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Gast
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Hallo liebes Hilferuf-Forum,
ich bin jetzt 24 und seit gut 10 Jahren geht es mir psychisch und damit einhergehend auch körperlich zunehmend schlechter. In der Schule wurde ich lange Zeit ausgeschlossen und gemobbt, bis hin zu gewalttätiger Misshandlung, was ich jedoch schon damals so gut wie möglich vor meiner Familie verborgen habe. Vom Psychoterror habe ich nichts erzählt und die blauen Flecken und übrigen Spuren der Gewalt habe ich mit entsprechender Kleidung überdeckt; zu groß war bereits als Teenager die Scham, vor den Eltern als Versager zu gelten, der sich nicht behaupten kann, zumal ich Einzelkind bin und damit alle Hoffnung auf mir lastet.
Mit 14, 15 wurde mir aufgrund meiner schlechten Situation alles egal und ich hörte auf mir die Haare zu schneiden oder zu kämmen, mir neue Kleidung zu kaufen, mich anständig zu waschen, mein Zimmer außerhalb der Schulzeit zu verlassen etc. Irgendwann sah ich aus wie ein veritabler Waldschrat. Meine Eltern ignorierten das einfach und bagatellisierten es als "Phase", selbst als die Phase mehrere Jahre lang anhielt. Sogar in der Schule wurde ich mehrfach gefragt, wie man mich so aus dem Haus lassen könne; es war also wirklich ein schlimmer Anblick und dass das Jugendamt nicht eingeschaltet wurde, dürfte lediglich der wohlhabenden Wohngegend zu verdanken gewesen sein. Da meine Noten aber trotz mangelnden Aufwandes meinerseits relativ stabil blieben, sah niemand Anlass zur Intervention.
In diesem Zustand legte ich schließlich auch mein Abitur ab: äußerlich ein Penner, innerlich resigniert, null Motivation. Keine Freunde, keine romantischen Erfolge, kein Sozialleben, kein Interesse an irgendwas außer am Vegetieren im eigenen Zimmer. Noch immer kümmerte sich niemand um diesen Umstand und aufgrund meiner Gehemmtheit konnte ich es auch nicht selbst ansprechen. Als ich bei der Musterung wegen meines psychischen Zustandes aussortiert wurde, hielt meine Familie das für einen gerissenen Streich - simuliert, um dem Wehrdienst zu entgehen. So geschockt war ich von ihrer Ignoranz nach all den Jahren offensichtlichen Leidens, dass ich keine Widerworte formulieren konnte.
Obwohl ich seit Jahren in einem seelischen Loch hauste, war für die Eltern nach dem Abi klar, dass ich jetzt studieren solle. Da ich nicht einmal Widerspruch gegen die Lächerlichmachung meiner psychischen Probleme erheben konnte, folgte ich natürlich auch hier kommentarlos ihrem Willen.
Das erste Studium war bereits nach einem Semester vorüber, da ich weder mit der ungewohnten Situation noch mit den Ansprüchen der Hochschule in irgendeiner Form fertig wurde. Meinen Eltern verkaufte ich das als "mangelnde Qualität der Uni". Ich spielte den smarten Sohnemann auf dem Weg nach oben, da ich mir nicht anders zu helfen wusste. Bald wurde das nächste Studium angefangen, drei Semester diesmal, beendet mit einer einzigen bestandenen Prüfung wegen "mangelnder Zukunftsfähigkeit". Langsam wurden die Eltern nervös, aber ich hatte ja schon was Neues parat. Das läuft jetzt ebenfalls seit drei Semestern, akademisch gesehen erfolgreicher als die vorherigen (also mehr als eine Prüfung bestanden, bevor hier zu große Hoffnung aufkommt), aber dem Menschen hinter der Matrikelnummer geht es nach wie vor beschissen. Alles außer dem offensichtlichen Pennerlook ist noch wie beim Abi: innerlich resigniert, null Motivation, keine Freunde, keine romantischen Erfolge, kein Sozialleben, kein Interesse an irgendwas außer am Vegetieren im eigenen Zimmer.
