Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Selbstverletzendes Verhalten

  • Starter*in Starter*in Cassiopeia
  • Datum Start Datum Start
C

Cassiopeia

Gast
Ich habe einen sehr sehr guten Freund (24), der mit mir über fast alles redet und mir eine Menge anvertraut. Ich wusste schon länger, dass er einmal wöchtenlich zur Therapie geht und mit der Zeit kommt immer ein bißchen mehr dazu, was er mir so erzählt.
Mittlerweile weiß ich, dass er sich selbst schneidet, wenn er sehr traurig ist. Ihm ist das schrecklich unangenehm und wüsste ich das nicht, hätte ich das nie gedacht. Er wirkt so stark und unverletzbar, so lässig und selbstbewusst. Er hat nette Eltern, ist erfolgreich und attraktiv.
Wir reden wirklich viel und ich bin natürlich so gut ich kann immer für ihn da, aber ich möchte nichts falsch machen.
Was sind die Dinge, die wirklich helfen? Was kann ich sonst tun?
Oder was genau geht jemandem in so einem Moment durch den Kopf? Wer kennt sich aus?
Ich weiß, was die typischen "Betroffenen" sind, welche Persönlichkeitsmerkmale charakteristisch sind, habe mich durch die verschiedensten Internetseiten und Fachzeitschriften, etc gewühlt, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, was dazu anreizt, was ihn dazu verleitet.
Ich möchte einfach besser verstehen können, was in ihm vorgeht...

Vielen Dank!
 
A

Anzeige

Re: Selbstverletzendes Verhalten
Ich glaube, indem Du für Ihn jemand bist dem er Vertrauen kann,
kannst Du ihm schon sehr helfen.

Geht nur mir so, dass Ich es wichtig finde in dieser teil feindlichen
Welt jemanden zu haben dem ich vertrauen kann. 🙂

Gruesse aus Nuernberg,

Dave 🙂

Cassiopeia meinte:
Ich habe einen sehr sehr guten Freund (24), der mit mir über fast alles redet und mir eine Menge anvertraut. Ich wusste schon länger, dass er einmal wöchtenlich zur Therapie geht und mit der Zeit kommt immer ein bißchen mehr dazu, was er mir so erzählt.
Mittlerweile weiß ich, dass er sich selbst schneidet, wenn er sehr traurig ist. Ihm ist das schrecklich unangenehm und wüsste ich das nicht, hätte ich das nie gedacht. Er wirkt so stark und unverletzbar, so lässig und selbstbewusst. Er hat nette Eltern, ist erfolgreich und attraktiv.
Wir reden wirklich viel und ich bin natürlich so gut ich kann immer für ihn da, aber ich möchte nichts falsch machen.
Was sind die Dinge, die wirklich helfen? Was kann ich sonst tun?
Oder was genau geht jemandem in so einem Moment durch den Kopf? Wer kennt sich aus?
Ich weiß, was die typischen "Betroffenen" sind, welche Persönlichkeitsmerkmale charakteristisch sind, habe mich durch die verschiedensten Internetseiten und Fachzeitschriften, etc gewühlt, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, was dazu anreizt, was ihn dazu verleitet.
Ich möchte einfach besser verstehen können, was in ihm vorgeht...

Vielen Dank!
 
Hallo Cassiopeia,

das ist nicht so einfach solch ein Verhalten zu verstehen.Was in seinem Kopf vorgeht kann ich Dir leider nicht sagen da es bei jedem einen anderen Auslöser dafür gibt.Wie Du schon sagtest,schneidet er sich imer wenn er traurig ist.Vielleicht versuchst Du mal,den Grund seiner Traurigkeit zu finden.Bei vielen(so wie auch bei mir) dient es einfach zur Beruhigung.Wenn ich zum Beispiel wieder einen ziemlich heftigen Alptraum über meine Vergewaltigung habe,komme ich meist ohne SVV nicht aus.Bei mir geht es so lange,bis der Schmerz einsetzt(Ablenkung,Beruhigung) erst dann höre ich auf.Also wenn er Dir nicht selbst davon erzählt,warum er das macht,dann kannst Du eigentlich nur abwarten oder auf einen Zufall hoffen.

