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Selbständig, sehr viele Aufträge angenommen und keine Energie mehr

Flomaus

Neues Mitglied
Guten Tag,
ich habe folgendes Problem.

Ich bin selbständig tätig und fertige für Kunden spezielle Dinge an die nur für den Kunden gemacht sind. Ich möchte nicht genau sagen um was es geht, da ich anonym bleiben möchte.

Ich bin vor 6 Monate in eine finanzielle Notlage geraten, weil ich da unverschuldet rein gerutscht bin. Es war ein Fehler von anderen. Diese Schulden haben sich zum Glück wieder in Luft aufgelöst. Es hat sich alles zum positiven gewendet weil es wie gesagt der Fehler von anderen war.

In dieser Zeit habe ich wirklich jeden Auftrag angenommen, aus Angst plötzlich mit 0 EUR da zustehen. Meine Kunden bezahlen immer in Vorkasse und treten quasi in Vorleistung. Und danach fertige ich Ihnen das Produkt. Das funktioniert seit 2012 so. Meine Auftragslage ist immer sehr gut.

Nur jetzt bin ich in einer Art Zwickmühle. Ich habe so viele Aufträge angenommen aus Angst nichts mehr bezahlen zu können. Ich bin schließlich noch Mama und auch noch alleinerziehend.

In diesem letzten halben Jahr hatte ich solchen extremen Stress mit den Finanzen, mit meinem Ex, meine Tochter dauernd krank und zuletzt noch der Hund totkrank. Musste ihn leider letzte Woche einschläfern. Und dann ständig diese Kosten auf einmal überall. Das hat mich alles so furchtbar mitgenommen, dass ich nur noch im Bett liegen will und nix mehr tun mag. Meine Arbeit macht mir Spaß, aber es ist seit den 6 Monate immer so eine Qual überhaupt etwas anzufangen. Weil ich einfach nur noch müde und kaputt bin und nicht mal zur Ruhe komme.

Ich fühle mich von der Masse an Aufträgen komplett überfordert. Viele Kunden warten seit Monaten darauf dass ich ihr Produkt fertigstelle. Ich fühle mich schrecklich nur noch. Viele Kunden drohen schon mit Anzeige und Anwalt. Ich erzähle den Kunden von meiner Situation und die meisten verstehen es und sind geduldig. Aber manche Kunden nerven jeden Tag wie lange es noch dauert. Das verursacht noch mehr Stress.

Ich kann den Kunden aber das Geld nicht zurück geben, da ich es nicht habe. Das Geld wurde schon aufgewendet, für Krankenkassenbeiträge und anderes. Ich lebe komplett von diesen Einnahmen.
Andere Leute um Hilfe bitten geht leider auch nicht, weil die Kunden meine Leistung ja bezahlen und nur ich das Produkt anfertigen kann.

Keine Aufträge annehmen funktioniert ja auch nicht, weil ich brauche ja auch Geld zum leben und für mein Kind. Preise erhöhen ist auch doof, weil die Leute finden jetzt schon dass es viel Geld kostet.

Ich hab einfach keine Ahnung wie ich aus der Situation raus kommen soll? Ich bin froh dass ich meine Selbständigkeit habe und auch aufbauen konnte. Nur dieser ganze Stress der letzten Monate und diese Masse an Aufträgen dadurch aktuell überfordert mich so dass ich nichts mehr auf die Reihe kriege.

Viele Kunden brauchen alle alles zur gleichen Zeit.

Die vertrösten?? Ich weiß nicht wie oft noch :wein: Ich kann denen auch kein Zeit sagen wann ich es fertigstellen kann, weil ich weiß es einfach nicht. Es ist wirklich extrem viel und ich muss es allein machen.

Insgesamt habe ich über 40 Aufträge. Bei den Produkten brauche ich je nach Aufwand so 2 bis 14 Stunden.
Und ich habe keine Energie mehr irgendwas zu tun. Ich brauche eine Auszeit.

Ich hoffe jemand kann mir helfen. Ich sitze zitternd vor dem Emailpostfach und habe Angst dass noch mehr Aufträge kommen. Ich brauche die Aufträge weiß nicht wie ich es noch schaffen soll.

Danke euch.
 
Hallo Flohmaus,

habe ich das richtig verstanden: Du hast ca. 40 Aufträge angenommen und bereits bezahlt bekommen, die Du nun aber nicht so schnell erfüllen kannst, wie Du es solltest. D.h. das Geld ist schon weg, aber die Arbeit noch nicht getan, ist das richtig?

