Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Seiteneinstieg Lehramt war ein Fehler?

hilfe27181

Neues Mitglied
Hallo zusammen,

ich bin mittlerweile zu der Erkenntnis gekommen, dass der Seiteneinstieg ein Fehler war und ich langsam aber sicher den Ausstieg plane.
Ich frage mich, ob es vielleicht sinnvoll wäre, es noch zu Ende zu führen um den Abschluss zu haben. Immerhin berechtigt dieser im ganzen Bundesland zu unterrichten und wäre zumindest immer wieder ein finanzieller Notnagel zB durch Vertretung etc. Auf der anderen Seite wäre es ein weiteres Jahr in dem ich mich durch die Institution Schule quälen müsste. Ob sich dieser Aufwand lohnt?
Parallel überlege ich, mich krank schreiben zu lassen (mein Arzt würde mich dabei auf jeden Fall unterstützen da er meine Situation sehr genau kennt) und dann die Zeit zu nutzen um mich neu zu orientieren. Obwohl ich noch gar nicht recht weiß in welche Richtung. Es bleibt auch kaum Zeit zum Denken über Optionen.
Am meisten am Lehrerberuf stört mich, dass die Arbeit nie aufhört. Andere kommen nach Hause und wissen, "heute ist die Arbeit vorbei". Ich beobachte bei allen Kollegen das permanente Weiterarbeiten auch nachmittags und abends.
Dazu kommt meine eigene Grunderkrankung die den Lehrerberuf eigentlich ausschließt da bekannterweise der Lehrerberuf mit eine der höchsten Burn-Out Raten hat.

Abgesehen davon erscheint mir die Bildungspolitik absolut absurd, insbesondere die Kompetenzorientierung führt Lernen völlig ad absurdum.

Ich habe Angst, in diesem einen Jahr wieder komplett zusammenzubrechen und dann am Ende ohne Abschluss und völlig fertig dazustehen. Wäre es dann nicht sinnvoller, vorher die Reißleine zu ziehen und in der Auszeit eine neue Orientierung vorzunehmen?
Mir ist klar, dass meine Arbeit von Kollegen gestemmt werden muss, die auch schon am Limit laufen und die Schüler ihren Stoff verpassen. Aber muss ich nicht mal egoistisch sein und an mich denken?
Ich bitte darum, frei von Moral zu bleiben.

Viele Grüße
 
Was genau stört dich? Ich hatte ebenfalls überlegt, ob ich den Seiteneinstieg wage.

Letztendlich wäre mir der Seiteneinstieg an sich nicht mal zu stressig gewesen. Das größere Problem sind die Kinder und vielen individuellen Fälle, die mich dann doch abgeschreckt haben. Ich hatte mal rein geschnuppert und ein Praktikum gemacht und die Lehrerin (war eine Regelschule) brauchte 4 verschiedene Unterrichtsvorbereitungen.
Eine für die, die die 10. Klasse machen, dann für die, in der 9. Klasse, dann für die Förderkinder, dann eine für weitere lernbehinderte Kinder. Das gleiche bei Arbeiten. 4 verschiedene Vorbereitungen!

Es ist heftig, was man sich als Lehrer alles bieten lassen muss heutzutage. Zur Unterrichtsvermittlung kommt man fast gar nicht, weil sich entweder geschlagen wird, beschimpft oder andere Fälle zu klären sind. Die Lehrerin bei der ich war, war eher Sozialarbeiterin als Lehrerin und die Vermittlung des Stoffs stand gar nicht mehr im Mittelpunkt und nach Feierabend darf man sich dann noch mit den Eltern auseinander setzen. An der Regelschule nicht ganz so. Am Gymnasium total und da wird dann gleich der Anwalt rausgeholt oder es geht als Beschwerde ans Schulamt.

Nee, danke denke ich mir dann.
Vor 20 Jahren hätte ich den Job gerne gemacht. Da ging es auch noch um Unterrichtsvermittlung, aber während meines Praktikums dachte ich teilweise: Da verdient jeder Entwicklungshelfer im Auslandseinsatz sein Geld leichter.

Was hast du denn davor gemacht? Vielleicht kannst du dich in die Richtung weiter qualifizieren?
 
Nun ja,

wie gesagt, die permanente Vorbereitung und das Arbeiten auch abends nachdem man schon sechs oder sieben unglaublich anstrengende Unterrichtsstunden hinter sich gebracht hat. Netto kommt man dann locker auf 10-12 Stunden pro Tag Arbeitszeit. Am Wochenende ist es kaum besser.