Ich soll demnächst ein Praktikum machen. Das geht nicht. Jedes Warten an der Supermarktkasse macht mich nervös, jedes Losbimmeln der Türklingel lässt mich zusammenzucken. Den Wagnissen eines regulären Arbeitstages bin ich definitiv nicht gewachsen. Allgemein mache ich mir große Sorgen um meine Zukunft. Meinen Bachelor habe ich vielleicht mit 25, dabei noch null Arbeitserfahrung und einen Rattenschwanz an unbehandelten Psycholeiden.
Um eine Therapie zu machen, müsste ich zum Arzt. Der Arzt schickt dann die Rechnung an meine Eltern, weil ich privat mitversichert bin. Meine Eltern lügen sich seit 10 Jahren in die Tasche, dass alles in Ordnung ist. Wie ich ihnen ohne einen riesigen Streit verbal vermitteln soll, dass die Tatsachen anders aussehen, will mir nach all den schlechten Erfahrungen nicht in den Kopf - und beim Gedanken an einen riesigen Streit gibt meine ängstlich-vermeidende Persönlichkeit sofort den Geist auf.
Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. So auf jeden Fall nicht, aber anders halt irgendwie auch nicht. Ich überlege mir, ob ich mich noch ein Jahr bis 25 durchs Studium quälen, dann Hartz IV mit sicherem Anspruch auf Finanzierung der eigenen Wohnung beantragen (als ich zwischen Studium 1 und 2 ein paar Monate bei den Eltern wohnte, wurde ich paranoid und neurotisch wie noch nie zuvor - diese Situation will ich unbedingt vermeiden) und über die gesetzliche Krankenkasse eine Therapie probieren soll. Einen anderen Ausweg sehe ich im Moment nicht.
Seht ihr vielleicht einen?
ich bin jetzt 24 und seit gut 10 Jahren geht es mir psychisch und damit einhergehend auch körperlich zunehmend schlechter. In der Schule wurde ich lange Zeit ausgeschlossen und gemobbt, bis hin zu gewalttätiger Misshandlung, was ich jedoch schon damals so gut wie möglich vor meiner Familie verborgen habe. Vom Psychoterror habe ich nichts erzählt und die blauen Flecken und übrigen Spuren der Gewalt habe ich mit entsprechender Kleidung überdeckt; zu groß war bereits als Teenager die Scham, vor den Eltern als Versager zu gelten, der sich nicht behaupten kann, zumal ich Einzelkind bin und damit alle Hoffnung auf mir lastet.
Mit 14, 15 wurde mir aufgrund meiner schlechten Situation alles egal und ich hörte auf mir die Haare zu schneiden oder zu kämmen, mir neue Kleidung zu kaufen, mich anständig zu waschen, mein Zimmer außerhalb der Schulzeit zu verlassen etc. Irgendwann sah ich aus wie ein veritabler Waldschrat. Meine Eltern ignorierten das einfach und bagatellisierten es als "Phase", selbst als die Phase mehrere Jahre lang anhielt. Sogar in der Schule wurde ich mehrfach gefragt, wie man mich so aus dem Haus lassen könne; es war also wirklich ein schlimmer Anblick und dass das Jugendamt nicht eingeschaltet wurde, dürfte lediglich der wohlhabenden Wohngegend zu verdanken gewesen sein. Da meine Noten aber trotz mangelnden Aufwandes meinerseits relativ stabil blieben, sah niemand Anlass zur Intervention.