Das Du es nie gedacht hättest,weil er so stark und unverletzbar wirkt, so lässig und selbstbewusst weil er nette Eltern hat, erfolgreich und attraktiv ist,kann ich mir schon gut vorstellen.Denn ich denke mal,wie für alle Betroffenen,zählt auch für ihm,die Fassade aufrechterhalten.Denn das ist für alle ziemlich unangenehm.

Na ja,was soll ich noch groß erzählen.Ich finde es übrigens "KLASSE",dass Du Dich so angagierst für Deinen Freund.Weiter so,denn solche Freunde braucht er.Die sind wichtig.

Ich wünsche Dir viel Glück und alles alles Gute für Deinen Freund.

Liebe Grüße Bianca.
 
Erstmal vielen Dank euch beiden für eure Antworten, besonders dir, Bianca, dafür, dass Du so offen bist. Vielen Dank für die Unterstützung!
Was es bei ihm auslöst, kann wohl nur er mir sagen, das stimmt.
Aber um ihn besser zu verstehen, würde ich mich für weitere Meinungen, Ratschläge, Erfahrungen und Erzählungen dankbar.

Ich bin weiterhin immer für ihn da! Aber was mach ich denn, wenn ich nicht in seiner Nähe sein kann? Wenn ich nicht mal schnell rüberfahren kann, um ihn zu trösten!? Ich hab ein bißchen Angst, ihn allein zu lassen, was ich Ende des Jahres leider für eine Weile muss.

Vielleicht ist das jetzt zu direkt, aber ist der Sprung von sich schneiden zu schlimmeren Verletzungen groß? Wie wahrscheinlich ist es, dass er sich absichtlich lebensgefährlich verletzt? Sind Gedanken an Selbstmord in solchen Situationen typisch? Oder hat das alles damit nichts zu tun? Ich habe einfach Angst davor! Bin da ein bißchen übervorsichtig, weil ich nie vergessen werde, wie meine Schwester auf der Intensivstation lag. Ich trau mich nicht, ihn zu fragen, weil ich diese Sache wohl selbst noch nicht richtig verarbeitet habe.

Vielen Dank fürs Zuhören!
 
Hallo Cassiopeia,

mmh,der Sprung von sich schneiden zu größeren Verletzungen..?Also von den Leuten, die ich kenne,besteht die Gefahr nicht.Aber das muss ja nichts heißen.Wie gesagt,wir wissen bzw.kennen ja seinen Grund nicht.Und dann ist es schon schwierig, sich da einen Eindruck von zu machen.Und ob Gedanken an Selbstmord typisch sind,kann ich eigentlich nur verneinen.Aber was weiß ich schon.Ich kann da ja nur aus den Bekanntenkreis usw.berichten.Hast Du mal darauf geachtet,was für Wunden er sich zuführt?Ich meine,sind es "nur"Oberflächenverletzungen oder doch schon tiefere Wunden die evtl.sogar vom Arzt behandelt werden müssen?Das wäre auch noch eine wichtige Beobachtung.

Kannst ja mal darauf achten und hier berichten.Das Du Angst hast ihn allein zu lassen,kann ich gut verstehen.Meinem Freund ging es ähnlich.Aber es hilft ja nichts.Das muss er schaffen und Du auch.Was werden wird,wird man sehen.Und übervorsichtig zu sein,macht Dich nur noch mehr fertig & nervös.

Ich wünsche Dir alles Liebe.Würde ja noch gerne weiterschreiben aber ich muss jetzt los. 🙂 Bis dann...

Liebe Grüße Bianca.
 
Nun, SVV kann verschiedene Gründe haben. Einerseits schneiden sich Menschen die sich selbst hassen, dann gibt es welche die den seelischen Schmerz damit kompensieren wollen dass sie ihn nach aussen tragen und einige brauchen dies auch als Fixpunkt um etwas Reelles zu besitzen. Letzteres kann dann daraus entspringen das sie in einer konfusen Zeit der Trauer, des Hasses oder vielleicht auch Verzweiflung eine Art Ohnmacht verspüren aus der sie das SVV teilweise zurückholen kann da sie somit eine gewisse Kontrolle über ihre Gefühle zurückerlangen.

Mein Therapeut sagte mir dass es auch sein kann dass man in so einer Ohnmachtszeit sich selbst verletzt um überhaupt noch irgend etwas zu spüren.

