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schizoide persönlickeitsstörung

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hallo da draußen.
bin eher durch zufall, bei der suche nach 'gleichgesinnten' auf dieses forum gestoßen. zur mir: ich leide seit 4 monaten unter panikattacken und verstärkten angstzuständen. da ich zuerst nicht verstand was mit mir los war und nicht damit umgehen konnte (ich hatte angst vor allem, zeitweise sogar vor dem alleinsein), war ich erstmal 6 wochen krank geschrieben und von der bildfläche verschwunden. danach tastete ich mich langsam wieder ins leben, zumindest versuchte ich es. in dieser zeit habe ich (gefühlt) tausend bücher über panikattacken und einen vernünftigen umgang mit ihnen gelesen. nichts hat geholfen, außer das ich anschließend wusste, was im körper passiert, wenn eine panikattacke ausbricht. bis mir glücklicherweise das buch 'grundformen der angst' von fritz riemann in die hände fiel. an diesem punkt änderte dich scheinbar alles...
ich begann zu lesen und entdeckte mich gleich in der ersten beschreibung wieder. es war, als hätte er mich beschrieben!!! alles hat gepasst! und plötzlich hat alles (irgendwie) einen sinn ergeben. alles, was ich je gefühlt, gedacht und getan habe. ich habe mich schon immer als sehr schüchterne und überaus zurückhaltende persönlichkeit erlebt. bisher aber immer gedacht, das sei eben so. wenn ich jetzt situationen und gefühle, mit dem hintergrund einer schizoiden persönlichkeitsstörung betrachte, macht all mein verhalten so viel sinn.
ich hatte schon immer wenig freunde. es waren, wenn überhaupt, nur oberflächliche bekanntschaften, nichts, was eine emotionale ebene zugelassen hätte. seit ich zuhause ausgezogen bin, bis dahin war ich zwagsweise immer noch menschlichem kontakt ausgesetzt, lebe ich extrem zurück gezogen. gehe zwar jeden morgen zur arbeit und stehe die zeit dort auch relativ gut durch, aber erst wenn ich wieder in meiner wohnung, bei meinen katzen, allein bin, fühle ich mich wohl. wenn ich dann doch mal das haus verlasse und meinen sozialen pflichten nachgehe und 'freunde' besuche, geht dies immer mit sehr viel überwindung einher. zwar überlebe ich die zeit, aber ich fühle mich nicht wohl dabei.
zu der zeit, als meine panik noch stark ausgeprägt war und ich, wie schon erwähnt, vor allem angst hatte (selbst müll wegbringen war der horror), hatte ich das starke bedürfniss und verlangen, mit anderen zu reden. so rief ich jeden tag tausend leute an, um einfach nur ein bisschen konversation zu betreiben. ich konzentrierte mich auf meinen gesprächspartner, keine ablenkung nebenbei, wie sonst.
seit ich erkannt habe, was mein eigentliches problem ist, nämlich die übermäßg emotionale zurückgezogenheit, schon mein ganzes leben, und auch, denke ich zumindest, verstanden habe, wie und warum sich diese entwickelt hat, sind meine panikattacken schlagartig zurück gegangen. zwar bin ich noch keinesfalls angstfrei, schon garnicht im umgang mit anderen menschen, aber diese zermürmende zeit hat endlich ein ende gefunden.
jetzt, da es mir wieder 'besser' geht falle ich auch wieder in meine alten verhaltensmuster zurück. gespräche mit anderen strengen mich an und ich bin froh, wenn sie vorbei sind und ich mir einfach wieder kopfhörer aufsetzen kann, um musik zu hören. ich bin wieder regelmäßg genervt von den menschen um mich herum, zumindest nach einer gewissen zeit, wie früher...

vielleicht geht es euch auch so, oder ähnlich?
 
Das Buch ist wirklich klasse, ich hab es auch Zuhause und wenn ich mich recht erinnere, steht am Ende des Kapitels leider nicht drin, wie man diese "Störung" therapieren kann. Soll heißen, dass es keine eindeutige Therapieform gibt bzw. noch nicht entwickelt worden ist, da die meisten Betroffenen ihre "Störung" gar nicht als "Störung" empfinden und somit gar kein Interesse haben, an sich zu arbeiten und etwas zu ändern.

Was das "genervt sein" angeht und den "Drang", die Einsamkeit zu suchen und sich zurückzuziehen, so kann ich deine gefühle und dein verhalten ABSOLUT nachvollziehen. Mir geht es im Grunde ähnlich, auch wenn ich mich bemühe, etwas aufzutauen.

Ich bin mir - für mich persönlich nicht sicher - ob man jedes Verhalten jenseits der gesellschaftlichen Norm sofort als "Störung" betrachten muss. Was ist denn "normal"? Also ich hatte nie, habe und werde nie das Verlangen haben, ein Partylöwe zu werden der im Mittelpunkt steht. Du?

