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Sehnsucht nach Leben, Sehnsucht nach dem Tod

  • Starter*in Starter*in Gelöscht 12066
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G

Gelöscht 12066

Gast
Mich beschäftigt ein Thema, über das ich mich mit niemanden so recht austauschen kann.
Ich habe das Gefühl, dass ich mir irgendwann das Leben nehmen werde. Es ist kein Plan, auch nicht wirklich meine Absicht. Sondern eher so etwas wie eine Ahnung, die ich in letzter Zeit erspüre. Ich war schon immer anders, und wenn ich noch mit diesem Thema ankomme, dann wird man mich für komplett irre halten. Todessehnsüchte oder das Thema Suizid trifft auf Unverständnis, und dem Drang zu helfen oder die Person irgendwie umzustimmen und zum Doktor zu schicken. Ich hatte zwar während meiner depressiven Phase (Anfang bis Mitte Zwanzig) Suizidgedanken, auch Pläne, jedoch war der Wunsch wirklich zu leben größer, sodass es nicht mein größter Wunsch war zu sterben, aber es war eine Art Trost daran zu denken.
Mit meiner Therapeutin habe ich das Thema damals schon etwas behandelt, aber es war wie gesagt keine Sehnsucht da, sondern eher die Sehnsucht das Leben zu spüren.
Ich bin nun soweit stabil, ich habe sehr viel darüber gelernt mit schwierigen Situationen umzugehen, sodass ich nicht mehr in Löcher falle. Klar bin ich auch mal schlecht gelaunt, aber die Grundstimmung ist „richtig“. Nur dass ich eben immernoch den Gedanken habe, einmal selber zu entscheiden, wann ich gehe.
Es beinhaltet auch den Wunsch, mein Leben „lebenswert“ zu gestalten und ich habe da meine eigenen Vorstellungen, die ich nicht in Schubladen packen kann/will. Ich weiß nicht, ob ich alt werden will und ich weiß nicht, ob es erstrebenswert ist möglichst lang zu leben. Es bedeutet nicht, dass ich auf Droge durch die Welt springen möchte, aber etwas waghalsig bin ich manchmal schon bzw. ich verspüre den Drang mich in Gefahr zu begeben, aber um mich wiederum lebendiger zu fühlen.
Ich gebe zu, dass es mir öfter schwer fällt, einen Sinn im Menschsein zu erkennen, aber nicht in der Grundlage, sondern in unserer Welt, in der Welt der Menschen, mit all den Vorstellungen und Normen.
Ich weiß auch, dass ich meine eigene Realität habe, wo ich mich auch oft „verkrieche“, aber mir ist auch bewusst, dass ich ein Teil dieser Welt bin, und alles ist Teil von mir, auch das, was mir wehtut oder mir sinnlos erscheint. Ich weiß noch, wie ich mit 13 oder 14 in’s Tagebuch geschrieben habe: „Ich wünsche mir den Tod zu Weihnachten. Aber Gott lässt mich einfach nicht gehen.“ Mir sind die Verstrickungen mit meiner Kindheit bzw. meinen Eltern bewusst. Und egal wie glücklich und dankbar ich inzwischen für alles bin, habe ich das Gefühl, dass diese gewisse Sehnsucht mich immer begleiten wird. Und ich habe manchmal das Gefühl, dass zwei große Gegensätze mit mir Ping-Pong spielen.
Ich tendiere dazu, intensiv und ausgiebig zu reflektieren und brauche auch mal den Austausch, deswegen habe ich diesen Thread eröffnet... Vielleicht hat jemand Lust darüber zu sprechen oder ihm geht es ähnlich.
 
Hallo little.vampire,

ich finde es gut, dass du ein reflektierender Mensch bist. Die Notwendigkeit des Austauschs mit Anderen zu sehen, ist ein Zeichen von Achtsamkeit.

Diese Eigenschaften sind gute Voraussetzungen für dich, dein inneres Ping Pong in ein Gleichgewicht zu bringen. 🙂

Vielleicht muss nur jemand mal von außen mit der Hand hineinlangen und den Ball fangen. Ich selbst habe stark davon profitiert, als ich lange Zeit mit ständigen Suizidgedanken zu kämpfen hatte.

Irgendwann kamen bestimmte Menschen zu mir und weckten gewisse Zweifel, ob der Tod wirklich so etwas begehrenswertes ist. Immerhin hat jedes Lebewesen in seinem ureigenem Verhalten vor nichts mehr Angst als vor dem Tod. Der Selbsterhaltungstrieb ist der stärkste, den es gibt. Und das hat seinen Grund.

Denn schließlich sind wir für das Leben gemacht. Wir sind dafür da, aus unserem Leben das beste zu machen. Und vielleicht während dessen neues zu erschaffen. So bekommen wir die Möglichkeit das Leben selbst weiterzuentwickeln und dafür zu sorgen, dass etwas bleibt. Sei dies ein persönliches Lebenswerk, der Nachwuchs oder die Erinnerung in den Herzen der Menschen, die wir bzw. die uns lieben.

Und so wie ich das sehe, hast du noch reichtlich Gelegenheit, dies in deinem Leben zu schaffen. Denn mit Ende 20 Anfang 30 (richtig geraten?) ist es dafür mit Sicherheit nicht zu spät!

Du schreibst ja selbst, dein Leben lebenswert gestalten zu wollen. Du hast es in der Hand und kannst das tun. Und zwar so wie du dir das vorstellst. 🙂
 
Du schreibst, dass es früher eine Art Trost für dich war, an Suizid zu denken. Vielleicht ist das ja irgendwie immer noch so? Es liegt sicherlich ein gewisser Trost in dem Gedanken, dass man die Möglichkeit hat, sein Leben zu beenden, sollte man eines Tages einfach gar nicht mehr weiterwollen/weiterkönnen.

Ich hatte nur eine kurze Zeit in meinem Leben den konkreten Gedanken und Wunsch, Suizid zu begehen, aber für mich ist der Gedanke - so furchtbar das jetzt vielleicht rüberkommt - immer noch irgendwie tröstlich, dass ich letztlich entscheiden kann, wann ich gehe.

Was Archeo schreibt, stimmt jedenfalls: Der Selbsterhaltungstrieb ist unglaublich mächtig. Ich habe auch manchmal das Gefühl, dass ein möglichst langes Leben nicht unbedingt erstrebenswert ist (Ich möchte kein Pflegefall werden, der sich nicht um sich selbst kümmern kann und komplett von anderen abhängig ist und möchte auch meine geistigen Fähigkeiten im Alter nicht verlieren...), aber wer weiß, wie ich später einmal darüber denke? Jetzt weiß ich ja noch nicht, was die Zukunft für mich bereithält. Es gibt jedenfalls sehr viel, was auch Menschen wie uns am Leben erhält!
 
Huhu little.vampire,

mir ergeht es ähnlich. Ich bin auch der Meinung das ich lieber selbst bestimmt sterben möchte, wenn das Leben mir zu viel Leid oder Krankheit bringt.
Das mag für Kritiker und aussenstehende egoistisch wirken aber es ist doch mein Leben. Man sagt immer "mach doch mit deinem Leben was du willst" aber bei diesem Thema wird niemand Verständnis ernten.
Da werden dann die Moralaposteln aktiv und meinen das dieser Weg falsch ist.

Ich selbst habe bereits mehrere Suizidversuche hinter mir. Und ich wage mal zu behaupten das meine Angst vor dem Tod eher niedriger ist als bei anderen.
Ich bin im Moment zwar wieder in einer depressiven Episode, durch die Medikamente halten sich die Todeswünsche in grenzen bzw ich sehe keine Veranlassung dazu es zu tun.

Also du bist definitiv nicht allein mit deiner gedanklichen Richtung. Bei mir wankt es auch öfter mal zwischen diesen Polen, Sehnsucht nach Leben, Sehnsucht nach Tod.