Du siehst also, SVV ist eher eine Art der psychischen Verarbeitung als jetzt ein konkreter Versuch seinem Leben zus schaden. In Zeiten großer Trauer gehen Selbstmordgedanken damit sicher Hand in Hand aber der Ursprung ist ja das Gefühl an sich als Ursprung und nicht das SVV von dem du ja ausgehst dass es eine Brücke zu endgültigeren Handlungen sein könnte.
 
Hallo Cassiopeia,

ich kenne zwar SVV weder von mir selbst, noch habe ich im Real Life Bekanntschaft damit gemacht, aber ich verstehe dieses Verhalten als eine Art Sucht. Ein Auszug aus der Wikipedia zum Stichwort "Sucht":
Sucht bezeichnet das unabweisbare Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. [*]

Von daher kann man selbstverletzendes Verhalten so verstehen, dass es für den Betroffene eine Möglichkeit ist, sich von unangenehmen Gefühlen zu befreien. Wenn dein Freund also traurig ist, weiß er zwar, dass die Selbstverletzung schädlich ist; er weiß aber auch, dass er sich danach besser fühlen wird... Meistens geht dann das psychische dem physischen Wohlbefinden vor.
Was sind die Dinge, die wirklich helfen? Was kann ich sonst tun?
Oder was genau geht jemandem in so einem Moment durch den Kopf? Wer kennt sich aus?
Ich gehe wieder von einer Suchterkrankung aus: Falsch wäre wohl alles, was in Richtung Co-Abhängigkeit geht. Also ihm seine Aufgaben und Probleme "abnehmen" zu wollen, sein Verhalten vor Dritten zu verstecken helfen usw. Hilfreich wäre dafür, ihm Alternativen zur Konfliktbewältigung anzubieten. Vielleicht hilft es ihm schon, wenn er in einer Krise mit dir reden kann? Dazu musst du ja nicht ständig bei ihm sein...wenn du telefonisch erreichbar bist, müsste das auch reichen. Oft hilft es nämlich schon, wenn man jemanden seine Sorgen mitteilen kann und man von dem Zuhörer ernst genommen wird. Das könntest du ihm anbieten.

Viele Grüße,
Jens

--

[*] http://de.wikipedia.org/wiki/Sucht
 
Hallo nochmal und vielen Dank für eure Antworten. Ich arbeite immer mehr am Verstehen.
Seine Verletzungen mussten bisher nicht von einem Arzt behandelt werden, es ist also alles eher oberflächlich.
Er sagt, wenn er sowas macht, ist er nachher weniger traurig. Es baut sich ein großer Druck auf und den lässt er so ab. Ich habe ein bißchen weniger Angst vor Selbstmordgedanken. Trotzdem ist es schwierig. Häufig fasst er Dinge völlig anders auf, als irgend jemand sie gemeint hat. Er sieht überall das Negativste und ich weiß nicht, wie ich ihm die andere Sichtweise erklären oder irgendwie glaubhaft machen kann. Er reagiert manchmal ein bißchen über und redet sich ein, dass alles immer nur ihm passiert.
Naja, wir reden weiterhin viel und er versteckt auch seine Schnitte nicht vor mir. Die ganze restliche Welt ist so ignorant, dass es eigentlich niemand mitbekommt, obwohl er nicht extrem versteckt. Er geht zum Training,...
Ich nehme ihm auch nicht seine Aufgaben ab oder ähnliches; wie am Anfang gesagt, wirkt er bewundernswert stark. Er schafft immer alles ohne Probleme, nur wenn es mal so richtig um ihn geht, wird er still. Niemand bekommt etwas mit, außer mir.
Dass es ein bißchen wie eine Sucht ist, kann ich mir auch gut vorstellen. In letzter Zeit ist es schlimmer geworden, seine Angst und sein traurig-sein mehr und damit die Schnitte größer. Ich würde so gern mehr tun können.
Vielen Dank fürs Zuhören und Gedanken-machen!

Eure Cassiopeia
 
Hast du mal mit deinem Freund darüber geredet, ob er damit auch aufhören will (Sry, aber ich hab nicht alle Antworten gelesen -> Zeitmangel)?
Wenn ja, dann soll er mal Skills ausprobieren. Manchmal helfen sie.

Ich kenen auch noch ne gute Page, die sich fast nur auf SVV spezialisiert hat.
www.rotetraenen.de
Will keine Werbung machen, oder so, aber die Seite ist echt gut. Die hat mir auch geholfen!
 

Anzeige (6)

Thema gelesen (Total: 0) Details

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben