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Schamgefühl in der Öffentlichkeit

Lion2233

Neues Mitglied
Hallo zusammen,

irgendwie weiß ich langsam nicht mehr weiter. Ich war schon immer irgendwie introvertiert und habe außerhalb der alltäglichen Verpflichtungen, die man halt so hat, nicht viel unternommen.

Zu Schulzeiten war es schon so, dass ich nach dem Unterricht nach Hause bin und nichts mit Freunden unternommen habe. Am Wochenende war es genauso. Ich war dennoch kein wirklicher Außenseiter. Ich hatte drei gute Freunde (bzw. ich habe drei gute Freunde, daran hat sich bis heute nichts geändert) und bin auch ansonsten mit jedem in meinem Jahrgang sehr gut klargekommen.

Bis heute hat sich daran eigentlich nicht viel geändert. Mittlerweile studiere ich fern der Heimat und lebe alleine in einer kleinen Wohnung. Ansonsten besteht die einzige Veränderung darin, dass ich halt nicht zur Schule, sondern zur Uni gehe und daneben die ein oder andere Alltagsverpflichtung habe, die früher meist meine Eltern übernommen haben - Einkaufen zum Beispiel.

Ich lebe jetzt fast drei Jahre hier, habe mir aber leider noch immer kein soziales Umfeld aufgebaut. Ich habe wie gesagt noch Kontakt zu meinen Schulfreunden, aber wir leben mittlerweile zerstreut in ganz Deutschland, sehen uns also maximal einmal im Jahr rund um Weihnachten, wenn alle in der Heimat sind.

Ich habe immer geglaubt, dass sei so auch in Ordnung für mich, aber mittlerweile bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich das wirklich geglaubt oder mir eher eingeredet habe. Ich gehöre zu den Menschen, die in sozialen Interaktionen eher Energie verlieren, als dazu zu gewinnen. Was nicht heißt, dass ich grundsätzlich nicht gerne mit anderen Menschen zusammen bin. Es wird mir nur schnell etwas zu viel, wenn ich mit vielen Menschen umgeben bin, die ich nicht kenne und nicht einzuschätzen weiß.

Was mich mehr besorgt ist, dass ich mich in der Öffentlichkeit immer sehr schäme - für alles mögliche. Ich habe ständig das Gefühl, dass andere Menschen irgendwie nur darauf warten, dass ich etwas peinliches mache oder mich blamiere. Ich weiß natürlich, dass ich den meisten Menschen egal bin, aber diese rationale Perspektive hilft mir in der Situation nie wirklich weiter. Wenn ich zum Beispiel mit der Bahn fahre, mache ich mir ständig Gedanken darüber, ob meine Haltung gerade irgendwie blöd aussieht. Wenn ich auf eine grüne Fußgängerampel zu laufe, habe ich Angst, dass sie genau in dem Moment rot wird, in dem ich gerade die Straße queren will. Bevor ich die Haustür aufschließe, gehen mir Gedanken durch den Kopf, wie peinlich es wäre, wenn ich dabei dreimal das Schloss verfehle, sollte mich dabei im Haus gegenüber jemand vom Balkon aus beobachten. Es gibt noch so viele weitere Beispiele.

Ich denke, das ist einer der Gründe, warum ich so viel zu Hause bin. Hier gibt es niemanden außer mir selbst, also muss ich mir hier auch keine Gedanken darüber, was andere Leute von mir denken könnten.

Früher dachte ich immer, diese Unsicherheit in der Öffentlichkeit würde verschwinden, wenn ich abnehme. Ich war schon in der Kindheit übergewichtig und habe dann vor 1,5 Jahren mit dem Abnehmen begonnen. Mittlerweile bin ich von 130kg auf 84kg runter. Leider hat das an dem ständigen Schamgefühl in der Öffentlichkeit nichts geändert. Ich habe mich im letzten Jahr immer wieder an den Strohhalm geklammert, dass sich das schon alles bessern würde, wenn ich nur noch ein paar Kilo abnehme, aber mittlerweile schwindet dieser Glaube.

In anderen Situationen ist es natürlich noch schlimmer. Ich war bisher auf zwei Partys in meinem Leben. Nach dem zweiten Mal habe ich mir geschworen, nie wieder zu einer zu gehen, weil ich mit der Situation völlig überfordert war und aufgrund der oben beschriebenen Schamgefühle überhaupt nicht aus mir rauskommen konnte.

Naja… Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, warum genau ich das hier jetzt geschrieben habe. Irgendwie musste ich mal meine Gedanken irgendwo abladen, vermute ich.