Was man aber berücksichtigen sollte ist die Tatsache dass wir nun mal in einer Solidargemeinschaft leben und untereinander brauchen. Von daher wäre es vorteilhaft, zumindest soziale und kommunikative Fähigkeiten zu besitzen, um im Alltag (beruflich und privat) zurecht zu kommen. Soll heißen, dass man es "beherrscht", aber trotzdem nicht seine Lebensweise aufgeben muss, wenn es einem extrem widerstrebt.

Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass du nie so richtig diejenigen Menschen getroffen hast, mit denen du warm geworden bist und für die du Interesse entwickeln konntest. Also...bemühe dich doch, ohne Stress, auch ein wenig "aufzutauen" und versuche, "offen" zu bleiben...denn du weisst ja nie, wer dir über den Weg läuft und was sich im Leben entwickelt - ohne, dass du dich verbiegen musst.

Ganz liebe Grüße!
Dr. Rock
 
hallo.
danke für eure kommentare.
ich bin zurzeit nicht in behandlung. ich war zwar wegen meiner panikattacken einmal beim psychiater, habe ihn aber nie wieder aufgesucht, wir sind nicht wirklich warm geworden.
bevor die angst so stark ausgebrochen ist, dachte ich eigentlich auch, ich sei völlig gesund und 'normal'. natürlich kann man 'normal' und 'nicht normal' bzw. 'gestört' nicht klar definieren und letztlich liegt es immer noch im auge des betrachters. dennoch scheint mich meine lebensweise, oder zumindest der große rückzug aus der gesellschaft schon irgendwie 'geschädigt' zu haben, sonst wäre es wohl nie zu den panikattacken gekommen.
eigentlich möchte ich auch garnicht so viel in meinem leben und vorallem an mir ändern. aber ich vertsehe lagsam immer mehr, was mit mir passiert ist und warum, und das scheint mich zum handeln zu zwingen. da aber mein zustand, nach eigener einschätzung, nicht so extrem ist, dass ich kaum lebensfähig bin, lehne ich eine therapie durch tabletten ab, auch wenn es mit diesem hilfsmittel vielleicht einfacher ist, aufzutauen und gefühle zuzulassen.
was mich aber nach wie vor zermürbt ist dieses gefühlschaos in mir. auf der einen seite sehne ich mich nach zuwendung und gesellschaft, auf der anderen seite bin ich sehr schnell genervt und werde innerlich aggressiv in solchen situationen.

habt ihr schon therapien gemacht?
 
Schizoide oder schizotypische Persönlichkeitsstörung oder eine phobische Störung? Es ist selbst für Ärzte und Therapeuten schwierig, Störungen richtig einzuordnen. Leider habe ich es erleben müssen, dass erst nach gut 5 Jahren bei einem Jugendlichen (die Erstdiagnose war Schizoide Persönlichkeitsstörung) die richtige Diagnose (Aspie) gestellt wurde.

Es gibt im Netz einige sehr gute Seiten, auf denen Test für die einzelnen Diagnosen durchgeführt werden können, die zwar nicht die ärztliche Diagnose ersetzen sollen, aber schon mal die richtige Richtung weisen können, um dann eine offizielle Diagnose einzuholen.

Aber egal welche Störung bei dir vorliegt, es wird immer Schwerstarbeit sein. Denn es ist so wie Dr. Rock schon sagte, dass der Mensch nicht alleine ist, sondern immer mit anderen zusammen sein (und wenn nur beim Einkaufen) oder auskommen (Schule, Beruf) muss.

Ich wünsche dir viel Erfolg
Liebe Grüße
Merlinea
 
Schizoide oder schizotypische Persönlichkeitsstörung oder eine phobische Störung? Es ist selbst für Ärzte und Therapeuten schwierig, Störungen richtig einzuordnen. Leider habe ich es erleben müssen, dass erst nach gut 5 Jahren bei einem Jugendlichen (die Erstdiagnose war Schizoide Persönlichkeitsstörung) die richtige Diagnose (Aspie) gestellt wurde.

Das mit den Diagnosen ist so eine Sache...wofür braucht man eine Klassifizierung wenn man weiß, wo das Problem im Verhalten liegt? Genügt es dann nicht, die erwähnte Schwerstarbeit (fürwahr...) zu verrichten? Muss man eine betitelte Schublade haben?

Es gibt im Netz einige sehr gute Seiten, auf denen Test für die einzelnen Diagnosen durchgeführt werden können, die zwar nicht die ärztliche Diagnose ersetzen sollen, aber schon mal die richtige Richtung weisen können, um dann eine offizielle Diagnose einzuholen.

Was diese Testes angeht und auch was die Symptome betrifft, die in den DSM IV und in den ICD beschrieben sind...die überlappen sich teilweise sogar, sind mehreren Störungsbildern zuordbar und...wenn ich mich an diese beschriebenen Symptome halten und mich damit definieren würde, wäre ich ein paranoider, schizoider, angstlich-vermeidender-selbstunsicherer Autist....rofl....🙄

Aber egal welche Störung bei dir vorliegt, es wird immer Schwerstarbeit sein. Denn es ist so wie Dr. Rock schon sagte, dass der Mensch nicht alleine ist, sondern immer mit anderen zusammen sein (und wenn nur beim Einkaufen) oder auskommen (Schule, Beruf) muss.