In diesem Zustand legte ich schließlich auch mein Abitur ab: äußerlich ein Penner, innerlich resigniert, null Motivation. Keine Freunde, keine romantischen Erfolge, kein Sozialleben, kein Interesse an irgendwas außer am Vegetieren im eigenen Zimmer. Noch immer kümmerte sich niemand um diesen Umstand und aufgrund meiner Gehemmtheit konnte ich es auch nicht selbst ansprechen. Als ich bei der Musterung wegen meines psychischen Zustandes aussortiert wurde, hielt meine Familie das für einen gerissenen Streich - simuliert, um dem Wehrdienst zu entgehen. So geschockt war ich von ihrer Ignoranz nach all den Jahren offensichtlichen Leidens, dass ich keine Widerworte formulieren konnte.
Obwohl ich seit Jahren in einem seelischen Loch hauste, war für die Eltern nach dem Abi klar, dass ich jetzt studieren solle. Da ich nicht einmal Widerspruch gegen die Lächerlichmachung meiner psychischen Probleme erheben konnte, folgte ich natürlich auch hier kommentarlos ihrem Willen.
Das erste Studium war bereits nach einem Semester vorüber, da ich weder mit der ungewohnten Situation noch mit den Ansprüchen der Hochschule in irgendeiner Form fertig wurde. Meinen Eltern verkaufte ich das als "mangelnde Qualität der Uni". Ich spielte den smarten Sohnemann auf dem Weg nach oben, da ich mir nicht anders zu helfen wusste. Bald wurde das nächste Studium angefangen, drei Semester diesmal, beendet mit einer einzigen bestandenen Prüfung wegen "mangelnder Zukunftsfähigkeit". Langsam wurden die Eltern nervös, aber ich hatte ja schon was Neues parat. Das läuft jetzt ebenfalls seit drei Semestern, akademisch gesehen erfolgreicher als die vorherigen (also mehr als eine Prüfung bestanden, bevor hier zu große Hoffnung aufkommt), aber dem Menschen hinter der Matrikelnummer geht es nach wie vor beschissen. Alles außer dem offensichtlichen Pennerlook ist noch wie beim Abi: innerlich resigniert, null Motivation, keine Freunde, keine romantischen Erfolge, kein Sozialleben, kein Interesse an irgendwas außer am Vegetieren im eigenen Zimmer.
Ich soll demnächst ein Praktikum machen. Das geht nicht. Jedes Warten an der Supermarktkasse macht mich nervös, jedes Losbimmeln der Türklingel lässt mich zusammenzucken. Den Wagnissen eines regulären Arbeitstages bin ich definitiv nicht gewachsen. Allgemein mache ich mir große Sorgen um meine Zukunft. Meinen Bachelor habe ich vielleicht mit 25, dabei noch null Arbeitserfahrung und einen Rattenschwanz an unbehandelten Psycholeiden.
Um eine Therapie zu machen, müsste ich zum Arzt. Der Arzt schickt dann die Rechnung an meine Eltern, weil ich privat mitversichert bin. Meine Eltern lügen sich seit 10 Jahren in die Tasche, dass alles in Ordnung ist. Wie ich ihnen ohne einen riesigen Streit verbal vermitteln soll, dass die Tatsachen anders aussehen, will mir nach all den schlechten Erfahrungen nicht in den Kopf - und beim Gedanken an einen riesigen Streit gibt meine ängstlich-vermeidende Persönlichkeit sofort den Geist auf.
Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. So auf jeden Fall nicht, aber anders halt irgendwie auch nicht. Ich überlege mir, ob ich mich noch ein Jahr bis 25 durchs Studium quälen, dann Hartz IV mit sicherem Anspruch auf Finanzierung der eigenen Wohnung beantragen (als ich zwischen Studium 1 und 2 ein paar Monate bei den Eltern wohnte, wurde ich paranoid und neurotisch wie noch nie zuvor - diese Situation will ich unbedingt vermeiden) und über die gesetzliche Krankenkasse eine Therapie probieren soll. Einen anderen Ausweg sehe ich im Moment nicht.
Seht ihr vielleicht einen?