Bitte entschuldigt meinen chaotischen Text und habt noch einen schönen Tag!
 
Hallo Lion2233,
also ich finde deinen Text völlig verständlich und überhaupt nicht chaotisch 🙂 – hat es dir denn geholfen, deine Gedanken in Worte zu fassen und hier "abzuladen"?

Ich finde es beeindruckend, dass du dein Gewicht so stark reduzieren konntest. Du musst einen starken Willen haben, wenn die Motivation stark genug ist!

Was du über dich schreibst, erinnert mich an einen guten und langjährigen Freund. Der lebt auch sehr zurückgezogen, hat seine Routinen und wenige sozialen Kontakte (die er aber penibel pflegt). Auch wir sehen uns nur alle paar Jahre, telefonieren aber regelmäßig, wenn sich ein Anlass bietet.

Meine Frage an dich wäre, was denn dein Ziel ist? Was würde einen konkreten, sichtbaren Unterschied in deinem Leben machen, damit du deutlich zufriedener bist?

Zum Schamgefühl noch eine Anmerkung: das kenne ich von mir im Ansatz aus Zeiten, als ich länger Single war und frisch umgezogen in einen anderen Stadtteil. Da kannte ich erst auch niemand und war sehr unsicher. Geholfen hat mir, einfach die Nachbarn zu grüßen und wo es passte, auch einen Smalltalk zu halten. Ich bin immer die gleiche Runde zur gleichen Zeit spazieren gegangen, so dass ich auch auf die gleichen Leute traf, die ich dann gegrüßt habe. Das hat etwas geholfen. Aber wie gesagt, ich denke, das ist normal, wenn man alleine lebt und neu in einer Gegend ist (zumindest für einen sensiblen Menschen wie du einer bist). Frage dazu: gibt es da Unterschiede in der Stärke des Gefühls? Gibt es Ausnahmetage, wo es dir egal ist oder wo das Schamgefühl gar nicht auftaucht? Das wäre spannend zu erforschen. Vielleicht hast du schon ein Erfolgsrezept und kannst es öfters anwenden. Immerhin hast du es auch geschafft, dein Gewicht stark zu reduzieren, da könnte es ja mit dieser "Last" auch klappen 🙂
 
Du kannst es schaffen, versuche, dich selber zu öffnen, Kontakte zu suchen, teste dich dabei, lerne auch aus den Reaktionen der möglichen Partner m-w-d. Man muss da zu sich selber zuerst ehrlich sein, Vertrauen in und mit sich selber gewinnen, aufbauen.
 
Hallo zusammen,

irgendwie weiß ich langsam nicht mehr weiter. Ich war schon immer irgendwie introvertiert und habe außerhalb der alltäglichen Verpflichtungen, die man halt so hat, nicht viel unternommen.

Zu Schulzeiten war es schon so, dass ich nach dem Unterricht nach Hause bin und nichts mit Freunden unternommen habe. Am Wochenende war es genauso. Ich war dennoch kein wirklicher Außenseiter. Ich hatte drei gute Freunde (bzw. ich habe drei gute Freunde, daran hat sich bis heute nichts geändert) und bin auch ansonsten mit jedem in meinem Jahrgang sehr gut klargekommen.

Bis heute hat sich daran eigentlich nicht viel geändert. Mittlerweile studiere ich fern der Heimat und lebe alleine in einer kleinen Wohnung. Ansonsten besteht die einzige Veränderung darin, dass ich halt nicht zur Schule, sondern zur Uni gehe und daneben die ein oder andere Alltagsverpflichtung habe, die früher meist meine Eltern übernommen haben - Einkaufen zum Beispiel.

Ich lebe jetzt fast drei Jahre hier, habe mir aber leider noch immer kein soziales Umfeld aufgebaut. Ich habe wie gesagt noch Kontakt zu meinen Schulfreunden, aber wir leben mittlerweile zerstreut in ganz Deutschland, sehen uns also maximal einmal im Jahr rund um Weihnachten, wenn alle in der Heimat sind.

Ich habe immer geglaubt, dass sei so auch in Ordnung für mich, aber mittlerweile bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich das wirklich geglaubt oder mir eher eingeredet habe. Ich gehöre zu den Menschen, die in sozialen Interaktionen eher Energie verlieren, als dazu zu gewinnen. Was nicht heißt, dass ich grundsätzlich nicht gerne mit anderen Menschen zusammen bin. Es wird mir nur schnell etwas zu viel, wenn ich mit vielen Menschen umgeben bin, die ich nicht kenne und nicht einzuschätzen weiß.

Was mich mehr besorgt ist, dass ich mich in der Öffentlichkeit immer sehr schäme - für alles mögliche. Ich habe ständig das Gefühl, dass andere Menschen irgendwie nur darauf warten, dass ich etwas peinliches mache oder mich blamiere. Ich weiß natürlich, dass ich den meisten Menschen egal bin, aber diese rationale Perspektive hilft mir in der Situation nie wirklich weiter. Wenn ich zum Beispiel mit der Bahn fahre, mache ich mir ständig Gedanken darüber, ob meine Haltung gerade irgendwie blöd aussieht. Wenn ich auf eine grüne Fußgängerampel zu laufe, habe ich Angst, dass sie genau in dem Moment rot wird, in dem ich gerade die Straße queren will. Bevor ich die Haustür aufschließe, gehen mir Gedanken durch den Kopf, wie peinlich es wäre, wenn ich dabei dreimal das Schloss verfehle, sollte mich dabei im Haus gegenüber jemand vom Balkon aus beobachten. Es gibt noch so viele weitere Beispiele.

Ich denke, das ist einer der Gründe, warum ich so viel zu Hause bin. Hier gibt es niemanden außer mir selbst, also muss ich mir hier auch keine Gedanken darüber, was andere Leute von mir denken könnten.

Früher dachte ich immer, diese Unsicherheit in der Öffentlichkeit würde verschwinden, wenn ich abnehme. Ich war schon in der Kindheit übergewichtig und habe dann vor 1,5 Jahren mit dem Abnehmen begonnen. Mittlerweile bin ich von 130kg auf 84kg runter. Leider hat das an dem ständigen Schamgefühl in der Öffentlichkeit nichts geändert. Ich habe mich im letzten Jahr immer wieder an den Strohhalm geklammert, dass sich das schon alles bessern würde, wenn ich nur noch ein paar Kilo abnehme, aber mittlerweile schwindet dieser Glaube.

In anderen Situationen ist es natürlich noch schlimmer. Ich war bisher auf zwei Partys in meinem Leben. Nach dem zweiten Mal habe ich mir geschworen, nie wieder zu einer zu gehen, weil ich mit der Situation völlig überfordert war und aufgrund der oben beschriebenen Schamgefühle überhaupt nicht aus mir rauskommen konnte.

Naja… Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, warum genau ich das hier jetzt geschrieben habe. Irgendwie musste ich mal meine Gedanken irgendwo abladen, vermute ich.

Bitte entschuldigt meinen chaotischen Text und habt noch einen schönen Tag!
Ich empfinde Deine Geschichte als verständlich, und würde gerade in Deinem Fall konkret zu einer Verhaltenstherapie raten. Ferndiagnosen sind hier aus guten Gründen nicht erlaubt, aber in diesem Fall - und weil kein physisches Risiko droht - da erlaube ich es mir auch, Deine Furcht vorsichtig und ohne Gewähr als Phobie in der Schnittstelle zwischen Agoraphobie und Soziophobie zu verorten.
 
Naja… Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, warum genau ich das hier jetzt geschrieben habe.
Hi Lion- wie du sehen kannst, beobachtest du dich selber, du erspürst gewisse Gefühle, jene fallen dir auf, jetzt müsstest du dich fragen, WER beobachtet den Lion, der so ist?

Ich habe es so, dass ich mich nicht als jene Holunderzweig identifiziere, ich schau ihr zu, ich versuche sie mit Mitgefühl, mit Geduld, mit Stolz, Freude, Erbarmen, mit Rücksicht usw auf ihre Unzulänglichkeiten, Vorlieben, Ängste etc durchzuschwindeln durch die Tage- so etwa habe ich es.

Ich kenne auch diese Gefühle, die du beschreibst, das ist eher noch eine Kleinigkeit, da gabs schon wesentlich andere seltsame Bewegungen und Vorkommnisse.

Du gehst in den Mokassins des Leos durch die Welt und schaust sie in seinen Augen an, du fühlst mit ihm mit, du erkennst seine Nöte, seine Sorgen, seine Stärken, seine Schwächen, seine Gedanken und Ideen, du hörst seine Selbstgespräche mit, du könntest ihn eigentlich lieben, so wie er macht, statt sein "Schämen" zu tadeln, finds interessant, studiere dieses Verhaltensmuster, achte auf alle Details, schraube daran, finde eine Lösung, wie man das in den Griff bekommen kann, wie man da aussteigen kann.
Schämen ist ein Wesensmerkmal, das wohl jeder kennt. Es ist für mich wie ein Entwicklungsstadium, das man durchmacht, Ausgangspunkt ist Schämen, Ziel ist: sich nicht mehr zu schämen.
Ausgangspunkt ist: "Nicht-Können"- Ziel ist: Können.

"Ich bin wie ich bin, es geht niemanden etwas an, wie ich bin"- traust du dich, trotz angeblich scheeler Gestalten um dich herum locker zu bleiben? Trainiere es.
Ebenso ist das wohl kein Übel, wenn man sich raushält vom "Gesellschaftsreigen"- ich kann bei mir sehen, seit Corona, wo man mal damit aufhören musste, seither habe ich erkannt, das ist gar nicht schlecht, wenn man nicht überall mitmacht und dabei sein muss. Das finden viele, mit denen ich gesprochen habe.
Komm gut durch deine Tage und gestalte sie dir so, wie du es magst.
Lieben Gruß

Holunder
 
Was ist eigentlich das Gegenteil von Schämen?

Ich weiß von mir her, dass ich das als stimmig und sehr gut finde, wenn jemand kein "Beschämter" ist.
Mir gefallen Leute, ich finde jene Menschen viel angenehmer, die vor mir normal auftreten, also nicht wie ein kleines beschämtes Etwas. Mich erleichtert das, mich machts froh, wenn niemand Angst hat vor mir. Frage....wen gibts eigentlich, vor dem man sich schämen müsste?
Ich glaub, dass keiner möchte, dass sich jemand schämt und sich fürchtet vor einem. Wer das tut, was sieht jener in mir? Ich bin doch auch nur wie er, ich bin nicht größer, ich bin nicht besser, ich bin auch nur ein Mensch und ziehe jene vor, die in mich nichts hineininterpretieren, das schlecht ist.

Es mag sein, lieber Lion, dass ein Nachbar aus dem Fenster schaut, aber was du dir über ihn erzählst, das hinterfrage mal. Das ist wenig freundlich, was du dir da ausdenkst und ausmalst von ihm.

Immer wieder sehe ich, jeder ist froh, wenn man normal mit ihm umgeht, mit Freundlichkeit und Respekt leben und leben lassen, wie jeder so ist. Manche sind komisch, aber was gehts uns an.
 
Da kannte ich erst auch niemand und war sehr unsicher. Geholfen hat mir, einfach die Nachbarn zu grüßen und wo es passte, auch einen Smalltalk zu halten. Ich bin immer die gleiche Runde zur gleichen Zeit spazieren gegangen, so dass ich auch auf die gleichen Leute traf, die ich dann gegrüßt habe.

Das ist ein guter Punkt. Gehe da rein @Lion2233, lass deine Scheu beiseite und versuche Alltäglichkeit in dein Leben zu bekommen, auch bei Dingen, die dir nicht so zusagen. Konfrontation mit unangenehmen Situationen. Auch in Gedanken würde ich sagen. Denke etwas anderes, wenn dich mal wieder die Scham packt. Wie wäre Humor? Humor in heiklen Lagen im Geiste.
 
Hi @Lion2233 das mit deinem zunehmenden Schamgefühl, wie Du es beschreibst, ist quasi aus psychischer Sicht gesehen eine Folge davon, dass du zu wenig im Training bist.
Da könnte Verhaltenstherapie oder Gruppentherapie hervorragend helfen mit dem Fokus auf soziale Kompetenzen. Da kann man auch ein paar Mottos trainieren, um sich gedanklich unabhängiger zu machen oder auch für Beziehungen und Kontakte.
Ich habe davon, so gut ich konnte, sehr profitiert, wenn bei mir die sozialen Probleme auch eine andere Ursache haben.
LG
 
Schamgefühl entwickelt sich, wenn wir auf eine Art anders sind, die nicht gesellschaftlich honoriert wird und von Kindesbeinen an mit diesem Anderssein alleingelassen wurden.
Man darf nur unproblematisch anders sein, wenn man z.Bsp. reicher oder attraktiver ist als der Durchschnitt.
Dicker als der Rest ist immer schlecht, weil man dauernd auffällt und beglotzt wird.
Du musst dich für nichts schämen, aber das wirst du über den Verstand wissen.
Jedoch müssen die Kinderwunden noch nachheilen. melde dich in einer Adipositasgruppe an, einem Forum, einem Aquagymnastikkurs o.ä.
Oder versuche, den Schmerz des dicken Kindes gemeinsam mit einem Therapeuten aufzuarbeiten.
Alles Gute dir.
 

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