Wie ich vorhin zu einer Freundin schrieb - die beste Therapie ist das Leben. Also leb!

Dr. Rock
 
Viele machen den Fehler zu denken mit 6 Wochen Kliniktherapie sei es getan. Weitere ambulante Kombitherapie ist wichtig und natürlich auch sein Leben zu ändern und an zu passen.

Du solltest in einer Verhaltenstherapie für dich erarbeiten wie du dein Leben gestalten kannst um nachhaltig stabil zu werden und zu bleiben.

Das ist möglich. Störungen sind ja reversibel = behandelbar/therapierbar..aber nicht von heute auf morgen sondern solange es eben dauert bist du schnallst wie die Störung funktioniert, wo deine Auslöser liegen, wie du sie vermeidest, wie du dein Leben so regulierst dass du nicht mehr akut wirst. Das braucht seine Zeit und du brauchst dazu fachärztliche Anleitung.

Die Diagnosen sind an sich nur grobe Einteilungen und wichtig damit man die passende Therapie findet...die Feinarbeit passiert nur dann wenn man in den Therapien gut mitarbeitet und der Patient offen genug ist damit die Ärzte ihn auch richtig kennen lernen können.
Einigermaßen passgenaue Diagnosen erreicht man an sich nur wenn man sich bei einem halben Dutzend Fachärzten vorgestellt hat, bereits mehrere Therapien hinter sich hat und somit ein genauerer Kenntnisstand über einen Menschen vorhanden ist.
Bei körperlichen Erkrankungen sind die Diagnosen oft relativ einfach, aber bei psychischen Erkrankungen wird es schwieriger.

Von Internetdiagnostik halte ich nicht viel..auch das sind nur ganz grobe Einschätzungsmethoden..wichtig ist dass ein lebendiger Arzt vor Ort jemanden in Augenschein nimmt und sich face to face mit einem unterhält und dass man in Therapien mitarbeitet damit FAchleute und auch man selbst sich ein möglichst genaues Bild von der Störung machen kann.

Internet ersetzt übrigens Therapie nicht und könnte auch ne Gefahr darstellen für Menschen mit starker Isolationstendenz, die in Versuchung geraten sich hier vorm Leben und vor Schwerstarbeit in Therapie zu drücken. Darauf weise ich nur ganz allgemein hin.
In diesem Sinne rate ich dir dich umgehend um ambulante therapie zu bemühen und weiter am Abbau deines Störungsbildes zu arbeiten.

Tyra

Gesunde Lebensweise: immer unter die Leute...man verlernt das schnell wenn man sich zu lange isoliert. Menschen sind Gewohnheitstiere, also gute Gewohnheiten so flott wie möglich aufbauen, ungünstige Gewohnheiten so rasch und radikal wie möglich abbauen.
Überforderung meiden, aber auch Unterforderung.
Regelmäßige Psychohygiene = mit Vertrauten oder zumindest einem Therapeuten mindestens einmal die Woche über ALLES (Gefühle, Änste, probleme, Sorgen etc.) reden
viel Sport, gute Ernährung, keine Drogen, gute Tagesstruktur, genügend Schlaf etc.
 
Was diese Testes angeht und auch was die Symptome betrifft, die in den DSM IV und in den ICD beschrieben sind...die überlappen sich teilweise sogar, sind mehreren Störungsbildern zuordbar und...Dr. Rock

Ich meinte auch nur, dass es schon mal eine Richtung zeigen kann. Das Überlappungen existieren, ist klar, weil eben teilweise keine klaren Grenzen zu ziehen sind. Zur endgültigen Diagnoseerstellung eignen sich diese Tests nicht, dafür müssen Fachärzte ran.

Und das Wichtigste ist wirklich das Leben, leb und geh unter Leute. Je mehr du dich verkriechst, desto schlimmer machst du es.

Zitat Tyra:
Gesunde Lebensweise: immer unter die Leute...man verlernt das schnell wenn man sich zu lange isoliert. Menschen sind Gewohnheitstiere, also gute Gewohnheiten so flott wie möglich aufbauen, ungünstige Gewohnheiten so rasch und radikal wie möglich abbauen.
Überforderung meiden, aber auch Unterforderung.
Regelmäßige Psychohygiene = mit Vertrauten oder zumindest einem Therapeuten mindestens einmal die Woche über ALLES (Gefühle, Änste, probleme, Sorgen etc.) reden
viel Sport, gute Ernährung, keine Drogen, gute Tagesstruktur, genügend Schlaf etc.

Auch hier schließ ich mich voll und ganz an.

Alles Gute
 

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