Darüber hinaus kannst nur Du diese Arbeit ausführen und jemand anderen im Grunde nicht bezahlen, weil das Geld eben schon weg ist?

Nun ja, in irgend einen "sauren Apfel" wirst Du wohl beißen müssen. Wenn Deine Auftragslage gut ist, kannst Du nicht einen Kredit aufnehmen, um kurzfristig jemanden mit ins Boot zu holen und die vorhandene Lieferspitze mit laufenden Aufträgen schrittweise finanzieren? Dies geht wahrscheinlich nur, wenn Deine Marge einigermaßen hoch ist.

Wie lange dauert es etwa, bis jemand "eingelernt" ist? Könntest Du die Arbeit so verteilen, dass Mitarbeiter Dir Deine Kunden nicht abspenstig machen können? Lässt sich Deine Produktion mit Fertigteilen beschleunigen?

Ohne Details ist es schwer, etwas zu raten.
 
Hallo.

Ist die selbstständige Tätigkeit dein einziges Standbein? Falls nicht würde ich wohl einen Auftragsstopp verhängen.

Als zweites würde ich alle Kunden anschreiben und eine einvernehmliche Lösung finden. Wenn keine neuen Aufträge hinzukommen kann man 40 Aufträge auch auf 2 Monate strecken, dann müsstest du nur ein Produkt pro Tag fertigen.

Eventuell verzichten auch Kunden auf ihr Produkt und stunden die Zurückzahlung des Betrages der in Vorleistung erbracht wurde.

Aber du MUSST was tun. Eine Überflutung von Aufträgen die man nicht bedienen kann, kann schlimmer enden als neue Aufträge erstmal zu sperren.

Du solltest auch eine Therapie in Betracht ziehen um dich wieder zu sammeln.
 
Wie lange dauert es etwa, bis jemand "eingelernt" ist?

Meine Arbeit kann nicht von jemanden anderen gemacht werden. Es ist nicht ein Produkt mit Teilen oder sonst was. Ich erschaffe quasi etwas einmaliges und besonderes. Um es so hinzubekommen braucht es Jahrelang Übung und man entwickelt darin seinen eigenen Stil. Ich hab jetzt etwa 8 Jahre gebraucht dafür um wirklich Profi darin zu sein u einen Stil zu haben.

Es gibt noch andere die so was anfertigen, aber da jeder seinen eigenen Stil darin hat kann man nicht einfach jemand anderes nehmen. Die Leute wollen das Produkt ja eben von mir. Es ist quasi etwas kreatives und künstlerisches. Das kann man keinen anderen eben mal beibringen.

Danke für deine Antwort.
 
Hallo.

Ist die selbstständige Tätigkeit dein einziges Standbein? Falls nicht würde ich wohl einen Auftragsstopp verhängen.

Als zweites würde ich alle Kunden anschreiben und eine einvernehmliche Lösung finden. Wenn keine neuen Aufträge hinzukommen kann man 40 Aufträge auch auf 2 Monate strecken, dann müsstest du nur ein Produkt pro Tag fertigen.

Eventuell verzichten auch Kunden auf ihr Produkt und stunden die Zurückzahlung des Betrages der in Vorleistung erbracht wurde.

Aber du MUSST was tun. Eine Überflutung von Aufträgen die man nicht bedienen kann, kann schlimmer enden als neue Aufträge erstmal zu sperren.

Du solltest auch eine Therapie in Betracht ziehen um dich wieder zu sammeln.


Hallo,
danke für deinen Tipp.
Die Selbständigkeit ist meine einzige Einnahmequelle. Ich bin froh dass ich es soweit geschafft habe dass auch so viele Aufträge kommen, aber nun hab ich irgendwie den Faden verloren 🙁 Vor einigen Jahren hatte ich immer mal 5 Aufträge die noch zu machen waren, dass war doch etwas angenehmer.

Ich weiß nicht wie weit ich noch komme mit dem ersparten Geld. Ich könnte noch die Riesterrente kündigen und das Geld nutzen. Aber soviel Geld hab ich nun nicht. Habe die letzten Jahre schon oft Aufträge gestoppt, aber da hatte ich noch Hilfe vom Jobcenter.

Wie könnte ich vorgehen. Ich weiß nicht was ich den Kunden schreiben soll. Die wollen dann sicher das Geld wieder haben.
 