Einzelne Klassen sind tatsächlich nicht beschulbar.

Das Wissen der Schüler wird immer geringer, das Sozialverhalten ebenfalls wie du schon angesprochen hast.

Man steht permanent im Fokus während einer Stunde und kann sich nie zurückziehen.

Das Beamtenrock ist eng, aber hält warm...

Primär ist es die absehbare Arbeitsbelastung welche in keinem Verhältnis zur Vergütung steht.

Ich habe einen Abschluss im MINT-Bereich, aber aufgrund meiner Grunderkrankung konnte ich nie wirklich längerfristig arbeiten :-(
Dazu kommt, dass ich zeimlcih perspektivlos bin und sehr unsicher darüber, was ich selbst eigentlich will....
 
Es ist ein bisschen wie im Krieg. Jeden Tag.
Ich weiß was du meinst.
Und Verbeamtung ist ja nicht mal eine Garantie und die Ferien echt nur ein Trostpflaster.
Inklusion ist echt toll, aber dann bitte mit 10 und nicht mit 28 Kindern und dann bitte mit 2 Lehrern und mit Eltern, mit denen man auch zusammenarbeiten kann und nicht mit solchen, die einem beweisen wollen, dass ihr Junior das intelligenteste Kind Deutschlands ist und sie mehr Ahnung haben als man selbst.

Ich verstehe dich. Würdest du Realschule oder Gymnasium bevorzugen? Solltest du dich doch dafür entscheiden, wäre es eine Option Teilzeit zu arbeiten? Nicht Vollzeit?

Als MINT Lehrer hättest du sicher super Einsteigschancen, aber unter uns gesagt: Klar, bringt einem das auch nichts, wenn man nach 3 Jahren ein Fall für die Psychiatrie ist.

Dafür sprechen:
- ein geregeltes, passables Einkommen
-Ferien
-sinnfüllende Tätigkeit
- man wird gebraucht


Dagegen:
- extrem hohe Arbeitsbelastung
-hohes Risiko (psychisch, gesundheitlich, haftbar auf Klassenfahrten)
- zu wenig Zeit für zu viele Fälle (erzeugt Frustration)
-Kinder können nicht mehr individuell gefördert werden
-man ist mehr Sozialarbeiter als Lehrer, schafft den Stoff gar nicht
-stundenlange Vorbereitungszeit und Elterngespräche oder eher Elternauseinandersetzungen
- verhaltensauffällige Kinder, die kaum beschulbar sind
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich bin an keiner Regelschule. Ehrlich gesagt will ich nicht zu sehr ins Detail gehen aus Sorge erkannt zu werden :-(.

Du hast schon ganz gut aufgelistet wie pro und contra so verteilt sind.
Teilzeit wäre eventuell eine Option. Jedoch steht vorher noch das Referendariat welches ja auch beim Seiteneinstieg absolviert werden muss. Dieses sorgt am meisten für Sorge.
Ich schätze einfach, ich bin nicht in der Lage, mich einer permanenten 12-monatigen Prüfungssituation ausszusetzen in der jeder Pups bewertet wird. Dafür ist meine psychische Konstitution nicht gut genug. Hinterher, wenn ich nur unterrichten müsste und keine Noten, keine Klassenarbeiten und sonstiges machen müsste würde es vielleicht funktionieren. Aber da ist so viel Zeug nebenher dass der Unterricht fast zur Nebensache wird.
Merkwürdigerweise könnte ich mir eher eine Selbstständigkeit vorstellen obwohl dies sicher sehr viel mehr Arbeitsaufwand bedeuten würde.
Aber ich bilde mir ein, damit wesentlich mehr Sinn in meiner Arbeit zu erkennen. Vielleicht auch nur ein Trugschluss, so nach dem Motto, der Rasen vom Nachbarn ist immer grüner als der eigene...
 
Die Frage ist eben, kannst du von Teilzeit vernünftig leben. Das musst du aber abhängig von deiner Familiensituation entscheiden.

Das stimmt. Ich weiß was du meinst. Ich kenne durch Freunde auch die Prüfer. Von dem was die sagen, hatten viele ein sehr befremdliches Verhalten an den Tag gelegt.
Eine Prüferin wollte von den Studenten immer Kaffee gekocht haben (Fetisch?), sonst hat sie die Prüfungen nicht abgenommen.
Darüber sage ich jetzt lieber nichts.
 
