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Probezeit nicht geschafft. Bin ich nun eine Versagerin?

Genau das denke ich auch. Wenn ein Unternehmen als renommiert gilt färbt das oft auf die Selbstwahrnehmung der Beschäftigten ab und führt bis zu unangenehmer Selbstein- oder schlimmstenfalls auch -überschätzung. Das Beste ist dann gerade gut genug und an Newbies werden Maßstäbe angelegt, die diese einfach nicht erfüllen können. Sicherlich gibt es auch Menschen, die es schaffen, sich da durchzubeißen, aber du kannst sicher sein, dass auch viele das sog. Lehrgeld zahlen müssen und du mit deiner Erfahrung nicht allein bist. Wenn du dann noch mit Ängsten behaftet bist kann schnell das Prinzip der Selbstprophezeihung greifen. Hier schon mal ein erster Link, über den du dich dazu einlesen kannst.

Diesen Tipp "Du musst eben selbstbewusster werden" finde ich immer ein bisschen überfordernd formuliert, denn "mal eben" und vor allem ohne Unterstützung finde ich das schwierig. Der Weg über eine Therapie wäre sicherlich ein guter angeleiteter Ansatz, allerdings bekommt man auch die nicht mal so eben, was daran liegt, dass über die Krankenkassen abwickelnden Therapeuten überlaufen und deren Stunden begrenzt sind. Wartezeiten liegen aktuell bei 6 Monaten - mit ganz viel Glück kann man schon mal früher reinrutschen. Also lass dich da lieber gestern als heute auf die Warteliste setzen. Würdest du das privat zahlen hättest du zügig einen Termin - die Stundensätze sind aber nicht ohne und wenn du schon einen Nebenjob brauchst badest du sicherlich auch nicht im Geld. Du sagst, du seiest Studentin. Da könntest du natürlich auch das Beratungsangebot der Hochschule in Anspruch nehmen. Vielleicht haben die noch gute Tipps parat, die dir helfen könnten.

Und noch ein weiterer Hinweis: Es gibt mittlerweile zahlreiche digitale Hilfsangebote, sog. DiGA. Ein Verzeichnis dessen, was hier möglich ist, findest du hier auf den Seiten des Bundesinstituts für Medizinprodukte und Arzneimittel. Persönlich empfehlen kann ich dir den Anbieter Novego, der auch ein Programm bei Angst parat hält. Ich bin in einem großen Konzern beschäftigt und wir arbeiten für unsere Mitarbeiter eng mit unserer Betriebskrankenkasse zusammen, die das Programm ihren Versicherten empfehlen. Am besten sprichst du dazu mal mit deinem Hausarzt, der es dir ohnehin verschreiben müsste - du kannst es nämlich kostenfrei über Rezept bekommen. Lies dich dennoch vorher mal ein, denn leider haben wir schon häufig zurückgespielt bekommen, dass die Hausärzte nicht immer auf dem neuesten Kenntnisstand sind und gerade bei den DiGAs schlecht informiert. Du könntest dann gezielt danach fragen.

Bzgl. deiner Frage nach dem Umgang mit der Info, dass du nicht länger in der Kanzlei beschäftigt bist würde ich mich kurz halten und einfach sagen, dass du festgestellt hast, dass es zwischen euch nicht passte. Sollte jemand dann noch nachfragen würde ich Freunden und Bekannten sagen, dass du das dort sehr unangenehm gefunden hast und nicht mehr darüber sprechen möchtest. Deine Familie sollte eigentlich ein sicherer Hafen sein, vor denen du offen sprechen können solltest. Da kannst du ja sagen, dass sie offenbar nicht die Geduld hatten, dich vernünftig einzuarbeiten und wohl gedacht hätten, du seiest schon viel tiefer im Thema. Ihr hättet dann einvernehmlich entschieden, dass es doch nicht richtig passt. Wenn du Sorge vor Gesichtsverlust hast, könntest du dir hier die Wahrheit ein bisschen zurechtbiegen. M. E. brauchst du den aber nicht zu haben. Scheitern gehört zum Leben dazu. Wichtig ist der Umgang damit - lern einfach daraus und beim nächsten Mal wird es besser. Vielleicht hängst du die Messlatte da einfach ein wenig tiefer und versuchst dich an einer Wald- und Wiesenkanzlei, um langsam in die Aufgaben hineinzuwachsen. Kopf hoch und schau nach vorn - das ist kein Weltuntergang!
 
Danke!
Naja wie gesagt, dass ich an meinem Selbstwert arbeiten soll, mich selbst zu sehr unter Druck setzte usw.
Mein Selbstwertgefühl entwickelte sich mit jedem Tag mehr- man ist doch nicht immer auf den gleichen Stand und überlegt irgendwann völlig anders, nicht mehr aus der Perspektive eines Neulings. Mit der Routine, mit dem immer Geschickter werden geht auch Selbstsicherheit einher.
Diese Schritte von der ersten Stufe bis zur Reife muss doch jeder durchmachen.
Heute so, morgen anders. Das Leben ist nichts für Feiglinge.
Mut kommt, wenn man trotz Angst etwas bewältigt und sei es bloß ein Ei zu zerschlagen für den Sonntagskuchen, oder mit unterschiedlichen Socken aufzutauchen- na und...? Bedeutet das meinen Tod..?? Natürlich nicht.
Es wird dir irgendwann auffallen, dass alle auch nur Menschen sind nicht größer sind wie du, aber auch nicht kleiner.
Mir hat immer geholfen, ohne Zeugen etwas zu lernen- für mich selber zu üben. Bei jemand, der von strengen Augen beobachtet wird kann alleine wegen dem Unsicherheit entstehen- die könnte man aber auch hinterfragen- wer ist der schon, der tut, als wäre er einen Kopf größer..alles nur Gehabe, alles nur Theater.
Übrigens, steh dazu, wenn du etwas nicht zuwege bringst, sie sind deine Ausbildner und haben die Pflicht, dich geduldig einzuarbeiten und gegebenfalls musst du geduldig immer wieder erklären und zugeben, bis jetzt hast du noch nicht geschafft, mir zu zeigen, wie es geht...was ja auch von dir vergeben werden muss- keiner ist perfekt, so sind wir halt... nicht echt schlimm.

Ist Selbstvertrauen nicht eigentlich vorwiegend, niemand und nichts wirklich ernst zu nehmen, nicht mal sich selber? Ich schüttle heute dem Überoberboss von einer Überoberfirma nicht mehr ehrfürchtig die Hand, weiß ja, dass er privat der Hansi ist, mit Pickel am A- oder mit der Unfähigkeit einen Wasserhahn anzuschließen- hier so, dort anders. Du hast garantiert etliches schon bewältigt, das sehr groß ist und vor allem, das wirst du noch- warte ab. Deine hohen Zeiten kommen noch.
 
eine der Vorgesetzten sprach nochmal 30 min mit mir darüber, dass sie den Verdacht hat, dass ich Asperger-Syndrom habe
Nur mal angenommen du bist Asperger, dann kann dir nichts besseres passieren, als es so früh wie möglich, nämlich am Anfang deiner Berufskarriere, zu erfahren, damit du dich darauf einstellen und deine berufliche Zukunft entsprechend planen kannst. Du würdest dir viele Jahre der Tränen und des Seelemschmerzes ersparen. Mach dich mal im Netz über Asperger schlau und mach ein paar online Tests, und wenn du dich auch nur annähernd damit identifizieren kannst, dann lasse dich von Fachleuten testen. Du kannst vom Ergebnis nur profitieren.

Wie bei deiner Vorgesetzten gibt es auch in meinem engsten Umfeld Asperger Betroffene. Wenn ich bei jemandem auch nur den Hauch einer Parallele zu Asperger vermute, dann werde ich hellhörig und beobachte diese Person genau. Sollte sich meine Vermutung erhärten, bin ich weg, denn ich komme mit ihnen nicht zurecht. Keine Chance.

Deiner Vorgesetzten kann es egal sein ob du Asperger bist oder nicht. Sie wusste eh schon, dass das Arbeitsverhältnis aufgelöst wird und sie würde dich nicht mehr wieder sehen. Deshalb glaube ich, dass sie mit dir darüber geredet hat weil sie dir helfen wollte. Sie kennt die typischen Symptome und sie weiss, wie sehr Betroffene leiden und mit welchen Schwierigkeiten diese zu rechnen haben. Beruflich wie auch privat. Sie hat es gut gemeint.

Rede mit deiner Familie offen über den Vorfall, aber auch über den Asperger Verdacht. Sie kennen dich am besten und sie werden dich unterstützen. Wenn du das in dich hinein frisst, tust du dir keinen Gefallen.
 
Hallo!

Ich bin 21 Jahre alt und derzeit Studentin. Mir ist am Montag etwas passiert was mich immer noch wahnsinnig belastet.

Fangen wir an: ich studiere im Bereich Wirtschaft und habe mich im November auf eine Stelle in einer sehr angesehenen Kanzlei beworben. Nach ein paar Tagen wurde ich bereits telefonisch zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Ich freute mich sehr und ging natürlich hin. Das Gespräch verlief mega. Es dauerte ungefähr eine Stunde und alle waren sehr nett und umgänglich. Es waren zwei Vorgesetzte und eine Dame der Personalabteilung anwesend. Am Tag danach bekam ich einen Anruf, dass sie mich gerne im Team hätten. Ich hatte dann noch einen Schnuppertag und bekam direkt meinen Dienstvertrag ausgehändigt.

Im Jänner dieses Jahres ging es dann los. Ich fing meine Arbeit an (Teilzeit, neben dem Studium) und anfangs war auch alles in Ordnung. Allerdings muss ich erwähnen, dass ich starke Versagensängste und Selbstzweifel habe. Deshalb zuckte ich häufig zusammen wenn Vorgesetzte mit mir sprachen. Einmal begann ich als ich alleine im Büro war zu weinen, weil ich mich wo nicht ausgekannt habe. Ich hatte dauernd Angst die Probezeit nicht zu schaffen, was dazu führte, dass ich ständig Angst hatte Fehler zu machen. Letzte Woche am Freitag hatte ich dann ein Gespräch mit den beiden Vorgesetzten welches relativ lange ging. Es ging um Fehler die ich gemacht habe, mein Selbstbewusstsein, ungenaue Zeiterfassung etc. Sie empfahlen mir bestimmte Bücher und Podcasts. Anschließend sagten sie: Schönes Wochenende, bis Montag.

