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Rat für Partner eines Trauernden

Bergaeffchen79

Neues Mitglied
Hallo Zusammen,

Ich hoffe hier ein Forum gefunden zu haben indem auch "Außenstehende" Unterstützung bekommen.

Hier meine Geschichte:
Mein Freund hat dieses Jahr 2 schwere Schicksalsschläge erleiden müssen. Ende Mai 2017 ist sein Vater unerwartet und plötzlich nach einem schweren Schlaganfall im Alter von 85 verstorben. Ende August 2017 dann seine Mutter im Alter von 80 nach jahrelangem Kampf gegen den Krebs. Die letzten 2 Wochen haben er und seine Schwestern die Mutter auf ihrer letzten Reise begleitet.

Ich kann nur erahnen wie er sich fühlen muss.
Wir führen aktuell noch eine Fernbeziehung über 240 km aber waren uns sicher das irgendwann ändern zu wollen. Alles war perfekt, keine Wolken am Himmel bis Anfang September.
Er fing an alles in Frage zu stellen - nicht die Beziehung allein sondern Arbeit, Leben, etc.
Mir hat es den Boden unter den Füßen weggerissen. Ich bin ü überhaupt nicht mitgekommen bei dem was auf einmal zwischen uns passiert ist.
Wir hatten zwar zumindest täglich schriftlich Kontakt aber nicht mehr täglich telefoniert.
Ich habe ihm keinen Druck gemacht (zumindest nicht bewusst) und immer wieder gesagt das ich ihm die Zeit gebe die er braucht.
Seine Stimmungsschwankungen haben mich der,echt und ich konnte nichts mehr verstehen. Er hat sich sehr zurückgezogen zu verarbeiten.
Nach 2,5 Monaten haben wir uns endlich wieder gesehen. Es war auch sehr schön obwohl ich gemerkt habe das er innerlich noch sehr mit dem Verlust kämpft. Er spricht auch so gut wie nicht darüber.
2 Wochen später haben wir uns wieder gesehen. Es war ein schöner Kurzurlaub aber er kann mich nicht in Arm nehmen. Er sagte das er die letzten 3 Monate "Gefühlskalt" geworden ist und das tut ihm sehr leid. Er sagt es liegt nicht an mir und das er mich lieb hat aber er kann momentan nicht anders.

Wird das wieder anders? Was kann man tun? Kann ich ihn irgendwie unterstützen? Ich möchte ihn nicht aufgeben auch wenn es mich verletzt. Ist das ein normaler Zustand in der Trauerverarbeitung?
Ich möchte doch nur verstehen was in ihm vorgeht. Ich selber hab zum Glück noch beide Elternteile und habe diese Erfahrung noch nicht machen müssen.
 
Hallo,

ich schreibe dir ein paar Gedanken dazu, was mir mehr oder weniger spontan dazu einfällt.

Für deinen Freund wird wahrscheinlich die Welt zusammen gebrochen sein. Im ersten Moment fühlt man sich im Leben gefestigt, es ist auch unvorstellbar wie es sich anfühlt wenn ein geliebter Mensch stirbt.
Ich kann mir gut vorstellen das dein Freund so gerade erst einigermaßen damit zurecht kam das der Vater verstorben ist.
Da würde ich, auch wenn es im Hinterkopf vielleicht schon vorhanden ist, nicht daran denken das die Mutter auch stirbt.
Dann ist das passiert.
Das ist ein weiterer Schock und verletzt sehr tief.
Das kann schon soweit führen das man alles in Frage stellt. Auch das eigene Dasein, da wir schmerzlich daran erinnert werden das, dass Leben nicht unendlich ist.

Die Trauer ist sehr vielfältig. Sie reicht von tiefem Schmerz, Hilflosigkeit, Taubheitsgefühle (scheinbare Herzenskühle), Verleugnung, über Wut bis hin der Fragestellung der eigenen Existenz.

Helfen kannst du insofern das du ihm den Raum gibst, zb. für Gespräche.
Oder das ihr ein Ritual macht, zb. zwei Kerzen anzünden und das er mit seinen Eltern ein Zwiegespräch führt, oder er schreibt die Gedanken auf und lässt diese mit Luftballons aufsteigen.
Oder er kann seinen Eltern Briefe schreiben und diese zum Grab bringen. Es müssen nicht nur negative Gefühle sein, er kann auch über schöne Erlebnisse schreiben. Wichtig ist das er diesen Brief ganz alleine schreibt um seinen Gedanken und Gefühlen freien Lauf zu lassen.
Natürlich dann auch nur wenn er die Idee gut finden würde.

Wie lange Trauer benötigt um erträglich zu werden das kann man nicht vorher sagen. Das ist so individuell wie das Leben.

Ansonsten bleibt dir nur immer wieder ihm Nähe und viel Zuspruch und Liebe zu geben.

Irgendwann wird der Schmerz erträglicher wenn die Zeit vergeht. Aber auch wenn es scheinbar besser wird, kann sie erneut ausbrechen.


Ich hoffe ich konnte dir ein wenig helfen.

Liebe Grüße
SchwarzeSeele
 
Zuletzt bearbeitet:
Es war ein schöner Kurzurlaub aber er kann mich nicht in Arm nehmen. Er sagte das er die letzten 3 Monate "Gefühlskalt" geworden ist und das tut ihm sehr leid. Er sagt es liegt nicht an mir und das er mich lieb hat aber er kann momentan nicht anders.

