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Scheidungskinder

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Langzeitwirkungen der elterlichen Ehescheidung auf Kinder

- Eine Längsschnittuntersuchung über 25 Jahre1) -

Von Judy S. Wallerstein, Berkeley und Julia Lewis, San Francisco (Feb. 01)


Vorbemerkung: Die Autorinnen des nachfolgenden Berichts zählen in den Vereinigten Staaten zu den führenden Scheidungsforscherinnen. Judith S. Wallerstein ist Gründerin des Judith Wallerstein Center für the Familiy in Transition; sie ist eine international anerkannte Autorität auf dem Gebiet der Scheidungsfolgen. Ihre Hauptarbeiten erschienen auch auf deutsch, sie wurden in zehn Sprachen übersetzt. Es liegen von ihr an die 100 Zeitschriftenartikel vor. Neben ihrer Lehrtätigkeit an der University of California, Berkeley, hat sie auch als Psychotherapeutin gearbeitet. Julia Lewis ist Professorin für Psychologie an der San Francisco State University. Der nachfolgende Bericht fokussiert Teilbereiche eines soeben in den Vereinigten Staaten erschienenen neuen Werkes ,,The Unexpected Legacy of Divorce", welches Judith Wallerstein zusammen mit Julia Lewis und Sandra Blakeslee verfaßt hat2). Keine andere Forschergruppe hat die Entwicklung von Kindern, die von Trennung und Scheidung ihrer Eltern betroffen sind, über 25 Jahre beobachtet. Die Autorinnen zeichnen aufgrund ihres langen Kontaktes zu den betroffenen Familien ein viel komplexeres Bild der Langzeitwirkungen von Trennung und Scheidung als dies aufgrund der Momentaufnahmen der meisten bisher vorliegenden Studien möglich ist. Sie erheben auch Zweifel gegenüber vielen landläufigen Annahmen und Erwartungen der Rechtspolitik.
Prof. Dr. Gisela Zenz und Prof. Dr. Ludwig Salgo, Frankfurt/M. (Feb. 01)


Dies ist ein erster Bericht über eine 25 Jahre umfassende Untersuchung der Reaktionen von Kindern und Jugendlichen auf die Trennung und Scheidung ihrer Eltern. Sie wurde begonnen Anfang der siebziger Jahre, als die Scheidungsraten in den USA stark anzusteigen begannen. Die vorherrschende Meinung war damals, daß Scheidung eine vorübergehende, geringfügigere Umstellung im Leben eines Kindes sei. Unsere Studie ist die einzige ihrer Art bzgl. Dauer und Methode. Ihre Ergebnisse basieren auf Hunderten von Stunden an Einzelgesprächen mit 130 Kindern und beiden Elternteilen, die in gleichmäßigen Zeitabständen seit dem Entschluß zur Trennung stattfanden. Meine Kollegen und ich kennen diese Kinder gut. Wie mir kürzlich eine 28jährige Frau sagte: „Sie kennen mich besser als irgendjemand sonst auf der Welt." Ich bin in der Tat so etwas wie eine ältere „Stammesangehörige", die während der wichtigsten Schlachten ihres Lebens anwesend war und die ihre Lebensgeschichten mit ihren frühesten phantasierten Träumen und Ängsten bei sich bewahrt. Über frühere Ergebnisse wurde in zwei Büchern berichtet, die in zehn Sprachen übersetzt sowie in beinahe 100 Beiträgen in Fachzeitschriftenartikeln veröffentlicht worden sind. Diese Berichte haben sowohl hier in den USA als auch im Ausland einen großen Einfluß ausgeübt, indem sie auf die psychologischen, ökonomischen und sozialen Langzeitwirkungen des Zusammenbruchs der elterlichen Beziehung auf die Kinder aufmerksam gemacht haben. Die Folgeuntersuchung nach 25 Jahren wurde von Julia Lewis und mir durchgeführt. Der hier veröffentlichte Bericht wurde von uns beiden gemeinsam verfaßt.

Es existiert eine tiefe Kluft zwischen den Perspektiven des juristischen Systems, repräsentiert durch Richter, Anwälte, Mediatoren und Mitarbeitern im Gesundheitswesen einerseits, und denen des Kindes andererseits, das im Verfahren unsichtbar und ohne eigene Stimme bleibt. Tragischerweise ist das Kind am meisten von den Entscheidungen betroffen, bei denen es nichts zu sagen hat und durch seine Eltern vertreten wird, die nur selten seine Vorlieben erfragen und seine Wünsche in ihre Planungen einbeziehen. Im Unterschied zu medizinischen Berufsgruppen haben Richter, Anwälte und Mediatoren keine Routineverfahren zur Erfassung der Folgen ihres Tuns. Falsche Maßnahmen, schlechte Ratschläge, fehlerhafte Entscheidungen und gerichtliche Anordnungen oder ausgehandelte Vereinbarungen, die ihren Zweck völlig verfehlen, können jahrelang unentdeckt bleiben, weil ihre Ergebnisse nicht regelmäßig erhellt und überprüft werden.