Oh je, fiese Situation.

Also als erstes würde ich mir mal einen Plan machen, welche Kunden jetzt als nächstes dran wären.
Und dann tatsächlich mit dem Abarbeiten beginnen und den jeweiligen Kunden anschreiben, dass seine Bestellung nun in Bearbeitung ist. Wie lange brauchst du denn pro Auftrag? Für Neuaufträge würde ich direkt hinterlegen, dass die Bearbeitung „wegen hohen Arbeitsaufkommens“ so und so lange dauern wird. Das restliche Geld, was noch vorhanden ist, zusammen kratzen, für den Lebensunterhalt und evtl. Rückzahlungen, für Kunden die nicht warten wollen, und mit dem Geld, was wieder rein kommt, erstmal gaaanz sparsam sein. Es führt kein Weg dran vorbei, jetzt los zu legen, ansonsten fordern die Kunden vermutlich irgendwann ihr Geld gerichtlich ein und dann wird es richtig teuer
 
Kenn ich alles gut. Ich denke manchmal auch noch, daß ich mit zwei Stunden Arbeit am Tag auskomme. Würde auch genügen, aber die Kunden halten sich nicht daran. Und Aufträge ablehnen geht natürlich gar nicht. Wenn man das macht, kommt nach kurzer Zeit gar keiner mehr.
Zum einen würde ich vorschlagen, sich stundenweise - und gegen Stücklohn - Hilfe zu holen. Oder - das mache ich wenns ganz schlimm kommt - Aufträge vergeben also auslagern.
Und versuchen - das wird eh notwendig sein - Struktur reinzubringen. Ich schreibe mir am Abend wenn ich den Kopf freihabe, auf was am nächsten Tag gemacht werden muß. Nicht zu viel, versteht sich, aber doch sicher. Und das wird dann angegangen. Und wenn das geklappt hat, belohne ich mich: Mal irgendwo hin wo ich noch nicht war und was ich immer schon mal sehen wollte. Das freut auch den Hund, der immer dabei sein darf.
 
Ich sehe das alles etwas kritisch.

Selbstständig und Einnahmen von Kundengeldern für ein bestelltes Produkt. Diese Kundengelder werden aber privat verbraucht.

Werden denn die Einnahmen auch versteuert, etc.?

Ich würde der TE empfehlen, dass sie sich mal von jemanden coachen lässt, der etwas von Geschäftsführung und Buchhaltung versteht.

Ich möchte mir nicht vorstellen, was geschieht, wenn sich verärgerte Kunden nur mal so aus Spaß an das Finanzamt oder an eine sonstige zuständige Aufsichtsbehörde wenden würden.
 
Warum, die Steuer an das Finanzamt zahlt man nach jedem Quartal. Nur in den ersten zwei Jahren einer Selbständigkeit wird die Steuerlast durch eine Vorauszahlung monatlich fällig. Und später dann, da muss man schon echt sehr gut verdienen, dass das Finanzamt einen steuerlichen Vorschuss gezahlt haben möchte, wo man sein Einkommen schätzen muss.

Ich denke, die TE wird wie viele andere Selbständige einfach nach jedem Quartal ihre Steuerlast an das Finanzamt überweisen, bzw. abbuchen lassen. Ob die Aufträge innerhalb dieses Quartals in Vorauskasse bezahlt wurden oder nicht, ist Jacke wie Hose. Der Betrag zählt ab dem Moment, wo er überwiesen wurde.

Aber wo ich zustimmen muss: Diese Vorauskasse ist ein ganz heißes Eisen. Würde ich nie geregelt machen. Außer das Endprodukt steht fertig bei mir und erst ab Zahlungseingang verschicke ich es. Warum überhaupt Vorauskasse? Und spätestens nach ein paar Aufträgen, wo man merkt, man kommt zeitlich nicht so gut hin mit der Vereinbarung, korrigiert man doch das nächste Mal nach, um weniger Druck zu haben. Wenn man schon feste Termine vereinbart mit Vorauszahlung.

Ich würde mir neben der Wirtschaftlichkeit auch größere Gedanken um die Organisation machen. Wie ich das alles auf die Reihe bekomme. Ob ich nicht doch mit anderen Selbständigen zusammenarbeite, die einspringen. Und ob es lukrativ ist, das komplette Angebot nur ganz individuell auf Einzelstücke aufbauen zu lassen oder ob es nicht doch sinnvoll wäre, allgemein fertige Stücke zu verkaufen und auf Wunsch individuell angefertigte anzubieten, die dann allerdings halt auch entsprechend kosten. Oder wie ich die Arbeitsprozesse optimieren kann.