Wird das wieder anders? Was kann man tun? Kann ich ihn irgendwie unterstützen? Ich möchte ihn nicht aufgeben auch wenn es mich verletzt. Ist das ein normaler Zustand in der Trauerverarbeitung?
Ich möchte doch nur verstehen was in ihm vorgeht. Ich selber hab zum Glück noch beide Elternteile und habe diese Erfahrung noch nicht machen müssen.


ich habe selbst diese erfahrungen des verlustes (was geliebte menschen angeht) zum glück noch nicht machen müssen, aber ich vermute, dass er um sich rum eine art schutzmauer aufgebaut hat (bewusst oder unbewusst) um mit dem schmerz umzugehen. daraus folgt auch, dass diese mauer auch da ist, wenn ihr euch trefft. wenn ihr euch öfters und nicht nur für ein paar tage sehen würdet, würde das denke ich auf jedenfall besser, und auch so wird es irgendwann für ihn bestimmt möglich sein, diesen wall wieder herunterzufahren.

also um deine fragen zu beantworten,

wird das wieder anders? ich würde sagen, dass dies normalerweise der fall sein wird, wenn der schmerz weniger akut ist

was kann man tun? er könnte sich psychotherapeutische hilfe suchen um mit dem verlust besser umgehen zu können

wie kannst du ihn unterstützen? verständnis entgegen bringen. kein druck, nicht rumjammern weil es dir wehtut, denn eigentlich hast du keinen grund, verletzt zu sein und solltest einsehen, dass du aktuell eben ziemlich hinten anstehst und er der ist, der jedes verständnis braucht

ob es ein normaler zustand ist? jeder mensch ist anders. ich persönlich bin beim trauern (bislang wie gesagt noch nie um einen menschen, sondern "nur" um ein tier, welches mir aber soviel bedeutet hat wie ein mensch) egal ob im grossen oder kleinen, immer besonders sensibel, d.h. schutzmauer gibts keine und ich lasse den schmerz und die tränen zu und freue mich über den trost, den ich dann bekomme, denn er tut MIR gut. bei ihm ist es eben genau andersrum. da hilft nur, wie gesagt, viel verständnis.
 
Danke für die Worte!

Ich hab halt auch Angst etwas falsch zu machen.
Weihnachten steht vor der Tür. Was schenken ohne das er soch bedrängt fühlt. Er hat mich lieb aber ist gefühlskalt (laut seiner eigenen Aussage). Usw.
Vielleicht denk ich auch zu viel. Vielleicht hab ich dadurch zu viel Angst das wirklich alles zerbricht.
Ich gebe mein Bestes ihm die Zeit und den Raum zu geben aber ich bin auch ehrlich das es nicht immer leicht ist und man selbst leidet.

Ich möchte nicht egoistisch klingen. Ich kann die Situation auch nur im Rahmen meiner Möglichkeiten verstehen da ich eben noch nie so eine schlimme Erfahrung machen musste.
 
Bergäffchen, diese Situation ist für dich natürlich auch sehr schwer.
Weihnachten, ja, gerade das Erste ist sehr schlimm. Ich erinnere mich noch daran wie es bei mir war als Opa starb.

Wir haben damals normal Weihnachten gefeiert, aber es war immer ein bitterer Beigeschmack dabei. Wir haben zusammen gesessen und auch gemeinsam geweint.
Dann aber auch über schöne Erinnerungen geredet.
Diese Situation entstand spontan. Wahrscheinlich hat jeder von uns darüber nach gedacht wie das ablaufen soll, aber ich denke man darf sich nicht zu viele Gedanken machen.
Auch da gibt es kein richtig oder falsch.

Liebe Grüße
SchwarzeSeele
 
Jeder trauert anders und auf seine Weise. Du kannst eigentlich gar nichts machen - jedenfalls nicht aktiv. Orientiere dich nach deinem Freund. Will er über seine Eltern reden, rede mit ihn und schwelge positiv in Erinnerungen. Vermeidet er das Thema, vermeide es auch. Wenn jemand trauert richtet man sich am besten immer nach der trauernden Person das hilft am besten. Gebe ihn die Zeit zu trauern. Mehr ist es auch nicht, eure Beziehung ist nicht dadurch in Gefahr! Bedenke die Gefühle deines Freundes und seinen Verlust. Stehe ihm bei und zeige ihm das du da bist wenn er dich braucht. Mehr muss man nicht tun.

Wenn er für sich selbst abgeschlossen hat, kehrt auch wieder normalität ein. Denke aber auch daran, das ein Trauerprozess sehr lange anhalten kann. Ich selbst habe mich dabei erwischt, das ich wieder zwei Tage durchgeweint habe, nur weil ich ein Video gesehen habe. Ich selbst bin eher der Mensch, der für sich trauert und weint. Für außenstehende und meinen Freund ist das schwer zu verstehen. Mein Freund gab mir aber diesen Freiraum und das war für mich eine große Hilfe. Das er sich dabei trotzdem unwohl und hilflos fühlte mich alleine weinen zu lassen, tat mir dann immer sehr leid dabei.
 

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