ich weinte. Und fühlte mich besser. Es ist jetzt nicht mehr meine eigene Verantwortung. Ich teile sie mit dem Therapeuten. In mir formten sich Wünsche. Ich wollte mir die Haare schneiden, Gras rauchen, die Wohnung neu gestalten, Urlaub machen, schwarze Musik hören und anderes. Zum ersten Mal erkannte ich mich selbst, erkannte was ich wollte und nicht andere für mich. Jahrelang lief ich vor mir weg, jetzt laufe ich auf mich zu. Probiere mich aus, horche, was ich will. Erkannte was hinter meinen Tagträumen steht, eine Flucht vor der kalten Realität. Die Erkenntnis ich selbst zu sein ist schön. Wisst ihr eigentlich wie sinnlich es ist eine Treppe hochzugehen wenn man sich selbst spürt? Die Muskeln, die Gelenke, der Atem, die Fliesen unter den Füßen.
Der Weg dahin war lang und ist noch lange nicht zuende. Heilung kann man nicht erzwingen. Erkenntnis auch nicht.