Hallo nochmal,

ich muss mal eine Frage in den Raum werfen: Wenn man weiß dass man einen bestimmten Beruf (Hier Lehrer) schlicht und ergreifend nicht ausüben kann aufgrund der systemischen Rahmenbedingungen (Hier: permanente Präsenz im Klassenraum, dauernde Vorbereitung bis in die Nacht) und persönlichen Problemen wie extremer Schwierigkeiten bei der Unterrichtsvorbreitung wieso reicht dies nicht aus um endgültig eine Entscheidung gegen den Beruf zu treffen und etwas Neues auszuprobieren?
Das Leben ist doch viel zu kurz um in einem unglücklich machenden Beruf zu verbleiben nur wegen der vermeintlichen Sicherheit und Bezahlung.
Das Geld kann es nicht sein, ich habe schon mit extrem wenig Geld gelebt und habe kaum finanzielle Ansprüche,
ich habe keine Familie die ich ernähren muss.

Was mir nur fehlt ist eine Alternative. Ich weiß nicht, was ich sonst machen soll. Bedingt durch meine Erkrankung (schwere depressive Episoden) bin ich nicht permanent belastbar und das Referendariat verlangt mir im Moment alles ab. Sogar noch mehr als das. Ich verstehe selbst nicht, wie ich überhaupt bis hierhin durchgehalten habe.
Es fehlt sogar die Kraft überhaupt über Alternativen nachzudenken da permanent nur Schule im Kopf ist.
Das musste nur mal alles raus aus meinem Kopf.

Wieso kann ich nicht so souverän sein und zu mir stehen und sagen, "nein, das Lehrerdasein ist nicht meins, ich beende es". Ganz egal was danach kommt. Tiefer als SGBII kann ich doch sowieso nicht fallen und das kenne ich schon.

@Linea478: Ja, es ist ein bisschen wie im Krieg. Man kämpft immer um Aufmerksamkeit, immer ist jede Entscheidung eigentlich schon zu spät getroffen, jeden Moment kann alles eskalieren und aus dem Ruder laufen.

Ich habe mir heute vorgestellt wie ich einen schweren Unfall hätte nur um nicht in die Schule gehen zu müssen....:-(
 
Eigentlich hättest Du das doch aber vorher wissen können? was waren die Beweggründe, es trotzdem anzugehen?

Wäre Erwachsenenbildung/ Berufsschule eine Option? Die Vorbereitung ist genauso aufwändig, aber es fallen so Gimmicks wie Eltern, Elternabende, mangendes Sozialverhalten (es gibt zwar auch unter Erwachsenen Leute, die sich nicht benehmen können, aber damit lässt es sich souveräner umgehen) weg.
 
Hallo weidebirke,

was genau hätte ich denn vorher wissen müssen? Dass der Seiteneinstieg mich überfordern würde? Dass manche Klassen tatsächlich unbeschulbar sind? Dass ich es nicht packen würde?
Wieso ich es angefangen habe? Nun, es war ein Versuch, denn tatsächlich ist das Schulsystem ein opakes System welches man erst begreift wenn man selbst drinsteckt.
Aber zumindest versuchen wollte ich es. Direkt von Anfang sagen, dass es sowieso nichts wird, wäre doch auch sehr schwach. Ganz ehrlich war es auch eine Verzweiflungstat weil ich Angst hatte beruflich ins Abseits zu geraten und nicht sicher war ob es für mich möglich ist an der Schule.
Aber ich weiß selbst, Schule kann und darf kein Notnagel sein.
Arbeitsbelastungen kann man ja auch erst beurteilen wenn man sie mal hautnah erlebt hat. Tatsächlich befinde ich mich an einer Berufsschule, jedoch bieten diese alle Arten von Schulabschlüssen an so dass man dort genauso mit verhaltensoriginellen Schülern konfrontiert wird wie überall sonst auch. Außerdem bekommen Berufsschulen genauso die Entwicklungen ab wie alle anderen Schulen auch, teilweise noch schlimmer. Wie du selbst schon sagst, die Vorbereitungen sind genauso mit enormeme Aufwand verbunden der einen jeden Abend an den Schreibtisch zwingt und das nach sechs/sieben psychisch enorm belastenden Unterrichtsstunden.

Ja, natürlich hätte ich es vorher ahnen können, aber zumindest den Versuch wollte ich starten...
 

Anzeige (6)

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben