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Reaktion der Mitmenschen im Trauerfall

hippi

Mitglied
Hallo,

seit dem Tod meines Vaters vor zwei Monate habe ich - neben der Trauer - damit Schwierigkeiten, das Verhalten anderer (Freunde, gute Kollegen) zu verstehen, die so ganz anders reagierten, als ich gedacht hatte.

Manche fragen mich gar nicht mehr, wie es mir wegen meinem Vater geht, und reden nur über "Alltägliches", als wäre schon wieder alles wie vorher.

Manche Freunde gehen gar nicht darauf ein, wenn ich von meinem Vater erzähle, oft kommen nur Kommentare wie "das braucht halt Zeit" oder "so ist das Leben", und manch andere wiederum erzählen sofort von ihrer eigenen Geschichte, ohne vorher auf mein Gesagtes einzugehen.

Letzteres ist auch verständlich, wenn man selbst schon sowas erlebt hat, aber ich fühle mich dann überhaupt nicht ernstgenommen, wenn sofort auf deren eigene Geschichte übergegangen wird.

Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht und wenn ja, wie geht Ihr damit um?
Sprecht Ihr die Leute drauf an, oder meidet Ihr den Kontakt?

Ich bin von gewissen Freunden so extrem enttäuscht, dass ich den Kontakt am liebsten ganz abbrechen würde.
Die Personen direkt drauf anzusprechen, wie enttäuscht ich bin, getraue ich mich nicht.

Danke im voraus für Eure Meinungen
Hippi
 
Hallo,

ich fürchte, das sind leider ganz normale Reaktionen. Wir leben in einer Gesellschaft, die das Thema Tod ganz verdrängt hat und die meisten wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen, wenn jemand in ihrer Nähe einen geliebten Menschen verliert.

Es wäre gut, wenn du mit deinen Freunden reden würdest, deine Bedürfnisse vermitteln würdest. Du musst ja keinen Vorwurf machen. Man kann auch einfach sagen, dass man traurig ist, weil einem niemand zuhört, wenn man über den Vater und die Trauer erzählen will.

Wenn du auch dann niemanden findest, der dir zuhört, könnte eine Trauergruppe das Richtige sein. Da ist man mit Menschen zusammen, die einen verstehen, weil sie gerade das Gleiche durchmachen.

Mein herzliches Beileid zu deinem Verlust. Das ist sicher eine schwere Zeit für dich und ich kann verstehen, dass du dich da allein und im Stich gelassen fühlst.


Tuesday
 
hippi,

weisst Du,
jeder Mensch reagiert anderst.

Ich finde es nicht zwingend notwendig,
jemanden auf seine Trauer anzusprechen.

Wichtig ist für mich, dass man über seine Trauer sprechen kann und man dann,
wannimmer man möchte- auch aufrichtig Gehör findet.

Es ist nicht immer wichtig, dass jemand einem standesgemäß sein Beileid ausspricht,
NUR weil es eben so üblich ist. Aufrichtige Anteilnahme spürt man eh-
oder auch nicht!

Es geht vielmehr darum, dass Freunde einem das Gefühl geben,
nicht alleine zu sein.

Ich gehöre auch eher zu den Menschen-
die Anteil nehmen-
aber nicht in der Form des Kondulierens-
sondern eher in der Form-
des Daseins- wannimmer es erwünscht ist-
OHNE mich aufzudrängen!

Zuhören und Dasein für seine Freunde in der Zeit der Trauer-
das ist wichtig!

Vielleicht wissen Deine Freunde nicht wirklich,
wie sie mit Deiner Trauer umgehen sollen.

Könnte auch eine Art Unsicherheit sein.
Und bevor sie jetzt von dem Thema anfangen-
welches für Dich doch so schmerzlich ist-
versuchen sie einfach-
Dich vielleicht ja auch abzulenken.
Wäre jetzt eine Erklärung von mir.

Wobei ich solche Sprüche wie:

"Dauert halt alles seine Zeit" -auch nicht unbedingt für angebracht halte!

Das Schlimmste für einen "Trauernden" ist-
wenn er über seine Trauer sprechen möchte und jemand
einfach durch "Ignoranz" dessen Trauer- abblockt oder ihn kommentarlos übergeht bzw. das Thema wechselt!

Das ist nicht nur schlimm-
sondern auch herzlos!
Und wer immer sich Dir gegenüber SO verhält-
den kannst Du auch kein "Freund" nennen! Denn "Freunde" sind für Dich da-wannimmer Du möchtest
und spüren, wenn es Dir besonders schlecht geht. Sie verfügen über feine Antennen und "schenken" Dir das, was Du in Deiner Trauer am Dringensten benötigst:
"Aufmerksamkeit"!

Denn es tut so gut,
aufrichtiges Gehör zu finden-
in seiner Trauer!

Ich wünsche Dir alles Gute und ganz viel Kraft und Menschen-
die für Dich da sind und Dir Gehör schenken-
in der schwersten Zeit Deiner Trauer!

lg. Sissy
 
Zuletzt bearbeitet:
Klare Worte versuchen!

Als meine Tochter starb,waren die Reaktionen der Umwelt z.T. auch der "Zweit-Schock" .

Aber- es gab diese anderen Reaktionen ,die ich erst später in ihrer Erstaunlichkeit begriff.
(Paar Jahre begriff ich NICHTS,funktionierte maximal,logo).

Meine "Familie" (also "Eltern" u."Geschwister") waren schon in den 7 Jahren des "Wissens" um das unabwendbare Schicksal der Kleinen von z.T. demaskierender Kaltherzigkeit.

Gelinde gesagt. Das ging bis zu deutlichem Gefasel ,es wäre doch BESSER(!),wenn das Kind stürbe. Da stand "das Kind" im Rollstuhl daneben-- nur körperlich "behindert"- geistig völlig klar und spätestens ab dem Alter von 4Jahren auch BEGREIFEND,was da gelabert wurde 😱:mad:

Es war quasi eine "Vortrauerzeit"- die eben auch schon sehr ernüchternde Verhaltensweisen
zu Tage brachte. Paar Dinge verdrängt das Gehirn--zum Glück--und nach und nach fällt mir da viel ein und ich mach mir meine Gedanken.....

Naja- sprich es an- z.B. ,daß Du schon gern ÖFTER drüber reden möchtest, daß es okay ist,wenn jemand seine "Unsicherheit" offenbart--daß Du ja selbst kein "Experte" bist für das Trauern--WER IST DAS SCHON?!

Ich hab die normale reale Hilfe vermißt--vorher und danach.
Nur paar Freunde waren da Lichtblicke - fragten nicht sondern kamen von sich aus mit Hilfe/Kuchen/Zuhören...

Und-- die "völlig Fremden" sind mir am tiefsten in Erinnerung geblieben :

Die Oma eines Mitschülers erbat sich bei mir ein langes Telefonat, als 2 Monate nach meiner Kleinen auch ihr Enkelsohn starb (er hatte sogar die selbe extremst seltene Erkrankung),
das war sehr bewegend und ich fand es ganz stark als Vertrauensbeweis-- und wir kannten uns nicht wirklich persönlich--aber fanden sofort die richtigen Worte -einmalig -halt für ca.3-4 Stunden.

Du erkennst die Freunde in der Not.

DAS wird diese harte bittere Zeit später Dir zeigen.

Ich wünsvhe Dir, daß es wenigstens einen wirklichen Freund gibt für Dich .
Und--daß der ganz niederschmetternde Schmerz nicht zu lange dauert.

Micky
 
Na ja, es kommt auch noch darauf an, inwieweit das Umfeld selbst Erfahrungen mit dem Tod gemacht hat. Nicht jeder hat bereits so einschneidende Erfahrungen damit gemacht. Vielleicht wissen sie auch deshalb nicht, wie sie gescheit mit dir umgehen sollen. Ich z.B. weiß bei meiner Familie auch nicht immer, ob ich sie so direkt auf den Trauerprozess ansprechen soll. Unter Umständen meinen manche aus deinem Umfeld vielleicht auch, dich mit den anderen Themen abzulenken.

Es gibt aber auch Menschen, die, selbst wenn sie so etwas erleben, das gut verdrängen (habe ich auch schon festgestellt, weil ja bei mir in der Familie am 01. März mein Cousin verstarb). Darauf gab es bei uns in der Familie auch unterschiedliche Reaktionen... Meine Cousine (seine Schwester) weinte ständig und musste sich sogar Anti-Depressiva verschreiben lassen, wohingegen alle anderen ihrem gewohnten Alltag nachgehen konnten bzw. sich richtig in die Arbeit stürzten. Okay, es handelt sich dabei zwar um Betroffene, aber man kann selbst bei Betroffenen häufig Trauerverarbeitungsunterschiede erkennen. 🙁
 
Hallo hippi!

Ich vermute, dass Du ein größeres Bedürfnis hast, Dich wegen dieses Themas mit anderen auszutauschen. Die anderen, mit denen Du das versucht hast, haben ein etwas anders gelagertes Bedürfnis.

Entweder mögen sie das Thema gar nicht oder sie sind nicht fähig, sich angemessen mit Dir darüber zu unterhalten und auf Dich einzugehen.

Der Tod ist einerseits noch immer bei einigen ein Tabuthema und es ist ein Thema, das bei vielen eine Art Hilflosigkeit zurückläßt. Sie wissen vielleicht nicht, wie sie sich angemessen mit Dir darüber unterhalten sollen.

Ich denke, dass Du Dir einen kompetenten Gesprächspartner suchen solltest. Entweder jemanden aus Deinem privaten Kreis oder jemand, der das eher professionell macht, zB einen Pfarrer. Auch denkbar wäre vielleicht die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe. In größeren Städten gibt es bestimmt so etwas wie Trauerbewältigungsgruppen oder -seminare.


Meines Erachtens kommt am besten mit Trauer klar, wenn man einen religiösen Background hat. Ich wünsche Dir viel Kraft.
 
Also meine Erfahrung ist dass umso jünger die Menschen sind, umso eher können sie Trauer nicht nachvollziehen. Auch wenn deine Freunde ihn kaum kannten, ist es für sie natürlich schwer deine Trauer nachzuvollziehen.

Kanja
 
Vielen lieben Dank für Eure Antworten und Eure guten Wünsche.

Ich sehe von den Antworten, dass es keine Ausnahme ist, wie die Menschen in meinem Umfeld reagieren.

Sissy73, da kann ich schon bestätigen, dass ich darüber reden möchte, und dann eben so ein ausgeleierter Spruch kommt, oder sofort ein anderes Thema.

EuFrank - danke für Deinen Tip. Ich bin bei einer netten Psychologin, das hilft mir auch zusätzlich sehr, die Zeit der Krankheit meines Vaters zu verarbeiten.
Ich habe mir auch schon überlegt, in eine Trauergruppe zu gehen, aber dazu ist die Hemmschwelle noch zu gross, da es mir schwerfällt, in Gruppen solch privaten Themen zu besprechen.

Es ist wahrscheinlich schon so, dass Tod und Trauer keine beliebten Themen sind.
Es wird ja auch erwartet, dass man im Job wieder voll da ist, wenn der erste Schock vorbei ist.

Allerdings muss ich dazu auch sagen, dass von unerwarteter Stelle sehr viel Mitgefühl und gute Gespräche kamen - so ähnlich wie bei Micky.

Vielleicht sollte ich mich einfach mehr an diese Menschen halten, statt drüber nachzusinnen, warum von gewissen anderen so wenig Verständnis kommt.

Vielleicht ist das auch eine Zeit, in der man merkt, welches die wirklichen Freunde sind und was einem selbst wichtig ist.

Ich finde es auf jeden Fall sehr schmerzhaft, zu erleben, wie manche Freunde reagieren.

Micky, das tut mir sehr leid mit Deiner Tochter. Und auch, dass es so herzlos vor ihrem Tode zuging.
Das habe ich leider auch erlebt, in Gegenwart meines Vaters haben manche Ärzte und anderes Personal so gesprochen, als wäre er gar nicht mehr da, obwohl er bei vollem Bewusstsein und klarstem Verstand war. Sehr schwer, sowas zu verarbeiten.

Liebe Grüsse von Hippi
 
Hallo hippi,

es tut schon weh,
wenn man in einer solchen Situation erkennen muss,
wer wirklich sich freundschaftlich verhält und wer nicht!

Wer Dich durch Deine Trauerzeit "führt"-für Dich da ist und Dich auch ausreden lässt-
Prässenz zeigt und Mitgefühl-
der ist Dein wahrer Freund in der Not!
In solchen schlimmen Momenten-
trennt sich "die Streu" vom "Weizen"-
und man kann erkennen, wer zu einem steht!

Die "Sprüche" wie: "alles brauch seine Zeit...!" etc. können schon eine gewisse Unsicherheit darstellen-
vielleicht haben ja manche noch gar nicht so die Erfahrung von Trauer gemacht.
Mag auch sein.
Der Tod ist und bleibt -
auch hierzulande-
leider ein Tabuthema. Wenige können wirklich damit was anfangen!
Verstehen können einem eh nur Menschen-
die eine solche schwere Zeit selber durchmachen oder durchgemacht haben!

Es ist sicher sinnvoll,
wenn Du Dich an Menschen wendest-
die Dich auch in Deiner Trauer verstehen und Dir zeigen, dass sie für Dich da sind!

Das wünsche ich mir für Dich. Dass Deine Trauer Dir auch zeigt,
wer an Deiner Seite steht und bleibt!

lg. Sissy
 
Hallo,

seit dem Tod meines Vaters vor zwei Monate habe ich - neben der Trauer - damit Schwierigkeiten, das Verhalten anderer (Freunde, gute Kollegen) zu verstehen, die so ganz anders reagierten, als ich gedacht hatte.

Manche fragen mich gar nicht mehr, wie es mir wegen meinem Vater geht, und reden nur über "Alltägliches", als wäre schon wieder alles wie vorher.

Manche Freunde gehen gar nicht darauf ein, wenn ich von meinem Vater erzähle, oft kommen nur Kommentare wie "das braucht halt Zeit" oder "so ist das Leben",

Ich denke, die Menschen sind einfach damit überfordert und wissen nicht wirklich, was sie sagen sollen, sagen dürfen etc. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mich in solchen Situationen auch extrem schwer tue. Trauer ist eigentlich ein Gefühl, das ich nicht wirklich kenne, da mir niemand wirklich nahe steht. Deshalb wäre es absurd zu sagen, dass ich mit einem Trauernden mitfühlen könnte. Es wäre eine Lüge. Ich kann es nicht.

Die Frage, die ich mir auch immer wieder stelle: "Wie verhält man sich richtig, wenn einer im Umfeld trauert?" Ich kann sie nicht beantworten.
 

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