Doch nun, nach 25 Jahren, existiert eine solche Beurteilungsmöglichkeit. Die Kinder, die durch das System zur Stummheit verurteilt wurden, verkünden uns nun ihr Urteil. Es ist an uns, ihnen zuzuhören. Diese nun erwachsenen Kinder konnten sich uns gegenüber klar und eloquent äußern. Um einige Schlußfolgerungen hier vorwegzunehmen: Es gibt wenig Belege dafür, daß wir erfolgreich darin waren, ihren Interessen zu dienen und sie zu schützen. Möglicherweise haben wir tatsächlich eine falsche Richtung eingeschlagen.
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http://www.beepworld.de/members28/appolonia/langzeitwirkung.htm
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Was denkt ihr?
 
Zuletzt bearbeitet:
hallo sonny,
ein interessantes Thema.
ich kann als Scheidungskind den Bericht mehr oder weniger bestätigen.
Allerdings: wer hat die Langzeitwirkungen der Kinder bemessen und darüber berichtet, deren Eltern sich nicht scheiden ließen, trotz unüberwindbarer Probleme? Haben diese Kinder nicht ebenfalls häufig ein geschädigtes Verhältnis zu Mutter oder Vater? Sind diese Kinder nicht ebenfalls anfällig für Beziehungsstörungen?
Natürlich haben es alleinerziehende Mütter oder Väter wiederum finanziell schwieriger. Aber da liegt es hauptsächlich am Staat, was zu tun, denk ich.
Natürlich tun Eltern einem keinen Gefallen damit, wenn sie sich während die Kinder klein sind, plötzlich auseinanderleben oder feststellen, dass sie nicht zusammenpassen. Aber Eltern sind auch keine Übermenschen. Es ist schwierig für alle.
Ich glaube auch, dass es wichtig ist, bei einer Scheidung das Kind viel stärker zu berücksichtigen.
Sie haben damals mich und meinen Bruder nur gefragt, ob wir jetzt beim "papa oder der mama" leben wollen. Die Richterin hatte lange graue Haare. Wir hatten überhaupt keine Zeit nachzudenken. Man hat uns nicht auf die Frage vorbereitet. Ansonsten kann ich mich an die Trennungszeit gar nicht mehr erinnern, obwohl ich schon acht war. Mein Gefühl war auch immer, dass die schöne Zeit, meine Kindheit, mit 8 zum größten Teil endete, und wenn ich sage "seit ich denken kann", dann meine ich eigentlich: seit ich acht bin. Ich hatte davor nie probleme und war vollkommen glücklich (so kommt es mir zumindest jetzt vor). Aber geht das nich den meisten Kindern so, auch denen, deren Elternhaus wirklcih glücklich ist?
Aber irgendwie hab ich das Gefühl, meine Eltern wurden auch nicht berücksichtigt. Es war sehr schlimm für meinen Vater, seine Frau und seine beiden Töchter weitgehendst zu verlieren. Er ist sehr sehr sensibel. Für meine Mutter war es schlimm, wie sie von meinem Vater (der auch cholerisch war), behandelt wurde, und auch, dass ihr Sohn, mein Bruder damals 9 oder 10, bei ihm blieb ... und zwar aus Mitleid.
naja. Scheidung mit Kindern ist für alle Beteiligten grässlich, aber notwendig, und Kinder haben in unserer Gesellschaft doch alle nich viel zu lachen.
lg
naradchjela
 
sehr bewegendes thema, habe gerade den artikel gelesen.
mir fallen dazu jetzt tausend sachen ein. meine haben sich mitte der 70er scheiden lassen, da war ich 8. da war das noch eine schande und gar nicht selbstverständlich wie heute. und von auswirkunge auf kinder hat ja kaum einer geredet.
keine schönen erfahrungen und erinnerungen.

ich bin sehr froh für die kinder, die es heute anders erleben, wenn schon eine scheidung stattfindet. sich nicht entscheiden zu müssen, ist ganz wichtig für kinder. auch wenn es die elltern als paar nicht packen, so muss doch das kind beide elternteile liebe dürfen. aus diesem grund bin ich ein großer befürworter von einem gemeinsamen sorgerecht.

bin froh, dass heute vieles anders ist. aber es ist noch immer nicht genug. ein kind muss kind sein dürfen, das ist so wichtig für die gesunde entwicklung eines kindes.

danke für den artikel.
 
ja, wir kinder haben wirklich nicht viel zu melden =((

meinen eltern war es egal, wie ich mich dabei fühle,ob sie sich jetztbtrennen, geschieden sind sie zwar noch nicht, habe aber seit 5 jahren keinen kontakt mehr zu meinem erzeuger...und meine mum aunnich, außern paar rechtliche sachen oder so... echt krass... kann aber auf ihn gut verzichten... bin trotzdem aber der meinung das kinder beide elternteile brauchen...

lg
 
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