So ist das halt hoch gepokert, mit was ganz einzigartigen, komplett immer bei jedem Auftrag neu und individuell gefertigten Geld zu verdienen, das auch noch fixe, enge Liefertermine hat und wo der Kunde auch noch in Vorauskasse geht.

Und Verträge ... Ich würde sowas nie ohne Verträge machen. Wie sieht es denn da aus? Hast du AGBs?

Wie hast du deine Preise kalkuliert? Das ist ein sehr häufiger Fehler, dass Selbständige ihre Stundensätze nicht ordentlich und ausreichend kalkulieren.

Dir bleibt meiner Meinung nach nur folgendes:

1.) Dein Kind für zwei, drei Wochen je nach Alter zur Familie fahren lassen oder zu Freunden und dann wirklich den Hintern zusammenzukneifen und zu ackern, um die Aufträge wieder reinzuholen. Aber dafür musst du auch wieder auf die Beine kommen. Und durcharbeiten.

2.) Dir eine Aushilfe suchen bzw. den Auftrag zu jemanden rüberzuschieben, der es zumindest handwerklich genauso gut kann - der Stil, da muss man dann halt darüber reden. Auch, ob der sich diesem Stil nicht doch anpassen kann. Oder ob er Teile fertigen kann, die du dann beendest mit deinem Stil. Ich denke, für einmal zur Überbrückung kann man das mal so machen. Für die Zukunft würde ich dann langfristig jemanden suchen, der immer mal wieder einspringt oder dem du Teile der Arbeit zuschieben kannst. Wenn das jemand ist, der auch Selbständig ist, musst du den auch nicht versichern oder richtig anstellen. Da müsst ihr dann halt über die Stundensätze Vereinbarungen treffen.

3.) Die Karten auf den Tisch legen bei den Kunden und für das zurückzuzahlende Geld entweder Ratenzahlungen vereinbaren oder dass der Kunde wartet, bis du wieder flüssiger bist. Oder dass er sich vielleicht länger geduldet, bis du seine Bestellung fertig hast. Dafür würde ich dann aber einen dicken Rabatt geben.

4.) Überlegen, wie viel Sinn die Selbständigkeit langfristig noch macht - und ggf. in eine Festanstellung gehen, mit der du das Geld abstottern kannst, das jetzt aussteht für die Kunden, die du auszahlen musst.

5.) Einen Kredit aufnehmen für die Überbrückung. Hierbei wäre es wichtig zu wissen, von welcher Summe wir reden? Wenn das nur ein paar tausend sind ... Okay, das tut weh, aber ein paar Tausender sind schaffbar, vor allem wenn nach dem Tief und der fehlenden Organisation die Aufträge trotzdem laufen. Aber wenn es schon in die zehntausende geht ... Würde ich nicht machen. Vor allem, wenn das jetzt so ungewiss ist, wie es mit dir weitergeht.
 
Du hast ja jetzt schon viele Hinweise bekommen.

Ich habe Dich so verstanden, dass das jeweilige Produkt nur an diesen speziellen Endkunden verkäuflich ist, weil Du es speziell nach seinen Wünschen erst herstellst. Deswegen kannst Du Dir auch nichts vorab auf Halde legen. Und bei so spezifischen Produkten würde ich auch gegen Vorkasse arbeiten, denn sonst wirst Du das Ding ja nicht anderweitig los, wenn es der Kunde dann doch nicht abnimmt. Richtig?

Trotzdem musst Du dem Gedanken und ggf. auch entsprechenden Vorwürfen dieser Art insofern ins Auge sehen, als dass ein Kunde das durchaus als Betrug werten könnte, wenn Du ein Produkt verkaufst, dann aber weder lieferst noch das Geld zurückzahlen kannst. Und läufst Gefahr, dass das ein Richter ganz ähnlich sieht.

Da nützt es auch nichts, dass Du nicht vorhattest zu betrügen, sondern die Umstände Dich in diese Situation gebracht haben.

Ich schließe mich da einigen Vorschreibern an: Karten auf den Tisch und versuchen Einigungen zu erzielen. Federn wirst Du so oder so lassen.
 
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