Ich hatte das ganze letzte Wochenende ein sehr ungutes Gefühl und panische Angst vor Montag. Ich weinte sehr viel und zog mich stark zurück. Am Montag kam ich dann ins Büro und eine der Vorgesetzten sprach nochmal 30 min mit mir darüber, dass sie den Verdacht hat, dass ich Asperger-Syndrom habe. Sie sagte dann noch, dass ich in mein Büro gehen soll und mir bestimmte Einschulungsvideos nochmal anschauen soll. Ich tat das mit einem unguten Gefühl. Am Montag um ca. 12 Uhr fragte mich die andere Vorgesetzte wie lange ich heute da bin. Ich sagte: Bis 13:30 Uhr, warum?. Darauf hin meinte sie: Alles gut, ich frag meine Leute öfter mal wie lange sie da sind. Nur damit ich planen kann.

Um 13 Uhr kamen die beiden zu mir ins Büro mit den Worten: Wir haben leider keine guten Nachrichten für dich. Sie lösten mein Dienstverhältnis auf. Ich war wahnsinnig traurig, versuchte sie umzustimmen, aber es brachte natürlich nichts. Sie sagten mir, dass sie das am Freitag entschieden hatten.

Ich habe noch mit niemandem darüber gesprochen, schäme mich sehr , aber war nicht untätig und habe Bewerbungen geschrieben. Ich habe nächste Woche zwei Vorstellungsgespräche.

Wie soll ich mit Familie und Freunden darüber reden? Wie soll ich generell mit der Situation umgehen? Wie findet ihr das Verhalten der beiden Vorgesetzten? Habt ihr ähnliche Erfahrungen?

Liebe Grüße
Danke!
Mach dir bitte keinen Kopf, so etwas ist wirklich nichts Ungewöhnliches. Das Wichtigste ist, dass du Erfahrungen gesammelt hast. Daran wächst man, und beim nächsten Mal wirst du vieles schon sicherer angehen.
Ich finde auch, dass das Verhalten der Vorgesetzten nicht in Ordnung war. Sie hätten dir direkt Bescheid geben können. Stattdessen dich einfach mit dem Asperger-Syndrom zu diagnostizieren, ohne Grundlage und ohne Gespräch, geht gar nicht. So etwas steht ihnen nicht zu.

Dass dich das verletzt und traurig macht, ist absolut verständlich. Mir ist auch schon Ähnliches passiert, ich wurde ebenfalls bei mehreren Jobs gekündigt. In dem Moment tut das sehr weh, aber dieses Gefühl vergeht mit der Zeit.
Setz dich bitte nicht unter Druck. Du stehst noch am Anfang deines Berufslebens, und Unsicherheit gehört ganz normal dazu. Das sagt nichts über deinen Wert oder deine Fähigkeiten aus.

Ich bin mir sicher, dass du bald etwas Neues findest. Und bitte schäm dich nicht, dafür gibt es wirklich keinen Grund 🙂
 
Liebe TE,

fühl dich erstmal umarmt! Auch ich hatte mal die Probezeit nicht überstanden und kenne das Scham-Gefühl. Es bringt dir nichts zu sagen: Sei das nächste Mal selbstbewusst. Ist ähnlich zu sagen: Denke jetzt nicht an einen rosafarbenen Elefanten.

Diese Zweifel und Angst vor Fehlern kenne ich sehr gut. In meinem Fall liegt es daran, dass ich meinen Selbstwert über Leistung und externe Anerkennung definiere. Und wie viele dieser Probleme hat es mit der eigenen Kindheit zu tun. Das braucht Zeit, um damit klar kommen.

Zunächst würde ich vorschlagen, dass du dich mit den Ursachen deiner Selbstzweifel auseinandersetzt. Hast du schon mal über eine Therapie nachgedacht? Das hilft, damit diese Gefühle dich handlungsunfähig lassen . Dafür braucht es Zeit und es ist keine Schande Hilfe zu holen.

Die Tatsache, dass du weitere Bewerbungen geschrieben hast, zeigt „In dir steckt eine Kämpferin“. Ein Teil von dir glaubt an dich - und das ist schon mal mehr als positiv! In einer Therapie könnte man darüber reden, wie du öfter diesen Teil deiner Persönlichkeit bedienen kannst.

Übrigens haben sich in meinen Augen deine Vorgesetzte sich sowas von unprofessionell verhalten, indem sie dir irgendwelche Diagnose gegen den Kopf geworfen haben. Liest sich nach Menschen mit viel Meinung bei wenig Ahnung. Zeichen einer schlechten Führungskraft. Das wirst du noch nicht merken, aber mit mehr Erfahrung wirst du die erkennen, dass du mehr als froh sein kannst, dass du nicht mehr dort bist.

Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft!
 

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