Also katholische Religion als Fach, finde ich in Ordnung, im Sinn von Religionswissenschaft. Dass man dabei aber glauben muss, finde ich übertrieben. Hebammen müssen ja auch nicht schwanger sein, um zu praktizieren. Naja, ist jetzt vielleicht nicht der ideale Vergleich...: )
Ich würde ja sofort zu Philosophie wechseln, wenn ich du wäre, bzw. wenn du schon überhaupt in die Richtung fragst.
Was macht man da? Meist geht das so, dass man da Texte von Philosophen und Philosophinnen bespricht. Oder solche Texte zum Anlass nimmt, die darin vorkommenden Begriffe durchzudenken. Es geht darum, das Denken an sich zu schulen und zu reflektieren. Typisch ist, sich mit wenig Text ausführlich zu beschäftigen. Es geht darum, was ein Begriff ist, was Logik ist, was Ethik ist, was Sprache ist. Was die Essenz von allem ist. Philosophie gehört zu den reinen Geisteswissenschaften, das heisst, man schafft sich durch Denken Erkenntnisse, nicht durch Empirie oder Statistik. Trotzdem würde ich Philosophie eher in die Nähe von Mathematik als von Religion setzen.
In der Philosophie muss man nicht an Gott glauben. Man sollte sogar bereit dazu sein, eine Meinung anzuzweifeln und seine Meinung zu begründen. Andererseits kommt man auch in der Philosophie nicht um Gott herum, denn es gibt in der Philosophie keine ausgeschlossenen Themen. Oder anders: Gott ist ein Thema von verschiedenen Themen in der Philosophie. Weil die Philosophie sich mit so grundlegenden Dingen wie dem "Sein" oder dem "Handeln" beschäftigt, kommen manche Philosophen dazu, sich in eine Philosophie leidenschaftlich zu "verschiessen", also alle Macht aufzuwenden, andere Arten von Philosophien zu entkräften und die eigene Philosophie als die einzig mögliche herauszuarbeiten. Also die Philosophen glauben durchaus, nämlich an die Philosophie. Da aber alle Argumentieren müssen, die philosophieren, haben alle so ein bisschen gleich lange Spiesse.