Liebe grüße
SchwarzeSeele
 
Zuletzt bearbeitet:
Vielen Dank an alle, dass ihr so offen seid 🙂 leider habe ich kaum Menschen im Umfeld, die mit diesem Thema keine Schwierigkeiten haben (ich glaub gar keinen)... Manches muss man wahrscheinlich auch unausgesprochen lassen und nur mit sich vereinbaren. Viele kommen mit meinen Ansichten nicht wirklich klar, manchmal denke ich, dass es ihnen angst macht.
Inzwischen denke ich auch, dass ich höchstwahrscheinlich anders empfinden würde, hätte ich Kinder. Aber nun ist es ja nicht so.
Ich habe den Eindruck, dass die Dinge, an die sich die meisten Menschen klammern oder an denen sie sich orientieren, gar keinen Halt bieten, oder ich erkenne eine Art Falle darin (ich bin ja selber in solche Fallen getappt). Und deswegen muss ich irgendwie meinen eigenen Halt in dieser Welt finden. Es ist nur nicht so einfach für mich, ich habe mich mein Leben lang verloren und nicht zugehörig gefühlt.
Also ich sehe in Selbstmordgedanken eher keinen Trost mehr, sondern vielmehr sehe ich den Tod zur Zeit als meinen Begleiter. Ich sehe irgendwie nichts, wogegen ich ankämpfen müsste. Wenn ich entscheide zu gehen, oder etwas anderes meinen Tod auslöst, im Grunde gibt es da für mich keinen Unterschied. Es gibt nur für alle anderen einen Unterschied. Aber darauf will ich nicht auch noch Rücksicht nehmen müssen.
Vielleicht suche ich ja in gewisserweise den Halt irgendwie darin, wenigstens über etwas bestimmen zu können. Aber es ist nichts, was ich als Feind sehe. Es ist mir eben bewusst, dass ich da anders ticke als die Meisten und daher entstehen Gedanken, ob etwas vielleicht nicht stimmt.. oder das Hinterfragen beginnt.
Ich muss zugeben, dass die Selbstmordgedanken in meiner depressiven Phase anders und, wenn auch irgendwie tröstlich, doch belastend waren. Ich bin froh, dass ich damals durch Medikamente da rausgefunden habe. Dies fühlt sich anders an.
Ich habe mich auch gefragt, ob es nicht sein könnte, dass manche Menschen den Selbstmord "in den Genen" haben könnten. Habe dazu auch ein bisschen recherchiert, aber hier gibt es natürlich keine eindeutigen Beweise (es soll aber durchaus Möglich sein). Ich sehe es so sehr als einen Teil von mir, dass ich glaube, dass es mir andere ansehen können. Der Kopf spielt mir so viele Streiche, wenn ich mich mit einem Thema beschäftige, dann dreh und wende ich es, bis es mich fast in den Wahnsinn treibt. Denke aber, das legt sich wieder.
 
Huhu,

du zeigst hier gute Lösungsansätze. Weiter so. Den eigenen Platz in der Welt zu schaffen ist leider nicht leicht und, glaube mir, es gibt viele Leute, denen es ebenso ergeht. Viele machen sich auch ähnliche Gedanken darum, einschließlich mir.

Ich kann zwecks der Veranlagung zu Suizidgedanken nur aus meiner Familiengeschichte berichten.
Mütterlicherseits haben fast alle Angehörige Depressionen, einschließlich meiner Person. Bei uns gab es mehrere Suizide in der Familie.
Also muss an dieser Annahme irgendwas dran sein.

Ja das mit den sich beschäftigen mit einem Thema kenne ich aus eigener Erfahrung. Meiner Meinung nach handelt es sich dabei um Versuche eine Lösung auf Probleme zu finden. Da man (scheinbar) nicht die richtige Lösung findet, gehen die Gedanken in die Tiefe.
Du scheinst sensibel und ein nachdenklicher Mensch zu sein. Genau wie ich 😉

Liebe grüße
SchwarzeSeele
 

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