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'Rückschritt' bzw. 'Stagnation' während Therapie

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Gast

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Hallo

also ich mache seit November 12 eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Währenddessen hatte ich immer wieder Aufs und Abs, wobei es insgesamt echt bergauf ging und vor allem im Mittelteil hatte ich das Gefühl endlich mal wirklich stabilisiert zu sein. Ich dachte dadurch auch, dass ich es quasi geschafft habe und nur ein leichtes Problem gehabt hätte was jetzt aber endgültig vorbei ist. Allerdings bin ich momentan wieder total verwirrt, das Ganze ausgelöst durch eine Entscheidung die ich (wie so oft) übereifrig treffen wollte und als einzigen Ausweg gesehen habe, bei der sich dann doch herausgestellt hat, dass ich sie lieber erstmal nicht so voreilig treffe und von der ich mich dann total distanziert habe, so als hätte nicht ich sie einfach mal fast getroffen, sondern als hätt ich mich da selbst manipuliert... Nunja im Rahmen dieses wieder "zurück auf den Boden- kommens" sind bei mir einige diffuse Gefühle aufgetreten. Vor allem denke ich sehr viel nach und bin durch das viele Nachdenken sehr gehemmt etwas Sinnvolles zu tun, hinzu kommt Selbsthass, Selbstmordgedanken &so. Seit dem merke ich auch bewusst wie ich entweder übergut drauf bin oder eher depressiv drauf bin. Ich hab halt das Gefühl mein Verhalten vllt. ein bisschen zu genau zu beobachten. Was mich hauptsächlich beschäftigt ist, dass ich keine Diagnose bekommen habe von meinem Psychotherapeuten. Ich bilde mir jetzt halt schon fast ein Borderline zu haben, weil einige Symptome darauf passen würden. Ich glaub ich will einfach eine Diagnose haben um mein Verhalten erklären zu können. Jetzt wollte ich von euch wissen gibt es hier mehrere die von ihrem Psychotherapeuten keine Diagnose bekommen haben? Hat das irgendetwas zu bedeuten, zB. dass man gar kein wirkliches psychologisch festgelegtes Problem hat oder ist das einfach nur dazu da um den Klienten nicht so zu etiketieren? Und zum anderen, ist das noch normal, dass ich jetzt während des letzten Drittels meiner Therapie plötzlich so einen "Rückschritt" mache und alles was ich erreicht habe und mich total in Frage stelle? Steigere ich mich vielleicht zu sehr rein? Vor allem frage ich mich halt ob tiefenpsychologisch fundierte T. dann wirklich das richtige Verfahren für mich ist... Kann mir vllt nochmal jemand genau den Unterschied zw. TP und Verhaltenstherapie erklären (ohne jetzt unbedingt die Begriffe zu benutzen, dass es bei der einen um die Vergangenheit und bei der anderen ums jetzt geht)?

lg
 
Eigentlich sind Diagnosen nur dazu da, um eine Abrechnungsmöglichkeit für die Krankenkasse zu haben und damit sich Ärzte untereinander so austauschen können, dass man genau weiß, worüber der andere spricht. Das gibt die Alltagssprache nicht her.

Du bist einfach du. Jeder Mensch hat Borderline-Züge. Jeder Mensch hat depressive Phasen. Jeder Mensch kann eine instabile Persönlichkeit haben.

Wichtig ist es, in der Therapie raus zu finden, wo dein Leid beginnt, was es auslöst und wie du diese Bereiche in deinem Leben so ändern und stärken kannst, dass das Leid ein Ende hat. Borderline ist zum Beispiel nicht heilbar, denn es ist ein "Fehler" in der Entwicklung der Persönlichkeit. Man kann nicht einfach die Persönlichkeit austauschen, aber trotzdem kann man helfen, dass der Borderliner viel besser mit sich klar kommt und weniger von seinen Ängsten bestimmt/kontrolliert wird.

Manchen Menschen hilft es, eine Diagnose zu haben, im Netz nachlesen zu können, sich mit anderen austauschen zu können und du hast durchaus das Recht, deine Therapeutin danach zu fragen. Schau mal, was sie sagt. Du erfährst dann auf jeden Fall, was sie sich dabei gedacht hat.

Dass es in der Therapie immer wieder Rückschritte gibt, ist völlig normal. Darum mach dir keine Sorgen. Es ist ein Prozess und der verläuft nie gradlinig.

Aber du hast durch die Therapie neue Werkzeuge an der Hand. Denk drüber nach - vielleicht auch mit der Therapeutin zusammen - was sich geändert hat. Wie bist du bisher mit diesen Gefühlen umgegangen, wie machst du das diesmal? Du schreibst, du hast die überstürzte Entscheidung nicht durchgesetzt. Wäre das zum Beispiel eine Neuerung gegenüber früher?

Therapie bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich etwas ändert. Wie zum Beispiel bei Borderline. Die werden immer ein Problem mit Distanz und Nähe haben. Aber sie verstehen diesen Zustand besser und haben bessere Werkzeuge, damit umzugehen.


Tuesday
 
Danke für Deine ausführliche Antwort Tuesday.
Dass ich neue Werkzeuge in der Hand habe stimmt auf jeden Fall und das merke ich auch selbst. Dass ich meine überstürzte Entscheidung nicht gleich durchgesetzt habe ist eine Neuerung. Früher hätte ich die Entscheidung wahrscheinlich schneller ohne die Konsequenzen wahrzunehmen getroffen. Allerdings war ich sehr schockiert darüber, dass jemand anders mir die Konsequenzen dieser Entscheidung bewusst machen musste und ich selbst gar nicht drauf gekommen bin. Ich treffe halt immer übereilt, falsche Entscheidungen wenn mich etwas demotiviert weil es schlechter läuft als ich es erwartet bzw beabsichtigt hatte. Dann lasse ich mich ganz schnell entmutigen und neige zu Kurzschlussreaktionen und idealisiere dann alles was mit dieser Entscheidung zusammenhängt. Dass etwas schlecht gelaufen ist heißt für mich dann auch dass alles was damit zusammenhängt schlecht ist, und ich es sowieso vergessen kann. Ich merke dann in solchen Momenten selbst gar nicht, wie stark ich in "alles super" und "alles scheiße" unterteile. Der neue Weg, also die (falsche) Entscheidung ist dann "alles super" und das Alte, wo es eben schlecht gelaufen ist, ist "alles scheiße". Durch dieses Verhalten habe ich mir schon ein paar Wege verbaut. Leider lasse ich mich dann auch sehr von dem was andere über meine Pläne sagen beeinflussen.
Allerdings bin ich schon froh, dass ich das jetzt durch die Therapie besser vorhersehen kann. Vor der Therapie hätte ich vielleicht echt nicht wahrgenommen wie dumm es gewesen wäre einfach die Segel zu hissen und meinen Entschluss durchzuziehen. Außerdem kann ich jetzt erkennen dass wahrsch. eher ich das Problem bin und meine Probleme nicht durch eine fixe Idee gelöst werden können. Wobei mich diese Erkenntnis anderseits auch ins Grübeln versetzt.
 

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